Das Westentagebuch des Otto Kraz

 

20. Februar 2016

Mensch Tagebuch

Die Taschen der Februarweste sind noch immer nicht angenäht. Dafür habe ich kurz mal zwischenrein für meinen Enkel eine Wendeweste gekrazt, an die er sein Laserschwert anbringen kann. ist der totale Master Yoda-Fan. Und verrückt. Der Schnitt funktioniert auch hier. Einfach proportional verkleiner und fertig. Wenden funktioniert wunderbar,

Ich werde noch zum richtigen Designer. :-) Jawoll.

Otto

 

14. Februar 2016

Hochverehrtes Tagebuch

Nun liegt diese zerschnittene und wieder als Oberstoff-Schnitt zusammengesetzte Lieblingsjeans von mir seit einer guten Woche auf dem Zuschneidetisch. Ich habe mich inzwischen für einen schlichten feingestreiften dunkelblauen Futterstoff entschieden und bei stoffe.de bestellt. Aber ich habe einfach noch keine Entscheidung getroffen, wie ich die Taschen anordne, wie groß ich sie machen will und wie viele ich annähen will. Habe ja auch noch etwas Zeit.

Ist aber ein spannender Prozess. Jeden Tag komme ich dem Ziel näher.

Dein Otto Kraz

 

7. Februar 2016

Geschätztes Tagebuch

Wir sind nun tatsächlich seit einem Jahr auf der Blauzahn unterwegs. Als wir lossegelten, waren Wilde Westen nur eine vage Idee. Ein witziges Spiel. Ein Projekt in den Kinderschuhen. Inzwischen steht ein eigener Grundschnitt. Existiert ein Baukasten. Alles komplett selbst entwickelt und getestet. Genau das war der zentrale Spaß für mich selbst bisher an dieser Geschichte. Die Menschen um mich herum schüttelten zuerst den Kopf. Aber mit der Zeit mussten sie feststellen, dass die Westen, die am Anfang  - noch ohne jegliches Futter - tatsächlich wild und für den Normalmenschen nicht tragbar waren, sich Monat für Monat in ein Kleidungsstück verwandelten, das immer tragbarer wurde.

Inzwischen werde ich tatsächlich sehr oft gefragt, wo ich denn diese Weste gekauft hätte. Ein Hochgenuss für einen Jungdesigner. :-)

Ich kann inzwischen auch selbst begeistert feststellen: Ich trage nur noch meine eigenen Westen .... je nach Lust und Laune ... ich besitze ja jeden Monat eine mehr. :-) Aber eigentlich trage ich meine eigenen Westen erst, seit ich den eigenen Schnitt entwickelt habe.

Am liebsten ist mir zur Zeit meine kuschelwarme Upcycling-Weste aus meiner alten grün-beigen BOSS-Breitcordhose. So bequem. Wie eine zweite Haut. Und so viel Platz für alles, was man für den Tag benötigt.

Otto

 

30. Januar 2016

Liebes Tagebuch

Klar habe ich meine Januarweste erst einmal selbst herumgetragen. Wie sie auf Menschen wirkt. Durch die Farbigkeit fällt sie natürlich viel mehr auf als meine letzten Westen. Mit waren am Ende die drei roten Öffnungen auf jeder Seite dann doch zu viel. Deshalb Klappe die erste. Einfach zwei Klappen zuschneiden - samt Futterstoff. Drumrumnähen, umstülpen, drannähen. Fertig. 

Otto

 

24. Januar 2016

Liebes Tagebuch

Ich habe diese alte Taschen-Idee jetzt zum ersten Mal umgesetzt. Der Kraz'sche Taschentrick: Schneide ein paar Löcher in den zugeschnittenen Oberstoff und nähe sie um. Dann geht das Ding genauso wie immer. Oberstoff auf Futter heften. Einmal drumrum nähen. Umstülpen. Immer wieder bügeln, das vereinfacht das Arbeiten. Und dann: Die Taschen einfach dadurch erzeugen, indem man sie umnäht. Mit farbigem Faden, wenn man - wie ich bei der Januarweste - die Tasche optisch abheben will.

Otto

8. Januar 2016

 

Liebes Tagebuch

 

Da bin ich nun seit vier Monaten pensioniert und seit vier Tagen zum dritten Mal Opa. Und seit zehn Monaten mit einem guten Freund auf einem riesigen Einmaster in einer Geschichte rund um ältere Herren unterwegs und seit Weihnachten Betreiber eines Online-Shops. Wilde Westen. Schon etwas schräg. So mancher schüttelt ungläubig den Kopf. "Hää? Der alte Mann soll doch die Füße hochlegen und zufrieden sein, dass er seine Pension bezieht. Chillen. Genießen. Reisen. Den Garten pflegen. Das Haus richten. Aber einen auf Westendesigner machen? Wie schräg."

