Teil 2 - Kapitel 40

11. Oktober 2015 19.00 Uhr auf der Blauzahn

 

Alle hatten sich von dem Gelage auf der Insel und von der anstrengenden Gesprächen mit den Gästen von James gut erholt. Bis auf Marc und Juris, die seit fast 24 Stunden eine Dauerdiskussion über Napoleons Rolle in der Entwicklung Europas zu seiner jetzigen vermeintlichen Einheit führten, waren alle anderen darauf aus, sich einfach nur zu entspannen oder auf neueuropäisch zu relaxen. In Tagebücher wurden geschrieben: Geschlafen, Kochrezepte erdacht, Fernsehen geschaut, Spiele gespielt und Ausflüge auf die Insel gemacht.

 

Kurz vor dem Abendessen meldete sich die Ageli über E-Mail bei der Blauzahn. Sie hatte vor ein paar Stunden den Panamakanal verlassen und war nun auf dem Weg nach Grenada. Von dort aus wollten sie zu den Azoren segeln. Betty Black machte den Vorschlag, dass man sich doch auf den Azoren treffen sollte. Sie beschrieb den Hafen Ponta Delgada in blühenden Farben und mit einer Begeisterung, dass sich die Mannschaft schnell darüber einig wurde, dass das wohl ihr nächstes Ziel sei und nicht wie geplant die Kanarischen Inseln. Lars antwortete im Namen aller, dass sie voraussichtlich am 20. Oktober die Azoren erreichen würden. Betty antwortete etwas später, dass sie die Azoren voraussichtlich am 22. Oktober erreichen würden.

 

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Teil 2 - Kapitel 39

9. Oktober 7.00 Uhr auf der Blauzahn in Bucht von Jamestown

 

Die halbe Nacht hatten die Nordstrandpiraten sich über den Adel Europas gestritten. Über Führungsqualitäten einzelner Adelshäuser, die Abschaffung der Adelsherrschaft und zum nachmitternächtlichen Abschluss noch über die Demokratie und deren immer sichtbarer werdenden Schwächen. Es war sehr interessant, wie sich die Meinungen in dieser Frage der politischen Führung unterschieden. Fast alle waren sich darüber einig, dass der Adel noch zu repräsentativen Zwecken dienen konnte und sie auch zu einer nationalen Identifikation nützlich waren, aber das, was danach kam, war nicht unbedingt auf Dauer besser.

 

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Teil 2 - Kapitel 38

 

7. Oktober 2015 10.30 St. Helena in der Bucht von Jamestown

 

Die Überfahrt zu dieser Insel war bis auf die Begegnungen mit einigen Delfinen und einem anschwellenden Dauerstreit zwischen den Brüdern Alberto und Jose sehr unspektakulär. Alberto hatte ein paar Mal versucht, über Funk die Ageli zu erreichen, war aber daran gescheitert, dass diese offensichtlich zu weit entfernt war. Alberto wurde immer verzweifelter - was seinen Bruder dazu brachte, ihn etwas zu ärgern. Jose war klar, dass Alberto sich nach Beatrice sehnte und er einfach nur wissen wollte, wie es ihr geht und wie sich fühlt. Alberto wollte ihre Stimme hören. Als Jose ihn einmal einen verliebten Gockel nannte, packte der körperlich kräftigere Alberto seinen Bruder und hob ihn vom Boden hoch. Erik, der das beobachtete, versuchte die beiden zu trennen, was ihm auch gelang. Leider kamen die  Streithähne dadurch etwas zu Schaden. Jose hatte nach der Trennung ein blaues Auge und Alberto eine geschwollene Wange. Die Stimmung an Bord wurde durch den Streit der beiden nicht besser. Alle spürten, dass ihnen etwas fehlte, nur was, das wollte keiner aussprechen.

 

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Teil 2 - Kapitel 37

25. September 2015 10.00 Uhr Südatlantik

Juris war mit Pet und Steffen auf der Brücke. Die Wetterlage war etwas unsicher, denn vor ihnen schien sich ein Unwetter zusammenzubrauen. Das Barometer zeigte es auch, aber auf den Wetterinformationen war davon nichts zu sehen oder zu hören. Juris gab um 10.30 Uhr eine Unwetterwarnung an alle Mannschaftsmitglieder. Die Hunde wurden unter Deck gebracht, alle Luken geschlossen, lose Teile in den Kabinen, der Messe und der Kombüse festgemacht. Steffen wurde durch Greg ersetzt, da er sich um die Motoren kümmern sollte. Carlo und Luigi machten an Deck nochmals einen Rundgang und prüften, ob die beiden Beiboote gut gesichert waren. Alles wartete auf das Unwetter, das sie am Himmel sahen, das aber nicht kommen wollte. Auf der Brücke wurden die Schiebtüren und Fenster geschlossen, Schwimmwesten wurden nochmals überprüft. In einigen Kilometern Entfernung auf Nord-Ost sah man immer wieder Blitze und der Himmel verfärbte sich von einem schmutzigen Graublau auf ein Orange mit großen grauen Flecken. Um 10.50 Uhr holte Juris die Segel ein, Carlo und Luigi überprüften das Einholen des Tuches. Der Mast wurde eingefahren, um damit den Luftwiderstand zu verringern. Mit Ferngläsern suchten Pet und auch Greg den Horizont ab, ob sie etwas Ungewöhnliches sehen konnten. Außer dem vermeintlichen Unwetter, dass immer im gleichen Abstand vor ihnen her flog, sahen sie nichts. Um 11.10 Uhr hörten alle, auch unter Deck, ein lautes Rumpeln, als ob Felsen eine Berg hinunter rollen würden.

