Band 4 - Kapitel 21

1. März 2017 Scandic Hotel 10.50 Uhr Besprechungsraum

 

Mariza Colonelli schaute Mathias irritiert an. Sie hätte diesen älteren Herren nicht so eingeschätzt. Konsequent und schnell handelnd, der Mann wusste, was er wollte. Dann stand Mathias auf, fragte höflich, ob es Mariza stören würde, wenn er sein Sakko ablegen dürfe. Als sie nickte, zog er es aus und hängte es über die Stuhllehne neben sich. Jetzt erst erkannte Mariza, wie schlank der Mann war. Ein ältere Anwalt, der so durchtrainiert wirkte und sich kontrolliert bewegte. Mariza schätzte sein Alter zwischen fünfundvierzig und maximal fünfundfünfzig. Ihr abschätzender Blick war Mathias nicht entgangen. "Ich bin etwas über sechzig Jahre alt. Und nun wenden wir uns Ihnen zu Mariza." Kann der Mann Gedanken lesen? Mariza bekam keine Gelegenheit, weiter darüber nachzudenken, denn Mathias klopfte auf seine auf dem Tisch liegende Armbanduhr. "Noch 18 Minuten." 

"Ihre Frage war doch, ob ich teamfähig bin und ob ich mich unterordnen kann? Ja ich bin teamfähig, allerdings brauche ich sehr starke Partner. Ich versuche immer wieder zu dominieren, die Leitung eines Teams an mich zu reißen. Ich tue das unbewusst, es geht bei mir nicht um Macht ausüben." Dann stoppte sie kurz. "Ich weiß es nicht, warum ich das mache. Ich denke sehr schnell, kombiniere und will dann handeln. Ich bin eine gute Schachspielerin, aber ich verstoße ständig gegen die Regeln. Es dauert mir immer zu lange, wenn mein Gegner zu lange den nächsten Zug überlegt. Ich werde dann ungeduldig und fange an zu reden. So bin ich auch im Alltag und bei meiner Arbeit, außer die Sache mit dem Reden, das mache ich nur beim Schachspielen. Das war auch der Grund, warum meine oder besser gesagt unserer Beziehung, die zwischen Malte und mir, in die Brüche ging. Er ist ein guter Teamleader, überlegt alles bis ins Detail, handelt schnell und doch bedacht. Ich bin ihm ein paar Mal durch meine schnellen Entscheidungen in die Parade gefahren und habe seiner Karriere geschadet. Nicht weil er Fehler gemacht hat, sondern weil er mich nicht disziplinieren konnte. Ich habe gelernt, lernen müssen, mich zurückzuhalten. Ich habe an meiner Teamfähigkeit gearbeitet. Habe mir dafür einen Coach genommen, der mich schulte. Das Zertifikat habe ich nicht beigefügt, ich habe es dabei. Und ich habe mich körperlich etwas besser in Form gebracht. Früher war mir außer dem Sport die Darstellung der Weiblichkeit wichtig. Ich werde älter und ich muss mich dem anpassen, also betreibe ich Sport, halte mich fit, betreibe nebenbei viel Dinge, dich mich auch mental und psychisch fit halten. Ich stopfe Socken, oder auch mal einen Pullover; das beruhigt mich und schult die Feinmotorik. Ich habe mit Zeichnen angefangen und gehe regelmäßig in die Kirche. Ich suche eine Aufgabe, die mich lange Zeit festhält und mich ausfüllt." Mathias hatte sie die ganze Zeit im Auge, beobachtete jede Regung, hörte sich nicht nur an, was sie sagte, sondern auch, wie sie es sagte. "Und was ist mit Malte? Er ist Ihr Vorgesetzter, er wird von niemanden bei uns in Frage gestellt." Nun rutschte Mariza etwas auf ihrem Stuhl hin und her. "Nein ich bin nicht nervös, etwas verspannt ja. Malte und ich haben uns getrennt und das wird so bleiben. Ich muss allerdings gestehen, dass ich ihn immer noch mag. Als Mensch und als Mann. Ich rede mir ein, dass er der große Bruder sein könnte, den ich nie hatte und ich werde dabei auch bleiben. Reicht Ihnen das Mathias? Glauben Sie mir?" Vollkommen gelassen saß Mathias immer noch da und schaute sein Gegenüber an. "Wir haben noch 4 Minuten. Rauchen Sie?" Mariza verneinte und Mathias bedauerte das, denn ihm war auf einmal nach einer Zigarette. Er beschloss an diesem Abend, sich irgendwo noch eine gute Zigarre zu besorgen, wenn die Gelüste nach etwas zu rauchen bis dahin anhalten würden. Und dann klopfte es auch schon. Malte kam mit einer Kanne Kaffee herein, hatte sich scherzhalber ein Geschirrtuch über den linken Unterarm gelegt. "Darf ich noch etwas nachschenken?" Dieser charmante Scherz brachte bei allen wenigstens ein Schmunzeln in die Gesichter. "Wir sehen uns heute Abend zum Essen hier im Hotel!" Das war keine Frage an Mariza Colonelli, sondern ein Aufforderung, die Mathias aussprach. Er reichte ihr die Hand zum Abschied und verließ als erster den Raum, ohne sich mit Malte abzusprechen. Er wollte, dass die beiden sich noch kurz besprechen konnten.

