Band 4 - Kapitel 29

4. März 2017 Winnenden in der Wohnung von Otto Kraz

 

Die Frauenärztin Dr. Frederika Soust, der Psychologe Fritz Müller, die Personenschützerin Selma Müller, Personenschützer Sven Grundmann und der Fahrer Karl Strandson kamen um 10.00 Uhr bei Otto an. Den großen Van, den sie sich gemietet hatten, stellten sie etwas entfernt auf einem Parkplatz ab. Inzwischen war Sophia wieder etwas fitter und konnte sich an der Besprechung beteiligen.

 

Fritz Müller hatte zu einem ehemaligen Kollegen, der ebenfalls mit ihm bei der Bundeswehr gearbeitet hatte und nun dort in der Klinik einige Patienten betreute, Kontakt aufgenommen und würde seinen ehemaligen Kollegen dort am Nachmittag besuchen. Sven Grundmann und Karl Strandson würden das Klinikumfeld erkunden, Otto Kraz sollte mit Selma Müller das Wohnhaus des behandelnden Arztes beobachten. Frederike Soust wurde von Sophia und Pet ins Hotel gebracht, wo man sich am Abend zu einem Essen wieder treffen wollte. Mariza war noch im Hotel und hatte auf Pet gewartet. Gemeinsam wollten sie sich nun auch zum Haus des Arztes aufmachen.

Sie fanden Otto Kraz und Selma Müller in einem Kaffee keine fünfzig Meter vom Haus des Arztes entfernt. Selma begutachtete Mariza genau, denn sie wusste nun, dass diese Frau ihre neue Kollegin war. "Der Mann hat vor zwanzig Minuten das Haus verlassen. Wir warten bis wir von Sven die Information erhalten, dass der Mann in der Klinik angekommen ist. Dann schauen wir uns mal beim Haus um." Selma hatte sofort die Leitung der Mission übernommen und machte das auch mit einige Gesten zusätzlich deutlich

Um 12.30 Uhr kam die Nachricht, dass der Arzt nun bei der Klinik angekommen sei und dort über einen separaten Eingang zu seinen Praxisräumen ging. Der Mann besaß offensichtlich einiges an Privilegien. Er musste nicht durch den Haupteingang, sondern ging über eine Türe, zu der er den Zugangscode kannte. An der Türe war ein Schild mit der Aufschrift - Privatpraxis - Dr. Bernhard von Steinhausen - Psychotraumatologie - Termine nach telefonischer Vereinbarung.  Und vor der Türe waren drei Parkplätze für ihn reserviert. Das war das Zeichen für Selma, dass man sich nun mit der Haus dieses Psychotraumatologen beschäftigen konnte. Selma und Mariza gelangten ungesehen in den Vorgarten des Hauses, um dann auf der Rückseite des Gebäudes auf die Terrasse zu steigen. Geschickt umgingen sie eine Kamera, deren Objektiv auf die Terrasse gerichtet war. Das Haus war mit einer Einbruchsicherung ausgestattet. Mariza sah das an den großen Fenstern. Hinter dem Haus fanden sie eine Türe, die leicht offen stand. Diese führte in die Garage und von dort ging eine Türe ins Haus. Die Tür war mit einem Schloss gesichert und konnte offensichtlich über eine Zahlenkombination geöffnet werden. Auf der Tastatur des Schlosses lag eine leichte Staubschicht, nur vier Tasten waren sauber. Mariza schaute sich das genau an und legte die Zahlen für den ersten Versuch fest. Selma versuchte es mit der vorgeschlagenen Tastenfolge. Kein Erfolg. Nun versuchte es Selma mit ihrem Vorschlag der Zahlenfolge und die Tür ging auf. Vorsichtig gingen die beiden Frauen in den dahinter liegenden Gang. Leise und doch sehr schnell durcheilten sie die Räume im unteren Stockwerk. Sie sahen nichts Auffälliges und gingen ins obere Stockwerk. Ein Arbeitszimmer mit Computerarbeitsplatz, ein Schrank voller Fachliteratur, Ledersessel und ein passendes Sofa. Davor ein kleiner Tisch. Die Bücher, die darauf lagen, erregten sofort die Aufmerksamkeit von Selma. Bücher über das Mittelalter, die Sprachentwicklung und ein Buch über das Frauenbild im Hochmittelalter. Sie fotografierte die Bücher mit ihren Titeln. Während Selma das machte, versuchte Mariza den Computer zu starten. Es gelang ihr nicht, über die erste Oberfläche hinaus zu kommen. Der Computer war passwortgeschützt. Was sie aber dann fand, war spannend genug für sie. Zwei Aktendeckel, gefüllt mit Fotografien von zwei Frauen. Eine etwa fünfunddreißigjährige Frau und eine etwas jüngere, etwa sechzehn Jahre alt. Dabei waren Analysen eines Stofflabors zu sehen. Jemand hatte Stoffe zur Alters- und Herkunftsanalyse eingeschickt. Der Mann war offensichtlich hinter das Geheimnis von Constanze und Marta gekommen.

