Teil 2 - Kapitel 56

8. Dezember 2015 6.00 Uhr Rendsburg

 

Die Reparatur war abgeschlossen, die Brennstofftanks aufgefüllt, der Proviant auf allen drei Schiffen war für mindestens einen Monat gebunkert, also konnte man sich auf den Weg nach Kiel machen. Man würde, wenn es keinen weiteren Aufenthalt geben würde, am Spätnachmittag in Kiel ankommen. Am Olympiahafen konnten sie um 16.00 Uhr Anker werfen. Die Blauzahn war für die herkömmlichen Jachthäfen an der Kieler Förde zu groß und deshalb wollten sie nicht in den Überseehafen einfahren, also blieb ihnen nur diese Möglichkeit. Dort konnten sie in Ruhe wieder die Masten aufrichten und sich für das Interview am kommenden Tag vorbereiten. Drei Mietwagen standen für sie bereit, damit sie sich ungestört bewegen konnten.

 

Mathias, Sophia und Lars machten sich sogleich mit Otto auf den Weg, um Melanie zu suchen. Mathias hatte die Telefonnummer der Staatsanwältin und sie hatten um 17.30 Uhr einen Termin bei der Staatsanwaltschaft vereinbart. Dort trafen sie auf Melanie, die vollkommen aufgelöst und den Tränen sehr nahe war. Wut und Entsetzen wühlten in ihren Gesichtszügen und sie wollte einfach weglaufen. Der Stuhl, auf dem sie saß, war ihr nicht sicher genug. Eine Polizistin blieb mit im Raum, als die vier sich um Melanie stellten. "Darfst du mit uns zurück? Ich glaube hier geht es dir nicht gut. Oder können wir irgendetwas für dich tun?" Lars Fragen waren eher rhetorisch gemeint, er wusste nicht, was sie hatte und wagte es nicht, sie direkt zu fragen. Mathias hatte sich zwar bei der Staatsanwältin erkundigt, was mit Melanie los war und was man für sie tun könnte, aber die Antworten waren kryptisch und ausweichend, sodass er es nicht mehr versuchte, weitere Informationen zu erhalten. Und nun standen sie da, in einem Raum bei der Staatsanwaltschaft in Kiel und versuchten Melanie zu stützen. "Ich werde es euch erklären, aber nicht hier. Ich muss das alles erst hinter mich bringen, dann spreche ich darüber. Nicht jetzt, bitte nicht jetzt." Von drei Polizistinnen  wurden ein paar Stühle in den Raum hereingebracht. Die Beamtin, die schon die ganze Zeit mit im Raum war, verschloss die Tür von innen und fast im gleichen Augenblick wurde sie auf ihrem Handy angerufen. Sie drehte sich nach dem kurzen Gespräch zu Melanie um. "Wir müssen jetzt los, die Gegenüberstellung kann jetzt stattfinden. Die Frau Staatsanwältin meint, dass sie ihren Anwalt gerne mit dazu nehmen können, alle anderen sollten hier warten." Melanie nickte Mathias zu und sie folgten der Beamtin hinaus. Die drei setzten sich um den Tisch in dem Raum, Lars versuchte zu telefonieren, aber in diesem Raum war kein Empfang möglich. Es dauerte fast ein Stunde, bis Melanie und Mathias mit der Staatsanwältin zurückkamen. Mit Handschlag begrüßte sie die Wartenden. "Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich Ihnen schon vorgestellt habe. Mein Name ist Dr. Julia Brohm. Leitende Staatsanwältin hier im Hause." Während sie mit den Wartenden sprach, geleitete Mathias Melanie zu einem Stuhl und goss ihr ein Glas Wasser ein, das sie mit zitternden Händen anhob und dann gierig austrank.

 

Als sich Melanie etwas beruhigt hatte, sprach Mathias Frau Dr. Brohm an. "Kann sie mit uns gehen? Ich denke, dass sie bei uns auf der Jacht sicher sein wird. Ich habe zwar nicht verstanden, dass sie in Gefahr sein soll, aber wenn dem so ist, werden wir alle auf sie aufpassen. Am Donnerstag den 10. Dezember verlassen wir Kiel in Richtung Gotland und sind dann noch etwas mehr als fünf Tage auf See bis wir auf der Insel bei Visby im Hafen festmachen."

