Band 4 - Kapitel 31

6. März 2017 Blauzahnsiedlung auf Gotland

 

Erik, Sigrid Larsson, Markus Malstrom, Isabella und Maria saßen bei Gunar im Büro. Sie berichteten ihm, was sie gefunden hatten, wie ihre Suche verlaufen war und Markus gab seine Einschätzung des Unfallhergangs ab. "Sie sind offensichtlich vom Kurs abgekommen. Das Wetter begünstigte jede Art von Fehlern, die man machen konnte. So wie es scheint, haben sie das Fahrwerk ausgefahren, warum kann ich nicht beantworten. Wir haben Metallsplitter und von der Kanzel Plexiglasteile gefunden. Das Bugrad mit einem Teil des Fahrwerkes war bis auf den platten Reifen wenig beschädigt. Es muss einfach rausgefallen sein. Ich habe leichte Brandspuren an dem Fahrgestell gefunden. Auch die Plexiglassplitter hatten leichte Rauch- und Brandspuren. Ich vermute eine Explosion an Bord. Man hat offensichtlich versucht, auf dem Wasser zu landen. Wenn die noch einige Kilometer weiter dicht über dem Wasser weitergeflogen sind, werden wir nur zufällig das Flugzeug finden. Zudem scheint mir, dass sie das Kerosin abgelassen haben. Ein wenig Öl und Fettspuren haben wir auf den Felsen gefunden. Wenn die Fahrwerksöffnungen unten offen waren und sie sind dann auf dem Wasser aufgekommen, wird das Flugzeug schnell gesunken sein. Bei dem Seegang verteilen sich schnell Ölflecken und so wird man diese nicht bei der Suche gesichtet haben. Wir haben den Schiffsverkehr auf dem angenommenen Kurs nach der Berührung mit dem Felsen oder der Insel überprüft. Da waren keine bekannten Schiffsbewegungen. Also ist es wirklich möglich, dass niemand etwas gesehen hat. Meine Einschätzung zu der Sache, das hat niemand überlebt, außer man hat das Flugzeug vorher verlassen. Tammy Bernstein überwacht den Funkverkehr mit einem System, das sie dafür einsetzt. Sollten Worte wie Trümmer, Öllache, Menschen im Wasser und ein paar andere Zielwörter vorkommen, erhält sie von Ihrem System eine Warnung. Mehr können wir im Moment nicht tun. Es tut mir leid." Alle anderen nickten zustimmend und unterstrichen damit die Aussagen von Markus.  

 

Als die Besprechung zu Ende war, gingen alle hinaus. Gunnar rief dabei Markus nochmals zurück und bat ihn, die Türe zu schließen. "Kann ich auf deine Verschwiegenheit zählen?" Als Markus nicht nur sein Ja von sich gab, sondern auch dazu nickte, begann Gunnar ihn kurz darüber zu informieren, was auf Nordstrand passiert war. "Wir haben also eine Leiche, die dort nicht liegen sollte. Offensichtlich war es ein Unfall oder auch eine Erkrankung des Arztes, die zu seinem Tod geführt hat. Wir müssen die Leiche verschwinden lassen. Unauffällig und auch unauffindbar. Meine Idee ist, dass wir den Leichnam in Segeltuch packen, ihn beschweren und in der Nordsee versenken. Außerhalb von Fischereigründen und Schifffahrtswegen. Kannst du morgen Abend dort sein?" Markus überlegte, griff sich einen Notizblock und begann sich ein paar Notizen zu machen und zu rechnen. "Es  wird schwer werden mit dem Boot, da ich durch den Nord Ostseekanal muss. Ich müsste einmal tanken, der Tankinhalt reicht bis zum Eingang in den Nordostsee Kanal. Bei der Durchfahrt kann ich nicht so schnell fahren wie auf hoher See. Zudem kann ich das nicht alleine machen, ich sollte mindestens noch ein oder zwei Leute dabei haben, die ein Seepatent für diese Bootsklasse haben. Dann könnte ich das in etwas mehr als zwanzig Stunden schaffen. Dann muss ich noch sehen, in welchen Hafen ich einlaufen kann. Denn wir können das Paket nur verladen, wenn wir keine Zuschauer haben. Also muss ich noch sehen, wie Hoch- und Niedrigwasser zu der Tageszeit sind. Wann soll ich los?" Kurz musste Gunnar überlegen, denn die mit Seemannspatent Ausgestatteten waren schon auf Nordstrand. Simon, Sasha und Betty im "Geheimauftrag" in einem Hotel bei den Journalisten. Da fielen ihm zwei Namen ein, die er nehmen konnte. John und Jan. Denn Erik und Lars wollte er nicht gehen lassen, deren Gesichter waren einfach noch immer zu bekannt und er wusste, dass die Journalisten, sofern sie die Männer auf diesem Boot sehen würden, die beiden sofort erkennen würden. John hatte zwar immer noch ein Glatze, denn es ließ sich da immer noch kein Haar blicken, aber er hatte sich ein Bart wachsen lassen und er war schlanker und drahtiger geworden. Kein Vergleich mehr mit der Zeit auf der Blauzahn. Jan hatte sich auch sehr verändert. Die Verletzung, die er sich im Mittelalter zugezogen hatte, die eine Narbe in seinem Gesicht auf der linken Wange hinterlassen hatte, veränderten sein Aussehen sehr. Die Haare waren stark ergraut und auch er war schlanker geworden. Das würde passen. Gunnar rief die beiden zu sich und keine Stunde später waren die drei Skipper auf dem Weg zum Hafen, um das Boot fertig zu machen und die Reise anzutreten.

