Kapitel 27

Ab 19. Februar 1216 Kloster Fulda im Gästehaus

 

Constanze hatte die erste Nacht seit langem wieder ruhig und ohne Fieber geschlafen. Ihre Tochter hatte wieder die ganze Nacht neben ihr verbracht. Am frühem Morgen kam Otto zu ihr ans Bett, schaute sich das bleiche Gesicht von Constanze an, weckte Marta, die neben dem Bett auf einem Hocker saß und die ihren Kopf auf das Bett gelegt hatte. Dankbar nahm sie Ottos Angebot an, sich zurückzuziehen und dass er nun bei der kranken Frau von Breitenbach bleiben würde.

 

Der Hauptmann der Wache des Klosters, Richard von Aichenheim, ein junger sehr fröhlicher Mann war ein Tierfreund. Er kümmerte sich mit großer Hingabe um die Pferde, Kühe und Ziegen des Klosters und besaß auch zwei bestens abgerichtete Hunde, die ihn ständig begleiteten. Als er von Gregor hörte, dass sie von einer Wölfin mit ihren beiden Jungen verfolgt wurden und von deren Aufmerksamkeit profitiert hatten, beschloss dieser Hauptmann, die Wölfe einzufangen. Er wollte die Bauern und ihre Tiere vor ihnen schützen und auch die Wölfe vor den Bauern.

 

In einem der Gräben an der Klostermauer hatte man vor Jahren einen Bären gefangen gehalten - dieses Gehege gab es noch. Heinrich lockte Heulmama, Jaul und Jammer in das Gehege und dort wurden sie eingesperrt. Richard von Aichenhein fand immer wieder Knochen oder auch andere Abfälle, die er den Wölfen zum Fressen geben konnte. Regelmäßig wurden sie vom Grafen besucht, der von der Mauerkante hinunter ins das tiefer gelegene Gehege bellte und Heulmama antwortete ihm mit einem langen Jaulen. Die kleine künstlich angelegte Höhle, die früher dem Bären als Lager gedient hatte, nützten nun die Wölfe.

 

Lorentz, Marta und Christian durften bis auf das Dormitorium der Mönche und das Kapitel alle Räume des Klosters besuchen. Dabei wurden sie vom Hospitarius begleitet, der vom Abt mit der besonderen Betreuung der Gäste betraut wurde. Marta erhielt von ihrem Betreuer einen schwarzen Schleier, den sie außerhalb des Gästehauses auf dem Gelände des Klosters tragen musste.

 

Frida von Blau musste sich erst an das Leben hinter den Mauern gewöhnen. Auch wenn sie nur Gast im Kloster war, gab es auch für sie strenge Regeln, die sie zu befolgen hatte. Ihre Haare musste sie unter einem festen Tuch verbergen, sie durfte keine Hosen tragen und ihre Oberbekleidung musste so geschnitten und gestaltet sein, dass man ihre weiblichen Formen nicht erkennen konnte. Das Tragen von Waffen war bis auf Herrn Heinrich, dem Hauptmann und seinen sechs Männern, für alle anderen untersagt.

 

Die Frauen speisten immer im Gästehaus und alle Männer erwartete man im Speisesaal des Klosters. Heinrich III von Kronberg, der Abt des Klosters, bestand darauf. Er war ein sehr neugieriger alter Mann und suchte immer wieder das Gespräch mit Otto von Kraz.

 

Trotz der strengen Regeln, die alle zu beachten hatten, konnten sie sich von der Strapazen der winterliches Reise erholen.

 

19. Februar 1216 Blauzahnsiedlung

 

Schon am frühen Morgen saß die Jarl Gund mit Erik, Melanie und Lars zu Tisch, um zu beraten, wie sie den Prozess gegen die beiden Boten führen sollten. Melanie berichtete, dass Johanna ihr berichtet hatte, dass die Sklavenhändler, Knechte, Kapitäne der Sklavenschiffe und andere Söldner oder deren Hauptlaute am Unterarm ein Zeichen trugen. Es war blau und hatte die Form einer Leiter. Es begann mit zwei langen Strichen mit einem oder zwei Querstrichen. Je höher der Rang, umso mehr Leiterstufen hatte der Träger auf diesem Zeichen. Und dieser eine Bote hatte bereits vier Leiterstufen, war also im Range dieser Piraten und Sklavenhändler sehr weit oben. Der andere hatte nur zwei Leiterstufen. Der Händler, der sie in seinem Keller in Visby gefangen gehalten hatte, hatte fünf Leiterstufen. 

