Band 4 - Kapitel 11

26. Januar 2017 Blauzahnsiedlung auf Gotland

 

Nachdem die Behörden aus Schweden und Deutschland trotz intensiver Suche nach der verschwundenen Maschine bisher nichts vermelden konnten, was auf den Verbleib seiner drei Mitarbeiter und der Crew hindeutete, machte sich Gunnar Gedanken darüber, was er unternehmen konnte. Was würde zur Aufklärung dienen, was musste man unternehmen, um festzustellen, was passiert war? Erik, Lars, Birgit und Malte Krahn waren der Meinung, dass es vielleicht sinnvoll wäre, mit einem Boot oder einer größeren Motorjacht sich selbst auf die Suche zu machen. Die Wetterverhältnisse hatten sich etwas gebessert und so konnten sie ohne Gefahr die Suche aufnehmen. Sie hatten die Informationen von der Flugsicherung erhalten, wo das Flugzeug vom Radarschirm verschwunden war.

 

Tammi Bernstein hatte sich alle Daten besorgt, die den Flug, die Funksprüche, des Flugzeuges und der Mannschaft enthielten. Die Frau versuchte, den Flug, die Wetterdaten und das Ausweichmanöver als erstes zu untersuchen. Ihr Wissen um Flüge und Flugzeuge waren nicht so groß, sodass sie keine klare Analyse erstellen konnte. Gunnar hatte aus seinem anderen Leben, in dem er Unternehmer und Forscher war, noch Kontakte zu einem Freund, der jahrelange eine kleine Fluglinie besaß. Er hatte eine kleine Frachtmaschine und zwei Helikopter, mit der er Frachtflüge auf Inseln machte. Einige Male bekam er auch Aufträge für die Versorgung von Bohrinseln. Nur das hätte er besser nicht getan, denn hier herrschte ein gnadenloser Verdrängungswettbewerb und man sabotierte schon nach dem vierten Auftrag zuerst seine Helikopter, damit er die Aufträge nicht durchführen konnte und dann wurden er und seine Piloten das Ziel von üblen körperlichen Attacken. Finanziell war er dann sehr schnell ruiniert und so zog er sich zwangsweise aus dem Geschäft zurück. Gunnar gab ihm dann eine Anstellung in einem seiner Betriebe, wo er sich um die Logistik kümmerte. Leider war der Mann so desillusioniert, dass er mehr trank als er vertragen konnte und bald nicht mehr arbeitsfähig war. Markus Malstrom, der Mann, um den es hier ging, war inzwischen wieder trocken und fit und lebte als Fremdenführer auf Gotland. Er organisierte Anglertouren und kleinere Seereisen zwischen den Inseln für Touristen. Gunnar kontaktierte ihn und bat ihn um eine Gespräch. Er wohnte in einem Fischerdorf keine dreißig Kilometer von Visby entfernt, dort sollte das Gespräch stattfinden.

 

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Band 4 - Kapitel 10

 

23. Januar 2017 Nordstrand im Ferienhaus des Gunnar Larson

 

Alle hatten die wenige Freizeit genutzt, um sich in dem renovierten Ferienhaus auf Nordstrand etwas wohnlich einzurichten. Am frühen Morgen war Will losgezogen, um in einem Baumarkt bei Husum die Sichtschutzeinzäunungen zu besorgen. Um den beiden Hunde, oder besser gesagt dem Herrn Graf und dem Wolf, den alle inzwischen Heuler nannten, einen gesicherten Auslauf im Garten zu gewährleisten. Umzäunt war das Grundstück bereits komplett, aber es gab einige Stellen, wo die alte Steinmauer nicht hoch genug war oder das Gebüsch nicht dicht genug, sodass man immer noch gut auf die Wiese hinter dem Haus sehen konnte. 

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Band 4 - Kapitel 9

21. Januar 2017 8.30 Uhr Gotland, Blauzahnsiedlung

 

Bisher schien alles gut gelaufen zu sein. Die Nachrichten von Nordstrand waren gut und nun wollten sich alle wieder auf das Hier und Jetzt konzentrieren. Otto hatte ihnen aus Waiblingen noch einige verschlüsselte Informationen geschickt, in denen er darauf hinwies, dass die Briefe, die er von Peter dem Bärentaler erhalten hatte, nicht immer identisch mit denen waren, soweit wie er sich daran erinnern konnte, die er nun hier im Jahre 2017 vorliegen hatte. Offensichtlich waren welche in fremde Hände gefallen und verändert worden. Nichts unbedingt Gravierendes, aber doch es fehlten Passagen am Ende von Briefe oder gar komplette Seiten. Oder wurde es durch die Jahrhunderte verändert? Seit seiner Reise durch die Jahrhunderte glaubte selbst ein Physiker an Dinge, die man nicht berechnen oder nachweisen konnte.