 

Liebes Tagebuch

 

Sie mögen ja schon recht haben, diese manchen. Aber ich stelle einfach fest: "Selbstständiger Kreativer mit Grundgehalt" fühlt sich für mich ganz persönlich viel besser an als "Pensionär". Und mal ganz ehrlich: Ich wäre ja doof, wenn ich nicht auf dieses bessere Gefühl setzen würde. Für was habe ich all die Jahre von diesem "wenn ich nur genügend Zeit hätte, dann würde ich ..." geträumt. Deshalb: Klar bin ich ein waschechter Westendesigner. In echt. Meine Schnitte sind Otto Kraz pur. Auch wenn es den Markt noch nicht wirklich gibt, weil noch niemand diesen Trend ins Leben gerufen hat. Wahrscheinlich werde ich irgendwann böse kopiert, aber das ist mir schnurz. Keine Sorge, meinem Freund Pet Bär und mir reicht unsere klitzekleine Nische. Mit unserem klitzekleinen Laden in der Cloud. Mit einer klitzekleinen Zahl an zufriedenen Kunden. Die ein wunderbares unschlagbares Geschenk für ältere Männer ab 30 gefunden haben. Ich stehe klar zu meiner Aussage als Jungdesigner: Der Mann braucht Wilde Westen. Also nicht diese gehübschten Drunterzieher, die so neben Anzügen natürlich zuhauf wie fast alles Tragbare in China&Co gefertigt werden. Nein, ich meine die Taschen zum Drüberziehen. Die individuelle Selbstgefertigte. Die Ist-doch-egal-ob-die-Naht-genau-stimmt-Weste, Hauptsache ich fühle mich sauwohl drin. Und ruhig auch, weil niemand meinen kleinen Wohlstandsbauch unter meinem Drüberhänger vermutet.

 

So liebes Tagebuch. Jetzt soll erst mal genug sein. Nächste Woche mehr.

 

Dein Otto

Piratenphilosophie

Wilde Westen

Liebe Leserin, lieber Leser

Also Happy End. Sie haben es gelesen. Unser Autor hat uns wohlbehalten aus der "Seeschlacht" herausgeführt. Gegen 700 Jahre Lebenserfahrung konnten diese jungen Piraten am Horn von Afrika nun doch nichts ausrichten. Eine Niederlage wäre ja auch zum jetzigen Zeitpunkt ganz schlecht gewesen. In punkto Firma gründen. Sie erinnern sich an das letzte Kapitel? Geschenk-Leben? Diese Träume? Firma gründen, Bücher schreiben, beraten? Also Firma gründen, das sollte man natürlich nur nach einem Erfolgserlebnis. Man braucht den Rückenwind. Nach einer gelungenen Seeschlacht kann man ein Start-Up besser setzen. Start-Up im Geschenk-Leben. Muss das denn sein? Fragen Sie? Natürlich nicht. Keine Sorge, das ist nur so eine individuelle Sache. Ich zitiere einmal aus der Biographie vom Sohn des Urgroßvaters von Otto Kraz. Nein nicht von seinem Opa. Von seinem, wie sagt man da? Großonkel? Also sein Urgroßvater. Schneidermeister. 10 Angestellte, großes Ladengeschäft, vor 125 Jahren. Dann die Wirtschaftskrise. Alles geht flöten. Und am Ende:

Ich zitiere einmal aus der Biographie des Großonkels von Otto Kraz. Die wichtigen Passagen für die Gründung des Labels Wilde Westen sind fett markiert.

" ... 1891, ich war 4 Jahre alt und kann mich gut erinnern, dass wir eine grosse schöne Wohnung hatten, dazu ein Ladenlokal mit 2 Schaufenstern, für die damalige Zeit alles modern eingerichtet, grosse Stofflager im Laden, mit den modernsten Stoffen. Es wurden ca 10 Gehilfen beschäftigt, 3 Lehrlinge und 2 Zuschneider. Das Geschäft florierte, wie man es sich besser nicht denken konnte. Inzwischen waren auch meine Schwester Marta und Emma angekommen. Meine Mutter hatte eine Köchin, ein Kindermädchen,eine Putzfrau u.s.w. , denn die Gehilfen und Lehrlinge wurden mit mi Hause beköstigt. Mein Vater besuchte nur die Kundschaft und hatte mehr wie genug zu tun. Oft hatten wir Besuch von den reichen Fabrikanten und es wurden feucht fröhliche Feste gefeiert. Mein Vater immer tonangebend gekleidet, mi Winter mit Pelzmütze und Pelzmantel – man nannte ihn “den schönen Schneider”. Er pflegte seine Kunden, die Fabrikanten, gut zu bewirten und diese gaben Aufträge noch und noch.....

