Kapitel 48

15. April 1216 Gut des Otto von Kraz am späten Abend

 

Vor lauter Schmerzen konnte sich Otto nicht mehr bewegen. Fast unbeweglich saß er in seinem Sessel vor dem Kamin. Marta hatte ihre Mutter Constanze geholt, die wusste auch keinen Rat. Otto konnte sich nicht bewegen ohne dass es ihm höllische Schmerzen verursachte. Also wurde noch Frau von Blau geweckt, die doch in solchen Fällen immer einen Rat wusste. Gregor, der mit Frau von Blau im Zimmer erschienen war, half gemeinsam mit Marta und Constanze, Otto aus seinem Sessel zu heben. Der stöhnte bei jeder Bewegung und es dauerte einige Zeit bis er stand. Zwar gekrümmt, aber er stand auf seinen eigenen Beinen.  "In sein Zimmer können wir ihn nicht tragen. Wir sollten hier sein Nachtlager einrichten." Zuerst holte Gregor ein paar Bretter und legte die übereinander in den Raum, sodass er eine auf Kniehöhe ebene Fläche von etwas mehr als vier Schritt kam und zwei Schritt breit. Darauf legte er mit Constanze Stroh, bedeckt wurde alles mit einer  großen lederne Decke. Otto stand so lange gestützt von Gregor und Frau von Blau im Raum. Dann wurde Otto auf das Gestell gelegt.

 

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Kapitel 47

13. April 1216 in der Blauzahnsiedlung

 

Noch zwei Tage bis Karfreitag und dann folgte Ostern. Die Gedanken aller waren auf das Fest gerichtet. Gregorius bereitete sich auf seine Predigt vor. Dem Tod Jesu Christi und auch der Freunde, die in den letzten Wochen im Kampf gegen die Piraten ihr Leben lassen mussten. Peter war sehr betrübt darüber, dass die beiden letzten Sergeanten der Ordensritter nun auch weg waren. Johannes und Baltus waren neben ihm im Kampf gestorben. Und die Knechte, deren Namen er nicht einmal kannte, die auch in ihren Gräbern lagen. Und der Tod von Johanna, der alle sehr betroffen gemacht hatte, sollte in der Predigt unbedingt genannt werden. All diese Seelen wollte man in Gottes Reich gut aufgenommen wissen.

 

Sophia hatte Peter bestens versorgt, war beinahe Tag und Nacht bei ihm geblieben. Bis Cristina von Bärental mit ihr ein ernstes Wort gesprochen hatte. Cristina war besorgt um das Seelenheil der beiden und meinte, dass es wohl für eine unverheiratete Frau nicht schicklich sei, sich so um einen unverheirateten Mann zu kümmern und sie ihm sogar die Kälte nahm, unter der er immer wieder litt, indem sie mit ihm das Bett teilte. Die schüchtern vorgebrachte Sorge schien ihr im Moment, wo sie es sagte, schon leid zu tun, aber es war Peter klar, dass es Cristina Kummer bereitete, dass ihrem Onkel etwas geschehen könnte.

 

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Kapitel 46

15. April 1216, Karfreitag Kraz Gutshof bei Lorch

 

Otto von Kraz war am 11. April mit seiner Reisegruppe bei Kloster Lorch eingetroffen. Lorentz, Frau von Blau, Gregor, Frau von Breitenbach mit ihren Kindern Marta und Christian, Linhardt und Agnes von Senfthein mit ihrem Sohn sowie zwei Sergeanten des Deutschen Ordens wurden gemeinsam mit viel Aufmerksamkeit im Kloster empfangen. Otto wurde am Tage seiner Ankunft noch auf sein Gut geleitet. Zu seiner großen Überraschung standen ihm dort einige Knechte und Mägde zur Verfügung.

 

Am späten Nachmittag des 12. April wurde er von einem Schreiber und Ministerialen der Staufer und dem Stellvertreter des Abtes aufgesucht. Sie wollten unbedingt wissen, was bei der Olsenburg geschehen war, denn der Zwist zwischen dem Braunschweiger und den Staufern spitzte sich zu. Friedrich war unterwegs ins Stauferland nördlich der Alpen und wollte alle vergifteten Äcker, so nannte er die Gebiete von Anhängern der Braunschweiger in seinem Gebiet, beseitigt haben. Dass ausgerechnet die Olsenburg dazu gehört haben sollte, erschütterte die Staufer sehr. Deshalb war es wichtig für Friedrich, zu wissen, was dort geschehen und ob nun auch dieses Gebiet für ihn wieder sicher war.

