Teil 2 - Kapitel 15

20. Juli 2015 1.30 Uhr an Bord der Blauzahn

 

Inzwischen hatten sich einige der Party Teilnehmer nach draußen begeben. Sie saßen vor der Messe oder oben auf der Brücke und schauten in den Nachthimmel. Alberto und Beatrice saßen am Burg der Blauzahn und unterhielten sich leise miteinander.

 

Erik sah immer wieder verzweifelt zum Spieltisch zu Lisa und versuchte, sehr intensiven Augenkontakt mit ihr zu bekommen. Sie war diejenige, die nun am konzentriertesten spielte und auch gewann. Bis sie verstand, dass Erik gerne mit ihr gemeinsam eine Pause machen würde. Da Beatrice nicht als Sekundant zur Verfügung stand, übernahm Julia die Position für Lisa. Dann verschwanden auch diese beiden aus der Messe. Und nun stellte sich schnell heraus, dass Julia eine sehr geschickte Spielerin war. Sie, Sophia und Pet dominierten nun das Spiel. Um 2.30 Uhr war das Pokern beendet. Sophia hatte eindeutig gewonnen, Julia wurde Zweite und Pet Dritter, alle andern schieden mit null Jetons gleichzeitig aus.

 

Drei feierten ihren Sieg mit einer Flasche Pommery. Als sie mit ihren Gläsern anstießen, bemerkten sie, dass sie alleine in der Messe waren. "Dass sich die anderen verdrückt haben, nach oben oder auch unter Deck oder sonst wohin, verstehe ich ja, aber wo sind die Hunde? Liegen die immer noch unten im Mittelgang? Das kommt mir komisch vor." Julia suchte offensichtlich einen Anlass, sich auch aus der Messe zu schleichen. Oder warum wollte sie denn sonst wissen, wo die Hunde waren. Pet schaute sie an, aber er verstand nicht, dass sie alleine auf Suche gehen wollte. "Na dann schauen wir doch einfach nach ihnen," antwortete er und zu dritt gingen sie den Niedergang nach unten. Die Vierbeiner lagen tatsächlich immer noch so da, wie sie sie vor ein paar Stunden verlassen hatten. Pet eilte zu Trevor, dann zu Tristan und dann zu Carl. Dann wieder zu Trevor. "Wisst ihr was, die riechen nach Alkohol. Das Fell ums Maul herum riecht fruchtig und nach Schnaps. Sind die etwa besoffen?" Julia und Sophia rochen nun auch an den Hunden und stellten das gleiche fest. Trevor öffnet kurz die Augen, schloss sie aber schnell wieder. Pet schaute sich um und fand eine klebrige Spur, die in eine der beiden Vorratsräume führte. Dort stand eine Schüssel mit Rumfrüchten, die fast leer war. Er besorgte eine Schüssel mit Wasser und weckte die drei Vierbeiner. Jeder trank ein paar Schluck daraus im Liegen und ließ dann den Kopf wieder sinken. "Wir sollten sie einfach da liegen lassen. Da passiert am wenigsten. Ich gehe jetzt mal hoch und schaue nach den Piraten und den Amazonen." Und dann verschwand Julia in Richtung Niedergang. Durch die geschlossenen Kabinentür von Alberto hörten sie ganz kurz Beatrice und Albertos Stimme. Offensichtlich waren sie sehr mit sich beschäftigt. Pet wurde nervös und mit Handzeichen versuchte er Sophia darauf aufmerksam zu machen, dass sie sich nun auch leise in Richtung Niedergang aufmachen sollten. Sophia schüttelte den Kopf und zeigte zu seiner Kabine. Pets Miene deutete an, dass er das für keine gute Idee