Kapitel 59

1. Mai 1216 vor der Blauzahnsiedlung

 

Inzwischen zeichnete sich ab, dass die Königlichen sich bald verabschieden wollten. Die Besichtigung der Drachen und der Knorr bei Claus Turm stand noch bevor und auch ein Teil der Bürgerabordnung aus Visby machte sich zur Abreise bereit. Freundlich war man sich nicht mehr gegenseitig gestimmt, seitdem der Kaufmann Lion of Stonedam mit ein paar Bewaffneten des Königs weg war. Das Interesse von beiden Parteien an diesem Mann war einfach zu groß gewesen. Gemeinsam beschloss man am 2. Mai zum Turm zu reiten und dort die Beute zu besichtigen.

 

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Kapitel 58

16. Mai 1216 in Waiblingen

 

Otto saß in seiner Kammer und wollte an seiner Chronik schreiben. Seit seiner Ankunft war viel geschehen und er hatte das Gefühl, bisher wenig oder auch gar nicht geschlafen zu haben. Diese Müdigkeit blockierte seinen Kopf und auf dem Pergament vor sich hatte er noch kein Wort geschrieben. Immer wieder dachte er über die Ereignisse nach, die seit seiner Ankunft geschehen waren. Während seiner Reise hierher war er nicht zum Nachdenken gekommen, immer wieder musste er sich auf Neues einstellen. Nun aber umgab ihn eine Ruhe, die so leicht nicht zu ertragen war. Er fühlte zum ersten Mal seit Monaten sein Herz schlagen. Ein merkwürdiges Gefühl überkam ihn. Er lebte und er wollte leben und das sollte auch erfüllend sein. Er musste nur noch den richtigen Zeitpunkt finden, wann er mit all den Dingen beginnen konnte, die er sich vorgenommen hatte. Er vermisste Gregor, der es gut verstand, mit dem Gesinde im Haus umzugehen. Frau von Breitenbach konnte das auch, er wollte sie schonen, denn dass ihr Sohn nun weg war, belastete diese Frau doch sehr. Aber sie  arbeitete, sie brauchte das vielleicht als Ablenkung. Ihre Tochter Marte hatte bereits die ersten Unterrichtsstunden bei ihm gehabt. Sie saß in ihrer Kammer und man hörte sie singen. Er hatte ihr ein paar Notenblätter gemacht, die er aus dem Kloster von Lorch erhalten hatte. Dort wurden die Noten nach der Lehre des Guido von Arezzo geschrieben. Bisher waren es nur Choräle, aber Otto wollte auch einen leichteren Gesang und so kam er dazu ein leichtes Lied zu komponieren und Marta sang es nun. Vier Töne und ein wenig Text und Marta trällerte vergnügt in ihrer Kammer. Morgen wird er mit ihr den Schreibunterricht weiterführen und auch die Kunst der Zahlen wollte er mit ihr teilen. Marta war eine sehr gelehrige Schülerin und es machte ihm ungeheure Freude, mit der jungen Frau zu lernen. Um keine neuen Missverständnisse oder auch Gerüchte aufkommen zu lassen, nahm ihre Mutter immer wieder am Unterricht mit teil. Sie saß nicht daneben und machte Handarbeit, nein Constanze wollte auch lernen. Sie konnte lesen und schreiben, mehr recht als schlecht, aber das Spiel mit den Zahlen gefiel ihr. 

 

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Kapitel 57

28. April in der Blauzahnsiedlung

 