 

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Kapitel 45

20. April 2016 Kloster Loch

 

Die Handwerk und Historiker staunten nicht schlecht, als sie die gerollten Papiere hinter einer Mauer fanden. Diese Mauer war bereits vor zwanzig Jahren schon einmal abgetragen und neu aufgebaut worden. Warum man damals die Papiere nicht gesehen hatte, konnte niemand sagen, aber sie waren nun einmal da und man barg die in Leder und Tuch gewickelten Papierrollen vorsichtig. Es dauerte einige Zeit, bis man soweit war, diese Papiere zu glätten und dann zu lesen. Es handelte sich um einen Brief des Peter von und zu Bärental, der wohl um 1216 auf Gotland weilte. Gerichtet war dieser Brief an seinen Freund, einen Otto von Kraz, einem Chronisten aus Waiblingen. Solche detaillierten Beschreibungen von Geschehnissen wie in diesem Brief kannte man bisher nicht aus der Zeit des Mittelalters.

 

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Kapitel 44

5. April 1216 am Meer

 

Unterhalb der Düne und des kleinen Felsplateaus ritten die acht Angreifer in den Rücken der Blauzahnleute. Man sah, dass das keine geübten Reiter waren und sicher nicht vom Pferderücken aus kämpfen würden. Kaum hatten sie ihre Pferde angehalten, flogen ihnen schon zwei Armbrustbolzen und zwei Pfeile entgegen. Beide Bolzen trafen jeweils einen der neuen Angreifer, die zu Boden stürzten und offensichtlich kampfunfähig waren. Einer der Pfeile traf ein Pferd, das sich vor Schmerz aufbäumt und seinen Reiter abwarf. Die Unruhe unter den Gäulen war so groß, dass sie ein geordnetes Absteigen und Aufstellen einer Kampfreihe verhinderten. Die Pferde rannten los und trampelten über die bereits am Boden Liegenden, ein weitere Reiter hatte sich in einem Seil, das als Halfter und Trense diente, mit seiner Hand verfangen und wurde von dem flüchtenden Pferd mitgeschleift. Die Überraschung für die Angreifer war so groß, dass die Blauzahnleute genügend Zeit hatten, sich neu zu formieren. Zudem mussten sich die Piraten von den vereinzelt abgeschossenen Pfeilen in Acht nehmen. Sophia und Sasha, die sich seit langem im Gebrauch der Armbrust und des Bogens geübt hatten, schossen Pfeil um Pfeil ab. Cristina und Malva hatten sich der Armbrüste bedient, nur Johanna stand oben auf der Düne und starrte gebannt in das Getümmel unter sich und rührte sich nicht.

 

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Kapitel 43

30. März 1216 am späten Abend in der großen Halle der Olsenburg

 

Otto schaute seine vermeintliche Verwandte Agnes von Senfthain an. Dass sie auf seine Frage nach den toten Ordensbrüdern, dem Steinhaus und dem Blut so erschrocken reagierte, machte ihn misstrauischer, als er schon war.

 

Frau von Blau zwang Agnes, auf der Bank gegenüber Otto sitzen zu bleiben. Sie schaute auf den Tisch vor sich, als ob sie dort etwas sehen konnte, das ihr die Antwort gab, die Otto erwartete. Otto ließ ihr Zeit. Er wollte eine Antwort und die sollte einfach stimmen. Sich Lügen oder Ausflüchte anzuhören war er nicht bereit. Zu viel war geschehen, es gab Tote, Verletzte und viel Not der Seelen um ihn herum.

 

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Kapitel 42

4. April 1216 am frühen Morgen auf dem Hof des Iffa

 

Die beiden Sergeanten des Ordens hatten die Vorhut gebildet und standen mitten im Trümmerfeld des abgebrannten Hofes als die anderen kamen. Sophia, Johanna, Simon und Sasha, Cristina, Malva und ihr Bruder Olovson, Peter und Andrei hatten vor den noch rauchenden Trümmern gewartet, bis ihnen einer der Sergeanten ein Zeichen gab, dass alles gesichert war und sich offensichtlich niemand mehr außer ihnen an diesem Ort befand. Sie durchsuchten alles, aber sie fanden keine Anzeichen dafür, dass sich hier irgendwo noch Lebewesen oder auch Tote befinden würden. Es gab auch keine Kampfspuren. Malva fand zur Küste hin Spuren von Hufen und auch offensichtliche Fußspuren von Menschen. Sie folgten alle diesen Spuren bis fast an den steinigen Strand, dort verloren sie dann die Abdrücke auf den Felsen und Steinen. Am Strand lag kein Boot und sie fanden auch keinen Hinweis dafür, dass hier welche in den letzten Tagen gelegen haben könnten. Simon meinte, dass die Leute also an Land weiter gegangen wären, aber wohin vermochte niemand festzustellen. Und wer waren die Leute? Waren es Iffa und die Bewohner des Hofes?

 

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