 

1892, ich sehe meine Mutter weinend umhergehen. Im Laden steht der Gerichtsvollzieher, versteigert die schönen Stoffe, versteigert ferner die schöne Wohnungseinrichtung. Das Unglück ist über Nacht gekommen. Eine furchtbare Absatzkrise hat sich in der Velberter Schlossfabrikation eingestellt, von der kein Fabrikant verschont blieb. Diese mussten ihre Zahlungen einstellen und blieben auch ihrem Schneider, meinem Vater, das Geld schuldig. Und dieser wurde nun unschuldig in das Unglück herein gerissen. Er kannte sich gut aus in seinem Beruf, war tüchtig, aber kaufmännisch vollständig unerfahren. Er wollte in Velbert nicht mehr bleiben, weil er dort gut angesehen war und zog Ende 1892 nach Steele a.d. Ruhr, mietete dort eine 3-4 Zimmer Wohnung und wurde Zuschneider in einem Massgeschäft. Nun waren die Verhältnisse von Grund auf umgestellt. Ein Mädchen zu halten, war bei dem bescheidenen Verdienst , den mein Vater hatte, unmöglich und meine Mutter musste von da ab alle Arbeiten, welche mit Haus und Kindern verbunden war, selbst verrichten. Mein Vater hat den Schicksalsschlag nie verwinden können und ist bis an sein Lebensende aus den kleinen Verhältnissen nicht wieder heraus gekommen. Er konnte es nicht verstehen, dass ihm das  Schicksal einen solch bösen Streich gespielt hatte.  Er war unzufrieden mit sich und der Welt und hatte oft Differenzen mit seinen Arbeitgebern ....

 

Ende 1893, während wir in Steele noch in einem kleinen, schönen Gartenhaus unsere Wohnung hatten, kamen wir in Essen in einer Mietskaserne unter, wo mindestens 12 Familien wohnten. Mein Vater verlegte sich darauf, Westen in Heimarbeit zu machen. Dabei half ihm meine Mutter und teilweise wurden auch Gehilfen beschäftigt, aber die Zeiten waren damals so schlecht und die Löhne lagen so tief, z.B wurde für eine Weste 2,50 – 3 Mark bezahlt und in 10 -12 stündiger Arbeit konnten höchstens von Vater und Mutter 1 ½ Weste angefertigt werden, so dass an ein geregeltes Auskommen nicht zu denken war.Der Vater wechselte deshalb seinen Beruf und ging eine Zeitlang zur Kruppschen Fabrik. Aber auch dadurch wurde es nicht besser, vielmehr gingen die Verhältnisse immer mehr zurück. Die erste Folge davon war, dass die monatliche Mite nicht gezahlt werden konnte.

 

Dezember 1894. Es schneit und stürmt und wir sitzen mit unseren elenden Möbeln auf der Strasse. Der Hauswirt Piepenbrock in der Unionstr. hat uns mit dem Grichtsvollzieher heraus gesetzt.,weil wir drei Monate die Miete schuldig geblieben sind. Bei den damals herrschenden Zuständen war der Hausinhaber in der Lage, ohne weiteres Gerichtsurteil den Mieter innerhalb von 24 Std vor die Tür zu setzen......"

 

Liebe Leserin, lieber Leser

Begreifen Sie nun, warum Otto Kraz sein Geschenk-Leben noch mit der Gründung des Labels Wilde Westen füllen muss: Na klar. Sein Urgroßvater Louis Zimmermann konnte den Schicksalsschlag nie überwinden. Da treibt einen doch das Schicksal beinah vollautomatisch in solch eine Lage. Wenn Otto Kraz dereinst ins ferne Sternental abfliegen wird, dann will er einfach eine gute Nachricht an seinen Urgroßvater mitnehmen: "Louis, ich habe deine Schmach von damals wieder ausgebügelt, wenn's recht ist." würde er ihm dann gerne entgegenrufen. "Ich habe wunderbar einfache Westenschnitte mit vielen Geschichten verbunden und mit genauer Anleitung zum Selbstnähen für 2,50 bis 3 Euro in meinen Download-Shop eingestellt, die man Männern mit Bauchansatz zum Sechzigsten in einer der Ernsthaftigkeit des Augenblicks entsprechenden wundervollen Geschenkverpackung samt wilden Stoffen mit folgenden Worten überreichen kann: "Lieber Jubilar. 5 Jahre vor dem Beginn deines Geschenk-Lebens ist genau dies die genau richtige Aufforderung: Näh dir eine wilde Weste, lese ein wenig von den Nordstrandpiraten und mache dir schon mal Gedanken über dein eigenes Geschenk-Leben. Es erscheint dir jetzt noch in sehr weiter Ferne, aber am Ende wird es plötzlich vor der Türe stehen und dich fragen: Was machen wir denn jetzt zusammen?"    

