Teil 2 - Kapitel 4

8. Juni 2015 11.30 Uhr Jachthafen Perth Australien

Otto stieg an Deck der Ageli, um nachzuschauen, wer nach ihnen gefragt hatte. Auf dem Pier standen vier Frauen. Otto erkannte als erstes Birgit Hanssen, neben ihr stand eine junge Frau, die er nicht erkannte. Dahinter standen Beatrice und Julia. Die beiden winkten Otto zu, als sie ihn entdeckten. In Ottos Gehirn begann es zu arbeiten. Dass Julia und Beatrice hier auftauchten, war zwar ein Überraschung, aber hatte etwas Logisches an sich. Die eine wollten sicher ihren Vater sehen und die andere war aus Herzensangelegenheiten hier. Aber was wollte Frau Hanssen und wer war diese junge Frau? Über den Steg ging er auf die kleine Gruppe zu. Frau Hanssen und die junge Frau begrüßten ihn mit einem Handschlag. Julia und Beatrice drückten ihn fest an sich. Ihnen war die Freude, Otto zu sehen, ins Gesicht geschrieben. Frau Hanssen stellte die junge Frau neben sich vor.

"Das lieber Otto ist meine Tochter Marta. Ich wollte einfach sehen, wie es den Freunden meines Mannes Wilhelm geht und sie wollte mich begleiten. Du scheinst dich zu wundern, uns hier zu sehen. Ich erkläre euch das später. Dürfen wir an Bord der Blauzahn kommen? Wer ist denn die junge Frau da oben auf der Ageli, die uns so intensiv beobachtet?" Otto drehte sich um und sah, dass Betty an der Reling stand und zu ihnen heruntersah. "Sie gehört zur Mannschaft der Ageli - ihr Name ist Betty Black. Ich sage Lars und Erik Bescheid, dass wir zur Blauzahn übersetzen wollen. Ich hole das Beiboot und lege dort, wo ihr die beiden Poller seht, an." Otto deutete auf zwei Poller, die etwas weiter hinter dem Heck der Ageli am Pier waren. Dann ließ er die Damen stehen, ging über den Steg auf die Ageli und informierte Lars und Erik, wer da auf sie wartete.

 

Erst brachte Otto die Damen zur Blauzahn, dann holte er Lars und Erik mit dem Beiboot ab. Als sie ablegten, hatte sich die Mannschaft, die sich noch an Bord der Ageli befand, an Deck der Jacht versammelt. Alle auf der Blauzahn, auch die vier Gäste sahen das. Nach der Begrüßung stellte Otto die neuen Piraten vor und danach informierte er über die Vorkommnisse auf der Ageli. Marc kreierte währenddessen gemeinsam mit den Brüdern Carlo und Luigi einen Begrüßungsimbiss. Die Höflichkeit verbot es allen, ihre Neugierde durch Fragen zu stillen. Lars wagte es dann nach dem Begrüßungsschluck doch, das Wort an Frau Hanssen zu richten. "Woher wusstest du, dass wir hier sind? Und wenn du die Frage erlaubst, warum bist du hier?" Lars merkte sofort, dass seine Fragestellung sehr plump war, aber weitere Überlegungen konnte er nicht anstellen, da Beatrice das Wort ergriff.  "Wir sind immer wieder in Kontakt zueinander und wir hatten uns in Sidney verabredet.  Birgit wollte dort ihre Tochter besuchen, die für ein paar Monate in Australien war. Julia und ich wollten eigentlich nach Adelaide kommen, um euch dort zu treffen. Wir haben aber vom Anwalt gehört, dass ihr einen Abstecher nach Perth machen wolltet. Wir wissen ja nun auch warum. Ich hoffe nicht, dass wir euch hier stören."

 

Der letzte Satz klang schon etwas beleidigt. Waren die Damen angesäuert? Wegen der Ageli, wegen der Mannschaft? Warum sollten sie, dachte Pet? "Wir haben uns Zimmer in einem Hotel in der Innenstadt genommen. Wir sind aber gleich nach der Landung hierher gekommen, um euch zu sehen!" Erwartungsfroh schaute Beatrice in die Runde. Otto schaute die vier an und dachte bei sich: Was erwarten die von uns? Wir sind gerade angekommen. Wir sind müde und haben im Moment erfahren, dass ein Freund schwer verletzt ist und sehr wahrscheinlich querschnittsgelähmt." Alberto rettete die Situation, indem er laut einen Toast auf die vier Besuch aussprach und sein Glas erhob. Die Spannung wich und Lars ging auf Birgit Hanssen zu und zog sie hinaus zum Niedergang. "Hast du eine Minute für mich?" fragte er und Birgit ließ sich gerne von ihm wegführen.

