Kapitel 9

(Aus Feiertagsgründen erscheint die neue Story schon am Karfreitag.)


Auf hoher See war der Kurs der Blauzahn vor der Küste Frankreichs auf der Höhe von Quimper noch Richtung Süd. War man doch sehr langsam auf den Atlantik hinausgesegelt - fast schon gemütlich - und trotz der starken Winde zuerst auf Kurs Südwest gegangen  Sie befanden sich etwa fünfzehn Kilometer vom Festland entfernt, als Kurswechsel angesagt war. Kurs Süd / Süd-Ost. Die Wellen und der Wind kamen aus Nordwest. Die Blauzahn konnte nun wirklich zeigen, was für ein prächtige Schiff sie war. Das gewaltige Großsegel und das Vorsegel blähten sich und trieben die Blauzahn voran.  Keiner der Mannschaft hatte die Muße, sich auszuruhen. Jeder kam seinen Aufgaben nach und mobilisierte nie gekannte Kräfte in sich. Die Positionslichter und die Beleuchtung an Decks waren zwar eingeschaltet, aber die Dunkelheit und das Meer schienen jedes Licht auffressen zu wollen. Die Teerationen, die Marc und Otto der Mannschaft servieren wollten, landeten zu fünfzig Prozent auf Deck und damit im Atlantik.

Im Zweistundenrhythmus wurde die Wache gewechselt.  Wobei der Kapitän und John jeweils vier Stunden an Deck blieben. Schlafen konnte keiner, aber das Ruhen unter Deck brachte jedem ein wenig Entspannung. An warmes Essen war gar nicht zu denken. Bananen und Äpfel mussten ausreichen und wurden von allen dankbar angenommen. Kurz vor Morgengrauen fiel dann noch die Elektronik aus. Die nautischen Geräte und der Funk quittierten ihren Dienst. Wilhelm und Jan machten sich umgehend an die Fehlersuche. Kurz vor dem Ausfall hatte Lars noch die Ortsbestimmung geprüft. Der Kurs musste bald geändert werden. Ein fast zweihundert Jahre alter Kompass stand dem Kapitän noch zur Verfügung. Er verfluchte sich mindestens zehnmal, dass er sich zu sehr auf die Technik verlassen hat. Er suchte Backbords nach einem Leuchtfeuer, das ihm die Einfahrt in die Garonne anzeigen sollte. Die Blauzahn segelte weiter, ohne dass er eines gesichtet hatte. John versuchte dem Kapitän per Handzeichen klar zu machen, dass er meinte, dass die Blauzahn schon zu weit gesegelt war. Der von Deck aus zu sehende Schiffsverkehr zog hinter dem Heck der Blauzahn in Richtung Festland. Lars ließ sich nicht beirren. Etwa eine Stunde später sah man Backbord voraus ein Leuchtfeuer. Lars ließ den Kurz ändern und die Blauzahn segelte auf das Licht zu.  Inzwischen war es hell genug, sodass man auf diese kurze Streck auch ohne Radar sicher die Einfahrt in die Gironde finden würde. Für eine Hafeneinfahrt in Richtung Bordeaux war der Schiffsverkehr sehr gering. Die Mannschaft sah nur ein kleines Küstenfahrzeug das allerdings am Leuchtfeuer vorbei in Richtung Norden fuhr. Als es Lars dann klar wurde, dass er auf das falsche Signal zusteuerte, begann die elektronische Navigation plötzlich wieder zu arbeiten und zeigte die richtige Position an.

 

Die Blauzahn war zu weit südlich gesegelt. Die Wende wurde eingeleitet und die Segel eingeholt. Mit Motorkraft ging es zurück Richtung Norden. John übernahm das Kommando und steuerte in die Garonne ein. Der Hafen liegt weit außerhalb vor der Stadtgrenze von Bordeaux. 

 

Kurz vor dem Hafen kam eine Lotsin an Bord. Sie schaute sich erstaunt um. Hatte sie doch auf so einer Segeljacht etwas anderes erwartet. Keine müden alten Männer, sondern diese jungen, knackigen Beach Boy Typen. Man sah ihr die Enttäuschung an.