"Und Louis", würde Otto dann sagen - also dort im fernen Sternental - "ich habe tatsächlich mehr als 12 Westenschnitte verkauft. Und mit einem Dutzend, sagt man, ist so eine Schmach wie deine von damals, vom Tisch."

Und dann würde ein Strahlen über das Gesicht von Urgroßvater Louis gehen und er würde Otto umgehend in seine Lieblingskneipe schleppen oder wie man solch einen Ort im Sternental eben nennt, an dem man gut abgelagerten und wundervoll mundenden Rotwein bei gutem Rock'nRoll trinken kann, um mit ihm über den Erfolg anzustoßen. Also dort im fernen Sternental. Sie wissen schon.

Liebe Leserin, lieber Leser

Soweit einmal die Hintergrundgeschichte zu den Wilden Westen.

Lassen Sie sich überraschen.

www.wilde-westen.com bzw www.wildewesten.com   ist in Vorbereitung

 

 

Das Geschenk-Leben

Liebe Leserin, lieber Leser. Es ist an der Zeit, die ganze Story noch einmal Revue passieren zu lassen. Immerhin läuft sie schon über 30 Wochen. ... Da läuft ein riesiger Einmaster aus. Nordstrand. 10 Männer über 60 an Bord. Hochtechnisiert das Ganze. Deshalb funktioniert die Idee: Steck mal 10 alte Männer nach einem kompletten Leben zusammen auf ein Boot, ohne dass sie sich vorher kennen und lass sie um die Welt segeln. 600 Jahre Lebenserfahrung auf einem einzigen Schiff. Was wird sich da entwickeln? Seit 30 Wochen halten sie sich tapfer. Haben ihre erste wirklichen großen Herausforderung hinter sich. Einer ist seit Beginn der Reise gestorben, drei sind hinzugekommen. Ein mysteriöser Sponsor finanziert das Ganze. In der realen Welt ist die Story verknüpft mit der Umsetzung von  ein paar uralten Ideen:

Fahren zwei Männer in jungen Jahren mit dem Fahrrad auf Nordstrand an der Nordsee und diskutieren immer wieder ihre Träume, was sie einmal tun würden, wenn sie Rentner wären. Wilde Träume. Großartige Gefühlswelten beim Träumen von der weit entfernten Zeit. Klar: Firma gründen, Bücher schreiben, junge Menschen beraten... alles ist möglich, wenn die Zukunft noch mehr als 5 Jahre entfernt ist. Ist sie nur noch 2 Jahre entfernt, fühlt sie sich schon ziemlich wirklich an. Und die Träume fangen an, sich auf die Wirklichkeit herunterzubrechen. Wie tragbar werden sie sein? Firma Blauzahn. Wir schreiben digitale Bücher. Und wir beraten jüngere Menschen. Also sagen wir mal Sechzigjährige. 5 Jahre vor dem Beginn dieser Traumwelt, die dann plötzlich vor der Tür steht und meint: "Und jetzt? Was machst du jetzt mit mir? Ich bin immerhin ein Geschenk-Leben." Geschenk-Leben? Dazu später. Zurück zur Story. Unser Schiff wird verfolgt oder wie immer man das nennen will. Genau weiß man bisher nicht, warum. Man ahnt, dass die Verfolger dieselben Interessen haben wie der Sponsor: Was machen 10 alte erfahrene Männer auf einem Einmaster mit dem Geschenk-Leben? Und dann einfach Alltag auf einem Schiff. Zusammenwachsen von einem Dutzend männlichen Lebenserfahrenen. Warum keine Frauen? Fragen Sie den Autor. Vielleicht will er die sonst immer alles überlagernde Decke der Beziehungskisten aus der zentralen Sinnsuche heraushalten. Um schneller an den Kern des Problems vorstoßen zu können. Klar, viele Spielfilme arbeiten es immer wieder heraus. Dieses "am Ende des Lebens doch noch eine erfüllte Beziehung finden" und Applaus und Vorhang zu. Die Jugend, die Liebe verloren, der Beruf und die Kinder davor oder danach oder während und am Ende der Sinn in einer Schlussbeziehung? Na ja, schön, wenn es so klappt. Gratulation allen, die das erfüllt erreichen. Aber der Rest benötigt andere Ziele für das Geschenk-Leben. Umsetzbare, planbare, realisierbare, machbare, realistische. Träume verwirklichende, lustvolle, erfüllende, bis zum aufrechten Abflug ins ferne Sternental tragende und erreichbare Ziele. Und als Sahnehäubchen noch eine tolle Beziehung? - Nur zu.