"Otto was wolltest du von mir?" Endlich konnte Mathies den Anruf machen, den er schon lange machen musste. "Hör mir bitte kurz zu und dann solltest du mit Gunnar sprechen. Es gibt noch einige Schriftstücke, die wir bisher nicht gefunden haben. Ich suche hier im Haus und im Keller gibt es offensichtlich noch einen Raum, den man zugemauert hat. Ich suche ihn. Zudem habe ich die Flaschen gezählt, aus denen wir für die Zeitreise getrunken haben. Jeder von uns sollte einen viertel Liter trinken. Die Menge hier im Süden hat genau gepasst. Ich hatte eine Flasche mit einem Liter und einem halben Liter der Flüssigkeit. Was ich nicht verstehe, wenn nur ich zurück sollte, warum bekam ich so viel von dieser Flüssigkeit? Und haben wir alles getrunken oder war noch etwas übrig? Das war das erste, was zu klären ist. Das zweite ist etwas komplizierter. Einen Tag später, als wir die Flüssigkeit getrunken haben und im Hier und Jetzt zurück waren, hat man vor Waiblingen zwei Frauen aufgegriffen, die offensichtlich verwirrt waren. Sie wurden an dem Platz gefunden, wo früher unsere Mühle stand. Ich habe das in der Zeitung gelesen. Die Frauen sollen einen sehr alten deutschen Dialekt sprechen? Die eine soll um die fünfunddreißig und die andere um die sechzehn Jahre alt sein, beide sind körperlich gesund. Sie wurden in die geschlossene Anstalt der Psychiatrie gebracht. Ich benötige deine und Gunnars Unterstützung, um zu klären, ob das jemand von uns ist, die da eingewiesen wurden. Ich bekomme weder von der Polizei noch von der Klinikleitung Auskünfte. Und nun das dritte? Die Flüssigkeitsmenge, die ihr auf Gotland hattet, war ebenfalls zu viel. Ich habe berechnet, dass noch mindestens zwei Person mit der Menge an Flüssigkeit, die übrig war, die Zeitreise antreten konnten. Gunnar muss das prüfen. Und dann noch etwas. Den Schatz, den wir unter der alten Blauzahnsiedlung gefunden hatten, muss noch da sein. In einem der Dokumente, die ich hier gefunden habe steht, dass man alles in Holzkisten verpackt und wieder in den Keller eingemauert hat. Das war alles, was ich dir zu sagen habe. Gute Zeit." Und weg war Otto. Wie immer war er für ein wenig Smalltalk nicht zu haben, wenn er arbeitete und sich mit komplexen Dingen beschäftigen musste. Mathias hatte noch ein paar Minuten vor dem nächsten Gespräch Zeit und rief Gunnar an. Der hatte allerdings schon eine Mail von Otto erhalten.