 

Die Staatsanwältin bat Mathias aus dem Raum, um kurz mit ihm unter vier Augen sprechen zu können. Sie zog Mathias draußen auf dem Gang sehr nahe zu sich, damit sie nicht laut sprechen musste und sie keiner hören konnte. "Sie ist in Gefahr. Den Mann, den sie grade Identifizierte, hat sehr einflussreiche Freunde und auch sein Vater ist eine äußerst omnipotente Person. Adlig, eigenes Bankhaus, eigene Anwaltskanzlei, reich ist etwas untertrieben. Selbst die stichhaltigen Beweise, die wir geliefert habe, um ihn festnehmen zu können, hatten die vier Anwälte auseinander genommen und uns schnell dumm dastehen lassen. Die erste Zeugin, die wir vor ein paar Wochen vernommen hatten, ist seit ein paar Tagen untergetaucht oder eventuell für immer verschwunden. Wir wissen nicht, wo sie ist oder was mit ihr geschehen ist. Deshalb sind wir um die Sicherheit von Melanie besorgt. Wenn sie zurück auf die Jacht will, stelle ich Ihnen ein paar Beamte zur Verfügung, um sie zu beschützen. Sicherer wäre sie hier an Land in einer gesicherten Wohnung. Es ist Melanies Entscheidung."

 

Melanie wollte zurück zu ihren Freunden. Dort meinte sie, würde sie sich am sichersten fühlen. Also wurde sie zur Ageli gebracht. Der Hafen war einigermaßen gesichert. Kameraüberwachung und drei Polizeibeamte an Bord der Ageli sollten dafür sorgen, dass Melanie vor unliebsamen Besuchern geschützt war. Aber das war nicht alles, was die drei Jachten und die Mannschaften zu bieten hatten. Die Ageli wurde zwischen die Blauzahn und die Sasha gelegt und die Hunde konnten sich frei auf den drei Schiffen bewegen. eine Wachliste wurde erstellt, jeweils fünf Crewmitglieder der drei Schiff hielten für vier Stunden Wache. Die Waffen wurden aus dem Versteck der Blauzahn geholt und verteilt.

 

Als alles organisiert war, setzten sich auf Wunsch von Melanie, Otto, Sophia, Beatrice, Lars, Mathias und Pet zusammen. Sie wollte ihnen erklären, warum ihr Leben gerade vollkommen aus den Fugen geraten war.

 

"Wo soll ich anfangen? Das ist so schwer, den richtigen Anfang für mich zu finden. Ich möchte einfach, dass ihr mich versteht und begreift, was geschehen ist."  Sie rang nach Worten. Für alle entstand eine Pause, die schwer zu ertragen war. Ihr Schmerz war so fühlbar in der Kombüse der Blauzahn, dass es allen schwer fiel auf ihre Plätzen zu bleiben. Aber es war wichtig, dass Melanie genügend Raum hatte, um keine Ängste zu entwickeln und dass man ihr doch so nahe war, dass sie sich sicher fühlen konnte.

 

