Band 4 - Kapitel 1

In der Blauzahnsiedlung

 

Lars Windkenner                                           Lars

 

Erik der Menschenschmid                            Erik

 

John ohne Sprache                                       John

 

Jose und Alberto Weinmacher                      Jose und Alberto       

 

Jan Sternenkenner                                        Jan

 

Gerretius Medikus                                         Gerrit  

 

Peter von und zu Bärental Chronist              Pet

 

Gregorius der Mönch und Seelentröster       Greg

 

Marcus der Hammer                                     Marc

 

Juris der Balte                                                           Juris

 

Mathias der Schreiber und Rechtsgelehrte  Mathias

 

Steffen Landratte                                          Steffen

 

Carlo und Luigi Segelmacher                        Carlo und Luigi

 

Claus von Olsen                                            Claus ......      

 

Merit, Frau des Mathias                                Merit........      

 

Meldra                                                           Meldra.....

 

......Reisende aus dem Mittelalter

 

Mandy                                                           Mandy

 

Corina                                                            Cornia

 

Milly                                                               Milly

 

Matra                                                             Matra

 

Carla                                                              Carla

 

Maria                                                             Maria

 

Lisa                                                                Lisa

 

Olivia                                                             Olivia

 

Sylvia                                                            Sylvia

 

Beatice Monte, des Alberto                           Beatrice

 

Birgit                                                              Birgit

 

Julia Piro                                                        Julia

 

Maria, Tochter der Birgit                               Maria

 

Melanie                                                          Melanie

 

Sophia                                                           Sophia

 

Betty                                                              Betty

 

Dara Felin genannt  Cahyra Muslime           Felin und Cahyra

 

Isabella                                                          Isabella

 

Nadine Tochter der Isabella                          Nadine           

 

Judit                                                               Judit

 

Simon                                                                        Simon

 

Sasha  Simons Schwester                            Sascha

 

Petja                                                              Petja   

 

Oleg                                                               Oleg   

 

Olgenija                                                         Oksana          

 

Wladimir                                                        Wladimir

 

Andrei                                                                        Andrei

 

Alana                                                             Alana

 

Popeij                                                             Pascha

 

Oronija                                                           Orsola

 

Askold                                                            Askold

 

Silas                                                               Sila

 

In Waiblingen

 

Otto Kraz                                                       Otto

 

Gunnar Larson                                              Gunnar / Lars der Jüngere

 

Liliane Grodegund                                         Lilli

 

Willi Karr                                                        Will

 

Reisende aus dem Mittelalter......

 

Bartholomäus                                                Bert.....

 

Jonata                                                            Juli......

 

Frida von Blau                                               Frida von Blau.....

 

58 Menschen die durch ein Abenteuer verbunden waren.

 

Gotland 26. Dezember 2016 Blauzahnsiedlung

 

Mit einem Learjet war Gunnar auf dem Flughafen von Visby am späten Nachmittag gelandet. Er hatte sich einen Mietwagen buchen lassen und fuhr mit dem umgehend zur Blauzahnsiedlung. Kurz vor dem Tor zur Siedlung wurde er angehalten. Seine Security Mitarbeiter leisteten gute Arbeit. Zwölf Männer und Frauen bewachten seit über einem Jahr das Gelände der Siedlung. Bis auf eine Reinigungsfirma und die Lieferanten der Lebensmittel war niemand der Zutritt gestattet worden. Die Männer hatte er und Will persönlich ausgewählt und sie wurden bestens bezahlt. Mit der guten Bezahlung und seinem Überwachungssystem hatte er sicherstellen können, dass nichts geschah, was er nicht wollte. Es waren Männer aus Deutschland, Schweden und der Schweiz und alle mit einer besonderen Ausbildung. Waffengebrauch und auch einen hohen Grad an technischen Fähigkeiten waren Voraussetzung für ihre Einstellung. Da er alles Militärische hasste und doch eine Hierarchie benötigte, nannte er den Anführer der Wachmannschaft Oberingenieur und alle anderen waren Techniker. Am Tor wurde er mit Handschlag und einigen freundlichen Worten von seinem Oberingenieur begrüßt. Auch so eine Voraussetzung für die Einstellung seiner Leute, gute Umgangsformen. "Herr Larson, sie sind alle zurück. Ich habe mit Pet Bär und Erik Eriksen gesprochen. Sie haben alle in der Siedlung über unsere Aufgaben informiert und wissen, dass sie hier in Quarantäne sind. Ich wurde auch darüber informiert, dass weitere Teilnehmer der Reise in Deutschland gestrandet sind. Und wie Sie angewiesen haben, sind drei meiner Mitarbeiter nach Waiblingen unterwegs. Sie werden zu dieser Stunde dort eintreffen. Eine Sanitätskraft und zwei Techniker habe ich losgeschickt. Das Labor auf ihrem Gut in Schleswig Holstein ist darüber informiert, dass sie eventuell Blut oder Gewebeproben zu Untersuchungszwecken erhalten. Soll ich Sie ins Hauptgebäude begleiten oder wollen Sie alleine gehen?" Gunnar Larson wollte alleine gehen. Einer seiner Techniker stellte seinen Mietwagen auf einem abgeschlossenen Parkplatz ab, während Gunnar schon auf dem Weg zu dem Haupthaus war.

