Durchatmen 3

 

 Zwischenkapitel 3

 

 

Pet Bär erzählt

 

von Pet Bär

 

Nach etwa zwei Jahren der Weltumsegelung habe ich einen etwas anderen Blick auf meine Vergangenheit. Meinen Ausstieg aus dem Berufsleben empfinde ich heute noch genauso schmerzhaft wie am Anfang. "Die Zeit heilt Wunden" - so empfinde ich immer noch nicht. Es gibt Verletzungen des Körpers und der Seele, deren Narben man braucht. Sie sind wie Lesezeichen eines wichtigen Kapitels im Buch unseres Lebens. Kapitel, die man immer wieder lesen sollte, damit man alles Weitere auch versteht.

 

Beim Schreiben der einzelnen Kapitel habe ich mir sehr viele Gedanken um die Themen Freundschaft, soziale Kompetenz, Lernbereitschaft und um die Möglichkeiten der geistige Fitness gemacht. Ich bin diesen Elementen sehr nahe gekommen und bin mir nun bei einem sicher: Ohne menschliche Nähe zu anderen, auch Liebe, ohne Freundschaft, Toleranz, Bildungs- und Lernwillen, den Willen, auch den eigenen Körper zu achten und Geschenke an unsere Gesellschaft zu offerieren, ist ein Älterwerden - oder ich möchte es anderes nennen, ein Einsammeln an Erfahrungen und ein Erweitern unseres Horizontes - nicht möglich. Eines habe ich übrigens nicht ändern können, meine Vorliebe für Schachtelsätze.

 

Die Reise war gut, abenteuerlich, mit vielen Erfahrungen in allen Bereichen gespickt. Neue Ideen konnten sich in meinem Kopf entwickeln, meiner Phantasie habe ich keine Grenzen gesetzt und doch versucht, so realistisch wie möglich zu bleiben. Bei aller Phantasie, keine der von mir vorgestellten Personen ist eine Phantasiegestalt. Jeder ist in meinem Leben irgendwie einmal aufgetaucht. Vielleicht stimmt das Alter oder der Beruf nicht unbedingt, aber die Vita, die ich diesen Menschen gegeben habe, ist fast richtig. Geschehnisse wurden etwas korrigiert, um den jeweiligen Geschichten mehr Dramatik zu geben, aber deren Ängste, Stärken und ihre Charaktereigenschaften sind so. Eines passt immer: Die Beschreibungen über ihr Aussehen entspricht dem, wie ich sie gesehen habe.

 

Was auch stimmt, ist der Kampf gegen die Allmacht des Kapitals und den "Herrschaftswillen" Einzelner. Die von mir beschriebenen wirtschaftlichen Ereignisse sind so, wie erzählt,qü geschehen.

 

Das Aufnehmen von Hunden in diese Geschichten ist mir persönlich wichtig gewesen, da mir dieses Element Haustier dazu diente, einige erzählerischen Elemente anders zu gestalten. Vielleicht ist der Hund auch die Möglichkeit, in einer Parabel die Parallelen zum Mensch etwas leichter zu erzählen. Diese Hunde dürfen nicht einfach von Land zu Land reisen. Sie sind ein Objekt und auf der anderen Seite sind sie Krankheitsträger. Was für ein Blödsinn. Millionen von Menschen reisen jeden Tag von Ort zu Ort und sie nehmen nicht nur frische Wäsche, Zahnbürsten und Socken mit. Viele Krankheitserreger wandern mit uns Menschen über unseren Erdball, unabhängig vom geistigen Müll, der so über den Erdball verteilt wird. Hunde sind wirklich einer der wichtigsten Freunde des Menschen. Aber sie dienen mir auch dazu, einen Blick auf die Ressource von anderen Kreaturen auf dieser Welt zu werfen. Wie gehen wir damit um?

 

Ja, das Schreiben dieser Geschichten hat mich ein Stück verändert. Was bleibt ist meine Wut auf Ungerechtigkeit und Ignoranz. Ich konnte sie nicht ablegen. Sie ist sogar größer geworden, je mehr ich mich dem politischen "Erlebnisalltag" nähere. Was für einen Müll müssen wir da jeden Tag erleben. Am schlimmsten finde ich die ständige Selbstbeweihräucherung, wie toll man ist, was man alles geleistet hat. Ich dachte immer, soziale Verantwortung - und das sollte doch ein Element der Politik sein - gehört zum ARBEITS-Alltag der Verantwortlichen? Ich muss mich geirrt haben.

 

Genug - ich glaube, dass ich ein wenig weiter vorne in unsere Erdgeschichte gehen muss, um das alles besser zu verstehen. Also ab ins Mittelalter, vielleicht finde ich da die Antworten, die ich suche. Eine davon ist: Haben wir moralisch und auch in Sachen soziale Kompetenz wirklich das Mittelalter in unseren Köpfen abgelegt? 

 

Ich starte dafür allerdings ganz neu. Die urspüngliche Idee, die Story im Mittelalter mit allen Protagonisten weiterlaufen zu lassen, wäre zwar sicher auch sehr spannend, aber würde meine bisherigen Helden in dauernde Konflikte stürzen. Deshalb musste ich ihr Gedächtnis löschen. Ich nehme allerdings dieselben Charaktere mit.

Was ich selbst gerne schreibend ausloten will, heißt: Wie viel Mittelalter haben wir noch heute in unseren Köpfen? Und wie stelle ich mir vor, würden die Protagonisten der Blauzahn&Co im Mittelalter agieren. Aber noch einmal: Hier beginnt ein ganz neuer Roman ... Wenn auch die Namen mitsamt den Charakteren mitgenommen werden.

 

Pet Baer