Band 4 - Kapitel 15

28. Februar 2017 Vormittags Blauzahnsiedlung auf Gotland

Malte Sorensen und Sigrid Larsson hatte man in zwei Räumen der Securitymannschaft untergebracht. Lars und Gunnar hatten am Abend noch mit Malte Kahn gesprochen und sie hatten mit Nachdruck auf die beiden Journalisten eingewirkt, dass sie ein Dokument unterschreiben würden, dass sie sich freiwillig in die Obhut der Blauzahnsiedler begeben hatten. Dort wurden sie zuerst von einem der Ärzte aus der medizinischen Abteilung versorgt, verköstigt und dann in ihre Räume gebracht.

 

Am nächsten Morgen bat Lars und Gunnar sie zu einem Gespräch. Zuerst wurden sie mit sehr vielen unfreundlichen Worten von Sorensen überschüttet und das endete erst, als Lars mit der flachen Hand mit aller Kraft auf den Tisch schlug, der zwischen ihnen stand - dann war Ruhe. Gunnar legte einige Dokumente zwischen sie und ließ Malte und auch Sigrid lesen, was auf den Papieren stand. Kopien richterlicher Verfügungen gegen Malte sowie die notariell beglaubigte Abschrift einer Übereinkunft zwischen Sorensen und Larson, dass dieser nie wieder persönlich noch journalistisch Recherchen anstellen würde, die Gunnar Larson und seine Firmen betrafen. Ebenfalls war eine von beiden unterschriebene Gesprächsnotiz dabei, in der Gunnar Malte den Vorwurf machte, eine Sechzehnjährige in Stockholm sexuell genötigt zu haben. Malte bestätigte in der Gesprächsnotiz, dass er sich bei dem Mädchen entschuldigen würde und ein Schmerzensgeld von zweitausend Euro an sie zahlen würde. Bilder von der Entschuldigung und die Überweisung auf das Konto des Mädchens lagen dabei. Dass die Sechzehnjährige bewusst ihr Alter falsch angegeben hatte, als es zum Sex mit ihr kam, war uninteressant. Sie hatte damit freiwillig auf eine Anzeige verzichtet. Mit den Verfügungen, dcder Zahlung von einigen zehntausend Euro und diesem Vorfall mit dem Mädchen war Gunnar den Journalisten los geworden. Jetzt lag der Fall anders. Nun hatte sich der Mann strafbar gemacht und Lars und Gunnar versuchten nun, den Mann dazu zu bringen, ihnen zu erzählen, wer denn der Auftraggeber der Recherchen war. Sigrid wusste von diesen Vorfällen nichts, die hier dargelegt wurden und war nun schon auf Distanz zu Malte gebracht wurden. Sie wollte auf keinen Fall in eine Straftat verwickelt werden. Als Gunnar das verstand, durfte sie den Raum verlassen und wurde in die Obhut von Melanie und Sylvia übergeben. 

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Band 4 - Kapitel 14

27. Januar 2017 Nachmittag auf Nordstrand

 

Sophia, Will mit dem Herrn Grafen und Pet gingen weiter, ohne die wartenden Reporter, ihre Fragen oder die Kameras zu beachten. Kam ihnen jemand näher als zwei Meter, setzte sich der große Vierbeiner dafür ein, dass der Abstand gewahrt blieb, der durch die Länge seiner Leine vorgegeben war. Als sie auf der Höhe des Polizeiautos waren, klopfte Pet an die Scheibe der Fahrertüre. Der Polizeibeamte öffnete das Fenster und fragte Pet, was er denn von ihm wolle. Nicht die übliche Höflichkeitsfloskel, mit was man dienen könne oder ob man Hilfe benötigte. Nein der Ton war sehr unhöflich und abweisend. "Ich dachte ich kann Ihnen helfen, da sie hier stehen und sich nicht wegbewegen oder in Aktion treten." gab Pet zur Antwort. Als die Pressemeute nun Fotos machten, wie Pet und die anderen Blauzahnleute neben dem Polizeiauto standen, zog der Fahrer des Polizeiautos seine Mütze tiefer ins Gesicht, startete den Motor und fuhr an. Die Reifen schleuderten Pet und auch einem Teil der Journalisten Schneematsch in die Gesichter und auf die Kleidung. Sprachlos über dieses Verhalten von ein paar Ordnungshütern reinigte man sich von dem nassen Schmutz. "Das war kein richtige Polizeiauto. Habt ihr das Nummernschild angeschaut? Da hat jemand sehr dilettantisch mit Farbe oder schwarzem Isolierband versucht ein Polizeikennzeichen nachzumachen." Pet drehte sich um, schaute den an, der das gerade gesagt hatte an. "Hat jemand ein Foto von dem Wagen gemacht? Dann kann man das ja mal überprüfen, ob das ein gefälschtes Nummernschild war. Und nun habe ich eine Bitte an Sie alle. Wir wollen in Ruhe und ohne Belästigung spazieren gehen. Ist es möglich, dass sie uns nun in Ruhe lassen? Wir stehen Ihnen morgen ab 11.00 Uhr gerne zur Verfügung. Hier draußen, nicht bei uns drinnen und schon gar nicht jetzt." Damit wandten sich die drei mit dem Herrn Grafen ab und gingen Richtung Deich weiter. Untypisch für Journalisten verfolgte sie in dem Moment keiner. Man hörte noch ein paar Mal das Klicken von Fotoapparaten und dann war Ruhe.

