Band 4 - Kapitel 18

28. Januar 2017 19.50 Uhr Parkplatz bei der Autobahnausfahrt Schafstedt

 

Pet und Will gaben allen den Rat, erst zu reden, wenn sie etwas gefragt wurden. Zudem sollten bei allgemeinen Fragen jeweils nur Will und Pet antworten. Dann waren sie auch schon auf dem Parkplatz und stellten die Motoren ab. Will öffnete das Fenster und schaute hinaus. Vor ihm standen mindestens vier Polizisten mit Maschinenpistolen, links und rechts ebenfalls. Hinter ihm bemerkte er, dass auch Pet den Motor abgestellt hatte und die Lichter ausgeschaltet wurden. Auch er öffnete sein Fenster und wartete, was da nun kommen würde. Gleichzeitig lösten sich zwei Polizisten von ihnen links und kamen auf sie zu. In etwas weniger als einem halben Meter blieben sie neben der Fahrertür stehen und forderten die Fahrer auf, ihnen die Fahrzeugpapiere zu geben, den Führerschein und die Ausweispapiere. Schnell wurde den Aufforderungen nachgegangen. Die Polizisten entfernten sich mit den Dokumenten. Sie warteten, nichts geschah in den kommenden zehn Minuten. Dann kamen Beamte und leuchteten ins Fahrzeuginnere. Pet musste beruhigend auf Frida einreden, die sich wegen des Lichtstrahls beschweren wollte. Will und Pet hörten wie die Polizisten sich über Funk untereinander unterhielten. Offensichtlich wurden Personen gesucht, die mit Frauen aus Osteuropa in Richtung Dänemark unterwegs waren. Ein anderer Polizist meinte, dass auch Drogen im Spiel seien. Langsam wurde es kalt in den Autos, Pet wollte aber das Fenster nicht schließen. Also rief er einem der Beamten zu, dass er gerne aussteigen würde, um ein paar Jacken aus dem Kofferraum zu holen, da es langsam kalt im Auto wurde. Will konnte im Van direkt auf die wärmenden Kleidungsstücke zugreifen.

 