Blauzahn ist als Projekt natürlich heute recht einfach machbar. Sie lesen es ja. Zwei, die Lust haben, zu schreiben und die mehr als 120 Jahre Lebenserfahrung auf die Waage bringen, machen es gerade vor. Tun sich selbst damit am meisten Gutes. Selbstdarstellung? Wenn Sie meinen. Wir denken eher: Wir empfinden ein wenig wie Journalisten oder Schriftsteller oder Schauspieler einer kleinen Theaterbühne. Ein kleines Publikum besitzen, seine persönlichen Möglichkeiten sinnvoll einsetzen und genießen. Egoistisch? Ja, schon. Schlimm? Wir beraten immerhin gleichzeitig. Die ein paar Jahre Jüngeren, für die die Rente noch gefühlte 20 Jahre weg ist. Man sollte sich vorbereiten. Auf ein großartiges geschenktes Leben, wenn man es leben kann. Also leben, nicht nur absitzen. Zurück zur Story

Inzwischen steckte die ganze Mannschaft mitten in einem wirklichen Gefecht. Klar, der Autor hat es natürlich gut ausgehen lassen. Aber man bedenke. Schon ganz früh hat er einen von uns "geopfert". Friedrich musste gehen, um von Anfang an klarzustellen: Hier fährt eine Crew, die das Thema Tod als ganz natürlichen Freund und Begleiter mit an Bord hat. Tod als Freund? Ja klar, finden viele an Bord. Wenn er fair spielt. Einen aufrecht rausgehen lässt. Egal wann. Da segeln Männer, die alle schon ein komplettes Leben gelebt haben und die, weil man eben heute ziemlich alt werden kann, mit diesem Geschenk-Leben noch mehr anfangen wollen als nur Füße hoch und den "verdienten" Ruhestand urlaubend bis zum Ende genießend abzuwarten. Blauzahn ist nicht Urlaub. Blauzahn ist Suche. Aber Suche ist natürlich komplett individuell und deshalb ist Blauzahn auch bitte keine "So macht man das Geschenk-Leben aber richtig" - Story. Blauzahn ist ein individuelles reales Projekt von zwei real existierenden "Ruheständlern" auf der Sinnsuche in diesem Geschenk-Leben. Geschenk-Leben? Na ja, z.B. dem Otto Kraz hat ein genialer Herzchirurg mit vier Goretex-Fäden seine schlabbernde Herzklappe wieder dicht angezurrt. Alles wieder bestens. Echtes Geschenk-Leben. Otto Kraz 2.0. In einem Land, in dem das Rentensystem noch stabil ist. Und nun?

Fortsetzung folgt

Die Sache mit den Stammesältesten

Liebe Leser und -innen

Wir sind an einem der vielen wesentlichen Punkt dieser Geschichte rund um die Blauzahn angekommen. Bei der Frage nach dem Warum der Geschichte an sich. Warum schreiben sich zwei ältere Herren jenseits der Verrentung bzw. Pensionierung zusammen mit z. Z. neun anderen erfundenen Männern ihres Alters auf einem riesigen Einmaster einmal um diese Weltkugel? Warum lassen sie sich in der Geschichte komplett  treiben und kennen selbst noch nicht das Ende des Drehbuchs? Macht es Sinn, einen Fortsetzungsroman in die Welt zu lassen und selbst die Fortsetzung nicht zu kennen? Was ist, wenn den Drehbuchschreibern am Ende ihre eigene Geschichte missfällt? Wenn sie den roten Faden verlieren?

Ich sage es Ihnen: Wir schreiben diese Geschichte ja erst in zweiter Linie für Sie als Leser/in. Ich hoffe, das trifft Sie jetzt nicht allzu sehr. Sie als Leser/in verfolgen dafür keine einfache Geschichte sondern einen real existierenden Prozess. In erster Linie schreiben wir diesen Blog, um uns wieder selbst zu finden. Neu zu finden. Neu zu erfinden? 