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Band 4 - Kapitel 13

27. Januar 2017 im Wald auf Gotland

Marc sah lange nichts. Er hörte nur die Stimmen der Frauen. Melanies und Sylvias Stimmen erkannte er, aber die dritte Stimme, die sehr laut und etwas schrill klang, war ihm unbekannt. Es dauerte lange bis er endlich die drei Frauen sehen konnte. Sylvia lehnte an einem Baum und wie es aus der Entfernung aussah, von der aus Marc sie sehen konnte, blutete sie aus einer Wunde am Kopf. Melanie kämpfte mit der fremden Frau. Es sah aber nicht frauentypisch aus, wie die beiden sich attackierten. Mit geballten Fäusten und mit Fußtritten fighteten sie miteinander. Marc rannte auf die beiden zu. Fast hatte er sie erreicht, als Melanie mit einem gut gezielten Faustschlag ans Kinn der Unbekannten diese zu Boden schlug. Etwas außer Atem, die Hände auf die Knie gestützte, stand Melanie da. "Du kommst spät. Hier gibt nichts mehr für dich zu tun!" hauchte sie kraftlos heraus. Marc schaute die Frau, die auf dem Boden lag, an. Sie hatte die Augen geschlossen, atmete heftig und hatte eine Hand auf das Kinn gelegt. 

"Was ist mit dir passiert." fragte Marc Sylvia. "Sie hat mir mit ihrem Fotoapparat eins übergezogen. Dieses Teleobjektiv ist verdammt hart." antwortete sie. Marc schaute sich nach der Kamera um. Sie lag einige Meter weiter hinter Sylvia im Schnee.

Unter normalen Umständen würde eine Frau wie Sylvia bei den Verletzungen sich den Kopf halten und jammern oder sogar weinerlich bei ihm oder bei Melanie die aufgeschlagenen Hände beklagen. Aber nichts dergleichen geschah. Beide waren gefasst, zwar immer noch etwas außer Atem, aber keine zeigte Gefühle, die auf Schmerz hindeuteten. Nur die Frau auf dem Boden fing nun an zu stöhnen. Marc packte die Frau an ihrer Jacke und zerrte sie hoch. "Wer sind Sie und warum verfolgen sie Gunnar Larson?" Zuerst hing sie noch wie ein nasser Sack an Marcs Armen, aber langsam versteiften sich ihre Muskeln und sie konnte mit seiner Hilfe stehen. "Wer sind Sie und warum verprügeln sie mich? Ich habe nichts Unrechtes getan." Marc wurde ungeduldig und Melanie stand nun aufrecht neben ihm und zeigte auch, dass sie ungehalten war. Sie meinte, dass diese Frau noch mal etwas Körperkontakt brauchte, damit es ihr leichter fiele, Antworten zu geben. Aber da begann die Unbekannte zu reden. "Mein Name ist Sigrid Larsson. Mit zwei s bitte. Ich bin Fotografin und Malte Sorensen hat mich engagiert, damit ich für ihn Fotos für eine Reportage über den geheimnisvollen Gunnar Larson mache, der Larson mit nur einem s. Wir haben gestern damit angefangen, uns vor der Blauzahnsiedlung herumzutreiben. Und als wir einen Tipp bekamen, dass es ein Flugzeugunglück mit eine paar Mitarbeitern aus der Blauzahnsiedlung gegeben haben soll, witterte Malte eine große Story. Die Bezahlung, die mir Malte in Aussicht gestellt hat, war gut. Der Vorschuss, den ich bisher bekommen habe, auch. Und jetzt lassen Sie mich los, ich will gehen. Sie haben mir ordentlich eins verpasst und mein Kopf brummt." 