 

Gunnar informierte Will auf Nordstrand darüber, dass Hilfe auf dem Weg sei und war seit langem etwas beruhigter und zufriedener mit sich und der Welt. Auch wenn die Ereignisse keinen Anlass dazu gaben, so meinte er, dass er noch immer alles unter Kontrolle hatte. Bernhard Noir hatte sich am Tag vorher bei ihm gemeldet und war seit dem frühen Morgen unterwegs, das Gelände der Blauzahnsiedlung zu erkunden. Gunnar gefiel der Mann, er wirkte unauffällig, hatte wache Augen und konnte sich gewählt ausdrücken. Offensichtich war er nicht besonders anspruchsvoll, denn ihm genügte ein kleines Zimmer im Gästehaus unterm Dach. Zwar hatte das Zimmer eine sehr komfortable Ausstattung, das Badezimmer hatte ein Glasdach, aber im Zimmer selbst war es immer etwas dunkel, da das Dachfenster aus architektonischen Gründen etwas klein war. Es gefiel Bernhard gut und das genügte.

 

6. März 2017 13.00 Uhr Hotel in Hattstedtermarsch

 

Die wenigen Gäste im Hotel trafen sich im Speiseraum zum Mittagstisch. Die Journalisten Malte Sorensen, Friedrich Bauer und Konrad Breitenbacher hatten sich einen Platz in einer Ecke gesucht, wo sie den ganzen Raum überblicken konnten. Friedrich freute sich auf ein weiteres Treffen mit der Mitarbeiterin der Stadt Husum Elene Euphos. Hatte er doch feststellen können, dass die Dame sehr ausgelassen sein konnte, wenn man sich in einer intimen Umgebung mit ihr alleine befand. Zudem war sie eine Informationsquelle, die offensichtlich unerschöpflich war. Dorothea Walter setzte sich genau in die Mitte des Speiseraums. Die drei jungen Frauen hatten in der Nähe des Eingangs und in der Nähe des Büffets gefunden. Julia, Betty und Felin waren sehr ruhig an diesem Morgen, offensichtlich waren alle drei etwas übel gelaunt und ihre Aura versprühte im ganzen Raum eine gedrückte Stimmung. Die weiteren fünf Gäste, ein älteres Ehepaar mit ihrem Enkelkind und zwei Herren, die man sofort als Geschäftsreisende erkennen konnte, hatten ihre Plätze in der Nähe von Dorothe gefunden.