Wir wissen es einfach noch nicht. Als Otto Kraz kann ich hier zumindest schon einmal aus tiefster Überzeugung sagen: "Die Blauzahn bringt's voll." Bis vor einer Woche habe ich locker 10 Stunden und mehr am Tag für einen Lebensort namens Beruf gelebt. Genussvoll. Ausgefüllt. Getaktet. Geplant. Terminiert. Gewichtig. Gefragt. Gestaltend. Steuernd. Bestimmend. Sinnvoll. Planend. ... na ja, ich denke, Sie wissen, was ich meine. Studiendirektor eines großen Gymnasiums. Verantwortlich. Erfolgreich? Ja, schon, meinen viele. Viele wunderbare Abschiedsgeschenke und Danksagungen. Riesiges Abschiedsfest. www.aufeigenefaust.com. Ok. Abgehakt. Ein 35-Jahre-Erfolgspaket im Rucksack. Und jetzt Füße hochlegen? Rasen mähen, Dachrinne reparieren, Fenster streichen ... endlich Zeit, die ZEIT wirklich zu lesen. "Alles Gute für den hochverdienten Ruhestand." Hiiilfe. Will ich den Ruhestand? Nein, natürlich nicht. Ich will nicht untergehen. Ich brauche ein Schiff, das mich vor dem Wort Altersdepression schützt, das ich in meinen Vorab-Recherchen so oft habe verschämt hinter dem: "Ich habe doch keine Zeit als Pensionär"-Aussage hervorspicken habe sehen. Man gibt es ungern zu. Sven Kunze hat es aber wundervoll beschrieben: Man verliert von einem Tag auf den anderen "Bedeutung". Die muss man sich wieder neu erarbeiten und definieren. Es geht, aber man darf es nicht als Bagatelle abtun. Da trägt man ein Riesenpaket an Erfahrungen mit sich herum und kann sie plötzlich nicht mehr einbringen. Ein Hobby ist ein Hobby ist ein Hobby. Schon viel besser als gar kein Hobby. Aber trotzdem eine komplett verrückte Entwicklung einer hochentwickelten Gesellschaft. Bei den Indianern waren es natürlich immer die Stammesältesten mit der größten Erfahrung, die man natürlich mit eingebunden hatte. Nicht mehr zur Jagd, aber zur Beratung. Wir sollten dahin zurückkommen. Mit neuen Formen. Blogs? Blauzahn? Weit im Winkl?

Und die andere Seite? Die Blauzahn bringt's voll. Also für mich. Denn ich habe hier seit unserem Ablegen im Februar eine stabile Brücke in meine eigene "Stammesältestenzeit mit Grundgehalt" gefunden. Dafür bin ich sehr dankbar. Altersdepression ist derzeit also noch kein Wort aus meinem mentalen Gefühlswortschatz. Ich hoffe, das wird so bleiben. Ich werde weiter berichten.

Otto Kraz


Kleiner schwarzer Klecks auf weißer Wand

Klar ist ein Klecks doof.

Aber noch doofer ist es, auf diesen Klecks zu starren.

Otto Kraz

Fernsehen

Wenn du 20 Jahre vor dem Fernseher hockst und die spannendsten Filme anschaust, die dir ein wundervoller Zeitvertreib sind, dann vertreiben sie dir wundervoll die Zeit. Soll heißen, wenn du auf diese 20 Jahre spannende Fernsehfilme zurückschaust, dann wirst du diesen gewaltigen Satz sagen: "Oh je. Wie schnell die Zeit doch vergeht."

Otto Kraz

Enkelkinder

Pirat mit Enkelkindern ist besser als nur Pirat. Weil man weiß, dass man irgendwie weiterlebt. Hört sich schräg an, fühlt sich aber gut an. Geht vielen so. Scheint Sinn zu machen. Nur werden es leider immer weniger in diesem reichen Land. Also Enkelkinder. Schade eigentlich. Da sind so viele alte Piraten unterwegs, deren Erfahrungen ins Leere laufen. Aber Stephan Hawking meinte ja sowieso, dass wir die nächsten 1000 Jahre nicht mehr durchstehen würden. Und uns deshalb andere Planeten ausspähen müssten. Also ich bin da anderer Hoffnung. Wir schaffen das länger. Gut, unsere Generation war so heftig damit beschäftigt, die Kriegs-Generation zu verarbeiten, dass wir jetzt doch ganz schön verdutzt sind, welche Probleme inzwischen heranrollen. Weil wir eigentlich dachten, dass wir das alles besser hinbekommen. Wir 68er. Jetzt gehen wir in Rente und glauben an unsere Enkel. Also ja. Ich schon. Irgendwie. Unsere Kindergeneration muss jetzt erst einmal diese 68er-Generations verarbeiten. Die guten Dinge rausfiltern und was Neues draus bauen. Aber dann die Enkelkinder-Generation wird es dann hoffentlich schaffen, diese 4.0 Wirtschaft positiv zu rocken. Heftig, heftig, was da noch alles bevorsteht. Der Mensch ist ein echter Pirat. Lasst uns unsere Enkel schon jetzt gut unterstützen. Sie haben noch viel vor.