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Band 4 - Kapitel 12

27. Januar 2017 auf Nordstrand

 

Sasha und Mathias hatten sich schnell in der Kommune eingelebt, Pet nannte das so, nachdem Sophia und er eine Nacht unbeschadet zusammen verbracht hatten. Unbeschadet, da Sophia schon weg war, als Pet aufwachte und es außer einem gehauchten Abschiedskuss, den Pet verschlafen hatte, keinen weiteren Austausch von Zärtlichkeit gegeben hatte.

 

An diesem Morgen saßen alle nach dem Frühstück zusammen und es entwickelte sich eine lockere Stimmung untereinander. Bertram und Mathias verstanden sich sofort sehr gut. Beide waren an einem ständigen Meinungsaustausch interessiert und man hatte das Gefühl, dass alle anderen um sie herum nur eine Statistenrolle zu spielen hatten. Pet, Sophia und Frida räumten den Tisch ab und machten Ordnung in der Küche. "Seid ihr beide ein Paar? Seid ihr zusammen?" fragte Frida auf einmal. Pet und Sophia schauten sich an. Beide zuckten nur mit den Schultern, denn sie wussten es doch selbst nicht, wie ihre Beziehung zueinander war. "Wie kommst du drauf, dass wir ein Paar sein könnten?" fragte Sophia in einem bewusst sehr sachlichen Ton. Sie wollte auf gar keinen Fall, dass man aus dem Gesagten oder dieser Frage erkennen konnte, was sie fühlte oder auch dachte. Frida lachte auf. "Für wie dumm haltet ihr mich eigentlich oder auch die anderen. Ihr geht sehr höflich, sogar etwas ängstlich miteinander um. Weicht euch aus und sucht euch doch ständig. Ich komme aus dem Mittelalter, da nannte man diese Art der Liebesbezeugung Minnen. Ich habe das gestern Abend noch Mathias gefragt. Was bedeutet Minne in eurer Sprache? Verehrende, dienende Liebe eines Rittern von adliger Abstammung, meist zu einer verheirateten Frau oder einer Frau eines höheren Standes oder einer Dame, die man nicht erreichen konnte. Also zu einer Frau, wo man seine Liebe nicht hinbringen konnte. Ich hoffe, dass ich das so richtig gesagt habe. Wobei ich nicht glaube, dass Sophia zu einem anderen Stand gehört. Ob ihr mit jemandem anderen verheiratet seid, weiß ich nicht, aber ihr versteht euch einfach sehr gut." 

 

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Band 4 - Kapitel 11

26. Januar 2017 Blauzahnsiedlung auf Gotland

 

Nachdem die Behörden aus Schweden und Deutschland trotz intensiver Suche nach der verschwundenen Maschine bisher nichts vermelden konnten, was auf den Verbleib seiner drei Mitarbeiter und der Crew hindeutete, machte sich Gunnar Gedanken darüber, was er unternehmen konnte. Was würde zur Aufklärung dienen, was musste man unternehmen, um festzustellen, was passiert war? Erik, Lars, Birgit und Malte Krahn waren der Meinung, dass es vielleicht sinnvoll wäre, mit einem Boot oder einer größeren Motorjacht sich selbst auf die Suche zu machen. Die Wetterverhältnisse hatten sich etwas gebessert und so konnten sie ohne Gefahr die Suche aufnehmen. Sie hatten die Informationen von der Flugsicherung erhalten, wo das Flugzeug vom Radarschirm verschwunden war.

