Kapitel 74

3. Juli 1216 später Nachmittag in den Neckarauen

 

Von den Steilhängen oberhalb des Wäldchens, wo sich das Lager der Plünderer befand, flogen kleinere Felsbrocken nach unten ins Lager. Das Laubwerk war nicht so dicht, wie es sich der eine oder andere gewünscht hätte. Pfeile wurden von oben geschossen und auch ein paar Speere folgten den Pfeilen und der eine oder andere unten wurde getroffen. Schlimmer waren aber die Steine, die man inzwischen nicht mehr direkt nach unten warf, sondern auf die Felswand, wo sich sehr viel loses Gestein befand und von der sich immer wieder Geröllmassen lösten und nach unten stürzten. Das trieb die letzten Männer, die sich dort sicher wähnten, nach draußen auf die Uferwiese.

 

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Kapitel 73

28. August 1216 später Nachmittag

 

Die Männer hatten gesehen, wie Peter Knut Swerson niedergestochen hatte und als dann auch noch Thore umfiel, war allen auf dem kleinen Drachen klar, dass der Kampf begonnen hatte. Aber die Männer des Königs hatten gebannt auf die vier Männer geschaut, deshalb konnten sie nicht schnell genug die Schilde hochhalten und so trafen doch ein paar Pfeile ihr Ziel. Peter und Claus erhoben sich und machten sich kampfbereit. Ihre Freunde waren schneller bei ihnen, als sich vor ihnen der kleine Schildwall bildete. Und immer wieder trafen die Pfeile - von der Düne her geschossen - ihr Ziel. Dann gingen die Blauzahnleute Schritt für Schritt vor.

 

Draußen versuchte eines der Drachenboote des Königs zu wenden, das andere dagegen ruderte in Richtung Strand. Ein paar Brandpfeile wurden auf das nahende Boot abgeschossen und sie trafen gut. Die Ruderer kamen durcheinander und so verfehlten sie die schmale Bucht zum Kiesstrand und blieben an einem Felsen fast dreißig Schritte vor dem Land hängen. Es sank nicht, aber es war zu weit vom Ufer entfernt, sodass man schwimmen musste, wenn man an Land kommen wollte.

 

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Kapitel 72

Sonntag 3. Juli 1216 Waiblingen

 

Nach der sehr frühen Messe machte sich die kleine Armee auf, um die Bande, die im Neckartal lagern sollte, zu bekämpfen. Otto von Kraz hatte dafür gesorgt, dass nur Otto von Steinfeld, Heinrich und Richard wussten, wohin der Kriegszug gehen sollte. Man wollte vermeiden, dass die Bande frühzeitig davon erfahren würde.

 

Zwei Tage vorher hatte Otto dem Stauferbastard berichtet, warum er Gefangene im Keller des Nachbarhauses hatten. Als der Herr von Kraz mit seinem Bericht endete, war Otto von Steinfeld so aufgebracht, dass er sofort losziehen wollte. Das beherzte Eingreifen von Constanze half, ihn schnell wieder zu beruhigen. Sie war so klug gewesen, ihr bestes Kleid anzuziehen, bevor sie ihm seit langem wieder begegnete. Und der so stolze und kräftige Ritter schmolz bei ihrem Anblick wie ein Eiszapfen im Sonnenlicht dahin. Die beiden merkten nicht, dass sie spät am Abend im großen Saal alleine waren, Otto hatte dafür gesorgt, dass sich alle langsam und heimlich zurückzogen. Selbst ihr Sohn Cristian, der unbedingt nach so langer Abwesenheit seiner Mutter viel zu erzählen hatte merkte, dass er nur stören konnte und zog sich mit seiner Schwester und den anderen jungen Menschen, die im Haushalt lebten, zurück.

 

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Kapitel 71

28. August 1216 am frühen Morgen bei Gnisvärd

 

Die Bande hatte sich ein sehr gutes Versteck ausgesucht. Eine kleine Düne mit einem vorgelagerten Wäldchen verdeckte ihre Anwesenheit vom Land aus. Wer von der See aus kam, musste in eine kleine enge Bucht einfahren. Das Feuer, das die Mörderbande entfacht hatte, konnte von Land aus nicht gesehen werden.

