Kapitel 46

15. April 1216, Karfreitag Kraz Gutshof bei Lorch

 

Otto von Kraz war am 11. April mit seiner Reisegruppe bei Kloster Lorch eingetroffen. Lorentz, Frau von Blau, Gregor, Frau von Breitenbach mit ihren Kindern Marta und Christian, Linhardt und Agnes von Senfthein mit ihrem Sohn sowie zwei Sergeanten des Deutschen Ordens wurden gemeinsam mit viel Aufmerksamkeit im Kloster empfangen. Otto wurde am Tage seiner Ankunft noch auf sein Gut geleitet. Zu seiner großen Überraschung standen ihm dort einige Knechte und Mägde zur Verfügung.

 

Am späten Nachmittag des 12. April wurde er von einem Schreiber und Ministerialen der Staufer und dem Stellvertreter des Abtes aufgesucht. Sie wollten unbedingt wissen, was bei der Olsenburg geschehen war, denn der Zwist zwischen dem Braunschweiger und den Staufern spitzte sich zu. Friedrich war unterwegs ins Stauferland nördlich der Alpen und wollte alle vergifteten Äcker, so nannte er die Gebiete von Anhängern der Braunschweiger in seinem Gebiet, beseitigt haben. Dass ausgerechnet die Olsenburg dazu gehört haben sollte, erschütterte die Staufer sehr. Deshalb war es wichtig für Friedrich, zu wissen, was dort geschehen und ob nun auch dieses Gebiet für ihn wieder sicher war.

 

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Kapitel 45

20. April 2016 Kloster Loch

 

Die Handwerk und Historiker staunten nicht schlecht, als sie die gerollten Papiere hinter einer Mauer fanden. Diese Mauer war bereits vor zwanzig Jahren schon einmal abgetragen und neu aufgebaut worden. Warum man damals die Papiere nicht gesehen hatte, konnte niemand sagen, aber sie waren nun einmal da und man barg die in Leder und Tuch gewickelten Papierrollen vorsichtig. Es dauerte einige Zeit, bis man soweit war, diese Papiere zu glätten und dann zu lesen. Es handelte sich um einen Brief des Peter von und zu Bärental, der wohl um 1216 auf Gotland weilte. Gerichtet war dieser Brief an seinen Freund, einen Otto von Kraz, einem Chronisten aus Waiblingen. Solche detaillierten Beschreibungen von Geschehnissen wie in diesem Brief kannte man bisher nicht aus der Zeit des Mittelalters.

 

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Kapitel 44

5. April 1216 am Meer

 

Unterhalb der Düne und des kleinen Felsplateaus ritten die acht Angreifer in den Rücken der Blauzahnleute. Man sah, dass das keine geübten Reiter waren und sicher nicht vom Pferderücken aus kämpfen würden. Kaum hatten sie ihre Pferde angehalten, flogen ihnen schon zwei Armbrustbolzen und zwei Pfeile entgegen. Beide Bolzen trafen jeweils einen der neuen Angreifer, die zu Boden stürzten und offensichtlich kampfunfähig waren. Einer der Pfeile traf ein Pferd, das sich vor Schmerz aufbäumt und seinen Reiter abwarf. Die Unruhe unter den Gäulen war so groß, dass sie ein geordnetes Absteigen und Aufstellen einer Kampfreihe verhinderten. Die Pferde rannten los und trampelten über die bereits am Boden Liegenden, ein weitere Reiter hatte sich in einem Seil, das als Halfter und Trense diente, mit seiner Hand verfangen und wurde von dem flüchtenden Pferd mitgeschleift. Die Überraschung für die Angreifer war so groß, dass die Blauzahnleute genügend Zeit hatten, sich neu zu formieren. Zudem mussten sich die Piraten von den vereinzelt abgeschossenen Pfeilen in Acht nehmen. Sophia und Sasha, die sich seit langem im Gebrauch der Armbrust und des Bogens geübt hatten, schossen Pfeil um Pfeil ab. Cristina und Malva hatten sich der Armbrüste bedient, nur Johanna stand oben auf der Düne und starrte gebannt in das Getümmel unter sich und rührte sich nicht.

 

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Kapitel 43

30. März 1216 am späten Abend in der großen Halle der Olsenburg

 

Otto schaute seine vermeintliche Verwandte Agnes von Senfthain an. Dass sie auf seine Frage nach den toten Ordensbrüdern, dem Steinhaus und dem Blut so erschrocken reagierte, machte ihn misstrauischer, als er schon war.

 

Frau von Blau zwang Agnes, auf der Bank gegenüber Otto sitzen zu bleiben. Sie schaute auf den Tisch vor sich, als ob sie dort etwas sehen konnte, das ihr die Antwort gab, die Otto erwartete. Otto ließ ihr Zeit. Er wollte eine Antwort und die sollte einfach stimmen. Sich Lügen oder Ausflüchte anzuhören war er nicht bereit. Zu viel war geschehen, es gab Tote, Verletzte und viel Not der Seelen um ihn herum.