"Ich komme aus einfachen bürgerlichen Verhältnissen. Meine Mutter hatte eine kleine Schneiderei in Hamburg und mein Vater war Arbeiter auf einer Werft. Vater war immer ein Sozi und Gewerkschaftler, geradeheraus, grundehrlich und sehr belesen. Ich habe noch einen älteren Bruder und eine jüngere Schwester. Ich war die Einzige in der Familie, die das Abitur machte, dann kam eine Lehre als Bankkauffrau und dann begann ich zu studieren. Meine Eltern unterstützten mich finanziell und auch in allen Lebensfragen, wo es nur ging. An Wochenenden und teilweise auch Nachts arbeitete ich, um mir mein Studium zu finanzieren. Das reichte zwar nicht ganz, aber zusammen mit der Unterstützung meiner Eltern ging das gut. Dann wurde mein Vater krank, es folgte die Arbeitslosigkeit, dann der soziale Absturz. Meine Mutter war fast zwanzig Jahre jünger als mein Vater, aber die Kraft, zu arbeiten und meinen Vater zu pflegen hatte sie nicht. Also hörte ich auf mit dem Studium und suchte mir eine Arbeit. Ich fand eine Stelle in einer Hamburger Firma, die Steuerungssysteme für Schiffe, vor allem für Jachten und Binnenschiffe plante und teilweise auch selbst herstellte. Sie hatten einige Patente, die die Firma gut und interessant machte. Ich arbeitete im Controlling des Unternehmens und schon nach zehn Monaten war ich die persönliche Assistentin der Inhaberin und Geschäftsführerin. Ich habe ein sehr gutes Zahlengedächtnis und kann auch sehr gut analysieren. Meine Chefin förderte mich und ich wurde auch mit in ihr Privatleben eingebunden. Zu dieser Zeit entdeckte ich meine Leidenschaft für das Segeln und nach einem Jahr schenkte mir meine Vorgesetzte einen Segelkurs und ich konnte einen Segelschein machen. Das Geschäft lief gut, ich konnte meine Familie unterstützen und war glücklich. Ich war jemand mit Bedeutung und glücklich, erfolgreich zu sein. Wir reisten quer durch Europa, ein Zwölf-, Dreizehn- oder Vierzehnstundentag bei der Arbeit war normal. An Wochenenden konnte ich meiner Leidenschaft, dem Segeln, dank des guten Verdienstes frönen. Immer mehr Segelpatente machte ich und meinte, meinem Traum, eines Tages eine Segeljacht zu besitzen, näher zu kommen. Zu der Zeit begegnete ich zum ersten Mal Ben Miller. Er begleitete einen Freund auf Europatour, der Geschäftspartner für seine Unternehmen in Australien suchte. Es war nur ein flüchtige kurze Begegnung, aber er schenkte mir so viel Aufmerksamkeit, dass ich seine Visitenkarte bekam und er mich über seine weiteren Reisepläne informierte. Die Firma florierte und wir mussten in London ein Büro eröffnen. Meine Chefin meinte, in England herrschten besondere Verhältnisse, wenn man dort Geschäfte machen wollte. Wer dort erfolgreich sein wollte, müsste dort präsent sein. Also gingen wir nach London, eröffneten ein Büro und ich pendelte zwischen London und Hamburg hin und her. Ich lernte viele Menschen kennen, allerdings nur über meine Arbeit, ein Privatleben gab es gar nicht mehr. Einer der neuen, aber wichtigsten Geschäftspartner war ein Unternehmen, das außer Rederei auch Bankgeschäfte betrieb und Anteile an einer Werft besaß. Diese Werft baute Luxusjachten für Reiche, Superreiche und wahnsinnig Reiche. Der Inhaber des Unternehmens war von uraltem Adel, reich, lebte noch im Geiste das Britisch Empire aus und ein Despot - aber sehr erfolgreich in allem was er machte. Ich fand das spannend und ich wurde auserwählt, diesen Kunden exklusiv zu betreuen. Ich lernte bei einem der vielen Meetings auch den Sohn der Geldhoheit kennen. Gutaussehend, gebildet, etwas schüchtern, aber mit einem Benehmen, als ob er gerade ein Diplom als perfekter Gentleman gemacht habe. James der Dritte begann mich vorsichtig zu umwerben und ich war sehr geschmeichelt, dass so ein Mann sich für mich interessierte. Meine Chefin meinte, dass ich mir den Jungen warm halten sollte, so was bekäme man nicht im Kaufhaus. Dann brach das Unglück über das Unternehmen herein. Meine Chefin wurde von einem LKW überfahren und war sofort tot. Zuerst ermittelte die Polizei nicht nur wegen des Unfalls mit Todesfolge, sondern es kam die Vermutung auf, dass ihr Tod absichtlich herbeigeführt worden sei. Nachdem man zwar LKW, aber nicht den Fahrer ermitteln konnte, wurden keine weiteren Ermittlungen angestellt. Es war einfach ein Unfall. Der andere Geschäftsführer des Unternehmens war eher ein Buchhaltertyp und so wurde für die Firma von den Erben des Unternehmens ein Partner gesucht, der es erst zu vierzig Prozent übernehmen sollte, um irgendwann die Mehrheit zu übernehmen. Und wie das Schicksal es wollte, wurde James der Dritte mein neuer Chef und neuer Anteilseigner des Unternehmens. Wir arbeiteten sehr eng zusammen, denn ich war diejenige, die ihm am schnellsten alle Informationen liefern konnte, die er benötigte. Und wir kamen uns auch menschlich näher. Die erste Nacht mit ihm war, jetzt bin ich mir unsicher, wie ich das ausdrücken soll, sehr beeindruckend. Ich wurde verführt und er behandelte mich wie eine Prinzessin. Er lebte es aus, ganz Gentleman sein zu können. Nein erotisch war das nicht, aber es war ein vollkommen anderes Abenteuer. Je mehr er mich umgarnte, um so höher war die Schlagzahl der Arbeit. Ich merkte nicht, wie er mein Wissen förmlich aus mir herausquetschte." Melanie benötigte eine Pause und trank einen großen Schluck Wasser und bat danach Lars um einen Whisky. Den benötigten alle und so war das eine willkommene Unterbrechung, um sich geistig etwas zu sortieren.