 

Sie hatte zwar aus der Presse bereits erfahren, dass da ein schwimmendes Altersheim kommen würde, aber sie hatte das für einen Scherz gehalten? Sie ging auf John zu und sprach ihn an. Als der ihr nur per Handzeichen antwortete, steigerte sich ihre Verwirrung. Lars sah sich nun als Kapitän in der Verantwortung die Kommunikation zu übernehmen. Da er sicher der attraktivste der Mannschaft war, hellte sich der Blick der Lotsin auf. Wie immer sah Lars gut gekleidet einfach aus wie der Kapitän. Seine natürliche Autorität strahlte trotz der Übermüdung, die in seinem Gesicht zu sehen war, bis über die Bordwand hinaus. In Johns Augen konnte man ganz kurz ein bisschen Wut erkennen. Wilhelm meinte leise, sodass es nur Otto hören konnte. Na hoffentlich bringt er die dann besser ins richtige Hafenbecken und nicht so wie heute Nacht die Blauzahn. Nicht dass er da nochmals die falsche Richtung einschlägt. Otto drehte sich um und sagte in ruhigem Ton: Lass gut sein. Er war müde, die Elektronik war ausgefallen und es ist nichts passiert. Keiner verletzt, kein Zeitplan kaputt. Er macht sich sicher schon selbst genügend Vorwürfe. Wilhelm schnaufte nur tief ein und ging unter Deck.  

 

Die Blauzahn steuerte ihren Liegeplatz im Hafen von Bordeaux an. Am Kai standen schon fünf Hafenmitarbeiter bereit, um das Boot mit Tauen festzumachen und etwas abseits sah man, dass ein paar Fans von Fernsehanstalten bereitstanden. Die Polizei hatte sicherheitshalber den Liegeplatz soweit abgesichert, dann niemand, der zu schnell zu viel Neugierde zeigte, den Anlagevorgang behindern konnte oder zu Schaden kam. Erst als die Blauzahn sicher am Kai lag und die Lotsin das Schiff verlassen hatte, machte die Polizei die Absperrung frei und die Presseleute stürmten auf den Liegeplatz zu. Schon im Laufen brüllten sie ihre Fragen in Richtung der Mannschaft, die aber keiner beantworten wollte. Sie war auf diesen Ansturm der Presse überhaupt nicht vorbereitet und keiner wollte die Verantwortung für unüberlegte Aussagentragen. Dafür waren sie alle zu alt und zu lebenserfahren.

 

Pet Bär und Jan Person übernahmen die Sicherheit am Gate, sodass keiner aufs Boot gelangen konnte. Der Rest der Mannschaft wurde von Lars unter Deck gebeten, um sich in der Messe zu versammeln. Lars rief den Anwalt des Sponsors an, der sofort telefonisch zur Verfügung stand. Der Informationsaustausch war kurz und klar. Der Anwalt hatte mit so etwas gerechnet und bereits eine Pressemitteilung vorbereitet, dieser Mail umgehend gesendet wurde. Lars druckte sie in fünffacher Ausfertigung aus. Aber der Anwalt gab der Mannschaft auch den Auftrag, einen Sprecher auszuwählen, der diese Dinge zukünftig zu übernehmen hatte. Nach kurzer Diskussion wurde Otto ausgewählt. Und so bekam er den internen Titel "Blauzahn-Sprecher". Er zierte sich zwar anfänglich ein wenig, aber nachdem auch die beiden Blauzahn-Türsteher  Pet und Jan zustimmten, war es besprochen.

 

Aus dem Tagebuch des Otto Kraz

Wurde heute zum Blauzahn-Sprecher gewählt. Pressearbeit. Also gut. Es hätte uns eigentlich klar sein müssen, dass man ein solches Projekt nicht unbehelligt durchziehen kann. Zehn alte Männer an Bord einer millionenschweren Segelyacht auf der Suche nach der Freiheit im letzten Abschnitt des Lebens. Der inzwischen statistisch gesehen verdammt lang dauert. Also für jeden ein echtes Thema ist. Weil jeder weiß, dass er auch einmal alt sein wird. War trotzdem ziemlich überrascht, wie heftig das Interesse der Medien an unserem schwimmenden Altersheim ist. Aber wir haben es dafür eigentlich ganz gut gemeistert.

 

 

Seine erste Aufgabe war es, die Pressemitteilung weiterzureichen und die Presseleute abzuwimmeln. Die Begründung, dass die Mannschaft oder auch er für Interviews nicht zur Verfügung standen, war schlicht Übermüdung. Außerdem sei man nicht auf solch einen Presserummel vorbereitet. Aber gerne stelle man auf Anfrage bei der Pressestelle - und hier wurde die Adresse des Anwaltes genannt - ein Informationspaket zusammen. Otto bat alle anwesenden Journalisten höflich, davon Abstand zu nehmen, das Schiff unaufgefordert zu betreten. Dann verabschiedete er sich mit einem etwas steifen Winken und ging nach unten in Richtung Messe. Jan und Pet standen noch eine Weile an der Gangway, um zu verhindern, dass doch jemand unaufgefordert heraufkommen würde. Dafür wurden sie noch mindesten hundert Mal fotografiert und minutenlang gefilmt, bis dann der Hafenmeister den Kai räumen ließ. 

