Kapitel 51

15. April 1216 im Morgengrauen bei der Blauzahnsiedlung

 

Alle waren müde vom Löschen des Brandes und der Abwehr der Angreifer am hinteren Tor. Doch an schlafen war nicht zu denken. Lars kontrollierte mit zehn Bewaffneten die Umgebung der Siedlung, ob sich noch Unbekannte dort aufhielten. Sie fanden nur noch ein paar Spuren von Pferden und menschlichen Fußabdrücken. Der Regen hatte allerdings alles so verwischt, dass man die wenigen Spuren bald verlor. Lars meinte, dass sie in Richtung Inselmitte führen würden. Aber man beschloss, die Spuren nicht weiter zu verfolgen, sondern zum Turm des Ritters von Olsen zu reiten. Was Lars und seine Begleiter dort sahen, verschlug ihnen die Sprache. Bis auf den Turm und seine Nebengebäude war das ganze Fischerdorf ein Raub der Flammen geworden. Im Wasser lagen verkohlte Gerippe von Langbooten. Nur die Knorr und zwei der Drachenboote der Blauzahnleute hatten das Feuer überstanden. Was war dort geschehen?

 

Lars ritt bis zum Turm, stieg ab und schlug mit der Faust ans Tor. Umgehend wurde es geöffnet. Einer der Waffenknechte öffnete und geleitete Lars ins Innere. Dort lagen auf dem Boden, auf Holzgestellen, auf Stroh Verletzte und auch Tote. Die meisten hatte üble Brandwunden. Claus von Olsen kam ihm entgegen und die beiden Männer umarmten sich innig. Lars spürte, dass nur ein Arm in festhielt. Lars trennte sich und schaute seinen Freund von oben bis unten an. Die Schwerthand war mit einem dicken Verband umwickelt. "Was ist geschehen?" fragte Lars seinen Freund.

 

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Kapitel 50

Ostersonntag 1216 in Waiblingen

 

Otto und seine Freunde feierten das Osterfest im Klostergarten, da die Kirche noch nicht fertig und die Kapelle zu klein war. Der Abt hatte ihn und die Seinen dazu eingeladen. Otto konnte sich aus politischen Gründen dieser Zeremonie nicht verschließen. Entschädigt wurde er bei dem nachfolgenden Essen in den Klostergärten, das der Abt für alle seine Gäste gab. Bartholomäus hatte sich neben ihn gesetzt und sprach auch das Tischgebet. Mit Verwunderung hörte Otto, dass der Mann die Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit und die Nächstenliebe in seinem Gebet immer wiederholte. Wollte er ihm etwas mitteilen? Er hatte zugestimmt, dass er dessen Tochter als Mündel in seinen Haushalt aufnehmen würde. Sie saß bei den Frauen an einem Tisch weit entfernt von den Herren, aber immerhin durften sie hier im Garten an der Speisung teilnehmen. Alle Damen hatten sich der schicklichen Mode bedient und trugen eine Haube und ein Gewand, das alle Blößen bedeckte, jede trug als Schmuck ein Kreuz um den Hals, zwar aus Silber, aber ein einfaches Kreuz. Nichts sollte den Argwohn der Herren aus dem Kloster und ihrer adligen Besucher erwecken. Selbst die stolze und manchmal unvernünftige Frau von Blau hatte sich in Frauenkleider gewagt. Auch Otto musste sich an diesem Tage zugestehen, dass sie alle sehr wohl anzusehen waren. Am meisten fiel allen Herren die großgewachsene und überaus gutaussehende Frau von Breitenbach auf. Neben ihr ihre Tochter Marta, noch jung aber auf dem Wege, eine ebensolche Schönheit wie ihre Mutter zu werden.

 

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Kapitel 49

14. April 1216 im Pferdestall in der Blauzahnsiedlung

 

Mit großen Schritten ging Erik auf den am Boden liegenden Knorre zu, das Messer hatte er fest in seiner Rechten. Peter und Melanie wollten sich auf Erik stürzen, um zu verhindern dass er Knorre oder auch Cristina etwas anzutun. Melanie erreichte ihn vor Peter und stellte sich zwischen den noch am Boden liegenden und Erik. "Erik was ist los?" Erschrocken wich sie einen halben Schritt zurück, trat dabei auf den am Boden sitzenden Knorre und stürzte rückwärts auf den Jungen. Peter hatte ihn nun auch erreicht und fasste ihn fest an der rechten Hand an. Das Messer entglitt Erik ohne weiteres und landete auf dem Stallboden. Dann knickte er ein, fiel auf die Knie und dann nach vorne auf die beiden auf dem Boden Liegenden. Ein Aufschrei aus Melanies Kehle schreckte alle anderen aus ihrer Schockstarre auf.  Peter rolle Erik von den beiden herunter. Sein Körper verkrampfte sich, seine Hände hatten fast die Form von Pfoten eines Greifvogels angenommen. Er zuckte leicht und war dann auf einmal vollkommen ruhig.