 

Außerhalb der Hörweite der anderen sagte er. "Ist doch kein Zufall, dass du hier bist? Du hast dich verändert. Was ist mit dir? Ich hoffe nicht, dass du krank bist." Birgit lächelte leicht. "Nein es ist kein Zufall, da hast du recht. Mein Leben hat sich verändert. Das Lokal und mein Modelabel habe ich an zwei Geschäftsführer übergeben, mein Sohn macht eine Ausbildung als Koch und meine Töchter haben begonnen, ihr Leben selbst zu gestalten. Bis auf Marta, die vermisst ihren Vater sehr und sie wollte einfach die Männer kennenlernen, die die letzten Wochen mit ihm zusammen waren. Und sie wollte das Schiff sehen, auf dem er so glücklich war. Ich versuche, Friedrich zu verstehen, deshalb bin ich hier. Lache mich nicht aus, ich hatte sogar etwas Sehnsucht nach euch allen. Es ist etwas mit mir geschehen, als ich mich von euch verabschiedet hatte. Die Worte Familie und Freundschaft ergaben auf einmal einen Sinn. Ich wollte euch sehen und wissen, wie es euch geht." Lars nahm etwas Abstand von ihr und schaute sie von unten bis oben an. Sie wirkte im Gegensatz zu ihrer letzten Begegnung sensibler und zerbrechlicher. Sie war nicht mehr die beherrschte Frau, die offensichtlich alles kontrollieren konnte. War sie noch vor ein paar Monaten eine interessante und attraktive Frau, so war sie nun in seinen Augen einfach schön. Hinter Lars bewegte sich etwas und er hörte die Stimme von Marta. "Ist alles in Ordnung, Mutter?" Ohne den Blick von Lars zu wenden, sagte sie. "Jetzt ja, ganz sicher sogar Marta. Wenn es dir, Beatrice und Julia nichts ausmacht, würde ich jetzt gerne ins Hotel fahren. Ich bin müde."

 

Als die vier von einem Taxi am Pier abgeholt wurden, hatte sich wieder fast die ganze Mannschaft der Ageli auf Deck versammelt, um ihre Abfahrt zu beobachten. Alberto fuhr nicht mit Beatrice mit. Sein Bruder fragte ihn nach dem Warum, bekam aber keine Antwort.

 

