Kapitel 7

Otto von Kraz  31. Dezember 1215 in Hildesheim

 

Nachdem er nun schon einige Wochen mit einem Begleiter des Deutschen Ordens, den ihm Claus von Olsen zur Verfügung gestellt hatte, unterwegs war, wollte er ein paar Tage in dieser Stadt verbringen. Leider waren alle Herbergen besetzt und er und sein Begleiter fanden Unterkunft außerhalb der neuen Stadtmauer in einer Hütte. Die Hütte gehörte einem Tagelöhner, der beim Bau des Doms gerade arbeiten durfte. Die Münzen, die er für die Übernachtungen bekam, würden ihm und seiner Familie helfen, in diesen harten Zeiten ihr Überleben etwas länger zu sichern. Die Stadtherren und die Kirchenmänner waren Tagelöhnern nicht gerade sehr zugetan und wollten, dass sie für einen Krumen Brot arbeiten sollten. Tagelöhner und ihre Familien waren nicht mehr wert als ein Stein in der Mauer. Man brauchte sie, aber man achtete sie nicht. 

 

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Kapitel 6

29. Dezember 1215 - Dämmerung in der Blauzahnsiedlung

Lars griff in die Kiste hinein und zog ein schweres Kettenhemd heraus. So wie es aussah, war es für einen großen Mann gemacht, sicher für einen Mann wie Erik oder gar größer. Darunter lag ein Schwert in einer ledernen Scheide, ein Messer und Handschuhe aus Hirschleder und darunter lagen einige Hölzer. In diese waren Runen eingeritzt. Außer dem Geruch, der auf ein gewisses Alter schließen ließ, schien alles neu zu sein. "Kann jemand diese Runen lesen? Ich bin da nicht so gut." Lars schaute sich um und Steffen trat vor, holte sich die Bretter und ging damit zum großen Tisch. "Licht, ich brauche gutes Licht." rief Steffen aus. Carla brachte ihm zwei Öllichter und Maria steuerte noch eine Kerze bei. Steffen konnte nun lesen, was da stand. "Ich muss die erst in die richtige Reihenfolge legen. Hier steht, dass das Kettenhemd einem Olaf gehört. Herr auf Bonda. Bonda so hieß doch der Hof, den wir hier gekauft haben." Dann sortierte Steffen weiter. "Aha, er zog im Jahr des Herren 1199 mit einem Heer weg von hier. Sein Weib Malvina und sein Sohn Bonde und acht Knechte und Mägde blieben hier auf dem Hof."

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Kapitel 5

29. Dezember 1215 gegen Mittag an der Küste von Schweden

Wolfskopf suchte nach dem Weg, den der ominöse Führer nach oben genommen hatte. Hinter einem dicken Busch, der an der Felswand wuchs, fand er ihn. Er schob den Busch zur Seite und schon war er nicht mehr zu sehen. Im schwachen Licht, das irgendwie von oben kam, entdeckte Wolfskopf einen steilen, aber begehbaren Weg. Er kletterte hoch und konnte nach gut fünf Metern, die er überwinden musste, den Kopf durch einen Felsspalt schieben. Keine sechs Schritte weiter sah er ihren Führer, der einen Stein in der Hand hielt und nach unten schrie. Er bemerkte nicht, wie sich Wolfskopf von hinten anschlich. Der Dorfbewohner, der sie in diese missliche Lage geführt hatte, wollte gerade wieder einen Stein werfen, als er von hinten gepackt wurde. Erschrocken sprang er zur Seite und glitt auf dem eisigen Untergrund aus und stürze ab. Er fiel an Peter vorbei in den Abgrund und brüllte so lange er im Fallen war. Dann war Ruhe. Wolfskopf legte sich auf den Bauch und schaute über den Felsvorsprung zu den seinen hinab. "Drückt den Busch zur Seite und steigt zu mir rauf. Hier oben ist niemand."