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Teil 2 - Kapitel 36

19. September 2015 3.30 Uhr Punta Arenas Bürogebäude am Hafen

Erik wollte gerade das Treppenhaus betreten und Mandolino folgen, da sah er im Augenwinkel eine Photographie an der Wand im Büro hängen. Er packte Pet, der mit den Hunden vor ihm ging, an der Schulter und zerrte ihn zurück. "Was siehst du da für ein Foto hängen?" Pet schaute in die angegeben Richtung. "Da hängt ein Bild von dir und zwar in Uniform." Pet wollte schon weitergehen, bis ihm auf einmal bewusst wurde, was das bedeutete. Am anderen Ende der Welt hing ein Bild von Erik an der Wand in einem Büro am Hafen? Pet und Erik gingen auf das Bild zu. Es war eindeutig Erik auf dem Bild in einer Uniform der Marine. "So was hatte ich noch nie an," meinte Erik sichtlich erstaunt über sein Konterfei hinter der kleinen Bilderglasscheibe. "Aber da stimmt was nicht? Schau mal, da am Ohr sehe ich eine Narbe, das Ohrläppchen ist eingerissen. Bei mir aber nicht. Habe ich einen Zwillingsbruder oder so was? Oder wurde ich gar schon geklont? Und hierhergebracht in der Hoffnung, dass hier niemand herkommt, der das Original kennt." Die anderen waren zusammen mit Mandolino nun zu ihnen gestoßen und hatten sich um das Bild versammelt." Sie deutete auf das Bild und dann auf Erik.

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Teil 2 - Kapitel 35

28. August 2015 10.00 Uhr an Bord der Blauzahn

 

Nachdem der Möwenschwarm verjagt war, konnten Erik, Lars und Juris auf die Brücke zurückkehren. Das Bild, das sich ihnen bot, war furchtbar. Überall große Kleckse von Vogelexkrementen, Federn und auch ein paar kleine Fetzen des Haikopfkadavers lagen herum. Es stank furchtbar. Zwei tote Möwen lagen vor dem Masten. 

 

Unter Deck sprach Otto im Kreise seiner Freunde mit einem der an Bord gekommen Polizeibeamten. Die Piraten erfuhren auf diesem Wege, dass es auf der Insel eine Gruppe von revoltierenden Jugendlichen gab, die sich gegen alles stellten, was nach Kapital, Reichtum und Kapitalisten aussah. Die Blauzahn sah nun mal nicht aus wie ein Forschungsschiff, sondern war eine Luxusjacht mit beachtlichen Maßen. Der Polizist erklärte der Blauzahnmannschaft, dass diese Jugendlichen schon einigen Herrschaften sehr böse Streiche gespielt hätten. Luxusautos wurden mit stinkenden Farben besprüht. In einigen Parks von Villen setzte man eine Horde Schweine aus. In Restaurants wurden Schachteln mit Kakerlaken deponiert und diese dann freigelassen. Das mit dem Haifischkopf war allerdings etwas Neues. Man würde versuchen, die Übeltäter zu ermitteln, war sich aber fast sicher, dass diese nicht zu fassen sein würden. Für die Beseitigung der Rückstände auf Deck empfahl der Polizeibeamte ein örtliche Unternehmen, das einer kleinen Werft angeschlossen war.

 

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Teil 2 - Kapitel 34

28. August 2015 5.00 Uhr auf der Blauzahn

 

Die Party war ein Erfolg. Die Nordstrandpiraten hatten ein wunderbares Motto für ihre Feier gefunden. "Glücklich sein", das waren die beiden Worte, die jeder für sich auf einen Merkzettel geschrieben hatte. Jeder hatte sich diesen Zettel in seine Hosentasche geschoben und immer wenn jemand während der Feier in eine negative Stimmung zu fallen ansetzte, holte er den Zettel mit diesen beiden Worten aus den Hosentasche und hielt das Stück Papier in die Höhe. Das musste nur zwei Mal an diesem Abend gemacht werden, dann hatten es alle verinnerlicht und genossen den Abend.

 

Nicht der Alkohol, der an diesen Abend sehr spärlich floss, war es, der die Stimmung so positiv beeinflusste, es war ganz einfach das Motto, das alle beflügelte. Und wenn zwei Worte es schafften, dass sich alle wohl fühlten und das Piratendasein genossen, dann hatten sie an diesem Tage eines der großen Ziele ihrer Reise erreicht konnten es feiern. Jeder wusste, dass sie sich ständig weiterentwickelten, aber nicht jedem war bewusst gewesen, was für Auswirkungen es tatsächlich auf sie hatte.

 

Erst um 5.00 Uhr am Morgen gingen die letzten ins Bett.

 

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