 

Nach der Morgenandacht, die Gregorius mit sehr viel mehr Einfühlungsvermögen als sonst  an diesem Morgen gehalten hatte, versammelten sich - soweit das möglich war - alle Bewohner der Blauzahnsiedlung in der großen Halle. Dann wurden die beiden Boten herein gebracht. Man hatte ihnen Hände und Füße gefesselt und man musste sie mehr hereintragen, als dass sie laufen konnten.

 

Als der älter der beiden die Jarl Gund in der Mitte des improvisierten Richtertisches sitzen sah, wurde er rot im Gesicht und brüllte los. "Das ist doch lächerlich, ein Weib führt hier den Vorsitz über eine Gerichtsverhandlung, die ihr gar nicht führen dürft. Das wird euch alle den Kopf kosten, jeden einzelnen in dieser Siedlung der Irren und Weiber." Simon stand von der Bank auf, auf der er Platz genommen hatte, ging auf den Tobenden zu und schlug ihm hart ins Gesicht. Mit einem Messer schnitt er ihm die Ärmel seines Gewandes ab und stopfte dem leicht Betäubten die Stofffetzen in den Mund. Dann hob er den rechten Arm des Mannes hoch und drehte ihn so, dass alle die Tätowierung sehen konnten. "Da ist das Mal des Verbrechens. Nur einer der Beweise für seine Untaten, die wir heute gerne aus seinem Mund hören wollen. Wenn ich ihm den Lumpen aus seinem Schandmaul herausnehme, wird er reden. Aber zuerst werde ich ihn mit allem gebührenden Respekt fragen, ob er noch ein wenig Aufforderung durch ein heißes Eisen benötigt oder ob er verstanden hat, dass Schweigen wenig nützlich für seine Haut ist." Dann drehte sich Simon zu dem Mann um und schaute ihm in die Augen. "Wirst du reden und alle Fragen beantworten, die man dir stellt? Oder benötigst du die Aufforderung durch ein Eisen? Eine geeignete Stelle wo ich es abkühlen lasse auf deiner Haut habe ich mir schon ausgesucht. "Dabei deutete er auf ein Kohlebecken, wo in der Glut des Feuers eine Eisenstange lag. Dass man nicht vor hatte, ihn zu foltern, wusste der Mann nicht. Das war alles mit dem Richtertisch so abgesprochen. Der Mann erkannte aber schnell, dass man offensichtlich schon einiges über die Händlergilde wusste, der er diente. Dass man seine Tätowierung als Zeichen der Zugehörigkeit kannte, war ein Schock für ihn. Dann packte Simon den anderen Mann und schnitt ihm ebenfalls die Ärmel seines Gewandes ab. Auch er hatte diese Tätowierung am rechten Unterarm. Zwei Leiterstufen waren zu sehen, allerdings waren die nicht blau oder schwarz wie man vermutete, sondern rot. Rot, weil sich die Haut dort entzündet hatte, wo man ihm das Zeichen angebracht hatte. Eindeutig, dass der Mann neu in dieser Verbrechergilde war. Simon spürte, dass der Mann noch nicht so lange bei dieser Bande war. Er hatte innerhalb von ein paar Wimpernschlägen sein ganzes Selbstvertrauen verloren und stand zitternd da. Simon packte den Mann und zerrte ihn unsanft vor den Tisch. Voller Hass starrte ihn die Jarl an. Erik holte ein Messer aus seiner Scheide und spielte damit demonstrativ herum. Es sah so aus, als prüfte er die Schärfe des Dolches, balancierte damit auf einem Finger herum und setze einem bösen, gewaltlüsternen Blick auf. 

