Teil 2 - Kapitel 54

6. Dezember 2015 4.30 Uhr auf der Blauzahn

 

Pet, Simon, Birgit und Greg saßen immer noch in der Messe der Blauzahn. Sie konnten nicht schlafen. Otto war vor einer Stunde gekommen, hatte eine Flasche Wasser getrunken und hatte sich auf der Bank in der Messe niedergelegt und war wieder eingeschlafen. Greg war so freundlich und hatte ihn mit einer Wolldecke zugedeckt, was Otto mit einem freundlichen Grunzen quittierte.

 

"Zurück in Deutschland und doch habe ich das Gefühl, fremd zu sein. Hier, wo ich zumindest an Wochenenden so was wie ich-bin-zu-Hause empfunden habe. Ja, ich fühle mich wohl, aber mich zieht es weiter. In Hamburg war ich glücklich, Mit meiner Familie, meinen Kindern und vor allem mit meiner Arbeit. Mein Mann ist tot, mein Leben hat sich grundlegend verändert. Gestern habe ich mich fragen müssen, wo ich eigentlich zu Hause bin? In Hamburg oder auf der Ageli, zwischen all den Frauen, die ich, bis auf meine Tochter natürlich, erst vor ein paar Monaten kennengelernt habe. Mein schüchterner Sohn hat sich gemeldet. Er klang am Telefon sehr selbstbewusst, stark und hat mir mitgeteilt, dass er nach Dänemark geht. Er übernimmt mit einem Freund ein kleines Lokal in Aarhus. Seine Freundin wird ihn begleiten. Sie studiert in Flensburg Biotechnologier, was auch immer dahinter steckt. Sie wird pendeln, sie hat ein Zimmer in Flensburg und am Wochenende ist sie dann bei meinem Sohn. Die haben ihr kleines Glück gefunden. Und ich? Ich denke darüber nach, ob mein Vagabundenleben gut ist. Mir gefällt es und Maria offensichtlich auch. Von Woche zu Woche merke ich, dass sie stärker wird, selbstbewusster und glücklicher. Ich bin am Scheideweg angekommen. Jetzt muss ich mich entscheiden. Zurück zu meinem alten Leben, Business-as-usual oder weiter ins Abenteuer - auch auf die Gefahr hin, enttäuscht zu werden. Ich tendiere dazu weiterzureisen." Birgit hatte das eher laut zu sich selbst gesagt, die anderen hatten aber zugehört, denn es waren auch ihre Gedanken, die sie mit bewegten. Wem ging es nicht so? Die Fragen die sie sich gestellt hatte waren auch ihre eigenen Fragen. Und die Antwort hatten sich alle schon gegeben. Weiterreisen nach Gotland lautete die Antwort. Die Herausforderung war für sie alle etwas, das sie annehmen wollten. Der krönende Abschluss der bewusstseinserweiternden Reise. Sie hatten ihre kleine eigene Gesellschaft entwickelt. Und nun sollten sie über die Möglichkeit einer neuen Gesellschaft auf der Erde nachdenken und sie wenigstens theoretisch darstellen. War das Forschung, war das Versuch, war das Philosophie? Was trieb sie an und welche Erwartung stand eigentlich hinter diesem Auftrag? 

 

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Teil 2 - Kapitel 53

4. Dezember 2015 Brunsbüttel Kanaleinfahrt

 

Die halbe Nacht hatten alle Mannschaften daran gearbeitet, die Masten niederzulegen und zu vertäuen. Die Mannschaft der Blauzahn war auf allen drei Schiffen tätig, da sie die meiste Erfahrung besaß. Das alles ging Hand in Hand und es wurde auch von der Mannschaft der Sasha akzeptiert, wenn ein Lars oder ein Erik dort kurzfristig das Kommando übernahm. Die Frauen und Männer der Sasha konnten sehr gut im Team arbeiten, aber man merkte, dass ihnen etwas die Routine fehlte.

 

Gegen 23.00 Uhr waren die Vorbereitungen für die Einfahrt in den Kanal erledigt. Sophia, Betty, Marta, Pet und Juris trafen sich anschießend noch zu einem kleinen Spaziergang mit den Hunden durch die verschlafene Stadt. Melanie wollte sie begleiten, aber sie musste sich wegen eines gequetschten Fingers behandeln lassen.

 

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Teil 2 - Kapitel 52

26. November 2015 9.00 Uhr Hafen von La Rochelle auf der Ageli

 

Judit war inzwischen auf die Ageli umgezogen. Dort sollte sie sich unter der Aufsicht von Sylvia erholen, die vermutete, dass sie doch eine leichte Gehirnerschütterung von dem Sturz bekommen hatte. Zudem vermutete sie nun selbst, dass sie bei der Party auf dem Wohnschiff mit einer Droge betäubt worden war. Erik, Otto und Carlo waren am Vortage dorthin gegangen, nachdem sich doch niemand wirklich um Judit Sorgen gemacht hatte und sie nur vermisst wurde. Sie hatten ihre Kleidung dort eingesammelt und wollten diese mitnehmen. Erik war aber das Verhalten der fünfzehn anderen Bewohner mehr als nur verdächtig vorgekommen und so hatte er seine Körpergröße, Kraft und seinen Tiefkühleisbergblick aufgesetzt und einige der Bewohner zum Vorfall mit Judit gefragt. Einen der etwas vorlauten Bewohner, ein Engländer, hob er während eines Gespräches einfach hoch und ließ ihn etwas über Bord ins kalte Meer schauen. Als zwei weitere daraufhin anfingen zu protestieren, mussten alle drei doch mit der Bekanntschaft des kalten Meerwassers ernüchtert werden. Das brachte alle anderen dazu, zu erzählen was passiert war.