 

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Kapitel 42

4. April 1216 am frühen Morgen auf dem Hof des Iffa

 

Die beiden Sergeanten des Ordens hatten die Vorhut gebildet und standen mitten im Trümmerfeld des abgebrannten Hofes als die anderen kamen. Sophia, Johanna, Simon und Sasha, Cristina, Malva und ihr Bruder Olovson, Peter und Andrei hatten vor den noch rauchenden Trümmern gewartet, bis ihnen einer der Sergeanten ein Zeichen gab, dass alles gesichert war und sich offensichtlich niemand mehr außer ihnen an diesem Ort befand. Sie durchsuchten alles, aber sie fanden keine Anzeichen dafür, dass sich hier irgendwo noch Lebewesen oder auch Tote befinden würden. Es gab auch keine Kampfspuren. Malva fand zur Küste hin Spuren von Hufen und auch offensichtliche Fußspuren von Menschen. Sie folgten alle diesen Spuren bis fast an den steinigen Strand, dort verloren sie dann die Abdrücke auf den Felsen und Steinen. Am Strand lag kein Boot und sie fanden auch keinen Hinweis dafür, dass hier welche in den letzten Tagen gelegen haben könnten. Simon meinte, dass die Leute also an Land weiter gegangen wären, aber wohin vermochte niemand festzustellen. Und wer waren die Leute? Waren es Iffa und die Bewohner des Hofes?

 

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Kapitel 41

29. März 1216 im Tal hinter der Olsenburg

 

Es dauerte lange, bis Heinrich und Richard kamen. Zwei Ordensleute begleiteten sie. Richard watete über den Bach und befreite die leblosen Körper vom Unrat. "Ja das sind die beiden Männer, die uns gefehlt haben. Beide sind tot. Einer hat zwei Pfeile in der Brust, der andere wurde von einem Armbrustbolzen am Hals getroffen. So wie diese Körper aussehen, sind sie von dort oben heruntergestürzt. Ich wundere mich nur darüber, dass die Pfeile nicht abgebrochen sind. Bei so einem Sturz bleibt kein Knochen ohne Schaden und ein dünner Holzpfeil erst recht nicht. Wir müssen sie bergen und untersuchen." Er gab seinen beiden Mitbrüdern ein paar Anweisungen, kam über den Bach zurück und ging dann schweigend weiter. Otto und die anderen folgten ihm. Als sie das enge Tal verlassen wollten, kamen sie an eine Weggabelung. Ein Pfad ging steil nach oben zu einem kleinen Tor in der Burgmauer. Ein Teil des Weges war zerstört und man konnte nur noch kletternd das Tor erreichen. Der andere Weg ging weg von der Burg in Richtung des Turms. Heinrich kannte alle Wege noch aus seiner Jungend, aber dieser Weg zum Turm war ihm neu. Stand doch hier früher ein kleines Steinhaus, das einem Stollen in den Burgberg verbarg. Der Stollen diente der Wasserversorgung der Burg. Man konnte den Bach umleiten und das Wasser in eine Zisterne weiter unterhalb der Burg in den Berg leiten. Jetzt war das kleine Steinhaus nur noch ein Trümmerhaufen, aber offensichtlich sickerte immer noch Wasser in die Zisterne ein, denn die Wassermengen, die an den Steintrümmern vorbeiliefen, waren weniger  als vor dem Steinhaufen.

 

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Kapitel 40

29. März 1216 im Tal der Gefangenen auf Gotland

 

Simon, Peter, Sasha und der Bürgermeister von Visby nahmen die Verhöre vor. Aber keiner der bisher Verhörten war in der Lage, ihnen sehr viel mehr zu berichten als sie schon wussten. Peter wollte unbedingt erfahren, wer die Kinder Cristina und Jakob von Bärental gefangen genommen und wer ihren Vater ermordet hatte. Er hatte schon am frühen Morgen nach den beiden geschickt. Er wollte unbedingt, dass die Kinder ihm ihre Entführer nannten, sofern die noch lebten oder nicht geflohen waren oder sie erkannt werden konnten.

 

Ihnen kam der Bartholomäus, ein fanatischer irischer Mönch, immer wieder in die Quere. Er wollte unbedingt bei den Verhören dabei sein und forderte dabei die sofortige Entfernung von Weibern bei diesen heiligen Geschäften. Sasha und die anderen „liederlichen Weiber und Dirnen“ aus der Blauzahnsiedlung waren ihm schon immer ein Dorn im Auge. Immer wieder hatte er gegen die Freiheit der Frauen gepredigt und dabei schon einige Herren gegen die weiblichen Bewohner aus der Siedlung aufgebracht. Dass sie teilweise Waffen trugen und dazu auch noch Männerkleidung war in seinen Augen ein Affront gegen die von Gott gewollte Ordnung der Männerwelt. Aber hier auf dem Schlachtfeld drohte nun das Ganze zu eskalieren. Frauen, die für sich in Anspruch nehmen konnten, mit am Sieg dieses Kampfes beteiligt zu sein, das wollte keiner der Herren Zuhörer des Bartholomäus zulassen. Für ihn waren das Hexen. Peter verlor langsam die Geduld mit diesem Hexenjäger. Also musste er für Ruhe sorgen.

 

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