 

Gegen 11.00 Uhr waren wieder alle in der Messe versammelt. Lars erklärte, warum sie an der Einfahrt zur Garonne vorbeigefahren seien. Nicht nur der Ausfall der Technik sei daran schuld, sondern er habe zu wenig geschlafen, sei übermüdet gewesen und vielleicht war er auch ein wenig zu stur, um auf John zu hören. Bei dem letzten Teil des Satzes mussten alle laut lachen. Lars fuhr fort: Nun John, das nächste Mal darfst du ruhig deine Trillerpfeife benützen, wenn ich nicht zuhören will. Ja Freunde, ich habe mich geirrt. Ich habe die Instrumente vor deren Ausfall nicht korrekt gelesen. Sollte eigentlich nicht vorkommen. Es tut mir leid. Wilhelm meinte trocken: Aber die Kraft, um mit der Lotsin zu flirten, hattest du noch? Gerrit stand auf und knallte seine Faust auf den Tisch. Stopp, mein Lieber. So geht das nicht. Zwischen sich irren und freundlich sein ist doch wohl ein Unterschied. Warum soll Lars zur Lotsin nicht nett sein? Diese merkwürdige Aussage solltest du doch bitte überdenken. Ich bin zwar kein Psychologe, nur ein alter Knochensäger, aber für mich klang das gerade so ein wenig nach Eifersucht. Haben wir da eine Mangelerscheinung? Skorbut der Libido?! Damit war das Eis gebrochen, alle lachten wie erlöst los. Wilhelm ging zu Lars, klopfte ihm auf die Schulter und sagte laut undf ür alle zu vernehmen:

Entschuldige bitte. War nicht so gemeint. Ich bin wahrscheinlich auch zu müde und na ja, hübsch war sie ja. Oder?

 

Jose drehte sich seinem Bruder zu. He du. Du musst nicht so den Kopf schütteln. Du hast ja keinen wie lautet diese furchtbare Erkrankung? Skorbut der Libido. Otto fragte noch belustigt in die Runde, ob er das auch in seine Öffentlichkeitsarbeit mir aufnehmen soll. Lars meinte:Nein, besser nicht. Sonst schicken uns irgendwelche Sympathisanten noch etwas gegen den Skorbut. Und wir sollten den moralischen Anspruch, den man in uns setzt, wenigstens nach außen hin beibehalten. Wir sind alte Männer und man erwartet hier etwas von uns. Äh ja, was denn eigentlich?

Er hatte wohl den Faden verloren und meinte unvermittelt. Pet, kannst du bitte die Wache übernehmen? Alle anderen sollten sich jetzt ausruhen. Wir haben hiereinen Aufenthalt von zweiundsiebzig Stunden. Die Urne von Friedrich kommt erst morgen Abend oder übermorgen früh. Wer das Schiff verlässt, hinterlässt bitte, wohin er geht. Heute Abend essen wir hier auf dem Schiff. Marc, bitte bereite etwas vor. Abendessen ist dann um 20.00 Uhr.

 

Marc und Otto verließen die Blauzahn. Otto informierte Pet darüber, dass man in Bordeaux exzellenten Wein einkaufen könne und Marc wollte etwas Besonderes für das Abendessen besorgen. Er hatte eine etwas andere Auffassung wie Friedrich von Essen, Kochen und dem kulinarischem Gesamtkonzept und so wollte er die Vorräte entsprechend ergänzen. 

 

Pet packte sich warm ein und setzte sich mit dem Rücken zum Steuerruder, so hatte er die Gangway im Blick und saß doch einigermaßen bequem.