 

Alle hatten sich in der Aula versammelt und erwarteten ihren Reiseveranstalter. Gunnar stand vor der großen Holztüre und holte mehrere Male tief Luft. Er hatte sie alle schon durch die großen Panoramascheiben gesehen und trotzdem fiel es ihm schwer, einfach so einzutreten. Wie würden sie ihn empfangen? Er hatte sie ohne ihre Zustimmung auf eine Zeitreise geschickt und sie wieder zurückgeholt. Sie waren in eine Zeit hinein gereist, wo vor allem körperliche Fitness, Verschlagenheit und Durchsetzungsvermögen von Nöten war. Und vor allem, es waren viele ältere Herren dabei. Wie hatten die das alles überstanden? Waren sie ihm böse? Würden sie ihn aus Wut gleich erschlagen oder wenn es für ihn gut lief nur verprügeln? Kurz zögerte er noch und dachte daran, sich wenigstens von ein paar Technikern begleiten zu lassen. Nein, rief es in seinem Kopf, gehe rein und stelle dich der Sache. Also öffnete er die Türe und trat ein. Das Geplauder im Saal verstummte schlagartig. Vorsichtig und sehr leise schloss er die Türe, zog seinen Mantel aus und warf ihn auf einen Stuhl der neben der Türe stand. "Guten Tag sehr geehrte Damen und Herren. Mein Name ist Gunnar Larson und ich bin Ihr Peiniger. Ich bin es gewesen, der Sie auf die Reise geschickt hat. Zuerst möchte ich aber allen dazu gratulieren, dass sie gesund zurück sind und..." Mathias drängte nach vorne und hob die Hand. "Lassen Sie es gut sein, wir wollen jetzt keine Erklärungen oder Entschuldigungen über das Warum und ihre verbrecherische Vorgehensweise - wir wollen jetzt einfach feiern. Wir leben und sind in allem Glück, das wir hatten, auch sehr unglücklich. Unglücklich, weil wir in einer anderen Zeit Freunde zurücklassen mussten, die wir vermissen. Glücklich darüber, jetzt wieder in unserer Zeit zu sein. Wir haben eines gelernt, dass manches Mal Gelassenheit wichtiger ist als vorschnelles Handeln. Also wir können jetzt feiern und sie späte aus Wut verprügeln oder wir feiern jetzt und dann besprechen wir alles andere. Aber ein Fest, das wir jetzt haben wollen, mit Blut zu beginnen oder ernste Gespräche zu führen, das macht keine Freude. Also setzen wir uns alle und feiern wir." Gunnar schaute den Anwalt erstaunt an. So offen und klar hatte er nicht erwartet begrüßt zu werden. Ob die Reisenden es ernst meinten mit dem Verprügeln? Erstaunt schaute er sich um als er von einem kräftigen Arm nach vorne geschoben wurde. Er schaute sich um und war erstaunt. War das nicht Beatrice Monte, die ehemalige Kellnerin und Frau des Alberto? Er holte sich das Bild der Frau vor Beginn der Reise in sein Gedächtnis. Schlank, nicht unbedingt zart, aber nicht kräftig. Und nun spürte er kräftige Arme und Hände die ihn schoben. Und eine Gesicht, das Willensstärke ausstrahlte. "Kommen Sie nur in unsere Mitte, Herr Larson. Ich hoffe Sie haben Hunger und auch ein klein wenig Durst. Wir haben alle gemeinsam daran gearbeitet, die Feier zu gestalten. Gekocht, gegrillt und nur das Bier und den Wein haben wir nicht selbst gemacht. Dazu war keine Zeit mehr." Dann drückte sie ihn auf einen Platz