Am kommenden Morgen besuchten Otto, Lars und Jan den verletzten Ben Miller im Klinikum in Perth. Er hatte bereits Besuch von Betty, Melanie und Sophia. Ben lag eingegipst mit  vielen Binden verschnürt und Schläuchen verbunden in seinem Bett. Alle vier strahlten voller Freude, als die Nordstrandpiraten das Zimmer betraten. Betty berichtete begeistert, dass Ben bereits die Zehen seines linken Fußes bewegen konnte und dass die Wahrscheinlichkeit einer Lähmung geringer sein würde. Nach ein paar Minuten bat Ben den Damenbesuch, ihn doch mit den Piraten für einige Zeit alleine zu lassen. Unter Murren kamen sie seinem Wunsch nach. Zuerst zeigte er seine Trauer über den verletzten und den getöteten Matrosen. Dann  ersuchte Ben seine Besucher, ihm gut zuzuhören, das Gespräch aber vertraulich zu behandeln. "Ich weiß, dass ich noch sehr lange brauchen werde, bis ich wieder fit bin. Wenn das überhaupt möglich ist. Die Schwellungen im Rückgrat gehen zurück und man vermutet, dass das der Grund für die Bewegungsblockade war. Sicher ist das aber noch nicht. Natürlich sind alle wegen diesem Unglücks sehr traurig und angespannt, aber ich bin der Meinung, für die Ageli sollte die Reise weitergehen. Vor ein paar Wochen erzählte mir Betty, dass sie sich vorstellen könnte, eine Abenteuerreise wie die Blauzahn zu organisieren. Nicht mit erfahrenen Männern, sondern nur mit Frauen. Zuerst habe ich die Idee belächelt, aber dann habe ich tatsächlich darüber nachgedacht. Warum nicht? Und nun könnte sich die Gelegenheit dazu ergeben. Die Entscheidung darüber, ob ich das mit der Ageli machen lasse, liegt an mir. Zudem denke ich, dass ich das auch finanzieren müsste. Jetzt würde ich gerne eure Meinung dazu hören." Auffordernd schaute er Lars, Otto und Jan an. Es dauerte Ben zu lange, bis einer antworten wollte. Deshalb forderte er zuerst Lars auf, seine Meinung dazu zu sagen. "Ben, wenn die Voraussetzungen passen, warum nicht. Die Ageli ist ein gutes Schiff. Ein guter Kapitän, ein guter Steuermann und zuverlässige Matrosen, dann geht das. Entschuldige bitte, ich meinte natürlich alles weiblich. Allerdings: Tief in mir drin sagt etwas, dass das lächerlich ist und nicht funktioniert. In einer weltweiten Männergesellschaft, bei der es nur ein Lippenbekenntnis zur Frauenquote gibt. Dann wissen wir doch alle, dass in dieser brutalen und egoistischen Verdrängungsgesellschaft auch die körperliche Gewalt als zentrales Überzeugungsargument zählt. Wir haben es zu spüren bekommen, wir konnten aber beweisen, dass wir mehr als nur Erfahrung und Kopf haben. Wir mussten auch mit körperlichem Einsatz unter Beweis stellen, dass man mit uns kein leichtes Spiel haben wird. Es ist eine Entscheidung, die die Teilnehmerinnen treffen müssen." Lars hatte recht und das war allen bewusst. Hier im Indischen Ozean und was dann noch an Meeren und Zielen folgen würde, war die Zivilisation nicht unbedingt von Fairness und Respekt geprägt. Otto räusperte sich heftig. "Freunde, ich war am Anfang der Reise nur auf das Segeln und den Kampf gegen die Naturelemente eingestellt. Parallel dazu kam der Prozess, bei dem sich die Mannschaft gefunden hat und man sich gegenseitig dazu brachte, respektvoll miteinander umzugehen. Vertrauen wurde aufgebaut. Dann kam relativ schnell die Phase, in der ich zum ersten Mal in meinem Leben auch die körperliche Konfrontation mit anderen zu spüren bekam. Ich, ein Verächter von körperlicher Gewalt. Zudem eignete sich mein Körper nicht unbedingt dazu. Ich betone das Wort eignete. Ich habe trainiert, ich bin fiter, ich bin mutiger - bin vom Lehrer zum Piraten mutiert. Warum sollten die Frauen das nicht auch können. Erfahrungen können schmerzhaft sein, das habe ich auch erleben müssen, aber man lernt in solchen Situationen schnell. Und wenn eine Mannschaft zusammenwächst und jeder seine Stärke mit einbringt, ist es doch egal, ob Frau oder Mann. Man muss es wollen." - "Otto hat recht, man muss es wollen." Jan hatte sich bisher sehr zurückgehalten, aber auch er wollte nun seine Meinung sagen. "Sind denn Frauen mit der entsprechenden Qualifikation vorhanden? Wie viele Mannschaftsmitglieder braucht die Ageli, um sicher reisen zu können? Wenn die Voraussetzungen da sind: Machen lassen! Aber ich möchte einer eventuellen Frage von dir vorgreifen. Nein, wir werden nicht eingreifen, wenn etwas schief geht. Wir haben unser eigenes Ziel. Wir freuen uns immer, wenn sich unsere Kurse kreuzen. Ich denke, ich darf da für alle Nordstrandpiraten sprechen. Wir wollen und können hier keine Verantwortung übernehmen und Kindermädchen spielen. Wir sind befreundet, ja und wir sind da, wenn man uns braucht, aber wir spielen nicht Kindermädchen. Ich glaube allerdings auch nicht, dass das die Frauen wollen. Das Thema sollten wir bei allen Überlegungen ganz außen vor lassen." Jan machte eine kurze Pause, dann dozierte er weiter. "Bei uns Männern konnten wir relativ schnell eine Art demokratischer Befehlsstruktur einführen. Die ist nicht fest zementiert, aber alle respektieren das. Lars ist der Kapitän, der seemännische Befehlshaber und in Sachen Seefahrt hat er das Sagen. Ist bei den Damen auch jemand, der das sein kann? Und wer ist die Organisationsverantwortliche? Einfach eine Segeltour zu  machen ist das eine. Aber wir haben lernen müssen, dass das nicht reicht, einfach mal loszusegeln. Das sollte vorher geklärt werden. Wir waren am Anfang in heimatlichen Gewässern, da wäre es ein Leichtes gewesen, wieder umzukehren oder aufzuhören, wenn es nicht funktioniert. Hier aber kann ich mir nicht vorstellen, dass es leicht sein wird, wenn die Ageli den Hoheitsbereich Australiens verlassen hat, einfach umzukehren und aufzuhören. Aber es ist dein Schiff, es ist damit auch ein deine Verantwortung, das zuzulassen. Sprich mit ihnen, lass uns aber als Lehrmeister außen vor. Wir haben noch ein paar andere Päckchen zu tragen." Otto und Lars nickten zustimmend, Jan hatte recht. Sie konnten dafür nicht Kindermädchen spielen, das barg zu viel Konfliktstoff. 