 

Der Mann redete, er redete manchmal zu schnell, sodass man ihn nicht immer richtig verstand, aber er redete. Sein Name lautete Gunar, mehr wusste er nicht. Er war ein Schwede und kannte weder Vater noch Mutter. Er war auf einem Gut aufgewachsen, wo er von einem Onkel, dem Bruder seiner Mutter, aufgezogen wurde. Im Krieg der Könige wurde auch das Gut überfallen und bis auf ihn alle umgebracht. Er war, so vermutete er, etwas mehr als zwölf Jahre alt, als man ihn mitnahm. Zuerst musste er als Träger bei den Söldnern arbeiten, die Pferde versorgen und die Waffen reinigen. Dann musste auch er an den Waffen üben. Da er sehr gute Augen hatte und sich nachts lautlos bewegte, lehrte man ihn, wie man schnell und ohne Krach zu machen, Kehlen durchschneiden konnte. Dazu musste er ein paar Mal älteren Leuten, die man gefangen genommen hatte und die nutzlos waren, die Kehlen durchschneiden. Er wusste bis heute noch nicht, für wen die Soldaten kämpften oder wer ihr Jarl oder Fürst war. Er machte das, was man ihm sagte. Er war sechs oder sieben Winter bei diesen Leuten, als er sie bei einem Sturm an der Küste verlor und auch nicht mehr fand. Er besaß nur sein Bündel mit einem Fell, getrockneten Fisch, sein Messer und die Kleidung, die er trug, als er verloren ging, mehr nicht. Und so musste er sich Nahrung suchen, was ihm aber nicht gut gelang, denn niemand gab ihm Anweisungen, wie er was zu tun hatte und eigene Entscheidungen zu treffen hatte er nicht gelernt. Also zog er umher, nahm immer wieder Arbeiten auf Höfen oder kleiner Siedlungen an und wurde mit Essen dafür entlohnt. So zog er einige Monate durch das Land ohne Ziel und immer etwas hungrig. Bis er eines Tages zu einem Fischerdorf kam und einem älteren Mann ungefragt half, sein Boot zu reparieren. Der Mann danke es ihm mit ein paar Kleidungsstücken und Essen. Am vierten Tage, als er schon fast mit der Reparatur fertig war, wurde das Dorf von einer Bande überfallen. Man trieb die wenigen Bewohner auf einem freien Platz zusammen, dann wurden alle von einem großen in Felle gekleideten Mann untersucht. Der fand zwei junge Frauen, die sich vor ihm entkleiden mussten und die ihm offensichtlich gefielen. Sie durften sich wieder anziehen und wurden sofort zu einem Boot gebracht, das am Strand wartete und dann entdeckte man ihn. Der Mann tastete ihn ab und auch er musste sich bis auf seine Hose ausziehen. Auch ihn nahm man mit, da er kräftig war und der Mann ebenfalls Gefallen an ihm gefunden hatte. Was der Mann aber bei seiner Untersuchung nicht gefunden hatte, war sein Messer. Das hatte er sich mit einem Lederband an den linken Unterschenkel gebunden. Die drei aus dem Fischerdorf wurden mit Stricken gebunden und auf ein Langboot gebracht, das etwas außerhalb der Bucht wartete. Das Dorf wurde geplündert, aber sonst geschah nichts.

 

