Kapitel 52

Dienstag 19. April 1216 gegen Mittag im Hause des Otto von Kraz

 

Otto hatte dem Abt eine Nachricht geschickt und die Antwort war klar. Er habe keine Gerichtsbarkeit in Waiblingen, aber er könne sich um den Priester kümmern. Er, Otto, habe sein Haus selbst in Ordnung zu halten und gemeinsam sollten sie sich um den geschwätzigen Hauptmann kümmern. Da es sich bei der angekündigten Straftat der Brandstiftung um ein schweres Vergehen handelte, musste Otto einen Boten zum Magistralen der Staufer auf deren Burg entsenden, um die dortige Gerichtsbarkeit anzurufen. Die Verhandlung wurde auf den 25. April 1216 zur Mittagszeit festgelegt. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Otto noch Zeit genug, Fakten zu sammeln, die ein Verurteilung möglich machen sollten. Die Nachricht über den Verhandlungstag wurde auch dem Abt von Lorch übersandt.

 

23. April 1216 Kloster Lorch

 

Obwohl der Abt keine Gewalt über den Priester von Waiblingen hatte, folgte dieser einer Einladung des Klosters gerne. Erhoffte er sich doch mehr Ansehen durch diese Einladung. Am 24. April war der Priester schwer erkrankt. Offensichtlich war ihm das Mahl beim Abt und seinem Stellvertreter nicht bekommen. Ihm war übel, ein Feuermal zeigte sich auf seiner Stirn, das man als Ziegenhufe bezeichnen konnte. Er schwitzte sehr stark und hatte eine schwarze Zunge. Er wurde isoliert in einen dunklen Raum gebracht und niemand durfte mit ihm sprechen. Denn er redete lauter wirres Zeug, von Drachen und Höllenhunden die er bekehren wolle, um sie dann in Christenmenschen umzuwandeln. War er vom Teufel besessen? Das munkelte man in den Gängen des Klosters und dieses Gerücht drang bis nach Waiblingen durch.

 

Der Hauptmann der Wache war auf einem seiner nächtlichen Runden und bei der Kontrolle des Hauses der Jungfer Magda auf der Treppe zu ihre Kammer gestürzt, dabei hatte er die Jungfer mit hinuntergerissen. Beide fand man nackt und ohnmächtig am nächsten Morgen in der Eingangstüre des Hauses. Man vermutete, dass Eros es zu wild mit den beiden getrieben habe und aus moralischen Gründen musste man den Mann aus seinen Diensten entlassen und die Jungfer aus der Domäne vertreiben. Der ehemalige Hauptmann wurde sogleich festgesetzt und in den Kerker geworfen, denn es gab noch einige Fragen bezüglich der leeren Vorratsräume im Hause Kraz zu klären.

 

Schnell sprach sich in Waiblingen herum, dass Otto von Kraz sehr mächtige Beschützer habe müsse, da man alle seine Widersacher nun mundtot gemacht habe. Aus mundtot wurde schnell Lügner und falsch Zeugnis Redner gemacht. Alle waren sich einig, dass wohl der Teufel sich zuerst gegen Otto verschworen , er ihn aber durch beherztes Handeln schnell besiegt hatte.

 

Otto reiste gemeinsam mit Gregor, der nun auch noch neuer Hauptmann war, am 24. April nach Göppingen und zur Stauferburg ab. Sie wurden abends zu einem Bankett erwartet. Begleitet wurden sie von Frau von Breitenbach, Frau von Blau und Lorentz, dem Knappen. Beide Frauen wurden als Haushofdamen des Hauses Kraz angekündigt. Es war nicht unüblich, dass sich ein unverheirateter Herr oder Wittwer eine Haushofdame ins Haus nahm, die von Stand und untadeligem Ruf sein musste, um den Haushalt zu führen. Lorentz nahm ebenfalls den Herrn Graf mit, der große schwarze Hund beeindruckte jeden, der ihn sah. So konnte man sich lästige Bettler oder Beutelschneider leichter vom Leibe halten.

