Teil 2 - Kapitel 21

Zwischen Neuseeland und Neukaledonien 26. Juli 2015 20.00 Uhr

 

Juris, Erik und Jan waren auf der Brücke. Es war ihre zweite Schicht, seit sie Neuseeland verlassen hatten. Sie wussten, dass die nächsten Stunden nicht leicht für sie werden würden. Der Wind und der Wellengang hatte zwar etwas nachgelassen, dafür waren die Temperaturen an diesem Abend unter zehn Grad Celsius gefallen. Die Sicht war unter zweihundert Meter und sie mussten sich ganz auf das Radar verlassen. Erik hatte den Hauptscheinwerfer eingeschaltet, der das direkte Umfeld vor dem Bug ausleuchtete. Hinter sich sahen sie in einiger Entfernung die Positionslichter der Ageli, seit ein paar Stunden war sie konstant einhundert Meter hinter ihnen auf der Backbordseite geblieben. Alle halbe Stunde kam immer noch der bekannte Funkspruch - alles gut - nur die Stimme war manchmal eine andere.

 

 

Gerrit war immer noch bei Greg, der unter starken Schmerzen litt. Die Wundränder hatten sich leicht gerötet, Gerrit kühlte diese etwas, was aber kaum erleichternd für Greg war. Da Gerrit inzwischen einen Zugang zu einer der Armadern gelegt hatte, konnte er problemloser Injektionen verabreichen.  Um 21.00 gab er Greg eine Mischung aus Schmerz- und Beruhigungsmitteln und der konnte tatsächlich nach einiger Zeit einschlafen.

 

Pet und Steffen machten gerade ihren Rundgang unter Deck, als sie Tristan vor der Kabine Mathias liegen sahen. Die Schnauze ganz fest an den unteren Türspalt gepresst. Etwas irritiert, weil das ein merkwürdiges Verhalten für Tristan war, klopfte Steffen an die Kajütentüre. Als er keine Antwort bekam, drückte er die Türe auf. Nach ein paar Zentimetern spürte er einen Widerstand und konnte die Türe nicht weiter öffnen. Mit sanfter Kraft drückte er weiter, als Tristan sich durch den Türspalt hindurchdrückte. Pet half Steffen, die Türe weiter zu öffnen, bis einer von den beiden den Kopf durch den Spalt schieben konnte und dann sah, was ihnen den Eintritt verwehren wollte. "Drück weiter, wir müssen Mathias von der Türe wegbewegen, er hat sich genau dagegen gelehnt." Wie Steffen ihm gesagt hatte, drückte Pet kräftiger. So kamen sie in die Kajüte hinein. Pet half Steffen, den erschlafften Körper von Mathias in die Mitte der Kajüte zu legen, dann holte er Gerrit, der sich gerade in seiner Kabine hinlegen wollte. Tristan hatte sich inzwischen fest an Mathias geschoben und hingelegt. Er war auch nicht durch gutes Zureden bereit, wegzugehen. Gerrit war das egal, als er den Puls von Mathias suchte und ihn fühlte. "Niedriger, aber regelmäßiger Puls. Legen wir ihn in seine Koje, Pet hole mir bitte meine Notfalltasche aus dem Krankenrevier." Als sie ihn auf seine Koje legten, wachte Mathias kurz auf, schlief aber sofort wieder ein. Gerrit untersuchte ihn, fand aber keine äußerlichen Verletzungen. Spontan konnte er auch keine inneren Verletzungen feststellen. "Wir bringen ihn nach oben in das Krankenrevier," ordnete Gerrit an.

 

Im Krankenrevier schloss er ihn an seine Gerätschaften an, um das Herz und den Kreislauf zu überwachen. Er legte ihm einen Zugang, um ihm etwas Blut zu entnehmen und schloss ihn dann an eine Flüssigkeitsinfusion an. Zynisch meinte er, dass noch ein Bett frei sei, aber wenn er sich das aussuchen dürfte, er es gerne frei lassen würde. 

 

Oben an Deck kämpften sie nun schon zu sechst weiter gegen das ungemütliche Wetter. Carlo, Luigi und auch John waren nun auch auf der Brücke, denn es wurde immer schwieriger, den Kurs zu halten, da die sich immer wieder aufbauenden Windböen verhinderten, auf Kurs zu bleiben. Erik entschied, das Hauptsegel zu bergen und die Motoren anzufahren. Mit dem Focksegel und der Motorenkraft würden sie mindestens fünf Kilometer langsamer sein, aber die Blauzahn kränkte zu oft von Backbord nach Steuerbord und ein paar Mal nahmen sie auf Steuerbord etwas Wasser über die Reling auf. Wie alle feststellen mussten, was das eine kluge Entscheidung, denn die Blauzahn kam etwas zur Ruhe und sie konnten wieder den Kurs halten.