 

Kurz berieten sich die beiden Frauen. Der Mann war für ihre Mission einfach zu gefährlich. Sie mussten umgehend handeln. Wie konnten sie vermeiden, dass jemand diese Unterlagen, die eventuell auch auf dem Computer waren, zu sehen bekam? Per SMS kam eine kurze Nachricht an Mariza und Selma. Dr. von Steinhausen hatte die beiden Frauen in seine Behandlungsräume kommen lassen. Sven Grundmann hatte sie beobachtet, wie sie durch die Türe zu seinen Räumlichkeiten durch einen Pfleger gebracht wurden. Sie hatten normale Jetztzeitkleidung an, sie wirkten laut Grundmann leicht sediert oder besser gesagt sehr müde. Die Rückantwort war eindeutig und sie war an alle Beteiligten gerichtet. - wir müssen die Frauen sofort dort herausholen und den Arzt ebenfalls mitnehmen. Er hat das Geheimnis gelüftet.

 

In der Ecke des Arbeitszimmers war ein kleiner offener Kamin, dort glomm noch etwas Glut. Mariza entfachte das Feuer und ließ ein paar Fetzen Papier liegen, legte das Stromkabel zum Computer dort hinein und stieß dann noch den Behälter mit dem Feuerholz so um, dass das Papierfeuer das Holz erreichen musste. Den gefüllten Papierkorb warf sie ebenfalls um. Das Feuer konnte sich also ausbreiten. Sie zog dann noch die dunklen Vorhänge zu, sodass das Feuer nicht so schnell entdeckt werden würde. Selma und Mariza packten dann noch die Unterlagen, die sie von den beiden Frauen gefunden hatten, zusammen und verschwanden über den Weg, den sie gekommen waren, wieder aus dem Haus. Pet und Otto hatten schön ruhig ihre Runden vor dem Haus und den Seitenstraßen gedreht. Niemand war aufgefallen, dass sie mindestens drei Mal am Haus vorbeigekommen waren.

 

Alle vier verschwanden dann ohne eilig zu wirken in Richtung ihrer Fahrzeuge.

 

14.50 Uhr Klinik in Winnenden

 

Karl Strandson fuhr den Van sehr knapp vor die Türe der Behandlungsräume. Der Pfleger war gegangen und es schien niemand außer den beiden Frauen und Dr. von Steinhausen dort zu sein. Sven öffnete die Türe mit einem Elektrodietrich und leise schlichen er und Karl nach drinnen. Sie suchten das Zimmer, wo der Arzt seine Besprechung oder Behandlung mit den beiden Frauen hielt. Links und rechts der Türe postierten sie sich. Sie warteten, dass Otto eintraf. Die Frauen kannten ihn und würden ihm vertrauen, sodass man sie unbemerkt nach draußen bringen konnte. Selma würde sich gemeinsam mit Sven um den Arzt kümmern. Der musste schnell zum Schweigen gebracht werden. Die Türe nach draußen hatten sie blockiert, sodass niemand ohne ihre Hilfe hereinkommen konnte. Alles war mehr als nur improvisiert aber da schnelles Handeln angesagt war, mussten sie ohne große Planung ihre Ideen in die Tat umsetzen. Keine fünf Minuten später trafen Otto mit Selma ein, die anderen versuchten, das Umfeld vor der Türe zu sichern und den Rückzug vorzubereiten. Pet sollte als Erster starten und aus dem Hotel  Dr. Frederika Soust abholen. Fritz Müller sollte seinen Termin in der Klinik einhalten und danach zum Haus von Otto Kraz kommen. Sophia stand bereit, um mit ihrem Auto Behinderungen zu beseitigen, die eventuell auf dem Wege heraus aus dem Gelände auftauchen konnten. Bis auf Mariza sollten alle anderen im Van mitfahren. Mariza sollte ihnen folgen, um zu sehen, ob ihnen jemand folgen würde.