 

Ein neuer Gast kam herein. Sie schaute sich um und als sie Dorothea sah, ging sie auf diese zu. Sie kannten sich nicht direkt, aber beiden hatte man Fotos geschickt, damit sie sich zu diesem Treffen sofort erkennen konnten. "Hallo ich bin Mariza Colonelli. Wir sind beide neu in der Firma." sagte sie mit leiser Stimme zu Dorothea und fuhr dann mit gesenkter Stimme fort. "Ich war auf Nordstrand und da gab es Entwicklungen, über die wir uns unterhalten müssen. Ich habe das Zimmer neben Ihrem bekommen. Aber nun sollten wir erst einmal frühstücken und dann sehen wir weiter." Dorothea sah sie an, nickte freundlich und antwortete ebenfalls mit etwas leiserer Stimme. "Guten Morgen, schön dass noch jemand da ist. Aber bitte, wenn wir vertraulich miteinander umgehen sollen, dann sollten wir das Sie weglassen. Dorothea, manche sagen auch Dorti zu mir. Mariza habe ich da dein Einverständnis?" Diese nickte nur und damit waren die beiden eine neue eingeschworene Gemeinschaft eingegangen. Nach dem Frühstück waren sie die ersten, die den Speiseraum verließen und sich zu einem Spaziergang aufmachten. Unterwegs informierte Mariza Dorti, was auf Nordstrand passiert war. Der tote Psychologe, Arzt oder was er sonst noch war schockierte beide. Mit so etwas hatten sie nicht gerechnet. Mariza konnte ihre neue Partnerin beruhigen. Niemand hatte den Mann ermordet. Offensichtlich war er bereits krank gewesen und den gewalttätigen Angriff auf Pet sollte man auch nicht vergessen. Der Mann hatte zwei Frauen in seine Gewalt gebracht und unter dem Deckmantel des ärztlichen Habitus übel mitgespielt. Ob der Kampf mit Pet ihn so stark verletzt hatte, dass er daran gestorben war, glaubte keiner, denn der Mann hatte zwar ein paar blaue Flecken davon getragen und war etwas benommen, als man ihn in sein "Verließ" brachte, aber tödlich waren diese Verletzungen nicht. Aber man musste den Leichnam beseitigen. Hilfe dafür war auf dem Weg. Dorti informierte Mariza, was bisher hier geschehen war. Sie schilderte zwar sachlich die amouröse Geschichte mit Friedrich und der städtischen Angestellten, aber konnte sich einige plumpe Bemerkungen dazu nicht verkneifen. Über die beiden anderen hatte sie bisher wenig in Erfahrung bringen können, wusste aber, dass sie heute am späten Nachmittag wegfahren wollten. Sie würde Friedrich weiter überwachen und Mariza sollte sich die beiden anderen vornehmen.

 

6. März 2017 15.30 Uhr Nordstrand im Garten des Ferienhauses

 

Will fluchte heftig. Der junge Wolf hatte gerade in das Verlängerungskabel hineingebissen, das Will in die Garage legen wollte, weil dort das Licht ausgefallen war. Der feuchte Boden, das nasse Fell hatten genügt, um den Wolf kurz zittern zu lassen. Anstatt das Kabel, das sich um ein Stück Rinderknochen gelegt und er sich verbissen hatte, sofort loszulassen, hatte der Vierbeiner es immer noch im Fang, als er auf den Boden niedersank. Schnell zog Will das Kabel aus der Steckdose, öffnete das Maul des Wolfes, zog das Kabel mit dem Stück Knochen heraus und sah, dass die Zunge, das Zahnfleisch und die Haare rund ums Maul verbrannt waren. Der junge Wolf atmete nicht mehr. Wolf legte ihn vorsichtig auf die Seite und versuchte, ihn mit einer Herzmassage zu reanimieren, aber es gelang ihm nicht mehr. Nach fünf Minuten gab er auf und holte Simon aus dem Haus. Der Herr Graf folgte den beiden, schnupperte an seinem haarigen Partner, stieß ihn immer wieder mit der Nase an und legte sich dann neben ihn. Der junge Wolf war tot, da war nichts mehr daran zu ändern. Die anderen im Haus hatten bemerkt, dass irgendetwas nicht in Ordnung war und kamen alle in den Garten. Die Bestürzung war groß, Frida und Juli weinten. Simon nahm beide in den Arm und tröstete sie. Sein Schwester Sasha staunte, wie gefühlvoll ihr Bruder sein konnte. Sie sah ihm an, dass auch er den Tränen nahe war. Wie wir uns doch alle verändert haben, dachte sie. Wir sind eine große Familie und die Tiere gehören mit dazu. 