 

Die Ageli blieb auf Position, als ob sie an einem Abschleppseil an der Blauzahn festgemacht war.

 

28. Juli 2015 3.00 Uhr noch 100 Kilometer bis zum Zielhafen Noumea 

 

Sie fuhren unter vollen Segeln auf Neukaledonien zu. Die Ageli hatten sie vor Stunden aus den Augen verloren. Sie meldete sich trotzdem alle halbe Stunde, dass alles in Ordnung sei und auf dem Radar konnte man erkennen, dass sie knapp zwei Kilometer hinter der Blauzahn war. Es war eine sehr anstrengende Reise. Zwei Mannschaftsmitglieder waren ausgefallen, warmes Essen gab es nicht, nur heißen Kaffee oder Tee und dazu belegte Brote. Geschlafen hatten alle so gut wie gar nicht. Fünf Kilometer vor ihrem Zielhafen refften sie die Segel und fuhren mit Motorkraft in den Hafen ein. Ein Lotse, der sie zwei Kilometer vor dem Hafen einfing, führte sie an ihren Liegeplatz. Sofort kamen französische Zollbeamte an Bord und die Pässe und Schiffspapiere wurden kontrolliert. Da die Ersatzteile noch nicht da waren, legte sich Steffen, Jan und Juris sofort schlafen, damit sie etwas ausgeruhter an die Reparaturarbeiten machen konnten, wenn das Material eintreffen würde. Eine Stunde später traf die Ageli ein und legte sich Backbords an die Seite der Blauzahn. Zur Überraschung wurde sie von der doppelten Anzahl von Zollbeamten besucht, als die Blauzahn. Der Besuch dauerte an und die Nordstrandpiraten wurden nervös. Lars zog seine Kapitänsuniform an, Juris und Erik legten imaginäre Uniformwesten - von Otto geschneidert - an und begleiteten ihn dann, als er zur Ageli überwechselte. Und wieder einmal bewiesen Lars, Erik und Juris, wie eindrucksvoll es sein konnte, wenn große Männer in Uniform mit breiten Schultern auftauchten. Sofort war die Zollkontrolle beendet und die Beamten zogen sich an Land zurück. Als die drei sich umschauten, sahen sie, wie erschöpft die Amazonen waren. Ohne ein Wort zu sagen, ging Juris und Erik in die Messe, kochten Kaffee und Tee und sammelten alles Essbare ein, das man kalt servieren konnte. Als sie es auftrugen, protestierte Carla laut, denn sie wollte nicht, dass man ungefragt in ihre Kombüse ging und dort hantierte. Erik ging auf sie zu, küsste sie auf die Stirn, drückte sie auf einen Stuhl, reichte ihr einen Kaffee und dann war sie auch ruhig. Kurz gingen sie noch an Deck, machten die Ageli liegebereit und verschwanden wieder auf der Blauzahn.

 

Krankenrevier auf der Blauzahn  

 

Als Gerrit ins Krankenrevier kam, saß Greg am Bett von Mathias und sie unterhielten sich leise miteinander. "Wie geht es dir, Mathias?" fragte Gerrit ihn besorgt. Da er bisher nicht feststellen konnte, was ihm fehlte, hatte er schon daran gedacht, ihn ins Krankenhaus zu überführen. Greg schaute Gerrit an. "Ich glaube, ich weiß, was ihm fehlt." antwortete er anstelle von Mathias. "Erzähle ihm was dir passiert ist. Wenn du willst, geh ich so lange raus." Mathias schaut erst Greg dann Gerrit an und meinte, dass sich beide an sein Bett setzten sollten. Nachdem er das wiederholte, was er Greg erzählt hatte, war auch für Gerrit die Diagnose klar. Er war einfach vollkommen erschöpft und hatte Panik-Attacken gehabt. Erst wollte er sich das nicht eingestehen, aber dann hatte Greg sehr einfühlsam seine Seele geöffnet und gemeinsam besprachen sie, wie man es schaffen könnte, dass Mathias wieder gesund würde. Er war auch damit einverstanden, dass sie das offen mit der Mannschaft besprachen. Greg war der Meinung, dass er sich deshalb weder schämen musste, noch sich verstecken sollte.