an einer langen Tafel. Zu seiner Rechten saß Melanie und links neben ihm nahm Beatrice Platz. Die Fragen, die man ihm nur kurz stellte, konnte er nur mit ja oder nein beantworten. Nach einer Minute hatte er vor sich ein Glas Rotwein, einen Teller mit Wildschweinbraten, Gemüse und einer dicken Scheibe frischen, kräftigen Brots. Erik rief mit lauter Stimme, dass alle nun zu schweigen hätten. "Greg bitte ein Gebet und dann lasst uns anfangen." Greg stand auf, er hatte sich in den Nähe des offen Kamins zurückgezogen, weil er die Wärme des Feuers genießen wollte. Er stellte sich auf die Bank, auf der er mit ein paar anderen saß und sprach laut ein Gebet, das alle mitsprachen oder murmelten. Als er geendet hatte, hob er ein Glas mit Rotwein hoch und rief laut aus. "Ich bin glücklich, dass ich so viele Freunde habe. Lasst uns anstoßen auf das Leben, die Liebe, auf Gott und auf alles was uns glücklich macht." Nach einem kurzen und lautem Jubelgeschrei hörte man nur noch Trinkgeräusche. Dann umarmten sich die Blauzahnleute, Nebenmann mit Nebenfrau. Auch Gunnar wurde umarmt und wieder spürte er die Kraft aus dem Armen derer, die ihn in den Arm nahmen. Als sich alle wieder setzten, schaute er sich um und entdeckte schräg gegenüber ein unbekanntes Gesicht. Das musste Claus von Olsen sein? Dieser Mann schaute sich um, seine Aufmerksamkeit konnte selbst durch Essen oder Trinken nicht abgelenkt werden. Immer wieder blieb sein Blick an Gunnar hängen und wanderten weiter und kam wieder zurück zu ihm. Diesem Mann entging nichts. Obwohl er nicht viel von dem verstand, was um ihn herum gesprochen wurde, versuchte er trotzdem den Unterhaltungen zu folgen. Einzelne Worte verstand er schon, aus Gesten und Worten bildeten sich Sätze für ihn, die er zu verstehen glaubte. Seine Lernfähigkeit war enorm. Gunnar beobachtete ihn ebenfalls, so wie er ihn. Bis Gunnar aufstand, sein Weinglas nahm und damit zu Claus ging. Als er hinter ihm stand, richtete sich Claus auf und sie schauten sich in die Augen. Dann prosteten sie sich mit ihren Gläsern zu und tranken diese leer. Claus nahm Gunnar das Glas aus der Hand und stellte ihre Gläser auf dem Tisch.

 

Und wieder schauten sie sich nur an, bis Claus seine Arme ausstreckte und Gunnar fest in den Arm nahm. "Wir sind Brüder." Das klang aus dem Mund des Mittelaltermannes noch etwas holprig, aber Gunnar verstand es wohl, und das reichte ihm. Dann nahm Gunnar die Hände des Mannes in seine, hielt sie fest und sagte gerade so laut, dass nur er ihn verstehen konnte. "Ja wir sind Brüder."

 

So primitiv und einfältig, wie es oft dargestellt wurde, waren die Menschen des Mittelters nicht. Hatte Gunnar doch die Briefe und Chroniken des Otto, des Herrn von Kraz und die von Pet, nein zu dem Zeitpunkt war er Peter von und zu Bärental und die sagten einiges andere aus. Das dunkle Mittelalter war nicht dunkel oder nur von Grausamkeit, Gewalt und  Unwissenheit gezeichnet, es war eine Zeit des Umbruchs, der Findung, der Neugierde, des Aberglaubens, der Angst und dem Hunger geprägt. Andere Kulisse wie heute.