 

Gregor, der einer Seitenlinie der Staufer entstammte, wurde mit allen höfischen Ehren empfangen. Und es war seine Aufgabe, Otto von Kraz allen Anwesenden vorzustellen. Der Vogt der Stadt und der Burg wurde als letzter vorgestellt, da der Mann etwas später gekommen war. Seine Reiter und ein Ritter hatten die beiden Knechte und den ehemaligen Hauptmann in Waiblingen bereits einen Tag zuvor abgeholt und die drei waren nun im Kerker der Burg untergebracht. Der Vogt, ein junger Mann von etwas mehr als fünfundzwanzig Jahren war das jüngere Ebenbild Gregors. Auch ein Staufer, fragte sich Otto? Bevor er Gregor die Frage stellen konnte, flüsterte der ihm ins Ohr. "Auch so ein Spross des Samen aus den Lenden unseres Herrn Heinrich. Also ein Halbbruder von Friedrich. Die Mutter war eine Hofdame aus gutem Hause, sagt man. Egal ich mag den Mann, er heißt wie du - Otto. Otto von Steintal. Den Ort gibt`s nicht, hört sich aber gut an." Dann stellte Gregor Otto von Kraz dem Otto von Steintal vor. Beide verstanden sich sofort gut. Der Funke an Freundschaft und des Verstehens sprang über. Otto von Steintal hatte eine ausgewählt gute Sprache, höflich und etwas arrogant. Aber er schaute allen, die er begrüßte, offen in die Augen. Bei den Damen  hob er sogar die Hand zum Gruße, verbeugte sich ganz leicht und wartete, bis die Damen sich ebenfalls leicht beugten. Seine Augen ruhten etwas zu lange bei Frida von Blau. Das konnte Gregor nicht zulassen. "Mein lieber Vetter, ich hoffe ihr wisst, was sich schickt. Ich bin der Ritter der Dame und gedenke, die Dame nach der Zeit der Trauer um ihren Gatten zu ehelichen. Also schaut ihr nicht zu tief in ihre Augen, sonst ertrinkt ihr noch in diesem Blau." Otto von Steintal drehte sich zu ihm um, lächelte ihn an und nahm ihn dann fest in die Arme und flüsterte ihm ins Ohr. "Ich weiß alles. Sie ist keine Witwe und du bis verliebt in sie. Ich werde dich nicht von diesem Platz verdrängen. Aber erlaube mir, mich ein wenig an ihrem Anblick zu ergötzen. Sie ist eine Schönheit, ich beglückwünsche dich zu deiner Wahl." Dann stieß er sanft Gregor von sich, lachte laut auf und drehte sich zu Frau von Breitenbach um. "Meine Dame, wo habt ihr eure Kinder gelassen? Ich hörte, dass beide kluge, starke Geschöpfe sind. Ich werde euch besuchen müssen, um sie kennenzulernen. Ich hoffe meine Namensvetter wird ihnen ein guter Lehrer sein. Erlaubt mir einen Wunsch zu äußern. Ich würde gerne euren Sohn an meiner Seite haben und ihn als Knappen ausbilden, um ihn eines Tages als Ritter in unserer Runde begrüßen zu können. Wir haben hier auch sehr gute Lehrer, die nicht nur mit dem Stift und der Feder kämpfen können." Dies war eindeutig ein Befehl an Frau von Breitenbach, ihm ihren Sohn zu übergeben. Sie erschrak darüber, das sah man ihr an. Aber wenn man bedachte, dass es gut war, wenn ihr Sohn unter die Aufsicht eines Stauferritters kam. So war seine Zukunft wenigstens gesichert. Sie verbeugte sich höflich vor dem Herrn von Steintal, der winkte nur ab und ging weiter, während er Gregor hinter sich her zog.

 

Die Gerichtsverhandlung war vergessen, das Bankett begann noch weit vor Sonnenuntergang. Zuerst sprach der Abt aus Lorch ein sehr langes Gebet. Er sprach von Klugheit, Gerechtigkeit, aber auch davon, dass Gott allen ihre Stellung in diesem Gefüge der Gemeinschaft der Gläubigen gezeigt habe und dass jeder sich darin zu fügen habe. Diese Ordnung wäre gesegnet und unumstößlich. „Was sonst“ dachte Otto von Kraz bei sich. Ist es doch so bequem, den Glauben an Gott und dessen Gesetze als Grundstein einer Gesellschaft anzusehen, solange es der Kirche und dem Adel dient. Wer dieses Gefüge stört, musste bestraft werden. Die Wissenschaft der Zahlen, der Natur, der Sterne hatte sich da ebenfalls einzufügen.