 

"Wir bringen ihn rüber in die Scheune." Constanze holte zwei weiße Laken und der Wolfskadaver wurde in die Tücher eingewickelt. Einfach war es nicht, das leblose Tier diese fast fünfzig Meter weit zu tragen, aber Simon und Bert schafften es. Sie legten das tote Tier vor die Türe der Kammer, wo sich die Leiche des toten Psychologen befand. Bertram meinte fast schon ketzerisch, dass nun der Wolf den Toten bewachen würde. Auf einmal fühlte er sich schuldig wegen dieser unchristlichen Bemerkung und sprach ein kurzes Gebet. "Hast du das für den Arzt da drinnen gesprochen?" fragte ihn Simon. "Nein für diese wunderbare Kreatur Gottes. Wir sind alle Geschöpfe eines himmlischen Gottes. Über diesen in der Kammer mag unser Herr richten, hingegen dieser Wolf bedarf keines Schutzes mehr, aber seine Seele soll wissen, dass er bei uns willkommen war und nun über die Regenbogenbrücke gehen darf." Simon legte dem ehemaligen stellvertretenden Abt eine Hand auf dessen Schulter.

 

 

 

6. März 2017 16.30 Uhr Hotel in Hattstedtermarsch

 

Friedrich machte sich auf den Weg seine neue Freundin wiederzutreffen. Sie wollten gemeinsam zu Abend essen und dann noch ein wenig spazieren gehen. Friedrichs Plan war klar, er wollte, dass Elene Euphos versuchte, ob sie Verbindung zu anderen Katasterämtern herstellen konnte. Sie sollte feststellen, ob Gunnar Larson noch weitere Grundstücke und Häuser auf der Insel Nordstrand an der Küste in Schleswig Holstein besaß. Er kannte sich in dem System und den möglichen Verbindungen nicht aus und das wollte er sie heute fragen. Unterwegs nach Husum besorgte er noch einen Strauß Blumen und um 17.15 Uhr stand er bei ihr vor der Haustüre. Sie hatten eigentlich vereinbart, dass sie nach unten kommen sollte, damit sie weiterfahren konnten, denn der Tisch im Restaurant war auf 17.45 Uhr reserviert. Aber sie bat ihn nach oben zu sich in die Wohnung.

 

Dorothea saß in ihrem Auto ein paar Meter entfernt und beobachtete Friedrich, wie er die Tür öffnete und dann im Haus, wo sie wohnte, verschwand. Das konnte ja dauern, dachte Dorothea.

 

Zur gleichen Zeit machten sich die Journalisten Malte Sorensen und Konrad Breitenbacher auf den Weg. Sie waren mit ihrem Fotoapparaten, Teleobjektiven und Stativen vollbepackt. Trotzdem musste sich Mariza beeilen, um ihnen zu folgen. Auf dem Parkplatz vor‘m Hotel sah sie gerade noch, wie die beiden in ihr Fahrzeug einstiegen und sofort losfuhren. Verdammt dachte Mariza, warum bin ich eine Frau? Wo ist dieser verdammte Autoschlüssel in meiner Tasche? Keine zwanzig Minuten später konnte auch sie ihr Auto starten und losfahren. Da die Zufahrt zum Hotel einer langen Straße ohne Abzweigung folgte, konnte sie die beiden kurz vor der Einfahrt auf die Hauptstraße einholen. Sie bogen nach rechts ab, also vermutete Mariza, fuhren auch sie nach Husum. Nach einigen hundert Metern musste sie ihre Vermutung korrigieren, sie bogen in Richtung Nordstrand ab. Sie folgte ihnen, bis nach Süderhafen, wo sie auf dem Parkplatz des Hafens parkten. Mariza fuhr ein Stück weiter die Straße nach unten und stellte ihr Auto in der nächsten Querstraße ab. Dann ging sie ein Stück zurück und sah, dass die beiden auf der Deichkrone entlangliefen. Nun wusste sie, wohin sie wollten. Zur Scheune und dem Ferienhaus der Nordstandpiraten. Sie hatte leider nur eine Telefonnummer in ihrem Handy eingespeichert und das war die von Pet. Sie rief ihn an und es dauerte lange, bis er das Gespräch entgegen nahm. Sein etwas gestöhntes - Ja - erinnerte sie daran, dass der Mann verletzt war. Sie informierte ihn darüber, dass die Journalisten im Anmarsch waren und dass sie die Männer weiter beobachten würde.