 

Nach dem Besuch bei Ben machten sie die drei auf den Weg ins Hotel zu Birgit und Marta Hanssen, Julia und Beatrice. Vom Royal Perth Hospital ins Sullivans Hotel waren es drei Kilometer und die wollten sie zu Fuß gehen. Lange Spaziergänge waren sie nicht mehr gewohnt und die Lust zu laufen war vorhanden. Es lag etwas abseits des Großstadtlärms. Otto, Lars und Jan kamen zur Mittagszeit dort an und fanden die vier Damen gerade im Aufbruch begriffen. Sie wollten eine Kleinigkeit essen gehen. Höflich wie Lars war fragte er, ob sie sich denn anschließen dürften. Frau Hanssen schien das Kommando zu haben und entschied für alle, dass die Herren sie natürlich gerne begleiten dürften. Nach einer halben Stunden strammen Gehens fanden sie eine Brasserie und bestellten dort etwas zu trinken und eine Kleinigkeit zu essen. Erst nachdem sie alle gemeinsam vor ihren Getränken saßen, begann der erste Smalltalk. Nichts Verbindliches, nur die allgemeinen Fragen, wie die Betten im Hotel waren, wie die Damen denn geschlafen und was sie denn nun vor hätten. Frau Hanssen hatte immer noch das Regiment und antwortete kurz und zügig. Alles war in Ordnung und sie hätten noch keine Pläne, was sie in Perth tun könnten. Dann wandte sich Lars direkt an Beatrice. "Ist irgendetwas nicht in Ordnung? Kein Termin mit Alberto? Streit oder andere zwischenmenschlichen Unwetterfronten in Sicht?" Beatrice schüttelte den Kopf. "Ja und nein. Für mich ist es nicht besonders erfreulich, dass wir uns nur alle paar Wochen sehen und dann nur in einem Hotel. Ich reise ihm nach und dann? Die letzten Mails von ihm waren auch nicht gerade so, dass sich die Gefühle, die wir füreinander empfunden haben, in den Mails wiederfinden würden. Irgendetwas stimmt nicht mit ihm!" Jan meinte: "Entschuldige Beatrice, aber Alberto hat auf der Blauzahn seine Aufgabe. Er ist eingespannt in eine Crew und hat nicht ganz so viel Zeit zum Nachdenken. Ich glaube nicht, dass sich seine Gefühle für dich verändert haben. Aber wenn dein Lebensinhalt gerade nur im Nachreisen und in der journalistischen Arbeitsunterstützung von Julia besteht, dann kann ich mir vorstellen, dass dir da schon etwas fehlt. Du erlebst das Leben anderer und nicht deines. Nur der Liebe hinterher zu reisen ist nicht unbedingt das, was eine junge, attraktive Frau ausfüllt. Aber ich denke, da entwickelt sich gerade eine Lösung für dich. Fahre morgen einfach in den Hafen und melde dich auf der Ageli bei Betty Black. Sie arbeitet gerade an einem Projekt, das dir vielleicht gefallen könnte." Otto und Lars mussten laut auflachen. Beatrice fragte: "Was meinst du damit, dass sie ein Projekt entwickelt?" Jan schüttelte den Kopf und erklärte ihr, dass er nur am Rande davon gehört habe, aber dass ihr das Projekt vielleicht gefallen könnte. Mehr werde er dazu nicht sagen und sie dürfte auch erst morgen zur Ageli fahren. Heute ginge das noch nicht, weil das Projekt jetzt gerade erst besprochen werde.

 

Beatrice gab sich mit der Auskunft zufrieden, aber nun wollte Birgit Hanssen unbedingt wissen, was denn das für ein Projekt sei. Lars machte ihr klar, dass sie das von ihnen nicht erfahren würde und das sagte er in einem Ton, dass sie wusste, dass sie nun genug gefragt hatte. Dann war Ruhe. Otto sah aus dem Augenwinkel, dass Marta Hanssen vor sich hin lächelte. Wie Lars mit ihrer Mutter umging, schien ihr zu gefallen.