 

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Kapitel 48

15. April 1216 Gut des Otto von Kraz am späten Abend

 

Vor lauter Schmerzen konnte sich Otto nicht mehr bewegen. Fast unbeweglich saß er in seinem Sessel vor dem Kamin. Marta hatte ihre Mutter Constanze geholt, die wusste auch keinen Rat. Otto konnte sich nicht bewegen ohne dass es ihm höllische Schmerzen verursachte. Also wurde noch Frau von Blau geweckt, die doch in solchen Fällen immer einen Rat wusste. Gregor, der mit Frau von Blau im Zimmer erschienen war, half gemeinsam mit Marta und Constanze, Otto aus seinem Sessel zu heben. Der stöhnte bei jeder Bewegung und es dauerte einige Zeit bis er stand. Zwar gekrümmt, aber er stand auf seinen eigenen Beinen.  "In sein Zimmer können wir ihn nicht tragen. Wir sollten hier sein Nachtlager einrichten." Zuerst holte Gregor ein paar Bretter und legte die übereinander in den Raum, sodass er eine auf Kniehöhe ebene Fläche von etwas mehr als vier Schritt kam und zwei Schritt breit. Darauf legte er mit Constanze Stroh, bedeckt wurde alles mit einer  großen lederne Decke. Otto stand so lange gestützt von Gregor und Frau von Blau im Raum. Dann wurde Otto auf das Gestell gelegt.

 

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Kapitel 47

13. April 1216 in der Blauzahnsiedlung

 

Noch zwei Tage bis Karfreitag und dann folgte Ostern. Die Gedanken aller waren auf das Fest gerichtet. Gregorius bereitete sich auf seine Predigt vor. Dem Tod Jesu Christi und auch der Freunde, die in den letzten Wochen im Kampf gegen die Piraten ihr Leben lassen mussten. Peter war sehr betrübt darüber, dass die beiden letzten Sergeanten der Ordensritter nun auch weg waren. Johannes und Baltus waren neben ihm im Kampf gestorben. Und die Knechte, deren Namen er nicht einmal kannte, die auch in ihren Gräbern lagen. Und der Tod von Johanna, der alle sehr betroffen gemacht hatte, sollte in der Predigt unbedingt genannt werden. All diese Seelen wollte man in Gottes Reich gut aufgenommen wissen.

 

Sophia hatte Peter bestens versorgt, war beinahe Tag und Nacht bei ihm geblieben. Bis Cristina von Bärental mit ihr ein ernstes Wort gesprochen hatte. Cristina war besorgt um das Seelenheil der beiden und meinte, dass es wohl für eine unverheiratete Frau nicht schicklich sei, sich so um einen unverheirateten Mann zu kümmern und sie ihm sogar die Kälte nahm, unter der er immer wieder litt, indem sie mit ihm das Bett teilte. Die schüchtern vorgebrachte Sorge schien ihr im Moment, wo sie es sagte, schon leid zu tun, aber es war Peter klar, dass es Cristina Kummer bereitete, dass ihrem Onkel etwas geschehen könnte.

 

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Kapitel 46

15. April 1216, Karfreitag Kraz Gutshof bei Lorch

 

Otto von Kraz war am 11. April mit seiner Reisegruppe bei Kloster Lorch eingetroffen. Lorentz, Frau von Blau, Gregor, Frau von Breitenbach mit ihren Kindern Marta und Christian, Linhardt und Agnes von Senfthein mit ihrem Sohn sowie zwei Sergeanten des Deutschen Ordens wurden gemeinsam mit viel Aufmerksamkeit im Kloster empfangen. Otto wurde am Tage seiner Ankunft noch auf sein Gut geleitet. Zu seiner großen Überraschung standen ihm dort einige Knechte und Mägde zur Verfügung.

 

Am späten Nachmittag des 12. April wurde er von einem Schreiber und Ministerialen der Staufer und dem Stellvertreter des Abtes aufgesucht. Sie wollten unbedingt wissen, was bei der Olsenburg geschehen war, denn der Zwist zwischen dem Braunschweiger und den Staufern spitzte sich zu. Friedrich war unterwegs ins Stauferland nördlich der Alpen und wollte alle vergifteten Äcker, so nannte er die Gebiete von Anhängern der Braunschweiger in seinem Gebiet, beseitigt haben. Dass ausgerechnet die Olsenburg dazu gehört haben sollte, erschütterte die Staufer sehr. Deshalb war es wichtig für Friedrich, zu wissen, was dort geschehen und ob nun auch dieses Gebiet für ihn wieder sicher war.

 

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Kapitel 45

20. April 2016 Kloster Loch

 

Die Handwerk und Historiker staunten nicht schlecht, als sie die gerollten Papiere hinter einer Mauer fanden. Diese Mauer war bereits vor zwanzig Jahren schon einmal abgetragen und neu aufgebaut worden. Warum man damals die Papiere nicht gesehen hatte, konnte niemand sagen, aber sie waren nun einmal da und man barg die in Leder und Tuch gewickelten Papierrollen vorsichtig. Es dauerte einige Zeit, bis man soweit war, diese Papiere zu glätten und dann zu lesen. Es handelte sich um einen Brief des Peter von und zu Bärental, der wohl um 1216 auf Gotland weilte. Gerichtet war dieser Brief an seinen Freund, einen Otto von Kraz, einem Chronisten aus Waiblingen. Solche detaillierten Beschreibungen von Geschehnissen wie in diesem Brief kannte man bisher nicht aus der Zeit des Mittelalters.

 

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