 

Um 15.00 Uhr klopfte Otto an die Türe des Behandlungsraumes. "Jetzt nicht, ich hatte gesagt, dass ich auf keinen Fall gestört werden möchte." Seine Stimme klang sehr zornig. Sven öffnete die Türe und ließ Otto eintreten und kam direkt hinter ihm in den Raum. Dr. von Steinhausen saß mit dem Rücken zur Türe und drehte sich gerade um, als Otto schon auf die beiden Frauen gegenüber dem Arzt liegend zuging. Er hatte nicht gesehen, dass Sven hinter Otto auf die andere Seite des Raumes geschlichen war und in dem Moment, wo der Arzt losbrüllen wollte, ihm den Mund zuhielt und ihn mit einem Arm umfasste. Jetzt war auch Karl da, der dem Mann ebenfalls festhielt. Selma suchte indessen sofort nach Gegenständen, womit man den Mann fesseln und knebeln konnte. Der Mann wehrte sich nicht besonders, offensichtlich war er geschockt von diesem Vorgehen. Vor allem konnte er doch beobachten, wie Otto Constanze in den Arm nahm und die leicht benebelte Marta auf ihn zuwankte und immer wieder seinen Namen sagte. Dann wurde es Nacht um Dr. von Steinhausen. Er wurde geknebelt, sein Kopf mit Mullbinden umwickelt, sodass er nichts mehr sah und den Knebel nicht ausspucken konnte. Mit Tapes band man seine Hände auf den Rücken und er war zum weiteren Transport bereit. Der Weg war frei. Niemand beobachtete das Gebäude oder war ihn der Nähe der Türe. Otto führte die beiden verwirrten Frauen nach draußen zum Van. Als alle in den Fahrzeugen waren, sperrte Sven noch die Eingangstür ab. Mit einem Stück Holz verklemmte er diese dann so, dass niemand so schnell und einfach wieder ins Haus gelangen konnten.

 

Ohne Störungen gelangten sie zum Haus von Otto Kraz in Waiblingen. Pet war mit der Ärztin schon da und nahm die beiden nun mehr als nur verwirrten und verängstigten Frauen entgegen. Otto durfte den Raum nicht verlassen, selbst als die Ärztin begann, sie für die Untersuchungen zu entkleiden. Otto drehte sich um und schaute aus dem Fenster. Das genügte Constanze und ihrer Tochter als Sicherheit. Sophia und Mariza standen vor dem Zimmer, um eingreifen zu können, wenn es Probleme gab.

 

Inzwischen hatten die andern den inzwischen an gewonnener Selbstsicherheit übersprudelnden Arzt in einen der Kellerräume gebracht, wo man ihn von den Binden und dem Knebel befreien konnte. Selma hielt sich im Hintergrund, während Sven und Karl den Arzt auf einen Stuhl setzten und sich gegenüber auf anderen Sitzgelegenheiten platzierten.