 

Pet rief Simon zu sich und Informierte ihn. Der reagiert schnell, sprach mit den anderen. Er und seine Schwester gingen zur Scheune und versteckten sich dort. Will und Frida folgten ihnen und verstecken sich in der Nähe des Tores der Scheune. Im Dämmerlicht sahen sie die beiden Männer kommen und beobachteten auch, wie sie das Tor mit ein wenig Gewalt öffneten und dann dahinter verschwanden. Offensichtlich hatten sie Taschenlampen dabei, denn durch die Frontscheiben sahen sie einige Lichtkegel, die hin und her gingen. Die beiden suchten eine Leiter, die sie beim ersten Mal gesehen hatten und die sie aufstellen konnten, um nach oben zu gelangen. Offensichtlich war jemand da gewesen und hatte hier etwas gesucht und die Leiter woanders hingestellt. Sie mussten allerdings nicht lange suchen, bis sie diese fanden. Etwas weiter hinten war sie auf den Boden gelegt worden. Und ein Stück weiter, das konnten sie im Licht ihrer Lampen erkennen, hatte jemand weiße Tücher auf den Boden gelegt. Und da sahen sie auch, dass die Tücher nicht auf dem Boden lagen, sondern etwas bedeckten. Malte ging hin und hob eine Ecke der Tücher hoch und leuchtet mit der Taschenlampe auf das, was da lag. Erschrocken ließ er den Zipfel, den er in der einen Hand hatte, sofort wieder los, als er sah, was da lag. Dann hob er das Tuch wieder hoch und schaute sich genau an, was da lag. Kurz dachte Malte nach. "Wusste ich es doch. Auf Gotland habe ich vermutet, dass die dort Versuche mit Menschen machen und hier machen sie wahrscheinlich Versuche mit Tieren. Schau dir mal den Hund oder Wolf, was auch immer das sein mag an. Der stinkt noch etwas angeräuchert. Die Schnauze sieht verbrannt aus."

 

6. März 2017 Hafen von Visby

 

Jon, Jahn und Markus hatten das Boot betankt, den Wasservorrat in die beiden Tanks gefüllt und die Lebensmittel verstaut, als sie alle drei gleichzeitig zwei Personen auf dem Kai beim Boot stehen sahen. Birgit und Isabella standen mit jeweils einem Seesack und zwei großen Einkaufstüten da. "Wir kommen mit. Gunnar schickt uns, er hat dir eine Whats App geschickt. Wir sollen mit nach Nordstrand. Dürfen wir an Bord kommen Kapitän?" Markus schaute auf sein Handy und nickte. Jon und Jahn halfen den beiden Frauen an Bord. Kaum waren sie unter Deck, wo sie sich versuchten einzurichten, starteten die Motoren, die Leinen wurden gelöst und das Boot fuhr los. Birgit und Isabelle hatten zwar keinen Luxus erwartet, aber dieser Kahn hatte etwas. Alles war aus Holz. Decken und Seiten waren mit Holz vertäfelt, wenig Metall war zu sehen. Die Kombüse und Messe waren ein Raum, in dem acht Personen Platz finden würden. Der Schlafbereich war vorne, es gab keine Kabinen, sondern Schlafkojen, jeweils zwei übereinander und auf jeder Seite vier Kojen. Vor und hinter diesen Kojen waren kleine Schränke, wo jeder seine persönlichen Sachen, Kleider und Sonstiges verstauen konnte. Die Kojen konnte man mit Vorhängen abdunkeln. Toilette und ein Duschbereich waren getrennt, aber sehr klein. Die Grid, so war der Name dieses Bootes, war schon etwas Besonderes. Das stellten die Damen spätestens dann fest, als sie den kleinen Vorratsraum sahen. Massen an Bierdosen waren dort verstaut, in einem großen Kühlschrank war Fleisch, Wurst und sehr viel Gemüse verstaut. Brot in Dosen war in der Messe in einem Regal gut sichtbar gestapelt. Die Kaffemaschine, eine spezielle Konstruktion für Schiffe war bereits in Gang gesetzt. Alles war funktionell und doch hatte alles eine gewisse Ästhetik. Ein angenehmer Einrichtungsminimalismus. Drei Männer und zwei Frauen waren auf dem Weg zu den Nordstrandpiraten auf der Insel. Sie hatten dort einen Auftrag zu erfüllen.