 

Tammi Bernstein hatte sich alle Daten besorgt, die den Flug, die Funksprüche, des Flugzeuges und der Mannschaft enthielten. Die Frau versuchte, den Flug, die Wetterdaten und das Ausweichmanöver als erstes zu untersuchen. Ihr Wissen um Flüge und Flugzeuge waren nicht so groß, sodass sie keine klare Analyse erstellen konnte. Gunnar hatte aus seinem anderen Leben, in dem er Unternehmer und Forscher war, noch Kontakte zu einem Freund, der jahrelange eine kleine Fluglinie besaß. Er hatte eine kleine Frachtmaschine und zwei Helikopter, mit der er Frachtflüge auf Inseln machte. Einige Male bekam er auch Aufträge für die Versorgung von Bohrinseln. Nur das hätte er besser nicht getan, denn hier herrschte ein gnadenloser Verdrängungswettbewerb und man sabotierte schon nach dem vierten Auftrag zuerst seine Helikopter, damit er die Aufträge nicht durchführen konnte und dann wurden er und seine Piloten das Ziel von üblen körperlichen Attacken. Finanziell war er dann sehr schnell ruiniert und so zog er sich zwangsweise aus dem Geschäft zurück. Gunnar gab ihm dann eine Anstellung in einem seiner Betriebe, wo er sich um die Logistik kümmerte. Leider war der Mann so desillusioniert, dass er mehr trank als er vertragen konnte und bald nicht mehr arbeitsfähig war. Markus Malstrom, der Mann, um den es hier ging, war inzwischen wieder trocken und fit und lebte als Fremdenführer auf Gotland. Er organisierte Anglertouren und kleinere Seereisen zwischen den Inseln für Touristen. Gunnar kontaktierte ihn und bat ihn um eine Gespräch. Er wohnte in einem Fischerdorf keine dreißig Kilometer von Visby entfernt, dort sollte das Gespräch stattfinden.

 

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Band 4 - Kapitel 10

 

23. Januar 2017 Nordstrand im Ferienhaus des Gunnar Larson

 

Alle hatten die wenige Freizeit genutzt, um sich in dem renovierten Ferienhaus auf Nordstrand etwas wohnlich einzurichten. Am frühen Morgen war Will losgezogen, um in einem Baumarkt bei Husum die Sichtschutzeinzäunungen zu besorgen. Um den beiden Hunde, oder besser gesagt dem Herrn Graf und dem Wolf, den alle inzwischen Heuler nannten, einen gesicherten Auslauf im Garten zu gewährleisten. Umzäunt war das Grundstück bereits komplett, aber es gab einige Stellen, wo die alte Steinmauer nicht hoch genug war oder das Gebüsch nicht dicht genug, sodass man immer noch gut auf die Wiese hinter dem Haus sehen konnte. 

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Band 4 - Kapitel 9

21. Januar 2017 8.30 Uhr Gotland, Blauzahnsiedlung

 

Bisher schien alles gut gelaufen zu sein. Die Nachrichten von Nordstrand waren gut und nun wollten sich alle wieder auf das Hier und Jetzt konzentrieren. Otto hatte ihnen aus Waiblingen noch einige verschlüsselte Informationen geschickt, in denen er darauf hinwies, dass die Briefe, die er von Peter dem Bärentaler erhalten hatte, nicht immer identisch mit denen waren, soweit wie er sich daran erinnern konnte, die er nun hier im Jahre 2017 vorliegen hatte. Offensichtlich waren welche in fremde Hände gefallen und verändert worden. Nichts unbedingt Gravierendes, aber doch es fehlten Passagen am Ende von Briefe oder gar komplette Seiten. Oder wurde es durch die Jahrhunderte verändert? Seit seiner Reise durch die Jahrhunderte glaubte selbst ein Physiker an Dinge, die man nicht berechnen oder nachweisen konnte.

 

Gunnar hatte diese Informationen gelesen, konnte aber nichts damit anfangen, da Otto nicht konkret mitteilte, was denn fehlte oder was eventuell verändert wurde. War es nur dessen Bauchgefühl, hatte er vielleicht Erinnerungslücken oder korrigierte die Zeit seine Erinnerungen? Er würde ihn bitten müssen, seinen Verdacht zu begründen. Aber Gunnar hatte eine andere Möglichkeit, um das zu prüfen. Pet Bär, der Bärentaler aus dem Mittelalter, war ja ganz in seiner Nähe. Also sollte Otto ihm die Berichte  und Briefe schicken und mit Kommentaren versehen, wo Verdachtsmomente der Manipulation bestanden. Gunnar unterließ es aber bewusst, Pet Bär jetzt darüber schon zu informieren. Der sollte mit diesen Schriftstücken spontan konfrontiert werden.

 

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