 

Claus von Olsen war mit zwei seiner besten Männer an das Lager herangeschlichen. Der Wachposten, den man aufgestellt hatte, stand keine zwanzig Schritte von ihnen entfernt, konnte sie aber weder sehen noch hören. Der Mond wurde immer wieder von Wolken bedeckt und der Wind rauschte so laut durch das Geäst und die Blätter des kleinen Wäldchens, dass man solche Geräusche, die die drei verursachten, nicht hören konnte. Claus musste einen seiner Männer zurückhalten, denn der wollte dem Wachposten die Kehle durchschneiden, aber irgendwann hätten es dann die Bewaffneten im Lager sicher bemerkt und wären gewarnt, dass sich die Blauzahnleute in der Nähe befanden. Nein, Claus wollte sie überraschen und auch die Frauen befreien.

 

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Kapitel 70

Donnerstag 30. Juni 1216 im Haus des Otto von Kraz zu Wipplin

 

Alle Versuche, die Täter, die den Müller und seine Familie, die Knechte und die Fuhrleute getötet hatten, zu finden waren gescheitert. Aber den Mann der Stadtwache, der Bruder des Molino, der verhinderte, dass der verletzte Knecht Otto rechtzeitig verständigen konnte, war festgenommen worden. Sein Name lautete Castellio und er war aus Florenz. Auch zwei weitere Männer der Stadtwache, die mit ihm offensichtlich befreundet waren, wurden festgenommen. Sie wurden im Keller des Hauses Kraz festgehalten. Otto hatte Boten nach Lorch und nach Göppingen geschickt. Er wollte die Verhandlung gegen diese Männer selbst vornehmen, dazu benötigte er aber den Auftrag des Vogtes der Staufer. Otto von Steinfeld, der Bastard der Staufer, war leider nicht so schnell zu erreichen und Otto befürchtete, dass die Täter noch weiteres Unheil anrichten könnten. Erkundigungen, die Richard und Heinrich einzogen hatten, waren nicht besonders ergiebig.

 

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Kapitel 69

20. August 1216 Südspitze von Gotland

 

Die Fischkopf und die Knorr waren sehr langsam unterwegs. Immer wieder sahen sie viele Segel draußen auf dem Meer und verstecken sich in den zerklüfteten Buchten der Insel. Dieser Schiffsverkehr war sehr ungewöhnlich und man vermutete, dass es sich um Kriegerschiffe handelte.

 

Die Masten der beiden Schiffe hatten sie niedergelegt, damit man sie nicht so schnell entdecken konnte und ruderten nur. Dank der schwachen Strömung kamen sie trotzdem voran. Aber es wurde schon früh kalt, kälter als die Jahre zuvor, sagten einige der Mannschaftsmitglieder, die Claus neu angeworben hatte. Sie wollten bald zurück sein - im Gebiet der Blauzahnsiedlung, dort waren sie sicherer als hier, weit zur offenen See hin.

 

Irena machte sich weiter sehr nützlich und führte nun die Mädchengruppe an - die Damen, die der Kaufmann auf der Knorr hinterlassen hatte an. Wer kräftig genug war, musste auch einmal ein Ruder für einige Schläge in die Hand nehmen. Und zu Verwunderung aller dauerte es nicht lange und die jungen Frauen machten sich auch hier nützlich - bis auf die Jüngste, Inna, die Tochter eines Ritters, die entführt worden war und immer noch unter den Qualen der Entführung und einer Misshandlungen litt. Sie kümmerte sich um die Wäsche der Mannschaft, räumte auf und half beim Zubereiten der Speisen. Mehr konnte man ihr nicht zumuten.

 

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Kapitel 68

22. Juni 1216 bei der brennenden Mühle

 

Sie waren zu spät bei der Mühle angekommen. Nichts mehr war zu retten. Die Mühle und drei Scheunen wurden ein Raub der Flammen. Nur die kleine Kirche, die etwas abseits stand, wurde von den Flammen verschont. Im Schein des Feuers hatte man versucht, Überlebende zu finden. Aber jeder, der in der Mühle gearbeitet hatte, die Knechte der Ochsenwagen und auch die beiden jungen Störenfriede waren tot. Alle lagen erschlagen auf den Wiesen oder am Bach. Zwei Ochsen und alle Pferde fehlten und die Ziegen, die sich der Müller gehalten hatte, waren auch weg. Wenn das ein Raubzug gewesen war, warum hatte man nicht mehr geraubt. Zwei Ochsen standen etwas abseits des Brandes noch vor dem Karren angeschirrt und schauten verwundert, was da um sie herum passierte. Auch war offensichtlich kein Mehl oder Getreide geraubt worden, sofern man das noch feststellen konnte. Auch die wenigen Waffen, die die Männer hatten, waren liegen geblieben. Otto ließ alle Leichen am Rande des Feldes hinter der Mühle zusammentragen. Die Frau und die Tochter des Müllers fanden sie nicht. Man vermutete, dass sie in den Flammen umgekommen waren.

 

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