halten würde, aber Sophia stand schon auf der Schwelle zu seiner Kajüte. Als sie drinnen waren, schloss sie die Türe, öffnete das Bullauge und setzte sich dann auf den Boden. "Hast du mir was zu trinken und auch was zu rauchen?" Schweigend reichte Pet ihr ein Zigarillo und schenkte ihr und sich selbst einen Whisky ein. Dann setzte er sich ihr gegenüber auf den Boden. Von dort aus griff er sich eine Zigarre und holte einen Aschenbecher und Zündhölzer von seinem Schreibtisch. Aus der Kabine von Alberto hörte man nun etwas lautere Rufe, die es aber ganz sicher nicht erforderlich machten, hier einzugreifen. Pet stand nochmals auf und schaltete das Radio ein und suchte einen Sender mit etwas leichter Musik. Laut genug, um die Geräusche aus den anderen Kabinen zu übertönen. Leise genug,  um sich problemlos unterhalten zu können. Sophia nickte ihm zu. Eine Zeitlang saßen sie sich schweigend gegenüber und nippten an ihrem Whisky. Dann begann Sophia, leise los zu plaudern. Sie lobte den Verlauf der Party, das Essen, die Getränke und vor allem das Pokerspiel. Pet nickte zustimmend, sagte selbst aber nichts. Sophia reichte Pet ihr Glas. "Schenk mir nochmal einen ein." Pet tat wie gewünscht, reichte ihr das Glas. "Bist du der Meinung, dass es zwischen Mann und Frau wirkliche Freundschaft geben kann. So wie zwischen dir und Otto oder den anderen Piraten?" Pet war von der Frage überrascht. Was sollte er darauf antworten? Ihr seine Meinung darüber sagen? Seine bisherige Erfahrung hatte gezeigt, dass das sehr schwierig sein konnte. Und andererseits glaubte er nicht daran. Solche Freundschaften hatten immer ein anderes Bindeglied. Unter Männern, bei den eigenen Kinder, aber eine Freundschaft einfach so zwischen Mann und Frau, das konnte er sich nicht vorstellen. Sie schaute ihn sehr erwartungsvoll an. Dachte er schon zu lange darüber nach? Sie erwartete eine Antwort von ihm. "Das wird sich zeigen. Wir fangen gerade damit an. Ob es sich entwickeln kann, liegt an uns. Ich kenne wenige Freundschaften zwischen Mann und Frau, die lange halten oder sich gut entwickelt haben. So was wie zwischen Otto und mir hat sehr lange gedauert, bis es eine wirkliche Freundschaft wurde. Wir kennen uns seit über fünfundzwanzig Jahren, aber ich würde sagen, dass wir erst seit etwa fünf Jahren wirkliche Freunde sind." Sophia nickte und trank dann ihr Glas auf einen Zug leer und reichte es Pet. Der schenkte ihr nochmal einen Whisky ein, stand auf und deutete an, dass er kurz nach draußen musste. Als er nach ein paar Minuten zurückkam, war das Licht in seiner Kajüte ausgeschaltet. Misstrauisch schaltete er seine kleine Schreibtischlampe ein. Sophia lag angezogen in seiner Koje und schlief tief und fest. Er deckte sie zu, entrollte auf dem Boden seine Gymnastikmatte und legte sich hin. Er hatte die Kabinentür offen gelassen, von oben hörte er noch vereinzelt Stimmen, die ihn in den Schlaf begleiteten. Er wachte ein paarmal in dieser Nacht auf, weil Sophia sehr laut schnarchte und weil die drei Vierbeiner z uihm kamen und sich rund um ihn herum niederlegten.

