Band 4 - Kapitel 38

9. März 2017 Waiblingen im Haus des Otto Kraz

 

Tagelang war Otto nun schon dabei, die Briefe aus dem Mittelalter zu analysieren und nachzuforschen, ob er in den Annalen der Klöster, der Adelshäusern oder auch im Internet Daten finden konnte, die belastbar zeigten, dass die Menschen, die er im Mittelalter kennen gelernt hatte, auch Nachkommen gezeugt hatten. Er fand einen Christian von Breitenbach, der Sohn Constanzes als Vater einer Grafendynastie in Süddeutschland. Er war den Staufern verbunden und in Aufzeichnungen an dem Jahre 1216 wurde er zum Jahresende zum ersten Mal erwähnt. Immer wieder wurde eine Marta von Breitenbach erwähnt, wie aber das Verwandtschaftsverhältnis zu Christian war, konnte Otto nicht herausfinden. Auch eine Frida von Blau wurde erwähnt, sie soll eine Buhle eines den Staufern nahestehenden Fürsten mit sehr viel Macht gewesen sein. Aber ihr Name erschien in den weiteren Annalen nach 1216 nicht mehr. Also stand für Otto fest, dass die Menschen, die die Reise aus dem Mittelalter in die Neuzeit gemacht hatten, mit dem Datum des 1. Januar 1217 nicht mehr in dieser Zeit existierten. Sie verschwanden einfach und wurden offensichtlich auch nicht vermisst.

 

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Band 4 - Kapitel 37

9. März 2017 7.30 Uhr Gutshof auf Nordstrand

 

Frau Trombach, die Putzdame die Birgit am Tag vorher kennen gelernt hatte, war schon zu Gange, als Will, Isabella und Birgit nach unten in die Küche kamen. Sie hatte schwarzen Tee gemacht und auch Brot und Brötchen besorgt. Fröhlich singend empfing sie die Gäste in der Küche. Am Herd stand noch ein Mädchen, offensichtlich die Tochter von Frau Trombach, und machte Spiegeleier. "Meine Tochter und ich dachten, dass wir uns ums Frühstück kümmern, denn der Kühlschrank und die Speisekammer waren ja leer." Das Mädchen hatte noch eine rote Nase, die Spuren einer Erkältung. Sie stellte eine Schüssel mit den Spiegeleiern, einen Topf Marmelade und eine Butterdose auf den Tisch. Als die drei sich setzen wollten, stellte Birgit fest, dass nur für drei gedeckt war. Sie stand auf und ohne zu fragen öffnete sie die Küchenschränke, bis sie fand was sie suchte. Teller, Tassen, Besteck und stellte das auf den Tisch. "So jetzt hat alles seine Richtigkeit. Bitte jetzt können wir in Ruhe frühstücken." Die Frau Tromach versuchte sich zu wehren und suchte nach Ausflüchten, um sich nicht dazu setzen zu müssen. Ihre Tochter war da etwas anders. Die setzte sich hin, goss jedem Tee ein, ohne zu fragen ob jemand was anderes wollte. "Ich bin Hellene. Ich kann nur Tee kochen und Kaffee ist zudem nicht da. Ich hoffe das passt so." Dann griff sie sich ein Brötchen, um klar zu demonstrieren, dass jetzt gefrühstückt werden konnte. Das war ganz nach dem Geschmack von Birgit. Eine selbstbewusstes Mädchen, höflich und geradlinig. Will schob Frau Trombach zu einem Stuhl zwischen seinem Sitzplatz und dem von Birgit. Isabella platzierte sich neben Hellene.

 

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Band 4 - Kapitel 36

8. März 2017 16.10 Uhr Osterdeich

 

Carlo trug den Koffer von Svea in das Ferienhaus, während Luigi der jungen Frau kurz zeigte, was sich um sie herum befand. Dann verschwanden alle drei im Haus. Svea war begeistert von ihrem Zimmer, der Blick durch das Fenster in den Garten, das Haus, das so viel Wärme ausstrahlte. Für sie war das alles in Ordnung. Die gute Stimmung, die sie verbreitete, machte auch die Brüder etwas zufriedener. Die Last, die sie meinten spüren zu müssen, weil sie ein junge Frau beschützen sollten, fühlte sich jetzt leichter an. "Gunnar meinte, ich soll meine Sachen, Kleidung und vieles andere auf Gotland lassen. Deshalb habe ich außer meine Unterwäsche sehr wenig an Oberbekleidung dabei. Ich muss mir morgen einfach ein paar passende Kleidungsstücke besorgen. Passend zu dem neuen Stil, den ich nun angenommen habe. Würdet ihr mich morgen begleiten? Und nun noch eines. Darf ich mir erlauben, einen Blick in den Kühlschrank zu werfen und ein wenig eure Vorräte anzuschauen. Ich bin keine Vegetarierin und ich stehe auf die Italienische Küche mit viel Gemüse, Pasta, Käse und Wein. Können wir da einen Kompromiss beim Kochen und Essen finden, oder passt euch das gar nicht?" Die beiden mussten laut loslachen. Carlo erklärte ihr, dass sie gerne südländisch kochen würden, ihre Vorräte auch entsprechend seien, zudem stammten sie von Weinbauern ab und liebten schwere rote Weine. "Wenn das so ist, brauche ich nur noch passende Kleidung und wir hoffen auf la dolce vita auf Nordstrand. Wenigstens für einige Tage." Svea küssten jedem auf die Wange und begann dann ihr Gepäck auszuräumen. "Wie ich sehe, haben wir ein kleines Bad und ich benötige in einem der Regale etwas mehr Platz. Würde es euch etwas ausmachen, wenn ihr eure Sachen zusammenschiebt?" Nein den Brüdern machte das nichts aus.