 

"In London traf ich dann Ben Miller wieder. Er lud mich zum Essen ein und wir kamen ins Plaudern. Er war nach seiner Aussage hin auf Recherchetour. Er wollte sich eine Zeitung kaufen und suchte gerade auch journalistische Mitarbeiter. Da James gerade für ein paar Wochen unterwegs war und ich deshalb etwas mehr Zeit für mich hatte, trafen wir uns noch ein paar Mal zu Essen. So entstand eine vorsichtige Freundschaft zu ihm und es war unterhaltsam, mit ihm zusammen zu sein. Ich durfte teilweise im vorab schon Artikel von ihm lesen, die er gedachte, zu veröffentliche. Ich sah in ihm so etwas wie ein Kämpfer gegen die Allmacht der Banken oder auch der Großindustrie. Seine Artikel waren mehr als nur kritisch, sie waren anklagend und so gut recherchiert, dass niemand an ihrer Glaubwürdigkeit zweifeln konnte. Dann kam James zurück. Voller Freude nahm ich mir für den Nachmittag frei, an dem er zurückkommen würde. Ich war zu Hause bei mir in London und er kam zu mir. Zuerst war er sehr ruhig, fast schon distanziert und ich fragte ihn, was den los sei. Erst sprach er sehr ruhig mit mir. Er behauptete, dass ich Firmengeheimnisse verraten hätte und dem Unternehmen und ihm dadurch erheblichen Schaden zugefügt habe. Ich fragte ihn, wie er das meinte, da ich mir keiner Schuld bewusst sei. Dann fragte er mich nach Ben Miller aus und ich sagte ihm, dass ich ihn kennen würde und das war es dann auch. Dann knallte er eine Zeitung auf den Tisch. Ich nahm sie und auf der ersten Seite dieser Zeitung sah ich das Bild seines Vaters. Darunter dann eine Schlagzeile, die mich erstaunte. Bankmanager in Insidergeschäfte verwickelt. Ich sagte James, dass ich gar nicht wüsste, dass sein Vater Bankmanager sei. Er klärte mich sehr lautstark darüber auf, dass ich doch sehr wohl wüsste, dass sein Vater eine Bank besaß und natürlich auch diese Bank leiten würde. Ich schüttelte verdutzt den Kopf, weil mir das neu war. Was dann kam, war das schlimmste Erdbeben, der Vulkanausbruch, die Katastrophe der Katastrophen. Er holte mit der Faust aus und schlug mir ins Gesicht. Ich muss gestürzt sein, denn ich spürte seine Tritte im Unterleib und im Gesicht. Ich muss ohnmächtig geworden sein. Als ich wieder zu mir kam, lag ich vollkommen nackt auf meinem Bett. Gefesselt und eine Binde über meinem Mund verhinderte, dass ich schreien konnte. Mein Haut schien zu brennen und die Schmerzen im Gesicht und im Unterleib von den Schlägen und Tritten waren unerträglich. Ich sah, dass James auf der Bettkante saß und in irgendwelchen Papieren wühlte. Als er bemerkte, dass ich wach war, zog er sich schweigend aus und vergewaltigte mich. Brutal und extrem kurz war das Ganze. Dann setzte er sich wieder auf die Bettkannte und wühlte weiter in den Papieren. Er schien etwas zu suchen. Unvermittelt stand er wieder auf, ohrfeigte mich und vergewaltigte mich wieder. Ich konnte mich weder drehen noch wenden - Hilfe rufen war nicht möglich. Ich lag breitbeinig da und musste erdulden, was da kam. Immer wieder weinte ich los, aber das war noch schlimmer, denn durch den