                                                  Otto Kraz

Erwartung

Wahrscheinlich das größte Problem im Leben.

Diese blöden Erwartungen. Wenn man nicht erreicht, was man erwartet, dann schießen die falschen Botenstoffe ins Hirn. Die düngen dann die falschen Bereiche im Hirn und überschwemmen sie mit blöden Gedanken. Irgendwo stand einmal an einer Wand: "Erwarte möglichst wenig, dann bekommst du immer viel mehr als du erwartest." Kein schlechter Spruch. Die Latte schon hoch legen, aber nie zu hoch. Das ist die Kunst des Lebens als Pirat.


Hoffnung

Nüchtern betrachtet eine verrückte  Geschichte. Würden Glücks- und Zufriedenheitsbotenstoffe konstant und unkompliziert unser Gehirn verlassen und die Umgebung fluten, dann fände das normale Leben in unserer reichen Gesellschaft ohne Depressionen statt, wäre aber wahrscheinlich sehr langweilig. Weil man nichts tun müsste, um zufrieden zu sein und um seine Freiheit zu genießen. So ist man aber sein Leben lang auf der Suche danach. Freut sich, wenn es mal wieder kurz geklappt hat. Aber dieses Gefühl ist flüchtig. Man muss meistens etwas dafür tun. Die Wenigsten sind mit einem dauerhaften Kostüm ausgestattet, das durch einen stabilen Glückshormonfluss erzeugt wird. Deshalb unser Tipp:

Werde Pirat, steig in ein Segelboot und genieße den Moment.


Alter

Gibt es das Alter?

Ja klar. Und wie. Aber ...

... Alt sein - na und?

Man muss schon nicht mehr so krampfhaft jung aussehen. Wie entspannend. (Wenn sich nicht gerade Fernsehleute lustig darüber machen.:-)) Man darf zu seinem kleinen Bauch stehen. Der Wein schmeckt fast noch besser. Klarer. Die Sinne schärfen sich. Musikgenuss ist vom Feinsten, außer man hat sich einen Tinitus eingefangen. Man muss nachts nicht raus und Kinder trösten. Wie angenehm. Man muss nicht mehr dauernd toll sein. Wie entspannend. Man muss nicht dauernd beweisen, wie fit man noch im Job ist. Aber dafür kann man sich täglich neu erfinden. Wenn man sich täglich neu erfinden kann. Das sollte man lernen. Im Alter. Damit es nicht langweilig wird.

Otto Kraz - Lebensdesigner


Eigenzeit

Die allgemeine Vorstellung, dass das wirkliche Leben mit dem Eintritt in eine erfolgreichen Berufslaufbahn beginnt und mit der Verrentung ein Ende findet, ist schlicht falsch. Keiner kann solch ernsthaft wunderbaren Feste feiern wie Jugendliche. Kein noch so erfolgreicher Manager kann diese Gefühlswelten wieder erreichen. Da hilft kein Geld der Welt. Klar, die Jugend hat dieses Berufserfolgsleben noch vor sich: Als Ziel. Dabei wird es nie mehr solche Beziehungsgeflechte geben wie in der Schulzeit. Es wird nie besser im Leben, nur eben anders. Klar, die Unabhängigkeit von den Eltern ist ein wesentlicher Quantensprung im Leben. Dann berufliche Erfolge. Dann die eigenen  Kinder.  Aber die wirklichen Gefühle sind davon nicht direkt abhängig. Die Frage ist immer: Kann man das Leben und die Eigenzeit in Einklang bringen. Die komplette Freiheit der Möglichkeiten bietet am Ende die Rentenphase. Und das Ende ist in der Zwischenzeit ein echter Lebensabschnitt. Aus der Pension/Rente möglichst viel echte und ernsthafte Eigenzeit zu machen, darin besteht die Kunst des Lebens nach der Berufsphase.

Otto Kraz

Lebensunternehmer

Gibt es ein Dreiviertel-Leben?

