Kapitel 24

Sonntag 31. Januar 1216 in der Nähe von Sontra

 

Bis auf Constanze ging es allen wieder einigermaßen gut. Sie war noch schwach und fieberte immer noch leicht. Heinrich hatte am Vortage heimlich einen Hirschen erlegt und sie hatten fast den ganzen Samstag damit zugebracht, das Fleisch haltbar zu machen. Gekocht, angebraten und ein Teil davon geräuchert. Sie hofften, dass niemand den verräterischen Geruch wahrnehmen würde oder den Rauch ihres Feuers sehen konnte. Der leichte Schneefall und der starke Wind verhinderte wohl, dass jemand in ihrer Umgebung etwas sehen oder riechen konnte.

 

Der große schwarze Hund, Herr Graf, freute sich über die Knochen mit viel Fleisch daran und auch ihre neuen Begleiter waren über die Reste, die sie bekamen, mehr als nur glücklich. Die kleine Wolfsfamilie hielt sich in einem Abstand von etwas mehr als zweihundert Schritte von ihnen entfernt. Heinrich legte ein paar Knochen und Innereien abseits ihres Lagers aus und die hungrigen Wölfe genossen mit viele Knurren und Schmatzen das Geschenkte. Schädel und Geweih warf Heinrich tausend Schritte weiter in ein tiefes Tal. Niemand der sie versehentlich aufstöberte, sollte so leicht darauf kommen, dass er ein Wild geschossen hatte.

 

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Kapitel 23

26. Januar 1216 vor Eschwege in einem Wald

 

Otto und seine vielen Begleiter kamen nur langsam voran. Es schneite seit einem Tag nach ihrer Abreise vom Gutshof heftig und sie mussten in einem dichten Waldstück eine längere Rast einlegen. Sie hatten einen geschützten Platz gefunden, dort waren Menschen und Tiere weitgehend geschützt vor dem dichten Schnee und dem eisigen Wind. Aber bis auf Heinrich und Lorentz bekamen alle eine Erkältung. Husten, Schnupfen und auch leichtes Fieber machten sich breit. Vor allem Constanze fieberte heftig und man legte sie in Decken eingepackt neben das Feuer, das man seit Stunden nicht ausgehen ließ. Heinrich kümmerte sie liebevoll um die Fiebernde. Er hatte genug Erfahrung auf seinen langen und beschwerlichen Reisen gesammelt und wusste mit Fiebernden umzugehen. Allerdings hatte Heinrich bisher nur männliche Kameraden behandelt und so bat er Frida, ihn zu unterstützen. Das konnte sie aber nicht allzu lange, weil auch bei ihr das Fieber immer heftiger wurde.

 

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Kapitel 22

20. Januar 1216 Gutshof bei Göttingen

 

Otto, Heinrich und Frieda berieten, wie sie denn ihre Weiterreise gestalten sollten. Gernot von Breitenbach entwickelte sich in seiner Anhänglichkeit  zu Constanze und ihren Kindern zu einem Hemmnis. Constanze wollte unbedingt weiter nach Lorch, aber die Kinder waren inzwischen so vernarrt in ihren Onkel, dass es ihnen sicher schwerfallen würde, sich von ihm zu trennen, wenn sie weiterreisen sollten. Selbst Lorentz hatte einen Narren an dem Ritter und Stauferboten gefressen oder besser an seiner weiblichen Begleitung. Melusine, so lautete der Name der jungen Frau, war zwar schon einiges älter als Lorentz, aber das störte ihn offensichtlich nicht. Und Melusine schien auch Gefallen an dem jungen Mann gefunden zu haben.

 

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Kapitel 21

großer 18. Januar 1216 in der Nähe von Göttingen, am frühen Morgen

 

Otto hatte mit seinen Begleitern zum ersten Mal seit langem sehr komfortabel nächtigen können. Der Raum, den ihnen der Gutsherr zur Verfügung gestellt hatte, war groß genug und sehr gut ausgestattet, dass alle in ihm auf Betten schlafen konnten. Keiner störte sich daran, dass Männer, Frauen und Kinder in einem Raum nächtigten. Als Heinrich und Otto bei Morgengrauen aufwachten, schliefen alle anderen noch tief und fest. Leise schlichen sie sich aus dem Raum hinaus, zogen sich ihre Wämse vor der Tür an und gingen in das Pferdegehege hinunter, das teilweise überdacht war. Alle Pferde waren bestens versorgt, jemand hatte sogar ihre Hufen gereinigt und ein paar wunde Stellen, die durch die Sättel verursacht wurden, waren auch schon behandelt worden. Ihr Wagen stand etwas abseits, gut geschützt vor den Blicken von Fremden, sollten welche in den Hof des Gutes kommen.

"Riechst du das auch? Es duftet herrlich nach frischem Brot und heißen Würzwein."