Die Gefangenen hatte man vor den Palisaden gebunden gelassen. Es gab einfach zu viele Mäuler zu stopfen und der Rat beschloss, die Männer der Stadt Visby zu überstellen. Ein Bote war schon auf dem Weg in die Stadt und man erwartete eine baldige Antwort. Die eroberten Schiffe hatte man inzwischen zum Turm des Claus gebracht. Trotz der Kämpfe und der Verluste und der vielen Verletzten hatten sie doch weiter ihren Reichtum vergrößern können. Waffen, Schmuck, Pferde und die drei Schiffe waren nun in ihren Besitz übergegangen. Ein Teil der Waffen und Schmuck wurden versteckt, bei den Pferden und den Schiffen ging das nicht so leicht. Lars erwartete nach all dem, was geschehen war, bald die königlichen Steuereintreiber, die hier ihren Anteil haben wollten. Auch die Stadt Visby wollte sicher hier ihren Anteil daran haben. Peter, Melanie und Mathias bewerteten das, was sie bereit waren, freiwillig abzugeben. Die eroberte Knorr wurde etwas hässlich gemacht und eines der eroberten Langboote mit viel Farbe und neuen Segel ausgestattet. Die Seeleute hatten es ausprobiert, es lag schlecht im Wasser und der Rumpf schien krumm zu sein, denn es war schwer zu steuern. Die beiden anderen Langboote waren nicht besonders gut und man hatte sie an Land gezogen.

 

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Kapitel 56

Sonntag 1. Mai 1216 in Waiblingen

 

Zurück in seinem Haus haben sich Constanze von Breitenbach und auch Otto daran gemacht den jungen Christian auf seine neue Aufgabe bei Otto von Steintal vorzubereiten. Am 30. April musste er seine Mutter und die Freund verlassen. Otto hatte im ein Pferd, Reisekleidung die passend zu seiner neuen Aufgabe, waren besorgt. Der Abschied war schwer, Constanze fühlte sich hilflos. Nur der junge Christian freute sich darauf einem Herrn aus dem Hause der Staufer dienen zu können und die Aussicht eines Tages zum Ritter geschlagen zu werden. Nun war Constanze und ihre Tochter Marta an diesem Sonntag ganz früh in die Kirche geeilt. Sie wollten für Christian beten, der im Tross des Otto von Steintal reiste. Sie waren auf dem Wege nach Speyer zum großen Dom, dort wollten sie am Grabe Philipp beten.

 

Der Besuch im Dom diente auch der Festigung der Schwaben in ihrem Herrschaftsanspruch gegenüber dem Braunschweiger. Philipp war ermordet worden und die Gottgewollte Ordnung der Herrschaftsansprüche des Adels war dadurch erheblich gestört. Die Störung galt es zu beseitigen. Ein ermordeter König, Blut war geflossen bei einem heimtückischen Mord, beseitigt wie ein gewöhnlicher Bauer. Das geht nicht, also musste man diesem Mann nicht nur die Ehre erweisen sondern ihn in die Nähe von Heiligen rücken. Der Täter, ein Wittelsbacher, war schon tot doch war seine Tat, ein Königsmord noch in aller Munde. Es war ungehörig, eine Wahnsinnstat die da ein Fürst an seinem Herrn begangen hatte. Ein dummes und sehr gefährliches Beispiel, das besser nicht Schule machen sollte. Fürsten starben als Helden auf den Schlachtfeldern aber nicht durch ein Schwert im Schlafgemach.

 

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Kapitel 55

19. April 1216 später Nachmittag an der Küste Gotlands

 

Man hatte zwei Leute zur Beobachtung des Lagers zurückgelassen. Lars und Claus berieten kurz über das was sie da gesehen hatten. Das war keine Seeräuberlager oder ein Heerlager, hier hatten sich ein paar Händler heimlich einen kleinen Hafen aufgebaut der ihnen erleichtern sollte, ihren Handel aufzubauen. Irgendjemand hatte ihnen eingeflüstert, dass die Blauzahnleute ausgeschaltet werden sollten, damit sie dann leichter ihren Geschäften nachgehen konnten.  Die Knorr, die sie gesehen hatten, war eindeutig ein Pferdetransporter und eines der Langboote war eher ein Transportschiff, denn einen Teil der Ruderbänke hatte man als Lagerplatz umgebaut. Die Wappen die man sah waren aber weder Claus noch Lars bekannt. Und ihre neuen Partner konnten ihnen nicht sagen, woher diese Männer kamen. Der Zahnlose meinte, dass es sich um Leute aus Calais handeln könne. Er meinte verstanden zu haben, dass es sich um Franken und Engländer handelten. Wahrscheinlich haben die auf der falschen Seite gekämpft, denn Johann Ohneland war sehr rachsüchtig gewesen, mit Baronen, Kaufleuten und Rittern, die sich nicht schnell genug für ihn entscheiden konnten und die Franken waren auch sehr wählerisch bei der Partnersuche. Er wusste nur, dass sich einige dem Dänenkönig angeschlossen hätten und nun waren sie hier gelandet. Aber er konnte das nur vermuten.