 

Otto hatte sich einen Chardonnay bestellt. Als er das zweite Glas trank, meinte er zu Jan: "Wenn Pet das wüsste, dass ich einen australischen Weißen trinke, dann würde er mir einen Vortrag über die wahren Weingenüsse halten. Er ist der Überzeugung, dass guter Wein nur in Europa gekeltert werden kann. Aber ich finde den hier ausgezeichnet." - "Wir könnten ihn doch mal testen und ein paar australische Weine mitnehmen und ihm servieren?" meinte Jan grinsend. Die drei fragten den Kellner nach der Adresse eines Weinhändlers. Wie sich herausstellte, wurde nur 10 Meter vom Tresen entfernt der Wein auch in Flaschen verkauft. Sie erstanden unterschiedlichste Weißweine, übermalten die Bezeichnungen oder rissen das Etikett auf den Flaschen so an, dass man das Herkunftsland nicht mehr lesen konnte. Obwohl diese Aktion eigentlich eher unnötig war. Denn wenn Otto Pet ein Gläschen einschenkte und ihm sagte, wo der Wein herkam, genügte das seinem Freund. Aber man wusste ja nie. Die Damen fanden das Ganze zwar albern, aber für die drei war ein es ein kleiner Spaß, das ihren Alltag etwas bereicherte.

 

Die Verabredung mit Frau Hanssen und Co wurde für den nächsten Nachmittag zum Tee ausgemacht und dann verabschiedeten sich die Piraten und fuhren mit einem Taxi zum Hafen.

 

Pet hatte inzwischen einen sogenannten Amtstierarzt gefunden, der eine Blutuntersuchung  Trevors vornahm. Dabei war Trevor seit Monaten, wenn man so wollte, in Quarantäne und hatte sämtliche Impfungen und Untersuchungen hinter sich. Menschen schleppten mehr Krankheiten mit sich herum als Tiere, wenn sie aus Asien, Europa oder vom amerikanischen Kontinent kamen, mussten aber nicht in Quarantäne. Nach sechs Stunden war alles erledigt. Trevor durfte nun hochoffiziell den australischen Kontinent betreten und das für einen Kostenbeitrag von nur dreitausend australischen Dollar. Jan sprang hier gerne mit der großen Blauzahnkasse ein und hatte versprochen, dass er sich das Geld auf eine andere Art und Weise von den australischen Behörden wieder holen würde. Alles war ein Geschäft und überall auf dieser Welt war eines immer das Gleiche: Abkassieren, wo es geht. Regeln wurden erstellt, um ein Geschäftsmodell zu unterstützen, ob sinnvoll oder nicht. Pet musste auch noch eine kleine Gebühr dafür bezahlen, dass er den dreißigseitigen Verhaltenskodex bekam. Dort war dann nachzulesen, wie ein Hund sich in Australien zu verhalten hatte. Eines war allerdings sicher: Er durfte auf seinen vier Füßen gehen und unter Umständen sogar bellen. Beißen durfte er nicht und in Parks mussten seine Hinterlassenschaften beseitigt werden. Ja Australien war schon etwas besonders und anders als die gute alte Welt, wo noch die Inquisition und die Pest ihr Unwesen trieben. Pet fragte den Prototypen eines staatlichen Mitarbeiters, ob es denn genügen würde, wenn er diesen Verhaltenskodex lesen würde oder ob Trevor ihn auswendig vorbellen müsste. Um eine Erfahrung reicher ging Pet dann mit Trevor zurück zum Hafen. Diese Art von Humor war in Down Under nicht sehr willkommen. Am Pier traf er auf Lars, Jan und Otto, die gerade von ihrem Besuch bei Ben zurückkamen, so dachte er auf jeden Fall. Jan hatte die Kartons und die Tüten mit dem Wein soweit unkenntlich gemacht, dass Pet nicht erkennen konnte, was sie eingekauft hatten. Zudem hatten die drei unterwegs noch ein paar Leckereien für die Mannschaft und für Trevor eingekauft und die gut sichtbar obenauf in den Kartons drapiert. Getrocknetes Kaninchenfleisch für Trevor und für die Mannschaft frisches Lammfleisch und frisches Gemüse.

 

Da Trevor nun seine Runden auf australischem Boden drehen durfte, blieb Pet noch einige Zeit an Land und ging mit seinem vierbeinigen Freund durch den Jachtclub spazieren. Unterwegs begegnete er Betty und Melanie. Sie unterhielten sich sehr intensive miteinander, sodass sie erst durch den körperlichen Kontakt mit Trevor auch auf Pet aufmerksam wurden. Betty winke Pet und eilte auf ihn zu. "Wir haben da eine Idee. Hätten Otto, Lars und du heute Nachmittag etwas Zeit, uns zu besuchen? Wir würden gerne mit euch sprechen." Pet sagte natürlich zu, dass sie am späten Nachmittag vorbeischauen würden. Er konnte sich sehr gut vorstellen, was die Damen da für eine Idee hatten.   

 

 

Fortsetzung folgt

 

 

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