 

Im Maschinenraum auf der Blauzahn 

 

Die Ersatzteile waren um 10.00 Uhr angeliefert worden und Steffen machte sich sofort zusammen mit seinen Helfern an die Reparatur der Blauzahn.

 

Lars verhandelte mit dem Hafenmeister über die Lieferung von Frischwasser und Kraftstoff, der am kommenden Morgen geliefert werden sollte. Der Hafenkapitän gestattete sogar, dass die Hunde an der Leine einen Landgang unternehmen durften.

 

Marc machte mit Otto und Jan zusammen eine Einkauftour durch die Inselhauptstadt und sie besorgten Frischfleisch, Fisch, Gemüse und Obst. Otto erstand noch ein paar Zeitungen, es gab sogar eine paar Zeitungen aus Europa. Die waren zwar schon mindestens eine Woche alt, aber immerhin gab es da etwas ausführlichere Informationen als im Fernsehen.

 

Um 16.00 Uhr kamen Betty und Sophia zusammen mit ihrem Bordhund zu Pet und gemeinsam führten sie ihre Hunde an Land. Knapp einen Kilometer weiter fanden sie schon ein Grünfläche, auf der sich die Hunde austoben konnten. Keiner störte sich daran, dass sie ohne Leine waren und lautstark in der Parkanlage herumtollten. Die sechs kamen sich vor wie im Paradies in dieser tropischen Welt.

 

Trotz der eigenen Währung auf Neukaledonien konnte man auch in einigen Geschäften oder Lokalen mit Euro bezahlen.

 

Sie fanden ein kleines Café und machten dort ein Pause. Da die Hunderassen dort unbekannt waren, wurden sie bestaunt und von den Kellnern mit Frischwasser und Würstchen verwöhnt.

 

Sophia und Pet tranken Kaffee, Betty war es nach einem Schluck Wein zumute. Die Erschöpfung und der Alkohol machten sich bei Betty schnell bemerkbar und sie schlief noch im Lokal auf ihrem Stuhl ein.

 

Man rief ihnen ein Taxi und Sophia fuhr mit Betty, die fast nicht mehr laufen konnte, mit dem Taxi zurück zur Ageli. Und Pet? Der musste mit drei Hunden an Leinen zurücklaufen. Nur verpasste er eine Abzweigung auf einem der vielen Wege im Park und anstatt in Richtung Hafen zu gehen, ging er immer weiter Richtung Innenstadt. Die Hunde wurden durch den Straßenverkehr, in dessen Nähe sie entlanggingen, immer nervöser. So wie es Pet schien, wollte jeder in eine andere Richtung laufen. Die Menschen, die ihm begegneten, amüsierten sich über seine verzweifelten Versuche, den dreien Herr zu werden. In seinem Ärger setzte er sich auf eine Parkbank, zog die drei zu sich heran und hielt ihnen eine Strafpredigt. Ein paar vorbeikommende Spaziergänger fotografierten das. Gerne hätte er sich dagegen gewehrt, in der Situation abgelichtet zu werden, aber er wusste nicht wie. Trevor gebärdete sich am meisten und als es seinem Herrn dann zu viel wurde mit den grinsenden Gesichtern und den Hobbyfotografen, machte er ihn los. Trevor hatte nichts besseres vor, als jeden in seiner Umgebung mit seiner nassen Schnauze und seinem unsagbar freundlichen Lächeln, bei dem er seine sehr langen Reiszähne zeigte, glücklich zu machen. In kürzester Frist war Pet wieder alleine, denn in einem Umkreis von gut fünfzig Meter war niemand mehr zu sehen. Trevor fand das langweilig und wollte wieder an die Leine. Nirgends war ein Schild zu sehen, wo Pet sich orientieren konnte. Kein Hinweisschild für Hafen, anrufen konnte er auch niemanden, denn er hatte sein Handy nicht dabei. Seine Verzweiflung wuchs, denn sein Geldbeutel war nicht unbedingt prall gefüllt und so konnte er sich seinem Wunsch nach einem Whisky  oder ähnlichem auch nicht erfüllen. Tief in sich drin verfluchte er sich, weil er trotz seinem Hang zum absoluten Perfektionismus die Abzweigung zum Hafen verfehlt hatte, als ihm jemand auf die Schulter tippte. Hinter ihm stand Sophia. Grinsend und mit einem sehr süffisanten Unterton sagte sie zu ihm. "Der kleine Pet will aus dem Spielparadies abgeholt werden. Ich nehme an du hast dich verlaufen. Wir stehen schon seit zehn Minuten da hinten und beobachten dich. Ganz zufällig haben wir dich hier gesehen."  "Wer wir?" Pet drehte sich um und kaum zehn Meter hinter ihm standen Milly, Matra und Maria, das Bootbauteam. Die Damen die Innenräume für Luxusjachten designten und diese auch selbst realisierten. Anfangs hatte Pet sie als etwas rustikal eingeschätzt, laut und manchmal auch aufdringlich, aber inzwischen hatte er sie auch anders kennen gelernt. Offensichtlich mussten sie zu lange ihre Weiblichkeit unterdrücken und hatten sich ein burschikoses Verhalten angewöhnt. Nun hatten sie das nicht mehr nötig. Vor allem Maria wandelte sich innerhalb kürzester Zeit von einem Mauerblümchen zu einem Rosen-Bouquet. "Und nun? Du bist sicher nur zufällig hier gelandet. Gesucht hast du mich nicht?" Sophia schaute auf die Hunde und überlegte kurz. "Ja wir wollten einkaufen gehen. Wir benötigen eine paar Kleidungsstücke, der Verschleiß ist enorm und einige Dinge müssen unbedingt ersetzt werden. Willst du uns begleiten? Da wir nun zu fünft wären, sind die Hunde auch kein Problem mehr. Zudem sind die müde, das heiße Klima macht auch sie ruhiger. Von hier aus sind es nur noch ein paar Meter bis in die City." Was blieb ihm auch anderes übrig. Stress war allerdings vorprogrammiert. Drei Hunde und vier Frauen mit ihm zusammen auf Einkaufstour. Pet kannte sein geduldiges Wesen zu gut, er sah sich schon mit den drei Hunden in der Mitte eines Einkaufscenters auf einer Bank sitzend, während die Damen um ihn herum tanzten und ihn befragten, ob ihm das gefallen würde oder jenes. Und die drei Vierbeiner wollten dann immer zu einer der Damen unbedingt in die Umkleidekabine. Er war gefangen und konnte daraus nicht flüchten.