 

"Das soll eine Entführung gewesen sein? Wie dilettantisch ist das denn? Ich habe schon lange darauf gewartet, dass man sich mit mir in Verbindung setzt. Irgendwoher mussten die beiden Frauen ja kommen. Aber auf diese Art und Weise hatte ich das nicht erwartet. Aber ich kann ihnen gleich sagen, dass ich mich abgesichert habe. Alle Unterlagen über die beiden sind an einem anderen Ort. Nichts ist in meiner Praxis. Wir können also problemlos einen Deal abschließen!" Als niemand darauf antwortete, wurde er doch etwas nervöser. "Also was wollt ihr von mir?" Von der Höflichkeitsformel Sie ging er auf die Du-Phase über. "Redet mit mir. Ich will wissen, war ihr von mir wollt." "Durst Herr Doktor?" fragte Sven mit zuckersüßer freundlicher Stimme. Von Steinhausen atmete hörbar aus. Man redete mit ihm, das schien doch ein gutes Zeichen zu sein. "Ja sicher doch, ich habe Durst." war seine Antwort. Er wartete, dass sich jemand bewegen würde, um ihm etwas zu trinken zu bringen. Es dauerte eine qualvolle Minute, bis Selma sich bewegte und ein Glas Wasser brachte. Karl löste seine Fesseln und so konnte von Steinhausen das Glas nach einigen Dehnübungen der Hände selbst nehmen und trinken.  Er bedankte sich und tauchte in die Demutsphase ein. Er dachte immer noch, dass er seine drei Aufpasser manipulieren konnte, aber ganz sicher war er nicht. Hatte er doch die brutale Handlungsweise von ihnen zu spüren bekommen und wusste noch nicht, wie er diese Leute einzuschätzen hatte. Und nun war es wieder ruhig um ihn herum. Die beiden Männer, die ihm gegenüber saßen, schauten ihn fast schon gelangweilt an. Die Frau war wieder in den Hintergrund getreten, wo er sie nicht sehen konnte.

 

Warum schwiegen sie? Sie hatten doch schnell Erfolg gehabt. Die Frauen befreit, den Mann mitgenommen und nun? Genau das war das Problem. Was sollten sie mit diesem Arzt anfangen? Sie hatten ihn entführt, wahrscheinlich sein Haus angezündet und zwei vermeintliche psychopatische Frauen aus der Klinik geholt. Die Liste mit den Straftaten, die sie begangen hatten war lang und die Deutschen Gerichte kannten keine Gnade, wenn  man sich an einem aus der gehobenen Gesellschaft verging und dieser Dr. von Steinhausen gehörte zu der gehobenen Gesellschaft. Ihnen war klar, dass sie so schnell wie möglich verschwinden mussten. Dieser vermeintliche Jünger Siegmund Freuds kannte ihre Gesichter und wusste, wer die Frauen befreit hatte.

 

Pet klopfte an die Türe und Selma ging nach draußen. "Wir holen unser Gepäck aus dem Hotel, nur Fritz Müller und Sophia bleiben noch eine Nacht hier, damit es nicht so aussieht als ob wir alle zusammen gehören und überstürzt geflohen sind. Den Dr. von Steinhausen nehmen wir mit, bis wir wissen, was wir mit ihm machen. Entführung bleibt Entführung, egal wie lange die andauert. Zudem bleibt uns damit mehr Zeit, um uns eine Strategie zu überlegen, was wir mit dem Kerl anfangen. Vielleicht finden wir in den Unterlagen genügend Beweise, die wir gegen ihn verwenden können. Aber die Zeit können wir uns hier nicht nehmen. Ihr müsst in einer halben Stunde bereit sein, loszufahren. Wir fahren nach Nordstrand. Ich melde mich, wenn auch ich unterwegs bin und dann können wir uns treffen. Hauptsache wir sind erst einmal auf der Autobahn in Richtung Norden. Ich schlage vor, dass ihr dem Typ jetzt die Augen verbindet und ihn fesselt. Frau Dr. Soust wird ihn mit einem Mittelchen sedieren. Die ist nach den ersten Untersuchungen von Constanze und ihrer Tochter recht sauer auf den Herrn von Steinhausen. Der hat offensichtlich Fesselspiele mit ihnen betrieben und sie mit Mitteln behandelt, die man in diesen Fällen besser nicht verabreicht hätte. Aber Genaues kann sie noch nicht sagen. Du fährst mit der Frau Doktor und den beiden Befreiten im BMW, Mariza, Karl und Sven nehmen den Arzt mit im Van, Mariza und ich kommen mit dem Gepäck im anderen Van hinterher. Wir fahren im Abstand von etwa zwanzig Minuten los. Fritz Müller und Sophia kommen morgen nach. Otto hat denen auch einen Mietwagen besorgt. Fliegen ist nicht gut, denn dann kann man eventuell den Weg der beiden zu gut nachverfolgen."

