Kapitel 21

großer 18. Januar 1216 in der Nähe von Göttingen, am frühen Morgen

 

Otto hatte mit seinen Begleitern zum ersten Mal seit langem sehr komfortabel nächtigen können. Der Raum, den ihnen der Gutsherr zur Verfügung gestellt hatte, war groß genug und sehr gut ausgestattet, dass alle in ihm auf Betten schlafen konnten. Keiner störte sich daran, dass Männer, Frauen und Kinder in einem Raum nächtigten. Als Heinrich und Otto bei Morgengrauen aufwachten, schliefen alle anderen noch tief und fest. Leise schlichen sie sich aus dem Raum hinaus, zogen sich ihre Wämse vor der Tür an und gingen in das Pferdegehege hinunter, das teilweise überdacht war. Alle Pferde waren bestens versorgt, jemand hatte sogar ihre Hufen gereinigt und ein paar wunde Stellen, die durch die Sättel verursacht wurden, waren auch schon behandelt worden. Ihr Wagen stand etwas abseits, gut geschützt vor den Blicken von Fremden, sollten welche in den Hof des Gutes kommen.

"Riechst du das auch? Es duftet herrlich nach frischem Brot und heißen Würzwein."

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Kapitel 20

13. Januar 1216 Nordheim um die Mittagszeit

Heinrich, der Vogt und Otto hatten sich in das Amtszimmer zurückgezogen. Meister Zange war bei den drei Gefangenen geblieben. Man wartete, was der Knecht des Vogts für Dokumente, Schriftstücke oder anderes aus dem Quartier der drei Einbrecher mitbringen würde. Kaum war um die Mittagszeit das Geläut der Kirche verklungen, wurde ein Mann in die Stube geführt. Als er die Kappe vom Kopf zog, erkannte der Vogt ihn und stand auf. "Berthold, wo kommst du her? Ich dachte du bist noch in Gandersheim, um mit dem Bauherrn zu verhandeln. Wird es nichts mit den Holzlieferungen im Frühjahr?" Berthold schüttelte den Kopf. "Nein Herr, das ist nicht der Grund, warum ich hier bin. Gestern Abend kamen Reiter aus Braunschweig nach Gandersheim. Sie sind auf der Suche nach einem Herrn von Blau und einem Otto von Kraz. Die sollen zehn Reiter aus Hildesheim verschleppt oder gar ermordet haben. Und die hätten noch eine Magd des Bischofs entführt. In Gandersheim haben sie erfahren, dass Otto von Kraz hierher nach Nordheim unterwegs ist. Und nun wartet man noch auf Reiter aus Hildesheim. Bisher sind es fünfzehn Kriegsknechte und es werden sicher mehr werden. Der Braunschweiger sieht mal wieder einen Anlass, sich Goslar und Nordheims ganz zu bemächtigen und alle Staufer Freunde zu vertreiben."

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Kapitel 19

14. Januar 1216 später Nachmittag in Brendas Dorf

 

Cristina holte tief Luft und versuchte sich zu fassen. Namenlos nahm sie an der Hand und führte sie zu einer Bank nahe dem kalten Kamin und setzte sie dort hin. Peter drehte sich dorthin um und wartete, dass das Mädchen endlich zu sprechen begann.

"Ich bin sechzehn Jahre alt, oder besser, das werde ich in fünf Tagen. Geboren wurde ich bei Lorch in einem der großen Lagerhäuser des Klosters. Mein Vater und meine Mutter waren vor meiner Geburt gezwungen dort zu bleiben, denn der Winter war sehr kalt und mein Vater wollte nicht, dass meine Mutter auf dem beschwerlichen Weg ins Bärental die Wehen bekommen sollte. Mein Vater hatte mir erzählt, dass er zum Hofe der Staufer gerufen worden war, um neue Aufträge seines Herrn entgegen zu nehmen. Und meine Mutter war mit ihm gezogen, da ihre Schwester in der Nähe einen Ritter geheiratet hatte und dort auf einer Burg, den Namen habe ich vergessen, lebte. Die Gespräche mit den Staufern und meinem Vater dauerten sehr lange und so mussten sie dort lange verweilen. In einem der Lagerhäuser, die man als Herbergen umgebaut hatte, wurde ich geboren und natürlich auch mein Bruder. Das Bärental liegt am Neckar in einem der Seitentäler nahe dem Stutengarten, das dem Markgrafen von Baden gehört. Das Bärental gehört zum Staufischen Gebiet. Es gibt dort zwei Linien der Bärentaler. Die eine, also die meines Vaters, sind die von Bärentaler und die anderen die von und zu Bärental. Das „zu“ haben die sich gegeben, damit sie von den anderen Bärentalern unterschieden werden konnten und weil sie alle Wegerechte im Bärental und bis zum Neckartal besitzen. Es gibt dort keine Bären, aber zwei Felsen, die aussehen wie stehende Bären und weil einer der Vorfahren stark wie ein Bär gewesen sein soll. Vater übernahm immer wieder Dienste und wurde dafür immer reichlich belohnt. Er bekam Weinberge und ein Dorf, das genau an der Grenze zu den Badenern liegt. Das durfte er befestigen und hat dort auch eine kleine Burg angelegt. Unser bescheidener Reichtum kam von den Erträgen der Weinberge, der Fischerei im Neckar und vom Holz der Wälder. Und Vater hat sich auch gut mit den Deutschen Rittern des Ordens verstanden. Immer wieder kamen Ritter des Ordens zu uns und in einem der Lagerräume hinterließen sie Truhen, die dann von anderen Rittern des Ordens geholt wurden. Die beiden Bärental Familien lebten in Eintracht miteinander und zwei der Söhne des von und zu Bärentalers gingen zu den Ordensrittern.