 

Er nickte nur und Milly, Matra und Sophia nahmen sich der Hunde an. Maria hatte auf ihrem Smartphone eine Karte der Stadt und gab die Anführerin. Pet wollte nicht wie ein alter Ehegefährte hinterher trotteln, also schloss er sich Maria an. Bereits nach ein paar Metern flüsterte sie ihm zu. "Du glaubst doch nicht wirklich, dass wir dich zufällig gefunden haben? Sophia hat sich Sorgen um dich gemacht, du und drei irre Hunde mitten im städtischen Nirgendwo. Sophia und Zufall, diese Frau plant alles, auch Zufälle. Aber eines stimmt, wir wollen shoppen gehen."

 

Die Hunde waren einfach zu müde, um wirklich Schwierigkeiten zu machen und so konnten man gemütlich den Bummel durch die Einkaufsstraßen genießen. Inzwischen setzte die Dämmerung ein und die Ladengeschäfte, Straßenbeleuchtung und andere Lichtquellen ließen eine fast romantische Stimmung aufkommen. Als erstes fielen die Damen über ein Geschäft mit Damenoberbekleidung her. Pet wurde ein Stuhl angeboten und die drei Vierbeiner legten sich rund um ihn herum und beobachteten sehr gelangweilt, was die Damen da vorhatten. Jede fand ein Kleidungsstück, das natürlich durch Pets kritische Betrachtung aufgewertet werden musste und der erste Einkauf war erledigt. Wie durch einen Zufall fand Maria ein Geschäft, in das weder Hunde und schon gar nicht Männer eintreten sollten. Damen-Unterwäsche, Dessous und Nachtgewänder. Weil Pet zu sehr mit den dreien beschäftig war, wurde ihm am Anfang, als sie das Geschäft betraten, nicht bewusst, wo er gelandet war und dann war es einfach zu spät, umzudrehen und zu gehen. Eine sehr elegante Dame in seinem Alter bot ihm einen Sessel etwas abseits des allgemeinen Kauftumultes an. Bis er feststellte, dass er genau vor den Umkleidekabinen platziert wurde. Als er aufstehen wollte, kam eine junge Frau auf ihn zu. Sie balancierte drei Wasserschüsseln für seine Freunde auf ihren Händen, stellte sie mit einem Lächeln ab und verschwand wieder. Erst als sie wegging, wurde Pet bewusst, welche Schönheit da gerade drei profane Wasserschüsseln abgestellt hatte. Nach eine paar Sekunden kam sie wieder zurück, dieses Mal stellte sie für Pet eine Glas Wasser und einen Kaffee auf dem Tischchen neben Pet ab. Pet konnte sich nicht zurücknehmen, er musste diese Frau anschauen. Hier waren alle genetischen Möglichkeiten zusammengenommen worden, um eine schöne Frau entstehen zu lassen. Der Herrgott musste bei diesem Akt seine schützenden Hände über die Eltern gehalten haben. Sie lächele zurück und fragte Pet in perfektem Hochdeutsch. "Haben Sie noch einen Wunsch? Ihre Begleiterinnen sind noch in der Findungsphase und so wie ich das einschätze, kann diese noch einige Zeit in Anspruch nehmen." Pet wurde unruhig und war kurz Zeit auch sprachlos. "Woher wissen Sie, dass ich Deutscher bin? Sie sprechen meine Muttersprache perfekt. Darf ich