Um 12.30 Uhr war das Gespräch mit Dorothea Walter geplant. Mathias fand sie und Malte in der Hotel Lobby. Mathias hatte zwar schon ein Passbild von ihr gesehen, aber das passte nicht zu der Frau, die er neben Malte Krahn stehen sah. Sie war so groß wie Malte, die kurzen Haare waren grau und sie war wie das Bild einer Vorstandsassistentin gekleidet. Schwarzer Zweiteiler, flache Schuhe und anstatt einer großen Handtasche, wie er sich das vorgestellt hatte, war sie mit einem Aktenkoffer bewaffnet. Es störte des ehemaligen Anwalt und Blauzahnmann erheblich, dass diese Frau fast zehn Zentimeter größer war als er. Als er diese Emotion in sich spürte, musste er kurz auflachen, dass der Macho in ihm gerade mal wieder durchgebrochen war. Hurra ich lebe noch und bin ein Mann, jubelte da kurz sein Kleinhirn. Malte stellte die beiden sich gegenseitig vor und sie gingen dann direkt in den Speiseraum. Dorothea Walter wartete immer, bis man sie ansprach. Sie sprach am Anfang nicht aus eigenem Antrieb. Malte bestellte sich einen Braten mit allem was die Speisekarte anbot. Mathias ein Steak mit Gemüse ohne jegliche Beilage, da er seit seiner Rückkehr in das Jetzt mit einer Gewichtszunahme zu kämpfen hatte. Und Dorothea bestellte genau das Gleiche und wie sie meinte, nicht weil ihr nichts besseres einfiel, sondern weil sie sich derzeit von Kohlehydraten etwas fern halten musste. Trotz der frühen Stunde bestellte Malte sich ein Bier zum Essen, Mathias und Dorothea nur Mineralwasser. Nach einer Smalltalk Einführungsrunde, bei der sich jeder kurz vorstellte, wurde Dorothea aufgefordert, ein wenig über sich zu plaudern. Natürlich kannte Mathias und erst recht Malte den Lebenslauf der Frau, aber oft war es besser, den Bewerber selbst darstellen zu lassen, was seinen Lebenslauf ausmachte. Sie war nun dreiundfünfzig Jahre alt, nicht verheiratet und Selbstständig als Sicherheitsberaterin bei einer Bank tätig. Sie hatte ein Studium der Rechtswissenschaften begonnen und nicht abgeschlossen, da ihr Sport wichtiger war. Bei der Polizei fand sie die Möglichkeit, während der Ausbildung ihre bevorzugten Sportarten, Langstreckenlauf, Marathon und Hürdenlauf zu betreiben. Allerdings musste sie auf Grund einer Knöchelverletzung einige Zeit aussetzen und fand nach der Rekonvaleszenz nicht mehr in den aktiven Sport zurück. Sie hatte allerdings die vollständige Diensttauglichkeit zurückerhalten und schaffte es beim BKA schließlich bis zur Hauptkommissarin. Bei einem Auslandseinsatz begegnete sie Malte Krahn. Sie bekam im Ausland einen Einblick über militärische Ausbildungsstandards und Malte unterstützte sie bei ihren Aufgaben, die sie dort zu erledigen hatte. Ihre Hauptaufgabe war die Spurensuche von Personen, die in Europa als Terrorverdächtige galten und sich vermutlich kurzfristig wieder im Ausland befanden. Sie war sehr gut im IT Bereich, da man mit diesem Medium oft genug Personen aufspüren konnte. Ein großer Teil der Verdächtigen hatte immer wieder das Bedürfnis, sich selbst öffentlich darzustellen, auch wenn das nur in den internen Foren möglich war oder versteckt in öffentlichen Auftritten. Stimmenvergleiche, Gesichtserkennungen und viele andere Möglichkeiten der Erkennung waren ihr kein Fremdwort. Bei mehreren Einsätzen war sie als sogenannter Beobachter dabei. Aber bei diesen Einsätzen gab es keine wirklichen Beobachter, alle mussten aktiv sein. Das musste sie mit einem fast schon schelmischen Augenzwinkern eingestehen. Aber diese Einsätze hinterließen bei ihr Spuren. Sie war der Meinung, dass die Führung der Bundeswehr, der Polizei und auch der Politik das alles mit einem Minimum an politischem Willen, juristischer Sicherheit und gesicherter Führung betrieben. Man musste sich von zu vielen Fesseln befreien, um den Auftrag zu erfüllen, den man erhalten hatte. Das persönliche Risiko von den eigenen Auftraggebern in die Ecke gestellt zu werden, war größer, als das Risiko, sich mit den sogenannten Gegnern aktiv zu befassen. Also quittierte sie den Dienst und machte sich als Sicherheitsberaterin selbstständig. Kontakte zu allen möglichen Kunden oder auch Auftraggebern hatte sie genug und zudem verdiente man gutes Geld damit. Ihren Auftrag als Sicherheitsberaterin konnte sie jederzeit an einen ihrer drei Partner übergeben und war, wenn notwendig ab sofort frei. Und dann zum Abschluss fragte sie Malte und Mathias noch." Und was wollen sie beide von mir? Ich habe mich natürlich etwas kundig gemacht, wer Mathias der Anwalt ist und was Malte derzeit macht und wer sein Arbeitgeber ist. Gunnar Larson, geheimnisvoll, etwas Suspekt was seine geschäftlichen Aktivitäten betrifft. Ich dachte immer Jan sei eure Sponsor, aber ihr habt für eure Blauzahngeschichte wohl einen weiteren gefunden. Weltreisen, Presserummel und ein Jahr von der Bildfläche verschwinden und dann wieder auftauchen, als ob es das eine Jahr nie gegeben hätte. Ich bin neugierig geworden und nun nochmals, was kann ich dabei für euch tun?"