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Kapitel 18

13. Januar 1216 - Nordheim kurz nach Mitternacht

 

Lorentz Schrei war kaum verklungen, da wollte Christian schon aufspringen, als er etwas Kaltes und Spitzes an seinem Hals spürte. Auch Lorentz konnte nicht bewegen, denn jemand hatte sich auf ihn gesetzt und drückte seine Kehle zu. Es war wieder ruhig - bis auf den Hund, der irgendwo in der Dunkelheit brummte und manchmal auch winselte. "Ruhig ihr beiden, wenn einer nur einen Laut von sich gibt, schneiden wir euch beiden die Kehle durch." Das war die Stimme eines Mannes, der irgendwo in der Dunkelheit war. Die beiden Jungen spürten, dass der, der auf Lorentz saß, den Dolch an die Kehle von Christian drückte. "Bodo bring den Köter zum Schweigen." - "Ich kann nicht, ich muss das Netz mit beiden Händen festhalten, sonst springt das Vieh raus. Seine Zähne habe ich schon zu spüren bekommen. Sichere ihn ab, lange kann ich das Netz nicht mehr festhalten." Die Stimme klang angestrengt und nervös und kam irgendwo vom Tor zur Scheune her. Christian konnte sehen, dass ein Schatten ins Mondlicht trat, das durch das geöffnete Scheunentor leuchtete. "Ich komme und dann müssen wir uns beeilen. Sichel bring die Jungs zum Schweigen und komme dann rüber zu mir." Lorentz kapierte, der Mann der auf ihm saß war Sichel.

 

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Kapitel 17

15. Januar 1216 Blauzahnsiedlung im Morgengrauen

 

Nach dem Vorfall vom Tage vorher beschloss man, Tag und Nacht eine bewaffnete Wache im Torhaus aufzustellen und alle Tore vorläufig geschlossen zu halten. Lars schickte Boten zum Gutshof und zur Bucht, um alle zu warnen, dass entweder jemand aus Visby oder einfach Räuber unterwegs waren. Er und Jan Sternenkenner ritten dann nach Visby. Sie wollten prüfen, ob jemand diese Wegelagerer kannte oder ob sogar jemand diese Leute ausgeschickt hatte.

 

Schon kurz vor Visby begegneten sie einigen Kaufleuten, die gut bewaffnet auf dem Weg nach Väskinde waren. Dort hatten sie Stallungen für Schafe und auch Handelswaren gelagert. Sie hatten gehört, dass sich marodierende Söldner auf der Insel befinden würden. Sie sollten zuerst die Ostküste und nun die Westküste etwas nördlich von Visby unsicher machen. Gestern seien ihnen ein paar Reiter ohne Hosen weit außerhalb von Visby gemeldet worden. Nach dem was man bisher wisse, seien es zwei Langboote mit Söldnern. Sie lagerten wahrscheinlich in der Bucht von Slite. Pferde und Lebensmittel waren ihnen durch ihre Raubzüge an der Küste in die Hände gefallen.

 

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Kapitel 16

5. Januar 1216 in einer Ruine bei Gandersheim

 

Sie hatten alle gut geschlafen. Die Glieder waren wohl etwas steif, aber immerhin hatte keiner irgendwelchen Schaden davon getragen, obwohl sie im Freien übernachtet hatten. Die vielen Umgänge, Pferdedecken und Felle, die sie bei den Söldnern erbeutet hatten, waren sehr nützlich gewesen. Lorentz war gemeinsam mit Heinrich der Erste der aufgestanden war. Er suchte Feuerholz zusammen, während Heinrich sich umschaute, ob irgendwelche Menschen oder Behausungen in der Nähe waren. Er fand nichts und er sah auch ihre Spuren, die sie hinterlassen hatten, nicht. Das war gut so. Trotzdem alles Holz leicht feucht war, konnte Lorentz ein ordentliches Feuer entfachen und als Heinrich von seinem Rundgang zurückkam, saßen alle um das Feuer herum und wärmten sich.

 

Alle kauten an etwas Dörrobst oder einem harten Kanten Brot herum. Keiner wollte von dem getrockneten Fleisch oder von dem geräucherten Schinken essen. Der 5. Januar war zwar ein Dienstag, aber keiner hatte Lust auf Fleisch, es lag wahrscheinlich daran, dass der kalte Leichnam des Herrn von Blau keine sechs Schritte von ihnen in einer Ecke lag. Man hatte ihn mit der Decke seines Rosses bedeckt, das auch sein Wappen trug.

 

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Kapitel 15

14. Januar 1216 Blauzahnsiedlung

 

Peter von und zu Bärental war nun schon einige Zeit weg und soweit es möglich war, wareen alle Neuankömmlinge gut versorgt verteilt worden. Da Mathias von seiner Reise mehr als genug neue Vorräte mitgebracht hatte, war keiner vom Hunger bedroht. Was allen Sorge bereitete, war der Frost, der nun zunahm. Das Wasser im Bach und im Brunnen war gefroren und man musste das Eis mit Beilen aus dem Bachbett schlagen und auftauen. Da sie immer noch nicht genug Brennholz hatten, wurden die Bottiche mit dem Eis in die große Halle gestellt und man wartete, dass das Eis schmolz. Die große Halle war der Ort, der beheizt wurde, alle anderen Räume mussten ohne Feuerkelche oder Kaminfeuer auskommen.

 

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