 

Gunnar hatte diese Informationen gelesen, konnte aber nichts damit anfangen, da Otto nicht konkret mitteilte, was denn fehlte oder was eventuell verändert wurde. War es nur dessen Bauchgefühl, hatte er vielleicht Erinnerungslücken oder korrigierte die Zeit seine Erinnerungen? Er würde ihn bitten müssen, seinen Verdacht zu begründen. Aber Gunnar hatte eine andere Möglichkeit, um das zu prüfen. Pet Bär, der Bärentaler aus dem Mittelalter, war ja ganz in seiner Nähe. Also sollte Otto ihm die Berichte  und Briefe schicken und mit Kommentaren versehen, wo Verdachtsmomente der Manipulation bestanden. Gunnar unterließ es aber bewusst, Pet Bär jetzt darüber schon zu informieren. Der sollte mit diesen Schriftstücken spontan konfrontiert werden.

 

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Band 4 - Kapitel 8

19. Januar 2017 Süddeutschland

 

Hubertus von Falkenstein und Lorenz Anderson saßen mit Frida, Will, Lilli, Bert und Juli am Frühstückstisch. Am Abend vorher hatten sie bereits ihren ersten Gang zum Haus des Mario Salita gemacht. Lorenz beseitigte den Leichnam, indem er ihn in eine Plane einrollte und in den verlassenen Stall neben dem Bauernhaus brachte. Sollte jemand, aus welchen Gründen auch immer, das Haus betreten, so würde man nicht sofort über die Leiche stolpern. 

 

Simon und Oleg wurden noch an diesem Vormittag erwartet, dann wollten sie alle mit den Sichtungen der Computerdateien beginnen und mit dem "Reinigen" des Hauses. Es durften keine Spuren gefunden werden, die auf eventuelle Besucher hinweisen könnten.

 

Schutzanzüge für die Tatortbegehung lagen bereit und als Simon und Oleg um 10.00 Uhr ankamen, besprach man die Vorgehensweise. Hubertus und Lilli sollten sich sofort an die  Computer setzen und alles gespeicherte Material, die Verläufe, Bilder und Filme anschauen und eine erste Auswertung vornehmen. Wichtig war allen, ob man Spuren eines weiteren Kollegen von Mario finden würde oder ob er wirklich alleine gearbeitet hat.

 

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Band 4 - Kapitel 7

17. Januar 2017 5.15 Uhr Gotland

 

Gunnar wurde vom Brummen seines Mobiltelefons geweckt. Es dauerte etwas, bis er in der Lage war, den Anruf entgegen zu nehmen. Er hatte nicht erwartet, auf diesem Telefon um diese Uhrzeit einen Anruf zu bekommen. Diese Nummer für dieses Telefon kannten nur Will, Lilli und der Chef seiner Securityabteilung. Anrufer, Nummern oder auch Telefonate selbst konnten nicht nachverfolgt oder abgehört werden. Als er das Gespräch entgegennahm, erkannte er Wills Stimme. Der berichtete, was geschehen war und was sie entdeckt hatten. Zum Abschluss musste er noch hören, dass der Fotograph sich sehr wahrscheinlich das Genick bei dem Treppensturz gebrochen hatte. Er war auf jeden Fall tot. Wie er es gewohnt war, machte Will seine Vorschläge, wie weiter zu verfahren sei. Gunnar wollte nicht immer, dass nur er sich Gedanken über Vorgehensweisen machte. Das erwartete er von seinen Mitarbeitern, sowie diese sich auch darauf verlassen konnten, dass er, wenn er diesen zustimmte, immer zu seinen Mitarbeitern stand und bei eventuellen Fehlentwicklungen diese mit trug und auch für die Korrekturen sorgte.

 

Wills Vorsachlag musste schnellstens umgesetzt werden. Die medizinische Hilfskraft und die beiden Techniker, die man nach Waiblingen geschickt hatte, standen nicht mehr zur Verfügung. Die waren schon in Schleswig-Holstein. Deshalb mussten nun zwei Securitymitarbeiter noch an diesem Tag zum Feriendomizil kommen. Ein IT Spezialist und einer der Leute, die sich aufs Beseitigen von Spuren verstanden und sich um die "Sauberkeit der Objekte" kümmern konnte. Dabei war nicht die Hygiene gemeint, sondern das Beseitigen von genetischen Hinterlassenschaft und Hinweisen, die zu den Blauzahnleuten und zu Gunnars Experiment führen konnten.