 

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Band 4 - Kapitel 35

8. März 2017 10.00 Uhr Gotland Blauzahnsiedlung

 

Tammy Bernstein war fündig geworden. In einem Zeitungsartikel vom Freitag den 24. Februar 2017 fand sie eine Polizeinachricht. Zwei junge Männer berichteten davon, von einer jungen Frau und zwei Männern mit Knüppeln und einem Messer überfallen worden zu sein. Zuerst wollen sie keine Anzeige wegen dieses Überfalls machen, da es ihnen peinlich war, wo sie verletzt worden waren. Lars Oetter, so war der Name eines der jungen Männer hatte eine tiefe Fleischwunde am Gesäß, der andere, Mat McCarter, hatte eine Schnittverletzung im Gesicht und dazu noch eine Prellung an der Schulter und zwischen den Beinen. Sie seien, während einer der jungen Männer seine Notdurft verrichten wollte, von hinten angegriffen worden und dabei hätten sie sich die Verletzungen zugezogen. Beide konnten nach der Behandlung in der Klinik wieder entlassen werden. Lars und Mat studierten an der Universität von Uppsala hier auf Gotland in Visby. Bisher waren sie nur wegen ein paar kleiner Rangeleien unter Alkoholeinfluss auf dem Campus in Visby aufgefallen. Am 27. Februar war nochmals eine Artikel in der Zeitung, dass Lars Oetter eine Blutvergiftung hatte und nun in Lebensgefahr schweben würde. In einem Nachsatz stand, dass beide Studenten bereits Ermahnungen erhalten hatten, da sie mehrere weibliche Studentinnen bedrängt hätten und wegen der unter starkem Alkoholeinfluss begangenen Schlägereien. Deshalb ging man von einem Racheakt von Studienkolleginnen oder -kollegen aus. Bisher fehlte allerdings jegliche Spur von den Täterinnen oder Tätern.

 

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Band 4 - Kapitel 34

7. März 2017 10.00 Uhr Blauzahnsiedlung

 

Juris, Steffen waren mit Malte Krahn, den alle Anton nannten und Karl Strandson, beide aus der Securityabteilung seit dem frühen Morgen unterwegs. Der Fischer konnte ihnen keine Auskunft geben, was der Umma passiert sein konnte. In der Nähe des Turms fanden sie einen Weg, bei dem einer der Spürhunde, die sie mitgenommen hatten, offensichtlich eine Spur gefunden hatte. Auch der zweite fand eine Spur, etwas mehr als zehn Meter parallel zur ersten verlaufend, die in den Wald oberhalb der Klippen verliefen.

Inzwischen war Merit, Mathias zusammen mit Juris bei Umma. Merit bemühte sich, der jungen Frau verständlich zu machen, dass sie den oder die Menschen beschreiben sollte, die ihr Gewalt angetan hatten. Erst als Merit ihr etwas Met zu trinken gab, wurde sie entspannter und begann zu erzählen, was ihr geschehen. Sie war an einem kleinen Bach, der nur Wasser führte wenn es stark geregnet hatte und wollte sich waschen und Wasser holen. Sie dachte, dass sie alleine sei und hatte sich bis aufs Hemd entkleidet. Sie wollte unbedingt die Flöhe und Läuse loswerden, die sich in ihren Haaren und auf ihrem Körper tummelten. Sie hatte sich gerade gewaschen und mit einem Messer, das sie noch besaß, angefangen die Schamhaare abzurasieren. Aus etwas Bienenwachs, das sie bei Wildbienen gefunden hatte, etwas Öl, das sie von dem Mann beim Turm mitnahm und ein paar Kräutern hatte sie sich eine Art Seife gemacht und sich damit zwischen den Beinen die Haut und die Haare geschmeidig gemacht. Als sie fertig war mit dem Rasieren, zog sie sich das Hemd über den Kopf, um sich ganz zu waschen. Sie hatte gerade das Kleidungsstück hochgezogen, da packte sie jemand von hinten und schleifte sie weg vom Bach. Sie konnte nichts sehen, da das Hemd ihren Kopf bedeckte. Jemand hielt ihre Arme fest auf den Boden gedrückt und ein anderer stand auf ihren Beinen. Sie fühlte das, dass da jemand mit viel Gewicht und festen Schuhen darauf stand. Sie hörte Worte, die sie nicht verstand, lachen von jungen Männern. Eine Hand streichelte grob ihren Bauch und dann ihr Scham. Jetzt verlagerte der, der ihre Arme und Hände festhielt, seine Stellung. Offensichtlich kniete er jetzt auf ihren Armen. Denn er hatte seine Hände frei und betastete ihre Brüste. Sie wollte schreien, aber jemand drückte ihr den Stoff ihres Hemdes in den Mund. Sie konnte sich nicht wehren.