Es gibt kein Dreiviertel Leben. Es gibt nur ein Leben. Wer mit 60 geht, geht nach einem ganzen Leben. Nur weil heute der statistische Durchschnitt bei 80 liegt, fehlt da mit 60 kein Viertel. Lebe jetzt, heute, im Moment" meint der Pirat. Das Leben ist gefährlich, aber schön. Nur, es endet eben immer mit dem Tod. Irgendwann. Früher oder später. Für die engen Hinterbliebenen ist das manchmal richtig heftig. Das ist klar. Es bleibt eine Lücke. Aber es bleibt die Erinnerung, wenn man sie richtig zulässt. Stark wie zwei, textet Udo Lindenberg. Erinnerung kann sehr stark machen. Für einen selbst ist der Tod oft nur ein klitzekleiner Schritt, ein Hüpfer ins Irgendwohin oder Nirgendwohin. Deshalb: Segel hissen und Anker lichten. Das Leben hat vor dem Ende der Welt noch so viel zu bieten.


Eine kurze Reise

Friedrich Hanssen. 60 Jahre. "Egal wann, aber aufrecht." Das war seine feste Überzeugung. Ob man es steuern kann, wenn man eine feste Überzeugung besitzt. Hanssen ging aufrecht. Morgens lustig gesungen, abends das Bewusstsein verloren. Aber er hatte auch das Mittel der weggelassenen Herztabletten. Muss man den Grund wissen? Muss es einen Grund geben? Die Nordstrandpiraten suchen die Freiheit des Alters. Wo endet diese Freiheit? Gibt es ein "optimales" Ende?

Fragen über Fragen. Wir werden weiter danach suchen.


"Es gab nie eine bessere Zeit, um sich auch mit 63 neu zu erfinden." Otto Kraz


Gebt uns Zeit, bis wir an Fahrt gewinnen.

Aber gebt ruhig auch selbst Gas, um an Fahrt zu gewinnen. Denn wenn es eine Botschaft gibt, die die Nordstrandpiraten verbreiten, dann ist es die: Was wir können, könnt ihr eigentlich irgendwie auch. Falls ihr es wollt. Ihr müsst euch nur trauen.

Also z.B. mit einer HipHop Software seinen Enkeln wilde Lieder am PC einsingen. Wer mit den Stones groß geworden ist, der kann auch mit den Stones alt werden. Ihr könnt ebenfalls den Bohrschrauber gegen eine Nähmaschine eintauschen. Warum denn nicht. Oder habt ihr nie Lust, etwas komplett Individuelles zu tragen. Etwas, das es nirgends zu kaufen gibt. Oder nur für viel, viel Geld. Und auch wenn ihr keine Zeit und Lust habt, Kochbücher zu lesen, weil ihr auch neue PC Programme nie mit Handbuch erlernt, könnt ihr trotzdem piratenwild kochen und backen. Denn natürlich braucht man keine Kochbücher, um seine Umgebung mit neuartigen Gerichten zu verblüffen. Man muss sich nur trauen.

Auch das Bloggen ist kein Hexenwerk. Wenn man gerne schreibt. Wenn hier das "sich trauen" allerdings doch eine viel größere Hürde besitzt. Und: Man sollte schon das Gefühl haben, dass man etwas zu erzählen hat, das noch mehr Menschen außer den engsten Freundeskreis interessiert.

Aber, Männer über 60 mit dem Gefühl der Stones im Kopf: Technisch ist das alles machbar. Und macht tasächlich auch Sinn, wenn es für einen selbst Sinn macht. :-)

Otto Kraz


Wilde Westen Philosophie


Du willst eine Fliege für deine Wilde Weste nähen, kannst aber weder wirklich nähen und hast auch keine Ahnung, wie man eine Fliege näht. Aber du lebst in einer Zeit, in der Mensch und Maschine zusammenwächst. Ob du das gut oder schlecht findest.

Auf alle Fälle hast du heute z.B. als Nichtwissender in Sachen "Fliege" die wunderbar Option, dein Tablet neben dich an die Nähmaschine zu stellen und dir eins der vielen Youtube-Videos zum Thema "Wie nähe ich mir eine Fliege?" anzusehen.

Ja eine Nadel habe ich dabei geschrottet. Und beim Wenden von links nach rechts sind mir beinah der Finger abgebrochen.

Aber ich habe mich mal wieder neu erfunden. Ich kann nämlich seit heute Fliegen nähen, sollte ich mal Fliegen nähen wollen. Wer weiß denn heute schon, ob Wilde Westen in fünf Jahren nicht gerade mit Wilden Fliegen gute Geschäfte macht. :-)

Die Piratenphilosophie dabei:

Du weißt nicht, ob du etwas hinbekommst? Mach es einfach mal, es geht immer so viel mehr, als du denkst.