Bis Pet aussteigen durfte, dauerte es noch etwas, denn offensichtlich musste jemand die Entscheidung dazu treffen. Als er aufgefordert wurde auszusteigen, hörte er, wie die Maschinenpistolen entsichert wurden. Er durfte aber den Kofferraum nicht von innen öffnen, sondern musste ihn selbst manuell aufmachen. Ein Polizist stand mit einer Maschinenpistole im Anschlag neben ihm, ein anderer zielte in den Kofferraum. Einzeln musste Pet die Kleidungsstücke herausnehmen, diese wurden von einem dritten Polizisten erst untersucht, bevor Pet sie ins Auto reichen durfte. Er selbst benötigte nichts, da ihm warm war, er schwitzte sogar heftig, denn die Waffen machten ihn doch etwas nervös. Pet wollte gerade einsteigen, als ein Unbekannte an ihn herantrat und ihn darum bat, auch die Ausweise der anderen Passagiere sehen zu dürfen. Pet sammelte diese von seinen Mitfahrern ein und reichte sie an den Mann weiter. "Darf ich erfahren, warum Sie uns kontrollieren und vor allem, warum Sie mit Waffen auf mich und meine Freunde im Auto zielen." Der Unbekannte drehte sich um. "Reine Routinekontrolle und mit Waffen zielt hier niemand auf Sie. Das sind ganz einfach Sicherheitsmaßnahmen. Ich möchte Sie nur noch um etwas Geduld bitten." Mit dem Handy fotografierte der Mann die Ausweispapiere. "Was soll das denn? Ich muss nun aber protestieren. Dokumentenkontrolle ja, aber Ausweise abfotografieren geht gar nicht. Ich muss sie auffordern die Ausweise mir zurückzugeben und die Fotografien zu löschen und ich möchte sie bitten, sich auszuweisen." Der Mann reagierte sehr ungehalten und wollte Pet eine Antwort geben, bevor er aber dazu kam, eilte ein Mann auf Pet und den Unbekannten zu. "Bitte entschuldigen Sie. Das ist Kommissar Weinbrecht und ich bin Staatsanwalt Dr. Brenner. Es ist alles in Ordnung. Sie sind ja eine bekannte Persönlichkeit Herr Bär. Wir machen hier gerade eine Routinekontrolle, weil wir Hinweise auf Menschenhandel und Drogenschmuggel bekommen hatten und ihre Fahrzeuge passten genau auf diese Hinweise." Sie bekommen sofort alle Papiere zurück. Ich möchte mich nochmals für diese unangenehme Situation bei Ihnen entschuldigen." Und sofort bekam Pet aber auch Will alle Ausweise und die Fahrzeugpapiere zurück.  Pet blieb neben Kommissar Weinbrecht stehen. "Ja dann ist ja alles gut. Steigen Sie ein und gute Weiterfahrt." Mit diesen Worten wollte sich Weinbrecht entfernen. "Ich fahre nicht weiter. Sie haben die Bilder der Ausweise noch nicht gelöscht. Ich warte darauf, dass sie das in meiner Anwesenheit tun." Pets Blutdruck war nun etwas höher als normal, zudem spürte er, dass mit diesem Weinbrecht etwas nicht stimmte. Also baute er sich vor dem Mann auf und spannte die Muskeln an. Auf einmal sah er nicht mehr wie ein alter Mann Mitte sechzig aus. Seine Haltung musste auf den Herrn Kommissar jetzt eine andere Wirkung haben als vorher. Das Bild eines devoten Bürgers hatte sich in seinem Kopf verändert und er schaltete auf Kontra um. "Ich habe die Bilder gelöscht und damit ist doch alles erledigt." Aus der kurzen Distanz hatte der Staatsanwalt das Gespräch mit angehört. "Weinbrecht darf ich Ihr Handy haben. Ich würde gerne Herrn Bär die Bestätigung geben, dass die Bilder der Ausweise gelöscht wurden."  Weinbrecht war mehr als nur irritiert. Dass ein Staatsanwalt sein Handy wollte, um zu sehen, was er getan oder nicht getan hatte, widersprach allen Regeln. Zudem warum wollte der Typ, dass die Bilder gelöscht werden? Wenn er nichts verbrochen hatte, konnte ihm das doch gleichgültig sein. Es war doch offensichtlich, dass sich hier ein paar alte Typen mit jüngeren Frauen auf Vergnügungsreise befinden. Und warum sollte er sich vor einem Mann, dessen Papier er gerade kontrolliert hatte, demütigen lassen? "Tut mir leid Dr. Brenner, aber mein Wort sollte genügen." Weinbrecht wollte nun weitergehen, aber der Staatsanwalt stellte sich ihm in den Weg. "Ja das ist unüblich und ich darf ihr Handy nicht verlangen. Aber ich will, dass sie mir ihr Diensthandy nun zur Verfügung stellen, weil ich unbedingt telefonieren muss. Das werden sie mir doch nicht verweigern?" Pet gefiel der Staatsanwalt. Dieser Mann ließ sich nicht so schnell abfertigen. Also händigte der Kommissar das Handy dem Staatsanwalt aus. Der ging mit dem Handy ein paar Schritte weiter, hantierte herum und gab es mit den Worten an Pet gerichtet dem Kommissar zurück. "Die Bilder sind ganz sicher gelöscht."

 

Dass Weinbrecht alle Bilder per WhatsApp schon weitergeleitet hatte, bemerkte der Staatsanwalt nicht.