 

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Band 4 - Kapitel 6

17. Januar 2017 0.15 Uhr in einem fremden Haus bei Lorch

Frida schaute sich um, ihre Sinne waren anders geschult als die von Will. Sie war damit aufgewachsen, dass Gefahren überraschend und ohne Vorankündigungen auf einen zukamen und dass man ihnen sofort begegnen musste. Sie hörte leise kratzende Geräusche und dann sah sie an der Wand rechts von ihr auf dem Boden ein rotes, flackendes Licht. Nur ganz dünn war das Licht auf dem Boden zu sehen. Sie machte Will darauf aufmerksam und der schlich sich zu der Stelle hin, wo Geräusch und Licht waren. Mit der Taschenlampe leuchtete er die Stelle an und fand an der Wand Unebenheiten. Frida, die sich neben ihn geschlichen hatte, flüsterte Will ins Ohr. "Eine Türe, die man nicht so leicht findet. Wir nennen so was Geheimtür. Dahinter ist wohl jemand, der uns aber noch nicht bemerkt hat. Was sollen wir tun? Versuchen die Türe zu öffnen oder warten bis derjenige da raus kommt?" Frida dachte nur kurz nach und fragte Will, in welche Richtung den die Türe wohl aufgehen würde. Sie ging in Richtung Außenwand auf. Will sollte sich dahinter verstecken und sie würde denjenigen, der sich da wohl hinter der Geheimtür aufhielt, herauslocken. Zuerst schlich sich Frida nach unten und dann schlug sie laut die Eingangstür zu. Dann trampelte sie nach oben und rief immer wieder. "Hallo ist da jemand? Ich suche Hilfe. Ich habe mich verirrt. Es ist so dunkle und kalt. Halloooo!" Dann kam sie in den Raum, wo Will sich an die Wand drückte, wo er die Türe vermutete und trampelte hin und her. Rief immer wieder nach Hilfe. Das Licht erlosch hinter dem Spalt. Als sich nichts tat, ging Frida wieder lautstark nach unten, schlug die Tür zu und schlich sich wieder nach oben. Sie blieb etwas beim Türrahmen stehen. Sollte derjenige sie doch sehen, wenn er die geheime Tür öffnete, dann würde ihn das von Will ablenken und der konnte dann handeln. Es vergingen mindestens fünf Minuten bis die Tür leise geöffnet wurde. Das Licht in dem geheimen Raum war eingeschaltet worden und eine Person trat nach draußen.

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Band 4 - Kapitel 5

16. Januar 2017 Blauzahnsiedlung Gotland

Gunnar war verärgert, als er die Nachrichten, die er aus Deutschland bekam, las. Die Reise  musste verschoben werden, weil zwei der Wölfe eventuell vergiftet worden waren? Wie konnte das geschehen? Und was würden Otto und die anderen nun machen? Wichtig wäre es, dass keine öffentliche Aufmerksamkeit erregt würde. Hoffentlich machten die keine Fehler da unten im Süden.

Aber was Gunnar noch zusätzlich belastete war die Ernährung aller. Niemand hatte bedacht, dass ein Jahr im Mittelalter den Stoffwechsel aller verändern würde und dass die Mittelaltermenschen auf die Veränderung so stark reagieren würden. Alle hatten Kreislaufprobleme bekommen. Einmal zu hoher Blutdruck, mal war er sehr nieder. Bei Claus von Olsen wurde festgestellt, dass er nun zusätzlich noch Probleme mit seiner Bauchspeicheldrüse hatte. Ob das im Zusammenhang mit der Gallenkolik zu sehen war, konnte niemand sagen. Weitere Untersuchungen waren notwendig. Nur Merits Gesundheitszustand besserte sich sehr schnell. Mathias kümmerte sich als ihr Ehemann fürsorglich um sie. Offensichtlich war diese Art der Fürsorge ein Heilungskatalysator, den man nicht unterschätzen sollte. Als das in der Führungsrunde, die täglich nach dem Frühstück stattfand, thematisiert wurde, suchten alle nach einer Lösung für dieses Thema. Der leitende Arzt Dr. Reiner Grundmann, ein ehemaliger Oberstabsarzt der Bundeswehr, berichtete aus seiner Einsatzzeit im Hindukusch, dass sie große Heilerfolge bei einheimischen Kranken hatten, wenn vertraute Familienangehörige einen Teil der Pflege übernahmen. Selten waren es Männer, die die Pflege übernahmen, wenn das aber der Fall war, wurden Kinder und Frauen schneller gesund, als man diagnostiziert hatte. Frauen waren vor allem bei den Kindern ein guter Heiler, aber manches Mal war die Überfürsorglichkeit der Mütter sogar hinderlich. Er hatte darüber auch einen Artikel geschrieben, der wurde aber nicht veröffentlicht. Wegen der Ernährung empfahl die Medizinerin für Stoffwechselerkrankungen, dass man Sauerteigbrot aus Gerste und Dinkel machen sollte. Zudem kein Schweinefleisch, sondern Geflügel, Fisch und wenn möglich Wildfleisch, wie Hirsch oder auch Wildschwein. Meiden sollten sie alle Schweinefleisch. Sie vermutete, dass die Pilzerkrankungen durch die Ernährung begünstigt wurden. Mit Medikamenten wollte sie noch keine Behandlung starten, eher über Hygienemaßnahmen wie das Waschen mit Seife, die keine Parfüme enthielten und deren Hauptbestandteile aus Schafsmilch oder Olivenöl waren. Niemand wusste, wie man nach einem Jahr im Mittelalter auf Antibiotika reagieren würde, dazu waren die Blutuntersuchungen noch nicht weit genug abgeschlossen und weiteres musste noch abgeklärt werden. 


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