 

Einkaufstour von Marc und Otto

 

Außerhalb des Hafengebietes bestellten sich die beiden ein Taxi. Da beide kein bestimmtes Ziel angeben konnten, baten sie einfach den Taxifahrer, sie zu einem guten Weingut zu bringen, wo man qualitativ guten Wein erstehen konnte. Sie hatten offensichtlich Glück, denn der Taxifahrer nickte und fuhr einfach los. Marc und Otto kamen knapp zehn Minuten später schon wieder zurück. Sie hatten nur sechs Flaschen erstanden, dafür hatten sie aber für 22.00 Uhr eine Weinverkostung auf der Blauzahn organisiert. Per WhatsApp wurde die Mannschaft drüber informiert. Dann ließen sich die beiden zu einem Metzger, einem Bäcker und dann noch zu einem Supermarkt fahren. Otto und Marc waren in einem wahren  Einkaufsrausch. Sie wollten beide etwas Einfaches, aber extrem Gutes kochen.

 

Als der Kofferraum des Taxis schon fast gefüllt war, musste der Chauffeur sie noch zu einem Händler für Kühlschränke bringen. Dort erstanden sie einen Weinklimaschrank, der zwanzig Flaschen temperieren konnte. Dieser sollte am nächsten Morgen geliefert werden.

 

Damit war ihre Einkaufstour beendet und sie ließen sich zur Blauzahn zurückfahren. Obwohl sie über vier Stunden unterwegs waren, war Pet immer noch alleine an Deck. Allerdings war er eingeschlafen. Zur Sicherheit hatte er sich ein dünnes weißes Band besorgt, das aber über die Gangway gespannt und mit seiner Kaffeetasse, die neben ihm stand, verbunden war. Das Band war fast nicht zu sehen. Wenn jemand also die Gangway überschritt und das Band mitriss, warf er die Tasse um und diese knallte auf Deck. Und genau das tat Marc. Pet war sofort wach, als der Kaffeepott neben ihm lautstark umfiel. Ohne zu schauen, wer da über die Gangway das Schiff betreten wollte, rief er laut. He was wollen Sie hier? Dann erkannte er die beiden. Mensch passt doch auf. Gott sei Dank war die Tasse schon leer.Unten sah er noch einen riesigen Berg von Kartons und Einkaufstüten auf dem Kai stehen. "Nein, nein, Jungs, das tragt ihr doch bitte auch selbst an Bord. Ich gehe jetzt erst mal schlafen."

 

17.00 Uhr und es wurde dunkel über Bordeaux. Die Beleuchtung der Stadt und des Hafens ließen alles in einem diffusen Licht erscheinen. Der Hafen war laut und leider war der Gestank, der sich bis in die Kabinen schlich, nicht nur fischig, sondern auch mit altem Dieselöl durchsetzt. Das und die noch anhaltende Müdigkeit beeinflusste die Laune der gesamten Mannschaft. Alle waren einfach schlecht gelaunt. Der Tod von Friedrich, die ungewohnten Arbeiten und das Raus aus der bisherigen Lebensroutine rüttelte an den Nervenkostümen der Mannschaftsmitglieder

 

Aus dem angesagten besonderen Essen wurde nichts. Keiner hatte Lust, noch stundenlang auf irgendein Gourmet-Highlight zu warten. Käse, Wurst, Brot in allen Variationen, vom Baguette über Schwarzbrot bis hin zu Reiswaffeln war alles an Bord. Also beschloss man, diese Dinge aufzutafeln. Dazu spedierte Otto einige seiner erstanden Rotweine. Dem Wein wurde aber wenig zugesprochen, da man ja noch die Weinverkostung vor sich hatte.

 