Als sie weit draußen vor der Küste waren, mussten die drei sich ausziehen und waschen, die Haare kämmen und bekamen neue Kleidung. Sechs Tage später gingen sie in der Nähe von Stralsund an Land und wurden dort zu einem großen Gehöft gebracht. In einem Stall waren bereits acht andere jüngere Menschen versammelt. Für den kommenden Tag war eine Versteigerung angesagt. Und so wurden sie alle an einen Händler der Rus verkauft, der für seinen Herrn immer junge Frauen und Männer kaufen musste, den die aufstrebenden Gilden in den Handelsstädten für ihre Vergnügungen brauchten - immer wieder neues und ihre Ansprüche stiegen. Waren es am Anfang tumbe Bauernkinder, so wollte man jetzt hübsche blonde Mädchen und kräftige junge Männer oder Knaben. Der Verschleiß war groß, denn immer wieder starben bei den Vergnügungen welche und die mussten schnell ersetzt werden. Dem Händler der Rus fiel auf. dass etwas mehr in dem Jungen stecken mag, als man zuerst sehen wollte. Als man dann erforschte, was er denn so alles konnte, wurde schnell klar, dass man diesen Burschen nicht zum Vergnügen nutzen konnte. Also wurde er zum Leibwächter erzogen und begleitete den Händler auf seinen Reisen. Bis es ihn nach Visby verschlug, wo der Händler an einem Morgen nicht mehr aus dem Bett kam, sondern dort kalt und blass liegen blieb. Und so kam er vor ein paar Wochen zu dem Händler in Visby und wurde dort Bote für die Gilde. Und der andere Bote war sein Hauptmann, der hatte sich beim Bürgermeister eingeschlichen, damit man in der Gilde wusste, was man gegen sie plante oder ob man ihnen auf der Spur war. Sie kannten sich erst seit ein paar Wochen und das hier war ihre erste gemeinsame Reise durchs Land. "Mehr habe ich nicht zu sagen, denn mehr weiß ich nicht. Ich kenne ein paar Stützpunkte, wo die Handelsware verkauft wird und ein paar Namen. Selten habe ich einen der Händler zwei oder drei Mal gesehen. Es waren immer andere, die kamen und auch wieder gingen. Der Hauptmann hier weiß sicher mehr. Und eines bitte ich mir zu glauben, ich habe mir dieses Leben mit diesen Kameraden nicht ausgesucht, dieses Leben hat mich gesucht und man hat es mir gegeben. Ich kenne nichts anderes. Ich bin nicht unglücklich darüber, aber auch nicht glücklich. Ich habe fünf Menschen getötet. Drei davon, als ich das töten lernen sollte, einen Konkurrenten meines Herren aus Rus und einen Mann aus Visby, dem ich zu willen sein sollte. Richtet mich nach eurem Glauben, aber wartet nicht zu lange damit, denn ich werde versuchen zu fliehen." Es war kein Flehen mehr in sein Stimme, wie am Anfang - fest und stolz hatte er die letzten Sätze gesprochen.

 

Simon packte ihn, aber längst nicht mehr so grob und führte ihn zu einer Bank am Rande und setzte ihn zwischen zwei seiner Leute, die ihn bewachen sollten.

 

Der Hauptmann war wütend, denn trotz seiner Fesseln versuchte er immer wieder, sich auf den Jungen zu stürzen. Ein ordentlicher Stoß in seinen Bauch, der ihm von Oleg versetzt wurde, beruhigte ihn etwas.

 