 

Man hatte ihn zwischen den Stellvertreter des Abtes Bartholomäus und Gregor gesetzt. Neben Gregor hatte sich sein Vetter Otto gesetzt und dann folgte der Abt höchstpersönlich. Es folgte der Vogt der Burg und zwei weitere hohe Magistralen der Staufer an dieser ersten Tafel. An den anderen Tischen saßen dann bunt gemischt Ritter, Frauen und auch ein Mönch war zu sehen. Bartholomäus kam schnell zum Thema, das ihn bewegte, während sie alle speisten. "Der Mönch dort ist auch mein Schreiber. Er wird den Prozess morgen schriftlich festhalten. Die Vorgehensweise und das Urteil wurden bereits mit Otto von Steintal abgesprochen. Wir werden viel Volk zur Gerichtsverhandlung zuschauen lassen. Sollen sie sehen, wie man mit Dieben und Betrügern umgeht. Herr Otto und ich sind eigentlich gegen solche offen ausgetragenen Streitigkeiten und Verhandlungen, aber in diesem Fall ist es wichtig. Und der Junge Christian, der Sohn der Constanze von Breitenbach, er wird es gut haben, glaub mir das. Ich weiß, dass du ihn in dein Herz geschlossen hast. Er ist ein Faustpfand, dass du immer loyal zu den Staufern stehst wirst. Der Steintaler ist ein schlauer Mann, misstraut allen und beobachtet alle. Oder er lässt alles beobachten. Überall hat er seine Männer oder auch Frauen, die für ihn da sind. Auch im Kloster sind seine Spione. Wir kennen sie, aber wir lassen sie in Frieden. Sie erfahren das, was der Staufer wissen sollte. Nun lass uns trinken, auf Gott, die Kirche und uns."

 

Das Bankett endete wie es enden sollte. Mit zu vielen Getränken, zu wenig Verstand und vielen lockeren Reden. Nur die beiden Ottos, der Abt und sein Stellvertreter sprachen dem Wein wenig zu. Die Weibersleut, so nannte sie der Vogt, hatten sich früh verabschiedet, nachdem die beiden Magistralen sehr aufdringlich geworden waren. Otto musste den etwas angeheiterten Gregor zurückhalten, um hier nicht seine körperliche Kraft unter Beweis zu stellen.

 

Als Otto sich spät in der Nacht verabschiedete und den wackligen Gregor mit sich schleppte, schwirrte ihm der Kopf. Die Gespräche waren unterhaltsam und doch schien es ihm, wurde die Gespräche nicht nur geführt, um die Zeit vergehen zu lassen sondern man prüfte ihn. Immer wieder wurde er nach seiner Meinung zu gewissen Themen gefragt. Was alle interessierte, war seine Meinung über den Braunschweiger. Er konnte keine klare Antwort dazu geben, da er den Mann nicht persönlich kannte, aber er hatte die Auswirkungen seiner Politik zu spüren bekommen und das waren keine guten Erlebnisse. Und dann war da noch sein Aufenthalt auf Gotland und sein Leben in der Blauzahnsiedlung. Er erntete viel Kopfschütteln für seinen Bericht. Frauen waren gleichgestellt, es gab zwar Sklaven, aber die wurden ordentlich behandelt, Entscheidungen wurden gemeinsam getroffen. Kein Adliger führte die Gemeinschaft. Otto von Steintal war da wenig begeistert, als er auch noch von den Erfolgen der Blauzahnleute hörte. Gottes heilige Ordnung war da nicht vorhanden. Als man dann noch von der Glaubensfreiheit hörte, wurde das Misstrauen gegen ihn noch größer. Wotans Freunde mit muslimischen Frauen und Christen unter einem Dach. Das musste scheitern, Sodom und Gomorra auf Gotland.

