Kapitel 33

15. März 1216  Michelstadt

 

Sie hatten lange gebraucht, um Michelstadt zu erreichen. Die Schneeschmelze und die schlecht ausgebauten Wege hatten sie alle sehr viel Kraft gekostet. Gregors Antrag an Frida von Blau war bisher von ihr unbeantwortet geblieben und so war die Reise nicht ohne Spannung verlaufen. Gregor brütete ständig vor sich hin und Frida kümmerte sich zu heftig und intensiv um die Kinder der Constanze. Heinrich und Otto versuchten, das alles zu ignorieren, aber immer wieder wurden sie von Lorentz darauf angesprochen, warum denn Frida dem armen Gregor keine Antwort geben wolle? Und dann hatten sie immer wieder in den Dörfern und kleinen Flecken, wo sie sich aufhalten mussten, Problem bekommen, weil die ihnen immer noch folgenden Wölfe Angst und Schrecken verbreiteten. In einem kleinen Dorf wurden sie als Hexen und Zauberer bezeichnet und zogen deshalb schnell weiter.

 

Die Reise war beschwerlich gewesen und nun mussten sie eine längere Pause einlegen, denn die Wege waren unpassierbar geworden. Regen und Frost wechselten sich ab. In einer Herberge am Rande der kleinen Stadt fanden sie Unterkunft. Die Herberge hatte genügend freie Betten, denn wer reiste zu dieser Jahreszeit schon durchs Land? Selbst die Wölfe fanden Unterschlupf. In einer kleinen Höhle, deren Eingang mit einem einfachen Holzgatter abgesichert war, durften sie bleiben. Der Eingang der Höhle grenzte an den Stall der Herberge, wo Lorentz und der Herr Graf nächtigen durften. Für eine wenig Gold oder Silber war zu dieser Zeit alles zu haben.

 

mehr lesen

Kapitel 32

6. März 1216 Blauzahnsiedlung

Ein Reiter war am Morgen aus Visby gekommen. Man habe inzwischen fast dreihundertdreißig Kämpfer sammeln können. Aber man hoffte, dass es noch ein paar mehr werden, da die Bauern und Fischer aus dem Süden der Insel noch keine Nachrichten gesendet hatten. Von den Seeleuten, von den Bauern, aus der Stadt und bei den Königlichen sowie der Stadtwache wurden schon die Waffen bereitgemacht. Man richtete den Blauzahnleuten aus, dass man sich am 20. März sammeln wolle. Ein Priester würde auch da sein und alle segnen, wer das wolle. Verpflegung und Waffen musste jeder selbst mitbringen. Man habe inzwischen über einige Kundschafter herausgefunden, dass die Seeräuber einen Angriff über See und an Land auf Visby planen würden. Drei Langboote würden über See kommen und die Landstreitmacht solle aus über vierhundert Kämpfern bestehen. 

mehr lesen

Kapitel 31

5. März 1216 später Nachmittag in einer Wachstube

 

Heinrich und Gregor wurden ungeduldig. Sie wollten noch vor Tagesende wieder in ihrer Herberge zurück sein. Nun war es aber sicher, dass sie das nicht schaffen würden. Und es wurde kalt in der Stube.

 

Die Magd, die ihnen etwas zu trinken gebracht hatte, kam mit einer Öllampe und mit einer Fackel. Es wurde etwas heller in dem Raum. "Die Herren sind gerade in den Hof eingezogen, es wird nicht mehr lange dauern." Es klang entschuldigend was sie da sagte. Und tatsächlich wurde kurz darauf die Tür geöffnet, Vogt Albrecht kam herein und hinter ihm trat ein Mann in prächtigen Gewändern ebenfalls in den Raum. Heinrich schaute kurz auf, sprang erschrocken von seinem Stuhl und starte den Neuankömmling an.

 

"Ja mein lieber Vetter Heinrich, ich bin es. Ich habe das Fieber überlebt, das mich in Brindisi heimgesucht hat. Lege deine Waffen ab und lass uns in den Armen liegen. Ich bin jetzt päpstlicher Legat, aber immer noch dein Vetter und da wir wie Brüder aufgewachsen sind, lass uns wie zwei liebende Brüder handeln." Heinrich legte sein Schwert und den Morgenstern in eine Ecke und dann lagen sich die beiden in den Armen. Lange, still und kräftig umarmten sie sich. Erst als Gregor sich etwas nervös zu räuspern begann, lösten sich die beiden voneinander.

 

Heinrich stellte Gregor seinem Vetter vor. "Lieber Heinrich, ich weiß wer dieser Mann ist. Die Kirche weiß alles." Etwas verlegen stellte er dann Gregor den Päpstlichen Legaten vor. "Das ist mein Vetter, Conrad von Olsen. Wir waren auf dem Weg ins Heilige Land, als er das Fieber bekam. Ich musste ihn in der Obhut von einigen Mönchen zurücklassen, als er das krank wurde, sonst hätte ich mein Schiff für die Überfahrt nicht mehr erreicht. Und nun steht er vor mir. Er lebt und ist in prächtige Gewänder gekleidet." Ein Page trat ein und brachte Becher, einen Krug mit Wein und kalten Braten mit Käse und Brot. Conrad setzte sich an den Tisch. "Lasst uns etwas essen und reden. Zuerst das, was dich hierher geführt hat und dann was uns beide berührt." Der Page bediente schweigend, während eine Magd einen Feuerkorb mit etwas Glut herein brachte und dann Holz auflegte. Dann wurden Kerzen hereingebracht. Der bisher karge Raum erglänzte in einem Schein, der ihm bisher wohl nicht zuteil wurde. Der Vogt Albrecht zog sich schweigend zurück und damit waren bis auf den Pagen keine Diener oder andere Bedienstete mehr im Raum.