"Wenn ich dir die Lappen aus dem Mund nehme, wirst du friedlich sein und reden? Wenn du nickst und dann doch nicht tust, was man von dir verlangt, bekommst du auf jeden Fall das Eisen. Also was willst du?" Simon hatte das sehr laut und eindringlich gesprochen, jeder hatte ihn verstanden und der Hauptmann nickte. Als er von dem Lumpen in seinem Mund befreit war, hustete er erst sehr lange, dann nickte er wieder. "Was wollt ihr wissen?" Und nun meldete sich die Jarl zu Wort. "Ward ihr an dem Überfall meines Dorfes und der Höfe bei mir beteiligt? Habt ihr eines der Langboote geraubt?" Ihre Stimme war ruhig und wirkte sehr distanziert. "Ja, ich war dabei. Allerdings nicht beim Abschlachten und Brennen. Ich sollte nur die Ware, die erbeutet wurde, schon an Ort und Stelle begutachten. Diese dummen Mordbrenner schleppen inzwischen so vieles an, was man nicht mehr gebrauchen kann. Bei Euch waren ja nur noch alte Männer und Weiber. Anstatt sich Dinge zu nehmen, die man brauchen kann, haben sie angefangen, die Alten abzuschlachten und sogar das Vieh teilweise zu töten. Wie dumm und eine sinnlose Zeitverschwendung. Ich habe mir das Langboot angeschaut und das haben wir dann genommen, die anderen Boote waren alt und nicht mehr zu gebrauchen." Er sprach so ruhig und sachlich, als ob er beschreiben würde, wie ein Braten auf dem Feuer gar wird. "Von wem habt ihr die Information, dass man uns überfallen kann und wisst ihr, wer die Meinen getötet hat?" Die Jarl wurde immer leiser und alle mussten sich anstrengen, um sie zu hören und dabei wurde es leiser im großen Saal.  "Nein ich kann euch nicht sagen, wer wen erschlagen oder erstochen hat. Die Information bekommen wir immer von einem Kundschafter, der durchs Land streicht. Inzwischen sind es zehn Reiter, die hier die Küsten erkunden. Die sind nun ja offensichtlich tot. Der Hauptmann der zehn Reiter hat einen Kontakt in Visby, der dann ins Lager der Seefahrer reitet und ihnen beschreibt, wo was zu holen ist. Ich bekam die Botschaften, um mit den Händlern in Verbindung zu treten, damit die Waren schnell verschwinden. Der Kontakt ist kein Mann, sondern eine Frau. Sie betreibt ein geheimes Bordell. Dort kommt die Ware hin, die ich oder meine Händler nicht wollen, allerdings niemand von der Insel. Das wäre zu risikoreich gewesen. Die anderen Waren, wie Gerätschaften, Waffen oder auch Wein und Met geht einen anderen Weg. Hier gibt es andere Händler, das sind vor allem die aus Hamburg oder Lübeck. Die kaufen keine Mädchen oder Jungen, die verkaufen sie nur. Die haben da ein paar Stützpunkte, wo sie die herbekommen. Alle scheinen immer gut genährt zu sein. So wie es scheint sind das Kinder von armen Bauern, die sie verkaufen müssen und von Klosterbrüdern, die so einfach mal entstanden sind. Aber auch von Mägden von Domherren, die mit ihren Kindern verschwinden mussten. Das waren eher Frauen, die gut zum Arbeiten taugten. Die bekam man auch so, ohne sie zu versklaven, aber oft war es so, dass sich die neuen Herren in Dänemark oder auch auf der großen Insel Britannien damit brüsten wollten, sich Sklaven aus dem reichen Deutschen Reich leisten zu können. Und die Frauen und die Kinder waren alle sehr arbeitsam. Ihr findet das neue Lager der Piraten in der Nähe der schmalen Stelle zur Insel Färö. Das alte Lager war denen zu unsicher. Dort haben sie viele Außenposten, die das Land gut beobachten können und wenn man sie von See her angreifen sollte, haben sie einen Fluchtweg übers Meer auf die andere Seite von dieser Insel, dort haben sie ein zusätzliches Waffenlager. Ich schätze, dass die Streitmacht die dreihundert schon überschritten hat, denn sie können gut fünf Langboote bemannen. Auch wenn bei dem Gutshof schon einige abgeschlachtet wurden, das waren meist Krieger, die noch nicht richtig kämpfen konnten. Kinder und zum Kriegerdienst Gezwungene. So nun will und kann ich euch nicht mehr sagen. Ich weiß, dass ich sterben muss. Ich will mir mit dem, was ich euch gesagt habe, nur einen schnellen Tot erkaufen. Mehr erwarte ich nicht. Und bitte gebt mir ein Schwert in die Hand, damit ich würdig zu meinen Ahnen reisen kann. Mehr kann ich nicht erwarten."

 

Der Mann mit den vier Sprossen auf seinen Unterarm starb ohne Schwert in der Hand und unwürdig. Mit Steinen an den Füßen beschwert wurde er nackt auf dem Meer ertränkt. Der andere, Gunar bat nicht um Gnade, er wollte nur getauft werden. Den Wunsch erfüllte man ihm und übergab ihn dann Claus von Olsen. Der sperrte ihn nachts in den Keller des Turmes. Tagtäglich musste er mit einem der Söldner im Turm trainieren. Einmal in jeder Woche wurde er unter Bewachung zu Gregorius gebracht, der mit ihm gemeinsam Busgebete sprach und ihn in der christlichen Lehre unterwies. Die harte Disziplin im Turm und die Gebete mit Gregorius machten aus ihm einen anderen Menschen. Er hatte kein Versprechen erhalten, dass man ihn Leben lassen würde, alles war nur ein Aufschub eines Urteils, das Jarl Gund über ihn zur gegebener Zeit  sprechen würde. Und er fügte sich in sein Schicksal.

 

Fortsetzung folgt