 

Mit keinem guten Gefühl im Bauch ging Otto in seine Kammer, die er sich mit Bartholomäus und Gregor teilte. Vor der Kammer auf dem Boden schlief Lorentz, als Otto Gregor in die Kammer schleppte. Bartholomäus war noch nicht da. Kaum war die Tür in Schloss gefallen, straffte sich Gregors Körper. "War ich zu schwer für dich?" Otto erschrak über Gregor. "Du bist nicht betrunken? Und da schleppe ich dich mit meinem kaputten Rücken in die Kammer." Gregor musste auflachen. "Betrunken zu spielen war schon schwer. Ich habe meinen Becher mit dem Wein immer unter den Tisch geschüttet. Da ist nun eine ordentliche Pfütze. Aber so konnte ich etwas lockerer reden und habe auch einiges erfahren. Aber davon später oder besser erst in unserem Haus in Waiblingen. Der Bartholomäus wird bald da sein. Der sollte nicht alles wissen." Gregor zog sich dann aus, legte sich auf sein Lager und schlief sofort ein. Otto machte es ihm nach, kaum hatte er sich niedergelegt kam auch schon Bartholomäus. Auch er entkleidete sich bis auf ein langes Hemd. Kniete vor seinem Lager nieder, sprach ein Gebet und legte sich dann auch nieder. "Ihr habt euch gut geschlagen Otto. Ich fand es sehr spannend, wie ihr von euren Freunden aus Gotland berichtet habt. Es passt natürlich nicht in das Bild des Adels oder der Kirche, aber unser Herr Jesus Christus hätte sicher seinen Gefallen daran gehabt. Ich habe eine Bitte an euch. Redet nie wieder über Gotland mit dem Abt oder dem anderen Otto. Denen passt das nicht. Wir können  darüber sprechen und ich würde gerne mehr darüber erfahren. Ich freue mich nun sehr darüber, dass ihr meine Tochter bei euch habt." Dann drehte er sich um, ohne festzustellen, ob Otto ihn überhaupt gehört hatte und schlief sofort ein.

 

25. April 1216 Mittagszeit Marktflecken Göppingen

 

Man war schon früh aufgestanden, denn der Ritt nach Göppingen würde lange dauern. Mit großem Gefolge, den Gefangenen in der Mitte, brach man bei Morgengrauen auf.

 

Viel Volk hatte sich eingefunden. Der Vogt, einer aus dem Hause Staufeneck, hatte alle, die unter seiner Aufsicht standen, dazu aufgerufen, der Verhandlung beizuwohnen.

 

Ein Holzgerüst mit Sitzplätzen war grob zusammengezimmert worden, um den hohen Herren etwas Gemütlichkeit zu geben. Nach einem kurzen Gebet wurden die Angeklagten auf einem Karren auf den Platz gebracht. Der Herr von Steintal übernahm den Vorsitz und als Beisitzer war der Abt angetreten. Die beiden Knechte waren gebunden worden und mussten vor dem Holzgerüst niederknien. Der Hauptmann der Wache wurde nicht gebunden, stand er doch noch abseits, umgeben von Wachen der Burg. Dann las der Schreiber des Klosters Lorch die Anklageschrift vor. Geplante Brandstiftung, ein ausgedachter Mordanschlag auf eine hohe Frau und Diebstahl wurde ihnen vorgeworfen. Man hatte den beiden Knechten schon auf der Reise zum Gerichtsort klar gemacht, sollten sie die Taten nicht eingestehen, würde man sie foltern. Würden sie gestehen, dann würde das Urteil milde ausfallen, wie es in diesem Falle milde sein könnte. Sie gestanden, dass sie diese abscheulichen Taten der Brandstiftung und den Mordanschlag begehen wollten. Man verzichtete darauf, nach den Gründen zu fragen. Dann aber wurde die Tat des Diebstahls besprochen. Man wusste bisher nur, dass die beiden die Vorratskammern des Hauses Kraz immer wieder besuchten und Säcke mit Getreide, Eier und auch Würste gestohlen hatten. Diese wurden mit Hilfe eines Verwalters des Hauses verkauft. Der Käufer soll der Hauptmann der Wachen und sein Vetter gewesen sein. Die beiden berichteten, wie sie es gemacht hatten, was Otto ärgerte, wie leichtfertig man mit den Gütern des Hauses umgegangen war. Der Schreiber und der ehemalige Verwalter konnten ohne Kontrolle schalten und walten wie sie wollten. Man nahm sogar in Kauf, dass bald eine Hungersnot in Waiblingen ausbrechen konnte, denn die Zehntscheuer wurde auf ähnliche Weise beraubt. Diesen Diebstahl wollte man auch durch ein Feuer vertuschen.