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Kapitel 20

13. Januar 1216 Nordheim um die Mittagszeit

Heinrich, der Vogt und Otto hatten sich in das Amtszimmer zurückgezogen. Meister Zange war bei den drei Gefangenen geblieben. Man wartete, was der Knecht des Vogts für Dokumente, Schriftstücke oder anderes aus dem Quartier der drei Einbrecher mitbringen würde. Kaum war um die Mittagszeit das Geläut der Kirche verklungen, wurde ein Mann in die Stube geführt. Als er die Kappe vom Kopf zog, erkannte der Vogt ihn und stand auf. "Berthold, wo kommst du her? Ich dachte du bist noch in Gandersheim, um mit dem Bauherrn zu verhandeln. Wird es nichts mit den Holzlieferungen im Frühjahr?" Berthold schüttelte den Kopf. "Nein Herr, das ist nicht der Grund, warum ich hier bin. Gestern Abend kamen Reiter aus Braunschweig nach Gandersheim. Sie sind auf der Suche nach einem Herrn von Blau und einem Otto von Kraz. Die sollen zehn Reiter aus Hildesheim verschleppt oder gar ermordet haben. Und die hätten noch eine Magd des Bischofs entführt. In Gandersheim haben sie erfahren, dass Otto von Kraz hierher nach Nordheim unterwegs ist. Und nun wartet man noch auf Reiter aus Hildesheim. Bisher sind es fünfzehn Kriegsknechte und es werden sicher mehr werden. Der Braunschweiger sieht mal wieder einen Anlass, sich Goslar und Nordheims ganz zu bemächtigen und alle Staufer Freunde zu vertreiben."

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Kapitel 19

14. Januar 1216 später Nachmittag in Brendas Dorf

 

Cristina holte tief Luft und versuchte sich zu fassen. Namenlos nahm sie an der Hand und führte sie zu einer Bank nahe dem kalten Kamin und setzte sie dort hin. Peter drehte sich dorthin um und wartete, dass das Mädchen endlich zu sprechen begann.

"Ich bin sechzehn Jahre alt, oder besser, das werde ich in fünf Tagen. Geboren wurde ich bei Lorch in einem der großen Lagerhäuser des Klosters. Mein Vater und meine Mutter waren vor meiner Geburt gezwungen dort zu bleiben, denn der Winter war sehr kalt und mein Vater wollte nicht, dass meine Mutter auf dem beschwerlichen Weg ins Bärental die Wehen bekommen sollte. Mein Vater hatte mir erzählt, dass er zum Hofe der Staufer gerufen worden war, um neue Aufträge seines Herrn entgegen zu nehmen. Und meine Mutter war mit ihm gezogen, da ihre Schwester in der Nähe einen Ritter geheiratet hatte und dort auf einer Burg, den Namen habe ich vergessen, lebte. Die Gespräche mit den Staufern und meinem Vater dauerten sehr lange und so mussten sie dort lange verweilen. In einem der Lagerhäuser, die man als Herbergen umgebaut hatte, wurde ich geboren und natürlich auch mein Bruder. Das Bärental liegt am Neckar in einem der Seitentäler nahe dem Stutengarten, das dem Markgrafen von Baden gehört. Das Bärental gehört zum Staufischen Gebiet. Es gibt dort zwei Linien der Bärentaler. Die eine, also die meines Vaters, sind die von Bärentaler und die anderen die von und zu Bärental. Das „zu“ haben die sich gegeben, damit sie von den anderen Bärentalern unterschieden werden konnten und weil sie alle Wegerechte im Bärental und bis zum Neckartal besitzen. Es gibt dort keine Bären, aber zwei Felsen, die aussehen wie stehende Bären und weil einer der Vorfahren stark wie ein Bär gewesen sein soll. Vater übernahm immer wieder Dienste und wurde dafür immer reichlich belohnt. Er bekam Weinberge und ein Dorf, das genau an der Grenze zu den Badenern liegt. Das durfte er befestigen und hat dort auch eine kleine Burg angelegt. Unser bescheidener Reichtum kam von den Erträgen der Weinberge, der Fischerei im Neckar und vom Holz der Wälder. Und Vater hat sich auch gut mit den Deutschen Rittern des Ordens verstanden. Immer wieder kamen Ritter des Ordens zu uns und in einem der Lagerräume hinterließen sie Truhen, die dann von anderen Rittern des Ordens geholt wurden. Die beiden Bärental Familien lebten in Eintracht miteinander und zwei der Söhne des von und zu Bärentalers gingen zu den Ordensrittern.

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Kapitel 18

13. Januar 1216 - Nordheim kurz nach Mitternacht

 

Lorentz Schrei war kaum verklungen, da wollte Christian schon aufspringen, als er etwas Kaltes und Spitzes an seinem Hals spürte. Auch Lorentz konnte nicht bewegen, denn jemand hatte sich auf ihn gesetzt und drückte seine Kehle zu. Es war wieder ruhig - bis auf den Hund, der irgendwo in der Dunkelheit brummte und manchmal auch winselte. "Ruhig ihr beiden, wenn einer nur einen Laut von sich gibt, schneiden wir euch beiden die Kehle durch." Das war die Stimme eines Mannes, der irgendwo in der Dunkelheit war. Die beiden Jungen spürten, dass der, der auf Lorentz saß, den Dolch an die Kehle von Christian drückte. "Bodo bring den Köter zum Schweigen." - "Ich kann nicht, ich muss das Netz mit beiden Händen festhalten, sonst springt das Vieh raus. Seine Zähne habe ich schon zu spüren bekommen. Sichere ihn ab, lange kann ich das Netz nicht mehr festhalten." Die Stimme klang angestrengt und nervös und kam irgendwo vom Tor zur Scheune her. Christian konnte sehen, dass ein Schatten ins Mondlicht trat, das durch das geöffnete Scheunentor leuchtete. "Ich komme und dann müssen wir uns beeilen. Sichel bring die Jungs zum Schweigen und komme dann rüber zu mir." Lorentz kapierte, der Mann der auf ihm saß war Sichel.

 

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