 

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Teil 2 - Kapitel 51

23. November 2015 10.30 Uhr Golf von Biskaya auf der Höhe von Gijon, Spanien

 

Die kleine Flotte musste sich die Winde zum Segeln suchen, meist kam er aus nord- westlicher Richtung. Die Bordroutine der drei Segelschiffe, die in einem Abstand von etwas mehr als fünfhundert Meter segelten, lief reibungslos.

 

Pet und Otto saßen in Ottos Kajüte zusammen. Sie versuchten ein Resümee ihrer Seereise und Abenteuer zu formulieren. Hatten sie das erreicht, was sie sich vorgestellt hatten? Otto war zufrieden mit dem, was sie bisher an Erfahrungen und Ideen gesammelt hatten. Pet, der immer eine etwas kritischer Einstellung hatte, war es nicht. Sie hatten sich eine Liste erstellt, in die sie die positiven Erlebnisse aufzeichneten und eine Liste mit den negativen Geschehnissen. Vieles, meinte Pet, hätten sie nicht gesehen oder erleben dürfen. Sein Durst nach Wissen und Erleben war ungeheuer. Seit ein paar Tagen war er wieder der Getriebene wie zu Beginn ihrer Reise. Otto versuchte, seinen Freund etwas mehr an positive Ereignisse zu erinnern, aber Pet passte nichts. War es das bevorstehende Ende der Reise, das ihn zu so einer Unzufriedenheitshaltung führte? Irgendwann an diesem Vormittag musste er Otto eingestehen, dass er den Schluss der Reise hinauszögern wollte und deshalb einfach unglücklich und unzufrieden sei. Dieses was-kommt-danach? machte ihn jetzt schon nervös.

 

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Teil 2 - Kapitel 50

Castelo de São Jorge

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Teil 2 - Kapitel 49

16. November 2015 10.30 Uhr 450 Kilometer vor Lissabon

 

Seit Stunden regnete es immer wieder. Die Flotte der drei Segeljachten fuhr hintereinander im Abstand von sechshundert Metern. Vorne war die Sasha, Wolkows neue Jacht, dahinter die Ageli und hinter den beiden segelte die Blauzahn. Die Bewunderung für die Sasha war immer noch bei allen vorhanden. Ein Rumpf aus den besten modernen Verbundkunststoffen, der Aufbau aus Teakholz, Messing, Aluminium und alles farblich brillant abgestimmt. Die Lackierung des Rumpfes war außergewöhnlich, denn der Anstrich nahm immer die Farbe seiner Umgebung an, also hatte sie immer die Farbe des Meeres, auf dem die Sasha schwamm. Es sah so aus, als ob die Aufbauten über dem Wasser schweben würden. Der Luxus der Jacht bestand darin, dass alles schön und funktional war. Keine goldenen Wasserhähne, keine Fliesen oder Plastik, sondern alles aus Messing oder aus Edelstahl und bestem Holz. Und die Technik dieses Schiffes war auf dem neuesten Stand. Zudem hatte Wolkow sich eine Mannschaft zusammengestellt, die aus Spezialisten bestand. Elektroniker, Navigatoren, Profisegler; alles waren Leuten, die er schon lange kannte und denen er vertraute. Sechs Männer und acht Frauen. Vier seiner alten Mannschaft, die noch auf der Pjotr bei ihm waren, hatten ihn auf seinen Wunsch hin verlassen und waren bereits nach Gotland unterwegs, um dort seine Ankunft vorzubereiten.

 

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Teil 2 - Kapitel 48

28. Oktober 2.50 Uhr Hafenmole Kapverden

 

Auf die Frage von Otto an Simon musste alle, die zugehört hatten, lange auf die Antwort warten. "Ja, so kann man das auch sagen. Ja, meine Auftraggeber in Russland waren unzufrieden mit mir. Ich habe einen sehr wichtigen Auftrag nicht erledigt, ich habe mich den Leuten verweigert. Man kann vieles tun - lassen wir mal das Thema Moral und Fairness beiseite - das sind doch Worte von Träumern, die die Systeme der Mächtigen nicht erkannt haben. Nur dieses Mal ging es mir zu weit. Diesen Auftrag konnte und wollte ich nicht erledigen. Ich habe das mit meiner Mannschaft besprochen und ihnen dann die Wahl gelassen, weiter bei mir zu bleiben oder mich zu verlassen. Es ging bei dieser Entscheidung auch um ihre eigene Sicherheit." Inzwischen waren fast alle aus den Mannschaften der Ageli, Blauzahn und Pjotr um die Gesprächsgruppe versammelt und hörten gespannt zu. Otto fragte, nachdem Simon aufgehört hatte zu sprechen. "Können wir erfahren, um welchen Auftrag es sich handelte oder kannst und willst du darüber nicht reden?"

 

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