 

Während diese Dinge zur Sprache kamen, wollte der ehemalige Hauptmann mehrere Male das Wort ergreifen. Als er nicht zum Schweigen gebracht werden konnte, wurde er gefesselt und ein Knebel hinderte ihn daran, weiter zu rufen oder zu schreien. Otto von Steintal wirkte nicht nur aufgebracht, sondern wurde immer wütender. Einmal schrie er sogar in die Runde. "Und wo waren unsere Magistralen? Wer überwacht eigentlich das Land?" Die zwei Magistralen, die hinter dem Steintaler standen und am Abend vorher noch vergnügt getrunken hatten? Waren das diejenigen, die hier ihre Pflichten versäumt hatten? Otto von Steintal griff ohne sich umzudrehen nach hinten und bekam einen der Männer zu fassen und zerrte ihn nach vorne. Das gefiel dem gemeinen Volk. Die Menschen jubelten bei diesem Schauspiel. "War das nicht eure Aufgabe? Wo sind die Vorräte gelandet? Ihr beide habt eine Woche Zeit, alles aufzuklären!" Dann winkte er seinem Vogt. " Stellt diesen beiden fünf eurer treuesten Männer zur Verfügung. In einer Woche sollen sie wieder bei mir sein und aufgeklärt haben, wie es zu solchen Diebstählen kommen konnte, ohne dass es jemand bemerkte." Dann wandte er sich zu Otto von Kraz. "Wir müssen die drei so lange Leben lassen, bis die Diebstähle aufgeklärt sind. Aber das Volk braucht ein Spektakel. Ich spreche ein vorläufiges Urteil und halte die Angst vor dem endgültigen Urteil aufrecht. Ich werde nun das Urteil verkünden."

 

Dann stand Otto von Steintal auf, trat nach vorne und hob die Hände. Alle Besucher auf der Tribüne machten es ihm nach und standen mit erhobenen Haupt da.

 

Der Stadtvogt stellte sich neben seinen Herren und sorgte für Ruhe. "Hört was unser Herr, Otto von Steintal zu sagen hat."

 

"Die drei haben sich schlimmer Verbrechen schuldig gemacht. Ein Hauptmann, dem die Obrigkeit vertrauen muss, hat sich zum Freund von Dieben gemacht. Zwei Knechte wollten  brandstiften und morden. Haben gestohlen und fast eine Hungersnot hervorgerufen. Das kann man nicht mit den üblichen Strafen vor Gott und unserem Herrn Friedrich mit den bekannten Strafen vergelten. Deshalb werden wir mehrere Strafen verhängen. Die beiden Knechte werden zu einem Fasten von fünfzehn Tagen verurteilt. Sie werden gebunden und der Pranger ist ihr Heim. Jeden Tag bekommen sie einen Eimer voll mit Wasser zu trinken. Mehr nicht. Niemand darf sie bespucken oder ein Leid antun. Ihr alle werden dann sehen, was es bedeutet, Hunger zu leiden. Vorher sollen sie die Peitsche zu spüren bekommen. Zehn Schläge für jeden auf den Rücken. Ob sie danach des Todes sind, werden wir beraten müssen. Der Hauptmann hat seine Aufgaben vergessen, er hat uns tief enttäuscht und sich gemein gemacht mit Dieben und Brandstiftern. Hier gibt es nur eine Strafe, den Strang. Er wird morgen im Morgengrauen gehängt werden. Sein Körper soll so lange am Strang bleiben, bis die Raben seine Augen ausgehackt haben, dann wir er auf einem Scheiterhaufen verbrannt, denn nichts soll mehr an ihn erinnern." Otto von Steintal war wütend, das merkte man bei der Verkündigung des Urteils. Aber er hatte keinen Gefallen an den üblichen Quälereien von Verurteilten. Er brauchte ein Spektakel und das hatte er dem Volk gegeben. Ihm war die Aufklärung der Diebstähle viel wichtiger. Er hoffte, dass die beiden Magistralen ihre Angst anspornen würde, alles zu erklären.

 

Fortsetzung folgt