 

21.40 Uhr Nordstrand Ferienhaus

 

Erschöpft, wütend und aufgebracht kamen sie beim Ferienhaus an. Von unterwegs hatte Will noch Gunnar über das, was geschehen war, informiert. Mathias hörte sich die Berichte aller gut an. Was sie gesehen hatten und was ihnen aufgefallen war. Es war ihnen gar nicht aufgefallen, dass sie die einzigen waren, die man kontrolliert hatte. Niemand anders wurde auf den Parkplatz geführt und überprüft. Mathias hatte das durch seine Fragen erst in das Bewusstsein der anderen gebracht. Dann fragte er nochmals die Namen der beiden, mit denen sie es bei der Überprüfung zu tun hatten. Kommissar Weinbrecht und der Staatsanwalt Dr. Brenner waren Mathias nicht bekannt, aber er kannte jemand, der sie kennen sollte. Trotz der fortgeschrittenen Uhrzeit telefonierte Mathias noch mit jemandem und nach dem Gespräch schien er etwas mehr zu wissen, als vorher. "Das war ein Studienkollege, der früher beim BKA war. Er kennt Dr. Brenner, der ist nicht Staatsanwalt, wie er behauptet hatte, sondern Oberstaatsanwalt und im Schwerpunktbereich Wirtschaftsdelikte in Kiel. Warum die behaupten, dass sie euch wegen Menschenschmuggel und Drogenhandel kontrolliert haben, weiß ich nicht. Das war eine dumme Ausrede." Kaum hatte er aufgehört, sein Wissen den anderen mitzuteilen, bekam er per Mail noch eine Nachricht von seinem Informanten. Mathias las vor. "Kommissar Weinrecht, ehemals Oberkommissar, stammt aus Kiel. Ist bekannt dafür, dass er oft unkonventionelle Wege zur Aufklärung seiner Fälle geht. Wurde zurückgestuft, weil er sich hatte bestechen lassen. War offensichtlich nur ein Bagatelldelikt, aber man musste ihn wegen des öffentlichen Drucks bestrafen. Dr. Brenner und er kennen sich nicht. Kontrolle wurde durchgeführt, weil man einen anonymen Hinweis bekommen hatte, dass ein Van und ein BMW mit männlichen und weiblichen Personen Drogen und eventuell auch in Menschenhandel verwickelt sein sollen. Der Hinweis war so konkret, dass man darauf reagieren musste. Zudem wurden die Strecke der Fahrzeuge und die Autonummern vom Informanten mit übermittelt. Dr. Brenner wurde nur hilfsweise eingesetzt, weil gerade kein anderer Staatsanwalt zur Verfügung stand. Habt ihr etwas mit Gunnar Larson zu tun? Dr. Brenner ist gerade an einem Fall von Wirtschaftsspionage im Zusammenhang mit den Unternehmen des Gunnar Larson dran. Grüße und nun gute Nacht und lass mir meine Ruhe. Dein Freund Wilhelm." Na gut, Wilhelm war offensichtlich ein Mann mit einem Ansatz von Humor und Hilfsbereitschaft. Klar war, dass Wilhelm wusste, dass Mathias etwas mit Gunnar Larson zu tun hatte. Warum sonst würde er, ohne vorher darüber informiert zu sein, das in einem Nebensatz erwähnen. Will fragte das und Mathias musste verneinen, dass er seinen Freund darüber informiert hatte. Warum dann dieser Nebensatz? Offensichtlich wusste Wilhelm schon etwas mehr, bevor ihn Mathias dazu fragte? Dann rief Lilli laut aus. "Ich hab´s. Die beiden Wagen wurden von mir gemietet und ich bin offiziell Mitarbeiterin von Gunnar Larson und im Mietvertrag für die PKW steht auch drin, dass der Mieter Gunnar Larson Teknisk forskning AB ist. Im Mietvertrag sind auch die Namen der Fahrer angegeben. Eure Führerscheine musste ich schon als Kopie dem Vermieter zuschicken. Erinnert ihr euch? Und nun kommt mir die Polizeikontrolle immer merkwürdiger vor. Die wussten doch, wer die Autos gemietet hat und wer sie fährt? Und wie wir wissen, hatten die einen Tipp bekommen, dass mit diesen Autonummern zwei Autos unterwegs sind. Die wollten uns nicht wegen Drogenschmuggel oder Menschenhandel kontrollieren. Die wollten wissen, wer alles in den Autos sitzt." Will rief umgehend Gunnar an und teilte ihm mit, was Lilli vermutete. Allerdings wusste Gunnar, dass ermittelt wurde. Nicht gegen ihn, sondern weil er Anzeige gegen unbekannt gestellt hatte. Aus einem seiner Forschungslabore für Mikrotechnik waren Pläne für Mikromotoren verschwunden. Es ging dabei um medizintechnische Elemente für chirurgische Eingriffe. Immer wieder hatte Gunnar betont, dass er alles verkauft hatte und nur von den Verkaufserlösen seiner Unternehmungen leben würde und nun diese Informationen. Will erklärte den anderen alles, nachdem er das Gespräch mit Gunnar beendet hatte. Gunnar war offiziell aus allen Geschäften ausgestiegen und verkaufte vor ein paar Jahren alle seine Firmen. Allerdings nicht an irgendjemand, sondern an sich selbst. Über ein paar Scheinfirmen in Nord. und Mitteleuropäischen Ländern kaufte er die Anteile an allen seinen Firmen. Nur zwei kleinere medizintechnische Unternehmen und eine Immobilienfirma behielt er offiziell. Mit den Gewinnen daraus finanzierte er sein Privatleben. Die Blauzahnsiedlung und alles was er dort machte, wurde über andere Unternehmen finanziert. Vor allem das Unternehmen für Sozialforschung und Kommunikation war an der Blauzahnsiedlung beteiligt. Alle seine Unternehmen wurden von einem Security Unternehmen überwacht und gesichert. Alles war so konstruiert, dass er eigentlich nur ein finanzieller Nutznießer des Ganzen war. Er hatte bis auf die Blauzahnsiedlung keinen direkten Einfluss auf eines der Unternehmen, so sollte man denken. Dass die Presse seit Jahren und nun auch die schwedische und die deutsche Polizei ihn versuchte zu durchleuchten, war ihm bewusst. Nur diese Methoden waren etwas merkwürdig.