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Kapitel 4

21. Dezember 2015 kurz vor dem Morgengrauen

 

Knorre erwachte, weil einer der Hunde anfing zu knurren. Dann knurrten alle beiden Hunde und Knorre konnte sie nicht beruhigen. Das Knurren wurde immer stärker und der Junge spürte, dass da etwas Unangenehmes bevorstand. Er öffnete die Tür des kleinen Häuschens, wo er gerne die Nächte verbrachte und die Hunde eilten immer noch knurrend nach draußen. Bei dem großen Tor blieben sie stehen und begannen zu bellen. Knorre hätte gerne das Tor geöffnet und nachgeschaut, aber das durfte er nicht und er konnte es auch nicht. Der schwere Querbalken, der das Tor verschloss, war ihm zu schwer. Im Schneetreiben sah er hinter sich im Hof verschwommen ein paar Figuren vom großen Haus weggehen und rannte auf sie zu. Es war Sophia, Melanie und Birgit, die auf dem Weg zu den Schlafstätten der Knechte waren. Knorre rief und Sophia kam auf ihn zu. Laut sprechend und heftig gestikulierend versuchte er Sophia klar zu machen, dass vor dem Tor etwas passiert sei, was die Hunde mächtig aufregen würde. Sie winkte den anderen beiden Frauen und schickte Knorre zu Claus von Olsen weiter, dass man ihn am Tor erwarten würde.

 

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Kapitel 3

Bewohner der Blauzahnsiedlung

 

Die Bewohner setzten sich aus den Mannschaftsmitgliedern der Blauzahn, Ageli und der Sasha zusammen und wie es nun mal so war, aus ein paar Menschen aus dem Jahrhundert, in das sie geführt wurden.

 

Das Experiment, das diese Bewohner machten, war mehr als nur komplex. Es war eigentlich nicht möglich und doch geschah es.

 

Menschen Zeitreisen machen zu lassen, diese Idee gab es schon oft. Sie dabei aber ihrer Erinnerung zu berauben und ihnen nur ihr Alter und ihre charakterliche Ausprägung zu lassen und auch einen Teil ihrer erworbenen Fähigkeiten in diese Zeit mitzugeben ist neu.

 

Ihre Erinnerung war gelöscht und man hatte ihnen eine andere Vita eingerichtet. Ein paar Verpflichtungen wurden ihnen mitgegeben. Sie sollten eine neue Gesellschaft bilden, abweichend von dem, wie dieses Jahrhundert es ihnen vorgab. Sie sollten sich von gewissen Zwängen befreien, die ihnen die Kirche, die Götter oder auch der herrschende Adel vorschreiben wollte, um eine andere Gesellschaft zu bilden. Eine Gesellschaft, die ein würdiges Überleben aller - soweit als möglich - in 21. Jahrhundert sichern sollte.

 

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Kapitel 2 - neu

17. Dezember 1215 Mittagszeit in der Blauzahnsiedlung

 

Alles hatte sich unten im Hof gesammelt, sich bewaffnet und darauf vorbereitet, den Freunden im Hafen zur Hilfe zu eilen. Claus von Olsen war auch dabei. Vor ein paar Wochen hatte er Nachricht erhalten, dass das Schiff des Deutschen Ordens aus einer kleinen Bucht ausgelaufen war und Otto sich auf den Weg nach Lorch gemacht hatte. Er war dort vom Abt des Klosters Lorch gerufen worden und wollte dem Ruf folgen. Claus Olsen war nun an seine Stelle getreten. Ein alter Recke aus den Kreuzzügen, der mit den wenigen Überlebenden einer furchtbaren Schlacht aus dem Heiligen Land zurück in die Heimat gekommen war, um dort neue Aufgaben des Ordens zu übernehmen. Sie lautete, sich  anzuschauen und zu unterstützen, was da in der Siedlung entstehen sollte. Claus war viel kräftiger als Otto und vernarbt von den vielen Kämpfen am Körper und Geist.

 

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Kapitel 1 - neu

 

Willkommen im Mittelalter

 

Gotland 17. Dezember im Jahre des Herren 1215

 

Peter vom und zu Bärental klopfte nun schon zum dritten Mal an die Kemenatentür von Jorg Jorgsson und bat ihn lautstark, endlich aufzustehen. Der rief aber mit fast gebrochener Stimme, dass es ihm einfach zu kalt sei und er noch etwas schlafen wollte. Jorg war ein eher schmächtiger Geselle, der in der Blauzahnsiedlung als "der Sanfte" gehandelt wurde. Peter vermutete, dass der Würzwein, den ihm Gerritus, der Medicus ihres Hauses, verabreicht hatte, ihm wohl nicht so bekommen sei und dass das Kraut, dass man gestern noch in den Räumen verbrannt hatte, ihm auch noch zusetzte. Also musste er alleine mit den Wikingern zum Hafen gehen und ihre Schiffe inspizieren. Das passte ihm nicht, denn auch er hatte noch einen dicken Kopf von dem Würzwein.

 

 

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