Die Frau wusste, was sie wollte, hatte gut recherchiert, gut gefragt, klare logische Schlussfolgerungen getroffen. Mathias war begeistert, aber wo konnte man sie einsetzen? War sie die Person, die ihnen helfen könnte, ihre Aktivitäten zu sichern. Sie hatten noch so vieles aus der Vergangenheit im Mittelalter aufzuarbeiten und mussten nach außen sich absichern. Konnte sie die Blauzahnleute dabei unterstützen und passte diese Persönlichkeit ins Team.

Als auf einmal der Nachbartisch mit neuen Gästen besetzt wurde, erlahmte die Unterhaltung gänzlich und es wurden charmante Allgemeinplätze ausgetauscht.

"Wir sollten uns noch in unseren Besprechungsraum zurückziehen, um ein paar Details zu besprechen!" Die Aufforderung von Mathies war klar und er bemerkte, dass er ein klein wenig die Rollen des höflichen Gastgebers verlassen hatte. "Entschuldigen Sie Dorothea, aber die Zeit drängt und Kaffee, wenn sie wollen, können wir auch noch dort trinken." Sofort war ihr anzumerken, dass sie es bemerkte, dass es Mathias etwas peinlich war, dass er überstürzt die Tafel aufgehoben hatte. Sie nickte verständnisvoll und der Druck, der gerade noch auf den Schultern des Anwaltes lastete, war etwas weggenommen. Bisher hatte Malte hingegen nur ein Statistenfunktion übernommen, aber seine Aufmerksamkeit war auch stark auf ihr Umfeld im Restaurant gerichtet gewesen. Er entschuldigte sich bei den beiden und sagte nur, dass er nachkommen würde, da noch etwas zu erledigen sei. Nicht sichtbar oder zu hören war, als er Mathias kurz etwas ins Ohr flüsterte. "Wir wurden beobachtet und fotografiert. Ich will wissen, wer das ist." Und damit verschwand er in Richtung Garderobe, während die anderen beiden zum Besprechungsraum gingen, den man für sie bereitgestellt hatte.

Mit Hilfe von einem braunen Euroschein versuchte Malte beim Oberkellner zu erfahren, ob er die beiden Gäste, ein Mann und eine Frau kannte, die sie so intensiv beobachtet und fotografiert hatten. Der Befragte nahm gerne den Schein entgegen. "Ja die kenne ich. Die haben mir ebenfalls etwas dafür gegeben, dass ich ihnen ihren Namen nenne. Habe ich nicht gemacht. Das gehört nicht zu meinen Aufgaben, aber da sie etwas großzügiger waren als die beiden darf ich Ihnen sagen, dass ich gesehen habe, dass sie mit einem grünen alten Rover gekommen sind. Sie parken im Parkhaus hier im Hotel. Wissen Sie, so einen alten SUW." Das genügte Malte und er machte sich auf den Weg nach unten ins Parkhaus. Und er fand das Fahrzeug mit einer Hamburger Nummer und einem Schild - PRESSE - hinter der Frontscheibe. Er fotografierte das Auto, die Nummer und ging nochmals zurück in den Speiseraum, um die beiden auch heimlich abzulichten.