 

Selma und Karl fesselten und knebelten den Psychomenschen und dann kam auch schon die Frau Doktor und spritzte ihn in Land der Träume. Da die Fahrzeuge schon alle vollgetankt waren, gab es hierfür keine Verzögerung. Um 20.00 Uhr waren alle unterwegs. Otto räumte sein Haus auf und ließ alle möglichen Gegenstände verschwinden, die auf seine Besucher hindeuten konnten. Um 22.30 Uhr machten sie ihren ersten Stopp an Tankstellen bei Würzburg, aber nicht auf der Autobahn. Jeder von ihnen tankte woanders und erst dann trafen sie sich auf einem Rastplatz  auf der Autobahn bei Fulda. Sie hatten Glück, nur zwei LKW hatten da geparkt und so blieben sie eher unbemerkt. In den Nachrichten hatten sie gehört, dass ein Wohnhaus in Winnenden komplett ausgebrannt war. Ebenfalls, dass ein Arzt mit zwei Patientinnen aus der Klinik verschwunden sei. So wie es sich anhörte, hatte noch niemand einen Zusammenhang festgestellt. Pet hatte etwas Reiseproviant besorgt und verteilte den nun. Wasser hatte er genug besorgt, auch etwas zu essen für jeden. Um nicht aufzufallen hatte er alles bar bezahlt, nur beim Tanken musste er mangels Bargeld seine Kreditkarte nehmen. Sophia hatte die Hotelrechnungen für die Ärzte und sich bezahlte, die anderen hatten im Voraus mit einer Kreditkarte einer Anwaltskanzlei aus Hamburg ihre Rechnungen beglichen.

 

Constanze, Marta und Pet hatten während der Fahrt schon einige Worte gewechselt. Dabei hatte er einiges erfahren, was ihn erstaunte. Constanze war sehr geschickt vorgegangen. Durch Otto kannte sie die Jetztzeitsprache, das Hochdeutsch sehr gut, konnte es aber noch nicht richtig sprechen. Deshalb versuchte sie sich mit Mittelhochdeutsch zu verständigen, als sie aber bemerkte, dass man sie nicht ernst nahm und sie wie Irre behandelte, wollte sie einfach abwarten, was geschehen würde. Auf diese Art erfuhr sie von Dr. von Steinhausen, was er vermutete, denn er wollte nicht wahrhaben, dass Constanze und Marta ihn sehr wohl verstanden. Sie hörten zu, wie er die Texte für seine Berichte diktierte und hörten auch oft genug seinen Selbstgesprächen zu. Als man ihnen ihre Kleidung abnahm und ihnen andere Kleidungsstücke gab, die Constanze für sehr unangemessen hielt, wurde ihr klar, dass man sie gefangen genommen hatte und der Alchemist im weißen Gewand mit ihnen spielte. Und die beiden Frauen spielten mit, bis zu dem Zeitpunkt, wo der von Steinhausen aufhörte, sie mit den spitzen Nadeln zu traktieren, sondern ihnen jeweils eine kleine runde Zuckerkugel gab und sie diesen mit starkem Wein nachspülen sollten. Sie haben die Kugeln nur zwei Mal genommen und danach unbemerkt ausgespuckt. Das war vor ungefähr acht Tagen, als sie dann begannen, sich zu wehren, als der Mann im weißen Gewand sie betastete, sie fesselte  und wollte, dass sie vorher zwei dieser Zuckerkugeln nehmen sollten. Marta fesselte er zuletzt immer stärker und beide bekamen Knebel in den Mund gestopft, damit sie nicht schreien sollten. Gestern fing er wieder an, sie mit den spitzen Nadeln zu quälen, bis sie einschliefen. Und nun waren sie frei und waren glücklich, endlich diesem Mann entkommen zu sein.