 

Sophia schüttelte immer wieder den Kopf. Sie verstand gar nichts. Pet versuchte es zu verstehen, aber es gelang ihm auch nicht. Sasha, Alana und Simon standen auch nur da und begriffen immer weniger. Die Mittelaltermenschen klinkten sich ganz aus, da sie das alles nicht im Ansatz verstanden hatten. Nur Mathias und Lilli konnten dem folgen, was Will ihnen da versucht hatte, zu vermitteln. Lilli weil sie schon lange mit Gunnar zusammen arbeitete, zwar auf anderem Gebiet, ihre Welt war die Erforschung des Mittelalters, aber sie kannte seine Winkelzüge und seine Vorliebe, alles kompliziert zu machen. "Um es einmal vereinfacht zu sagen. Gunnar Larson will nicht, dass irgendjemand erkennt, was er tut, woran er arbeitet, womit er sein Geld verdient und am liebsten würde er unter einem Pseudonym leben. Er verachtet alles, was mit Öffentlichkeit zu tun hat und dazu gehört vor allem die Presse und die Behörden." Das konnten alle irgendwie begreifen, bis auf Frida, Juli und Bert. Bert war insgesamt seit sie hier waren eigentlich nur noch körperlich vorhanden. Selten sprach er oder äußerte sich mit Gesten zu irgend etwas. Seine Tochter versuchte zwar ihn immer wieder mit in ihr Leben einzubeziehen, aber er schien ihr auch nicht zuzuhören, zeigte auch nichts, was darauf hindeutete, dass er etwas verstehen würde. Auch beim Shoppen wirkte er eher teilnahmslos und fand alles einfach furchtbar. Er verschwand dann noch vor dem späten Nachtmahl, ohne irgendjemand etwas zu sagen, in seinem Zimmer.

 

Um 23.30 Uhr kam dann noch die Nachricht aus Gotland, dass ein gewisser Malte Sorensen auf dem Wege nach Nordstrand war. Er würde gegen späten Mittag in Hamburg abgeholt werden und dann zu einem Hotel in Hattstedtermarsch fahren. Das lag auf der Festlandseite vom Fahrdamm nach Nordstrand. Dann folgte noch das Bild von Malte.