"Nein, nicht als freie Mitarbeiterin, sie sind bei uns angestellt. Wir wollen das so. Aber den groben Umfang der Aufgaben habe ich ja erklärt." Das waren die Worte, die Malte hörte als er den Besprechungsraum betrat. Den fragenden Blick, den ihm der Anwalt zuwarf, konnte er sogleich beantworten. "Presse, zwei Leute. Die haben den Kellner auch nach uns befragt, aber offensichtlich keine Antwort erhalten. Ich habe die Autonummer und Bilder von den Gesichtern der beiden. Wir klären das später, wer sie sind." Dorothea schaut ihn an. "Warum später? Darf ich mal unter Beweis stellen, was ich kann?" Sie packte ihren Laptop aus. Malte spielte ihr die Bilder zu und nach etwas mehr als zehn Minuten hatten sie das an Informationen, was sie zum Identifizieren benötigten. Das waren zwei Mitarbeiter einer Boulevardzeitung, soweit die Informationen reichten, hatten beide erst vor kurzem ihr Studium abgeschlossen und machten nun ihr Volontariat bei dieser Zeitung. Das Fahrzeug gehörte der jungen Frau und der andere war der Sohn eines der Verleger des Blattes. "Woher ich all diese Informationen habe? Mein Geheimnis, das bekommen Sie, wenn ich Ihre Mitarbeiterin bin und der Vertrag ist von allen unterzeichnet." Die Frau brauchen wir, dachten beide Herren. "Wir werden heute noch unsere Entscheidung treffen, wie lange benötigen Sie? Es geht noch um das genaue Aufgabengebiet, das können wir ihnen aber erst mitteilen, wenn wir eine Geheimhaltungsklausel von Ihnen gegengezeichnet erhalten haben.." Jetzt hatte Malte wieder die Führung des Gespräches übernommen. "Her mit der Klausel. Ich will wissen, um was es geht und ich bin sehr neugierig geworden. Wenn Malte Krahn mein Vorgesetzter sein wird, freue ich mich jetzt schon, denn dann wird´s nicht langweilig." So locker wie Dorothea jetzt wurde, war sie die ganze Zeit noch nicht gewesen. Mathias zog ein Schriftstück heraus, reichte das der Bewerberin mit einem Kugelschreiber zusammen. Sie brauchte nur ein paar Minuten, um zu verstehen, was man da von ihr wollte. Nickte und unterschrieb das Papier. "Ja solche Dokumente kenne ich. Musste ich auch bei der Bank unterschreiben. Wann sehen oder hören wir uns wieder?"

Malte schaute Mathias an. Der nickte einfach nur und so konnte der Securitymann ohne weitere Rücksprache antworten. "Morgen früh zum Frühstück hier! Passt das?" Sie stand auf gab beiden die Hand und sagte zum Abschied. "8.00 Uhr, oder ist das zu früh für sie?" "Passt." Sagten beide gleichzeitig.

Unter der Türe drehte sich Dorothea nochmals um. "Ich kenne den Chefredakteur der Zeitung. Ich kläre das und die sollten sich zurückziehen. Ich will auch mein Konterfei auf keiner Titelseite sehen." Dann war sie weg.

 

Inzwischen war es schon 15.30 Uhr. Der letzte Bewerber sollte um 16.30 Uhr kommen. Und der kam pünktlich. Bernard Noir - durch und durch ein Soldat. Glatt rasiert, kurze Haare, ein einfacher, grauer Anzug, der kaum verbarg, dass dieser Mann sehr sportlich gewesen war, aber seit einiger Zeit wohl weniger Bewegung hatte. Die Begrüßung zwischen Malte und Bernard war freundlich und doch distanziert. Dass sie sich seit langem kannten, wurde Mathias bewusst, als sie beide das Du in ihrer gegenseitigen Anrede benutzen. Der Anwalt hatte das Bewerbungsschreiben und die Unterlagen dieses Mannes genauer unter die Lupe genommen, da es in der Abfolge seiner Tätigkeiten eine Zeitraum gab, wo er offensichtlich nichts gearbeitet hatte. Und was ihm erst jetzt auffiel. Dieser Mann war Major und wurde als Leutnant entlassen. Er hatte bei der französischen Luftwaffe gedient und war dann zur Fremdenlegion gewechselt. Dort hatte er bereits den Rang eines Majors und war vorgesehen nach weiteren drei Jahren in der Legion einen weit höheren Dienstgrad zu erhalten. Kurz vor der Beförderung wurde er dann degradiert und entlassen. Das war vor sechs Jahren, als er gerade im Einsatz in Somalia war. Dort war auch Malte Krahn vor etwas mehr als sieben Jahren. Was war da geschehen?