 

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Kapitel 54

26. April 1216 Morgengrauen in Göppingen

 

Otto von Steintal war müde. Er musste wie alle anderen Gäste in einem Zelt schlafen und wurde die ganze Nacht von allerlei Getier geärgert. Er hatte ein angeschwollenes Auge, weil ihn dort ein Insekt gestochen hatte. Er war schlechter Laune und das bekamen alle in seiner Umgebung zu spüren.

 

Als ihm der Henker vorgestellt wurde, ermahnte er den Mann eindringlich, den ehemaligen Hauptmann schnell zum Tode zu führen. Er wollte keinen Mann am Galgen sehen, dessen Blase sich entleerte, der verzweifelt strampelte und dessen Augen drohten, aus den Höhlen zu dringen. Der Hauptmann sollte schnell sterben. Das würde den Herbeigeeilten, die den Mann hängen sehen wollten, zwar nicht gefallen, aber Strafe war Strafe und diese war für den Hauptmann. Und das sollte Spektakel genug sein. Seine beiden Ministerialen mussten sich das Ganze noch mit ansehen, bevor sie ihren Auftrag erledigen durften.

 

Der Pranger für die beiden Knechte war schon aufgebaut und zuerst wurden die beiden an den Pranger gebunden. Ihre Köpfe wurden so befestigt, dass sie sehen konnten, wie der Hauptmann gehängt wurde. Ein Galgen war nicht errichtet worden, eine alte Eiche mit festen Ästen genügte dem Herren von Steintal dafür. Er wollte nicht noch mehr Mittel aufwenden, um den Mann hängen zu sehen - das Ganze kostete ihn sowieso schon zu viel. Als die Kirche ihre Glocken läuten ließ, wurde der Hauptmann herangeführt. Ein paar Bewaffnete mussten ihn fast tragen, da er offensichtlich nicht in der Lage war zu laufen. Otto von Steintal war wütend, da er vermutete, dass man den Mann gefoltert hatte und er deshalb nicht laufen konnte. Gregor klärte ihn auf. "Der Hauptmann wurde betrunken gemacht. Deshalb kann er nicht mehr laufen. Ich habe ihn nochmals verhört und der Wein lockerte seine Zunge etwas mehr. Aber nun sollten wir den Teufel nicht länger auf seinen Hauptmann warten lassen. Er wird hängen, egal wie lange wir noch hier stehen und warten."

 

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Kapitel 53

17. April 1216 gegen Mittag in Mächt´s Hof

 

Die Waffen der Angreifer waren eingesammelt. Fast alle waren mehr oder weniger verwundet, aber selbst mit Waffen hätten sie nicht mehr viel ausrichten können, weil sie alle vollkommen erschöpft waren. Lars und Claus hatten auf die Verfolgung der Flüchtenden verzichtet. Waren alle doch zu Fuß unterwegs, fast alle hatten ihre Waffen weggeworfen, um schneller laufen zu können. Es waren wirklich keine Gegner mehr, die man beachten musste. Man hatte nun fast zwanzig weitere Pferde erobert.

 

Claus hatte sich ein paar der Leichtverletzten vorgenommen, um deren Beweggründe für diesen Angriff zu erfahren. Fast alle Männer stammten noch von der Piratenarmee. Sie waren aus dem Tal entkommen, wo man sie nach dem Kampf an der Küste gefangen genommen hatte. Einer der Piraten, der ein paar Zähne beim Kampf verloren hatte, wusste offensichtlich viel, aber es war nicht leicht, ihn zu verstehen, als Claus ihn verhörte.

 

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