 

Mathias ging dann auch zu Bett, denn er musste am nächsten Morgen sehr früh los, da er sich mit Malte Krahn in Hamburg zu Personalgesprächen treffen wollte.

 

Als Juli gegen Mitternacht zu Bett ging, schaute sie nach ihrem Vater. Sie fand ihn tief in ein Gebet vertieft vor seinem Bett kniend. Er hatte die Hände gefaltet und die Augen geschlossen und sprach leise mit seinem Gott. Sie verstand leider kein Latein, aber es war ihr egal, was er da sagte. Sie kniete sich neben ihren Vater nieder, faltete ebenfalls ihre Hände und begann etwas lauter, als ihr Vater betete, in der Sprache, die sie zu lernen begonnen hatte. Er hörte auf und lauschte der Stimme seiner Tochter, bis er seinen Arm um sie legte und sie an sich drückte. So hatte er das noch nie getan. "Bist du glücklich meine Tochter? Ich habe Angst, dass diese Reise Unglück für uns bringt. Ich weiß nicht, wie ich dich in dieser Welt beschützen soll?" Sie musste sich etwas von ihm befreien, denn seine liebevolle Umarmung hätte sie fast um den Atem gebracht. "Ja Vater, das bin ich, denn hier habe ich Freunde gefunden, mit denen ich zusammen sein will. Das ist auch kein Abenteuer, wie es die Bänkelsänger darbieten, das ist einfach ein anderes Leben. Ich bin glücklich, weil wir hier als Vater und Tochter zusammen sein dürfen. Aber ich bin auch unglücklich, weil dich etwas bedrückt. Willst du mir nicht sagen, was es ist, was dir Sorgen bereitet?" Er fasste die Hände seiner Tochter und führte sie zu dem Sessel gegenüber seinem Bett. Dann setzte er sich auf die Bettkante. "Tochter es ist nicht schicklich, dass ein Vater neben seiner Tochter vor dem Bett kniet und betet. Es ist nicht schicklich, dass wir beide alleine hier in diesem Raum sind. Ich bin Priester und folge strengen Regeln und nun das. Ich fühle mich nicht wohl, weil es mir gefällt, was hier geschieht. Diese Freiheit des Geistes, die Sprache, die Vielfalt dessen, was uns der Herr geschenkt hat. Das macht mich aber auch unglücklich, weil ich so schnell Freude an diesem Leben gefunden habe. Ich bin verwirrt und suche noch meinen Platz, den mir unser Herrgott geben will. Zudem finde ich das Verhalten dieser modernen Menschen doch oft sehr fragwürdig. Es scheint keine Regeln mehr zu geben und doch gibt es Gesetze, die verhindern, dass man sich wehren darf, wenn man sich in Gefahr wähnt. Die Sitten sind anders, Frauen haben viel Freiheit und müssen offensichtlich dafür oft mehr büsen. Die Willkür der Hohen Herren ist anders, aber sie gibt es noch immer. Und oft muss ich mir die Frage stellen, wofür leben wir?" Seine Tochter schaute ihn liebevoll an, was er schwer ertrug, denn eigentlich sollte sie ihn als stellvertretenden Abt, Priester und Vater respektvoll anschauen. Es war einfach schwer für ihn, das zu ertragen. Er gestand sich endlich ein, dass es die Gefühle waren, die ihn krank machten. Gute Gefühle, Liebe zu Menschen und nicht zu Gott alleine. Nicht die Liebe zu seiner Aufgabe, sondern die Liebe zum Leben. Er hatte bisher nur einmal geliebt und das war die Mutter seiner Tochter. Sie war tot und er durfte seine Tochter nicht aufwachsen sehen und lieben. Und doch tat er das nun. Auch die Menschen, die ihn hier umgaben, waren Menschen, die er achtete und die er nicht missen wollte. Aber er vermisste eines, seine Aufgabe. Er wollte wieder arbeiten, er war noch nie ein Müßiggänger und das musste er bald wieder tun. "Ich will und muss arbeiten meine Tochter. Dann wird es mir bald wieder gut gehen."