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Band 4 - Kapitel 33

6. März 2017 22.10 Uhr Blauzahnsiedlung auf Gotland

 

Merit und Mathias saßen händchenhaltend in ihrem Zimmer. Die Geschichte der Magd Umma beschäftigte Mathias genauso wie Merit. Ihr Kontakt zu ihr im Mittelalter war nicht allzu groß gewesen, aber sie gehörte nun mal zur Familie der Blauzahnsiedler und Nordstrandpiraten und da galt eines als oberstes Gebot: jeder genoss den Schutz der Gemeinschaft. Wenn jemand in der Jetztzeit dieser jungen Frau etwas angetan hatte, dann musste das gesühnt werden. Marc und Gerrit besprachen sich gerade mit Melanie, wie man den Tätern auf die Spur kommen könne. Juris und Steffen bereiteten sich darauf vor, am kommenden Morgen zu dem Fischer bei Claus von Olsens Turm zu befragen und nach dem Versteck der Umma im Wald zu suchen. Zwei Spürhunde hatte man bereits ausgewählt und rechtzeitig ein Kleidungsstück der Umma vor der Intensivwäsche gerettet. Vielleicht fanden sie noch etwas mit ihren feinen Nasen, das sie zu dem Versteck führen würde und so hoffte man auch noch Spuren von Menschen zu finden, die Kontakt zu Umma gehabt hatten. In der Siedlung kam Leben auf, das sie so seit einigen Wochen nicht mehr hatten. Juris wollte am kommenden Tag versuchen, mit Hilfe von Merit mit der jungen Frau zu sprechen, um dann eine Zeichnung der vermeintlichen Angreifer auf sie zu erstellen. Aus seiner Polizeiarbeit kannte sich Juris gut aus, wie man Zeugen befragen konnte, um dann ein Bild von Menschen zu erstellen. Er konnte gut zeichnen, hatte aber auch ein Zeichenprogramm der Polizei aus England zur Verfügung, um Täterprofile und Zeichnungen zu erstellen.

 

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Band 4 - Kapitel 32

6. März 2017 17.45 Uhr Ferienhaus auf Nordstrand

 

Pet versuchte verzweifelt aufzustehen. Die Schmerzen an der Seite, wo er sich die Rippen gebrochen hatte, waren groß. Das Atmen fiel ihm schwer und die Gedanken in seinem Kopf beschäftigen ihn sehr, er kam nicht zur Ruhe. War er ein Mörder? Hatte er den Arzt, Psychologen oder was der Mann sein mochte wirklich im Kampf getötet? Im Mittelalter war das anders. Da gehörte der Kampf zum Alltag und er hat sicher einige Menschen sehr schwer verletzt oder gar getötet. Das aber mit Doktor von Steinhausen war etwas anderes. Warum war das eigentlich etwas anderes? Auch hier hatte er sich nur verteidigt und der Mann kam dabei zu Tode. Die innere Zwiesprache, die Pet da betrieb, war ermüdend, aber er kam trotzdem nicht zur Ruhe. Wenn nur jemand da wäre, mit dem er reden und dem er seine Seelenpein beichten könnte. Das leise Klopfen an der Türe hatte er nicht gehört, nicht einmal als sich die Tür öffnete. Er hatte die Augen fest geschlossen. Der Schmerz und die Gedanken hatten einen Teil seiner Sinne blockiert. Er schrak auf, als ihn jemand berührte. Er öffnete seine Augen und konnte nur etwas verschwommen ein Gesicht erkennen, aber in seiner Nase hatte er einen Geruch, den er gut kannte. Das Parfüm, das er hier wahrnahm, kannte er gut. Sophia war zurück, jetzt konnte er sie auch sehen. Sie hatte seine rechte Hand fest umfasst und setzte sich schweigend auf die Bettkannte. Mit der freien Hand strich sie ihm über die Wangen und trocknete damit auch die Tränen, die ihm im Halbschlaf aus den Augen gelaufen waren. "Dir geht es wohl nicht gut mein Freund. Ich habe schon gehört, was da passiert ist und dass man dich gut versorgt hat." Dann berührte sie seine Lippen mit ihren Fingern, um ihm zu zeigen, dass er nichts sagen sollte. Lange saß sie schweigend an Pets Bett. Schaute ihn nur an, in der rechten Hand die seine und die andere Hand an seiner linken Wange.

 

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