 

mehr lesen

Kapitel 30

2. März 1216 Visby

Mathias klopfte an die Seitentür der Kirche und nach wenigen Augenblicken wurde die Tür geöffnet. Er trat ein und hinter ihm wurde die Tür wieder verschlossen. Sverin, einer der Kirchdiener, hatte ihm geöffnet. Er wusste sofort, warum Mathias hier war und führte ihn wortlos hinter den Altar, wo der Bürgermeister auf den Knien saß und vor sich hin starrte. Mathias sprach in an, bekam aber keine Antwort. Erst als er ihn an der Schulter berührte, schrak der Mann zusammen und blickte ihn an. "Was soll ich tun. Nun ist alles vorbei und zu Ende. Meine Kinder werden sterben, weil ich sie nicht beschützen konnte. Ich bin ein mutiger Mann, aber das konnte ich nicht mit meiner Kraft, Reichtum oder Klugheit regeln. Sie haben meine Kinder. Ich darf nicht mit dem Boten des Königs reden. Wenn die mich mit ihm sehen, werden sie mein Kinder ...!"

mehr lesen

Kapitel 29

26. Februar 1216 Kloster Schlüchtern

 

Ottos Reisegruppe wurden im Kloster freundlich aufgenommen, aber der Verwalter machte sie schon am Tor darauf aufmerksam, dass sie nicht lange bleiben könnten, da man eine weitere Reisegruppe erwartete - aus Würzburg. Otto I von Lobdeburg, Bischof von Würzburg, war angekündigt worden. Das Kloster war den Staufern treu, aber beim Bischof war das nicht sicher. Er hatte vor sechs Jahren erst auf die Seite der Staufer gewechselt, man war sich aber bei diesem Mann nie sicher. Er war nicht unbedingt nur ein Mann Gottes, sondern auch ein machtbesessener Politiker im Habit eines Bischofs. Es war besser, wenn sie ihm nicht begegneten. Also reisten sie am kommenden Tage weiter nach Aschaffenburg. Die Schneeschmelze hatte noch nicht richtig eingesetzt und so kamen sie gut voran. Sie erreichten die Stadt nach vier Tagen ohne Verzögerung, allerdings war diese Strecke für sie selbst und die Pferde sehr anstrengend und so suchten sie sich eine Herberge, wo sie mindestens vier oder gar fünf Tage ausruhen konnten. Sie fanden eine etwas außerhalb der Stadt, wo sie alle unterkommen konnten. Für die Frauen hatte man eine Kammer und für die Männer gab es eine große Kammer beim Pferdestall. Zur Sicherheit schlief einer immer bei den Pferden und einer war Lorentz.

 

mehr lesen

Kapitel 28

Kloster Fulda 21.Februar 1216

 

Der Abt bat alle zur Frühmesse und danach sollten sich alle zu einem frühen Mahl im Refektorium treffen. Selbst die Frauen und Lorentz durften teilnehmen. Man hatte ihnen etwas abseits einen Tisch und eine Bank mit Blick auf den Abt hingestellt, man hatte sie allerdings dazu verpflichtet zu schweigen, selbst die Gebete sollten sie nur murmeln, damit keiner der Klosterbrüder ihre Stimmen hören konnte.

Nach dem Mahl, das für diesen Tag außergewöhnlich üppig war, bat der Abt um Ruhe. Er verkündete, dass Engelbert von Berg zum neuen Erzbischof von Köln ernannt werden sollte. Der war während des Thron-Streites 1210 neutral geblieben, war weder dem Welfen noch dem Staufer zugetan. Was ihn für den Abt von Fulda zu einem unsicheren Mitstreiter für die Sache Christi machte. Zudem hatte er 1212 bereits mit einigen seiner Verwandten für sechzig Tage am Albigenserkreuzzug teilgenommen.

mehr lesen

Kapitel 27

Ab 19. Februar 1216 Kloster Fulda im Gästehaus

 

Constanze hatte die erste Nacht seit langem wieder ruhig und ohne Fieber geschlafen. Ihre Tochter hatte wieder die ganze Nacht neben ihr verbracht. Am frühem Morgen kam Otto zu ihr ans Bett, schaute sich das bleiche Gesicht von Constanze an, weckte Marta, die neben dem Bett auf einem Hocker saß und die ihren Kopf auf das Bett gelegt hatte. Dankbar nahm sie Ottos Angebot an, sich zurückzuziehen und dass er nun bei der kranken Frau von Breitenbach bleiben würde.

 

Der Hauptmann der Wache des Klosters, Richard von Aichenheim, ein junger sehr fröhlicher Mann war ein Tierfreund. Er kümmerte sich mit großer Hingabe um die Pferde, Kühe und Ziegen des Klosters und besaß auch zwei bestens abgerichtete Hunde, die ihn ständig begleiteten. Als er von Gregor hörte, dass sie von einer Wölfin mit ihren beiden Jungen verfolgt wurden und von deren Aufmerksamkeit profitiert hatten, beschloss dieser Hauptmann, die Wölfe einzufangen. Er wollte die Bauern und ihre Tiere vor ihnen schützen und auch die Wölfe vor den Bauern.

 

mehr lesen