 

Erst um 6.00 Uhr am Morgen verschwanden die allerletzten Partygäste in ihre Kojen oder sonst irgendwohin zum Schlafen.

 

Um 8.00 Uhr kam Otto zu ihm und schüttelte ihn vorsichtig. "Alles in Ordnung mit dir?" Dann entdeckte er Sophia in Pets Koje. "Ach so, dein Bett war belegt, deshalb liegst du hier auf dem Boden. Ich hole dir mal ein Glas Wasser und einen Kaffee, oder willst du so unbequem weiterschlafen?" Pet schaute ihn verwundert an, weil er sich nicht so schnell auf die Situation einstellen konnte. Eigentlich war er immer sofort wach, wenn man ihn weckte, aber dieses Mal nicht. Er nickte Otto zu. "Ja bitte. Ich brauche noch ein bisschen Zeit, um ganz zu mir zu kommen." Nach ein paar Minuten bekam er seinen Becher Kaffee und das Wasser. Leise erzählte Pet, wie sie die Hunde betrunken vorgefunden hatten und wie sich Sophia in sein Bett gelegt hatte. Er fügte aber hinzu, dass Sophia ohne Erwartungen seinerseits in seinem Bett gelandet sei. Und dann sprach er ihn darauf an, was Sophia ihn ein paar Stunden vorher gefragt hatte. Als Pet das Thema Freundschaft zwischen Mann und Frau versuchte ausführlich zu erklären, grinste Otto. "Witzig. Das hat Betty gestern auch gefragt. Scheint die Agelis ja zu beschäftigen. Du kennst doch meine Meinung. Klar gibt es ganz normale Freundschaften zwischen Männern und Frauen. Aber ich weiß, du denkst da anders. Sprichst du nicht öfters vom väterlicher Freund? Aber klar, Sophia. Sie ist ein attraktive Frau und der Altersunterschied ist nicht so gigantisch. Von Pets Koje erklang auf einmal eine heißere Stimme. "Otto, ich bin wach. Dieses attraktiv habe ich sehr gerne gehört. Pet könnte für mich kein väterlicher Freund sein, dazu bin ich etwas zu erwachsen und zu lebenserfahren. Und jetzt habe ich eine Bitte. Kann ich auch einen Kaffee und dazu Aspirin haben. Ich bleibe noch ein Weilchen hier in der Koje, bis die Erdrotation langsamer wird." Otto besorgte ihr das Gewünschte. Die Hunde lagen immer noch wie betäubt auf dem Boden bis Trevor aufstand und unbedingt auf seine Toilette musste. Irgendjemand hatte freundlicherweise eine große Wasserschüssel vor die Kajütentür gestellt und als die beiden anderen hörten, wie Trevor gierig daraus schlabberte, standen auch sie auf und begannen ebenfalls, ihren offensichtlichen Kater mit viel Wasser zu vertreiben. Pet schaute aus seiner Kajüte. Da sah er, dass alle von der Blauzahn und der Ageli im Gang oder auf der Schwelle ihrer Kabinentür mit Kaffeebechern in den Händen auf dem Boden saßen. Einige lehnten nur aneinander, eine paar hatten sich in den Arm genommen. Marc und Otto fungierten als Stewards und reichten Wasser, Kaffee und auch ein paar kalte feuchte Tücher. Ganz vorne im Bug saß Erik und hielt die schlafende Lisa in seinen Armen. Lars und Birgit saßen sich vor der Tür von Pets Kajüte gegenüber. Otto sagte nichts, aber ihm war aufgefallen, dass Birgit ein Hemd von Lars trug. Ganz hinten, fast an der Tür zum Maschinenraum, saß Betty und fotografierte.

 

Sophia schwankte aus der Kajüte und musste einige Beine übersteigen, bis sie eine der  Duschen auf der Blauzahn erreichte. Auf dem Weg dorthin sagte sie etwas zu laut: "Mein Gott, war das eine Abend. Und dann erst diese Nacht." Dann verschwand sie in der Duschkabine. Alle schauten auf Pet, der noch immer auf der Schwelle seiner Kajüte auf dem Boden saß. Sein Blick wanderte erschrocken hinter Sophia her und dann zu den anderen. Außer einem langgezogenen. "Ahhhhmmm" brachte er keinen Ton heraus. Als sie wieder aus der Dusche  herauskam, gab sie einen weiteren Kommentar ab. "Ein echter Gentleman. Er lag mit drei Hunden in den Armen auf dem Boden vor der Koje und hat meinen Schlaf bewacht. Durch und durch ein preußischer Offizier." Dass sie darauf anspielte, dass Pet immer noch einen Teil seiner Uniform anhatte und nur seinen Degen und die Uniformjacke abgelegt hatte, verstanden nicht alle, aber er war rehabilitiert. Oder war das ein Tadel? Sie küsste Pet auf die Stirn und flüsterte ihm ins Ohr. "Das ist der Beginn einer Freundschaft." Dann ging sie wie eine Storch, die Beine der anderen geschickt übersteigend, zum Niedergang und verschwand.