fragen, wo Sie diese gelernt haben. Entschuldigung, das war jetzt unhöflich von mir. Ich darf mich zuerst für das Wasser für die Hunde und die Erfrischung für mich bedanken." Pets Verstand ging auf standby. Erst als sie ihren Mund öffnete, begann sein Gehör und dann die synaptische Verbindung zum Großhirn wieder zu arbeiten. Spontane Kleinhirnaktivitäten und Urinstinkte wurden wieder zurückgedrängt. "Ich habe in Tübingen studiert, da mein Vater in Stuttgart gearbeitet hat. Meine Mutter kommt hier von der Insel, hat in Frankreich studiert und dort meinen Vater kennengelernt. Deshalb kann ich Ihre Sprache sprechen. Ich war gerne in Tübingen, am Bodensee und auch im Dampfkessel Stuttgart. Und Ihr Bild habe ich vor ein paar Wochen oder gar Monaten in einer Zeitung gesehen. Sie machen eine Weltreise mit Freunden zusammen. Und die Damen?" Pet erklärte, wer die Damen waren und warum er hier nun mit den drei Hunden saß.

 

Als die junge Frau sich wieder ihrer Arbeit widmete, kam Sophia auf ihn zu. "Da kommst du mit vier Frauen in ein Dessous Geschäft und baggerst dort sofort eine andere an. Schäm dich." Dass sie gerade mit einer Anprobe beschäftig war und sich ihm in schönster Spitzenunterwäsche präsentierte, war ihr nicht bewusst. Erst als sie sich umdrehte und zurück zur Umkleidekabine schritt, fiel ihr das selbst auf. Ein - "mein Gott ist das peinlich" - war laut genug zu hören. Als Maria aus einer anderen Kabine fragte, was denn passiert wäre, kam die Antwort. "Ich bin fast nackt aus der Kabine zu Pet gelaufen, ohne nachzudenken. Ist das peinlich." "Und ist was passiert? Hat er die Augen verdreht, sind die Hunde auf dich losgegangen? Sophia mach dir keine Gedanken, dich kann man ansehen und denk daran: Die Jungs sind Monate lang ohne Frauen auf See und verhalten sich immer noch wie Gentlemen." Pet war empört und musste darauf reagieren. "Bitte meine Damen, ich kann alles hören. Ich bin gerne euer Begleiter und Modeberater, aber bitte dran denken, dass ich mich heute Abend nicht in den Schlaf trinken will!" Ein vierstimmiges Gekicher war die Antwort. Dann stand die Schönheit wieder vor ihm. "Ich werde mal sehen, ob die Damen etwas Passendes gefunden haben. Darf ich fragen, welche der Damen zu ihnen gehört?" Was sollte man da antworten, dachte Pet bei sich. Ein bisschen aufschneiden, Macho spielen und alle sagen. Nein das war nicht sein Ding, jetzt in der Situation erst recht nicht. "Keine, ich bin einfach nur ein Freund und Begleiter." Die Schöne nickte freundlich und ging zu den Kabinen.

 

Pet war verzweifelt. Auf was hatte er sich da eingelassen. Sollte er bewusst provoziert werden oder musste er das einfach unbedarft hinnehmen. Es war Zeit, dass sie zurückgingen. Irgendwie musste er das beschleunigen. Aber wie? 

 

Fortsetzung folgt

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0