Beim Essen verkündete Otto ganz stolz, dass er einen Weinkühlschrank erstanden habe, damit vor allem die Weißweine und die Rosés immer bestens temperiert auf den Tisch kommen könnten. Schließlich würde man auf dieser Tour ja auch irgendwann mal in wärmere Gefilde kommen. Das kurze Schweigen, das nach dieser Nachricht entstand, besagte nichts Gutes. Lars meinte nur, dass man solche Anschaffungen bitte vorher abzusprechen habe. Und dann startete Wilhelm durch. Man sah ihm förmlich an, dass sein Blutdruck eine Steigerung erfuhr, die nicht unbedingt gesund sein konnte. Habt ihr beiden eigentlich mal darüber nachgedacht, woher der Strom hier auf dem Schiff kommt? Und habt ihr darüber nachgedacht, wo der Kühlschrank stehen soll? Freunde ich erkläre euch mal die Stromquellen hier auf dem Schiff. Wir haben Batterien, die bei Motorbetrieb aufgeladen werden. Die können auch in jedem Hafen über Stromleitungen bedient werden. Wir haben zusätzlich ein Notstromaggregat an Bord, das aber leider etwas ungeschickt eingebaut ist. Die Geräusche bei laufendem Motor sind in den ersten vier Kabinen sehr gut zu hören. Dann haben wir noch Solarzellen und ein kleines Windrad. Auch hier wird Strom produziert. Aber wir haben auch einige Stromverbraucher hier auf dem Schiff, sodass die Ressource Strom nicht immer voll zur Verfügung steht. Die Heizungen, besser gesagt die Klimaanlage, die Küche mit all den bereits vorhandenen Geräten. Nicht zu vergessen die nautischen Geräte, die Lampen und unsere  privaten Apparaturen wie Laptops und so weiter. Und nun? Wilhelm hatte seinen Vortrag mit einer sehr wütenden Stimme einen Nachtdruck verliehen, der keine Fragen oder etwa einen Widerspruch zulassen würde. Außerdem haben wir doch schon einen Kühlraum. Warum also noch so ein Gerät? Betreten schauten sich Otto und Marc an. Du hast recht, wir haben das nicht bedacht,meinte Marc. Aber ich finde es nicht schlecht, denn da können wir in den heißeren Regionen auch mal etwas anderes als Wein temperieren. Bier zum Beispiel. Bei dem Wort Bier hellten sich die müden Augen von Lars und Gerrit auf. Jan schaute in die Runde. Darf ich einen Vorschlag machen. Die beiden haben sicher vorschnell und ohne uns zu fragen gehandelt. Nichts Dramatisches und nichts was man korrigieren könnte. Aber so ein wenig Abbitte sollten sie dafür schon leisten. Ich bin dafür, dass die beiden für jeden von uns zwei Flaschen Bier seiner Wahl besorgen müssen! Die Zustimmung kam sofort von allen, außer natürlich von Marc und Otto. Und die aufgestaute Spannung im Raum ließ damit merklich nach. Jeder schrieb auf einen Zettel welches Bier er haben wollte. Rückfragen, wo die Biere wohl herkommen würden und wo man die bekommen könnte, gab es genug, aber jeder gab die gleiche Auskunft. Google doch mal. Die Weinverkostung verlief dann mehr als nur fröhlich. Allerdings hatte der Weinhändler eine höhere Erwartung an Umsatz gehabt. Aber man war sich klar darüber, dass man nicht mehr als sechzig Flaschen Wein mitnehmen konnte. Also machte man sich Notizen, welchen der Tropfen die beliebtesten waren und vereinbarte mit dem Händler, dass man die gewünschten Flaschen bei ihm bestellen würde und er diese dann an den Hafen liefern sollte, an dem die Blauzahn sie dann aufnehmen konnte. 

 

Um 1.00 Uhr nachts war dann Schluss mit Weinverkostung. Trotz einer unangenehmen Lautstärke im Hafen und des Gestanks schliefen alle gut. Lars hatte beim Hafenmeister zwei Sicherheitsleute bestellt. die in ihrem Bus vor der Gangway der Blauzahn Wache standen. 

 

Aus dem Tagebuch des Otto Kraz

Ja klar, wir hätten mal was sagen sollen. Aber dann hätten wir jetzt keinen Weinkühlschrank. Die anderen werden schon noch auf den Geschmack kommen. Welch ein Hochgenuss, für zehn Freunde einzukaufen. Zu planen. Neues zu erfinden. Guten Wein auszusuchen. Leben pur. Obwohl es Arbeit ist. Aber Arbeit kann auch echte Muße sein. Eigenzeit.

"Denn letztlich hat die Kunst der Muße nichts mit der Zahl der freien Stunden zu tun, sondern mit einer Haltung. "Muße", so drückt es die österreichische Wissenschaftsforscherin Helga Nowotny aus, "ist die Intensität des Augenblicks, der sich zeitlich zu Stunden oder Tagen ausdehnen kann, um sich auf ein einziges zu konzentrieren: Eigenzeit." Diese Eigenzeit kann vieles sein - ein intensives Gespräch ebenso wie Musikgenuss oder ein spannendes Projekt, sie kann spielerisch oder ernsthaft sein, zielorientiert oder suchend, aber sie wird immer charakterisiert durch eine Eigenschaft, sagt Nowotny. " Muße ist die Übereinstimmung zwischen mir und dem, worauf es in meinem Leben ankommt." Das habe ich mal irgendwann in der ZEIT gelesen. Die Frau hat recht. Blauzahn ist echte Eigenzeit. Muße pur.

 

 

Fortsetzung folgt.

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