 

Erst gegen Mittag gingen die letzten Amazonen auf die Ageli zurück. Dann begannen die müden Nordstrandpiraten, klar Schiff zu machen. Dass es Carl sich unter Pets Koje gemütlich gemacht hatte und gar nicht auf die Ageli mitgegangen war, fiel am Anfang niemand auf. Erst als Marc Tristan und Trevor die Futterschüsseln hinstellte und drei Hunde schmatzend an der Tür zur Kombüse standen, wurde allen klar, dass ein Mannschaftsmitglied der Ageli noch bei ihnen geblieben war. Lars ging zum Fallreep und rief zur Ageli rüber, ob sie nicht einen ihrer Mannschaftmitglieder vermissen würden. Betty tauchte verschlafen auf und schaute Lars an. "Wen meinst du? Den Kapitän? Wir sind vollzählig und der Rabe hat uns schon vor ein paar Tagen verlassen." Dann tauchte Carl auf, begleitet von seinen zwei Freunden. Er schmatzte noch, als er die Gangway zur Ageli hinüber schritt. Betty tippte sich an die Stirn, bedankte sich und verschwand mit Carl unter Deck.

 

Die Nordstrandpiraten hatten sich in der Messe versammelt. "Die scheinen alle zu schlafen. Mathias und Otto haben alles eingesammelt, was auf die Ageli gehört. Wir bringen das später rüber."

 

"Hat eigentlich einer von euch bemerkt, dass wir mal wieder fotografiert wurden. Heute Nacht habe ich es ein paarmal aus Richtung des Kais blitzen sehen. Das war eindeutig ein Blitzlicht. Und später hat jemand offensichtlich mit einem Nachtsichtgerät oder einem Restlichtverstärker zu uns herübergesehen. Heute morgen ist eine große Jacht aus dem Hafen rausgefahren, die lag auf der Höhe, wo ich das Aufblitzen gesehen habe." Nur Mathias konnte das bestätigen, er hatte das auch gesehen, aber dem keine Bedeutung beigemessen.

 

Gegen 17.00 Uhr wurden die Kapitäne der Ageli und der Blauzahn zum Hafenmeister an Land gebeten. Vor der Hafenausfahrt hatte sich ein Polizeiboot gesetzt. Melanie, Lisa, Lars und Otto fuhren an Land. Dort wurden sie von ein paar uniformierten Polizisten empfangen und in Polizeiautos gesetzt. Am Kai patroullierten ein paar Uniformierte und ein größeres Schiff, sehr wahrscheinlich von der Küstenwache, gesellte sich zu dem Polizeiboot. Per Funk wurden sie darüber informiert, dass sie weder ihre Schiffe noch den Hafen verlassen durften. Die Gründe hierfür wurden ihnen aber nicht bekannt gegeben.

 

Erik, Greg, Juris und John fuhren mit dem großen Beiboot zum Kai, wurden aber nicht an Land gelassen, sondern mussten zurück auf die Blauzahn. Während dieser Aktion telefonierte Betty und Mandy mit ihren Kontakten in Australien und Neuseeland. Sie erfuhren, dass auf einigen Fernsehkanälen über ein illegales Glückspieltreffen hier im Hafen berichtet wurde und dass man die verantwortlichen Kapitäne in Gewahrsam genommen habe.

 

Kaum hatte Betty die Mannschaft der Ageli und der Blauzahn darüber informiert, was sie recherchiert hatte, kam auch schon das Polizeiboot und das Küstenwachtschiff längsseits der beiden Jachten und Bewaffnete stürmten auf die Schiffe.

 

Trevor reagiert äußerst ungehalten auf das Theater und Erik konnte ihn gerade noch retten, da einer der Bewaffneten schon mit einer Pistole auf ihn zielte.

 

Mit vielen gebrüllten Befehlen wurden alle Mannschaftmitglieder auf dem Oberdeck der Schiffe zusammengetrieben und mussten sich auf den Boden setzen. Pet hielt Tristan fest und Erik Trevor. Carl auf der Ageli fand das alles ganz toll und versuchte, mit den Uniformierten zu spielen. Julia gelang es, den Vierbeiner einzufangen, allerdings wurde sie mit einer vorgehaltenen Pistole zu den anderen zurückgeführt. Ein Uniformierten, offensichtlich ein Offizier, fummelte mit einem Dokument herum und einige andere Uniformierte begannen, die Blauzahn zu untersuchen. Die gleiche Szenerie fand auf der Ageli statt.

 

Dann stand Mathias auf und bat darum mit dem Dokumentenoffizier zu sprechen. Der gab ihm das Dokument und Mathias prüfte das genauestens. Dann lächelte er zuerst und sagte dann auf Deutsch zu ihm. "Verpiss dich."

 

 

 

Fortsetzung folgt.

 

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