Knebel und das unterdrückte Schluchzen drohte mir die Luft wegzubleiben. Dann warf er alles auf den Boden, was er fand, zog sich an und ging. Ich brauchte einige Zeit um mich zu befreien, aber es gelang mir. Ich weiß nicht, wie ich es schaffte, in die Dusche zu gelangen, aber ich schaffte es. Doch alle Versuche, mich zu reinigen, misslangen. Der Schmutz war überall, allgegenwärtig. Und ich war alleine, das war schlimmer als alles andere. Das Bewusstsein ließ mich in vollkommene Panik geraten und ich verriegelte zusätzlich meine Wohnungstüre und stellte einen Kasten vor diese. Ich zog mich an, so gut ich es ertragen konnte, dass mich ein Stück Stoff berührte. Es gelang mir und langsam kehrte meine Verstand zurück und die Paniksteuerung in mir gab auf. Was sollte ich tun? Polizei anrufen? Ins Krankenhaus gehen? Was war der richtig Weg? Ich lief barfuß durch meine Wohnung, immer wieder blieben Papierschnipsel an meinen Füßen kleben, bis der richtige Papierschnipsel kleben blieb. Die Visitenkarte von Ben Miller. Ich rief ihn spontan an, mir fiel nichts anderes ein. Er meldete sich und als ich nur noch ins Telefon hinein heulte, fragte er nur nach meiner Adresse. Die konnte ich ihm gerade noch sagen. Es dauerte wahrscheinlich eine gefühlte Ewigkeit bis er kam, aber er kam. Er war nicht alleine, eine junge Frau war bei ihm, die aber offensichtlich sofort begriff, was los war und mich fest in die Arme nahm. Es tat so gut in diesem Moment. Ich fühlte mich gerettet, für den Moment auf jeden Fall. Ben telefonierte und dann kam noch einmal jemand. Er hatte eine Ärztin angerufen. Die versorgte meine Verletzungen bei mir in der Wohnung, da ich nicht in ein Krankenhaus wollte. Während Ben versuchte, etwas Ordnung zu machen und meine Wohnung aufräumte, versuchte seine Bekannte und die Ärztin aus mir herauszulocken, was passiert war. Ich berichtete ihnen alles, es musste raus aus mir. Immer wieder musste ich mir den Mund ausspülen, weil ich glaubte, dass sie Worte auch schmutzig seien, aber ich schaffte es, alles zu erzählen. Ben hörte natürlich genau zu und rief dann einen Anwalt noch in der Nacht an. Der kam auch noch. Ich war erstaunt darüber, welche Ruhe dieser Mann ausstrahlte. Ein Mann um die Sechzig, große, stark und er wirkte auf mich wie ein Vater, der versuchte, seine Tochter zu retten. Was dann aber passierte, war das Ende meines Glaubens an das Gute und an die Gerechtigkeit. Als er hörte, wer mir das angetan hatte, besprach er sich erst kurz mit Ben und dann setzte er sich vor mich hin. Nein er kniete vor mich hin, nahm meine Hände in die seinen und begann dann, mir klarzumachen, dass ich wohl einen Feind in mein Bett geholt hätte, der nicht zu greifen sei." Melanie benötigte nochmals Wasser, denn ihre Stimme wurde immer heißerer, aber sie wollte weiter reden.

 

Alle um sie herum waren nicht nur ergriffen, erstaunt und konnten nicht glauben, was Melanie da erzählte.

Da war jemand, den man für seine Untat nicht greifen konnte?   

 

Fortsetzung folgt

 

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