Kapitel 77

20. August 2016 Ferienwohnung des Gunnar Larson

 

Und wieder hatte man Briefe und Notizen gefunden. In der Presse stand nichts mehr davon, denn man stellte sich sicher zu recht die Frage, woher diese kamen. Das Kloster war doch schon so oft untersucht und renoviert worden und man war der Meinung, dass man alles gefunden hatte, was gefunden werden sollte.

 

Inzwischen war Larson schon so weit, dass er sogar Originale der Fundstücke bekam. Einer der archäologischen Mitarbeiter hatte bereits zwei weitere Briefe des Peter von und zu Bärental mit den Bemerkungen des Otto von Kraz an den anderen Mitarbeitern vorbei geschmuggelt und für einige hunderttausend Euro an Larson verkauft. Larson besaß also Kopien aller Briefe und Notizen und nun auch zwei Originale. Seine Assistentin war begeistert und besorgt, denn wenn man sie mit diesen Briefen erwischen würde, dann waren nicht nur Geldstrafen sicher, sondern auch Gefängnisstrafen. Aber was sie da zu lesen bekam, eröffnete auch bei ihr einen anderen Blickwinkel auf das Mittelalter, aber auch auf die Jetztzeit. Gunar Larson stellte immer wieder die Frage: „Was hat sich geändert, was unterscheidet den modernen Menschen von denen des Mittelalters?“ Ihm ging es an erster Stelle darum, die sozialen Entwicklungen der Gesellschaft zu betrachten, die nur möglich waren, wenn man den technischen, medizinischen und auch den Bildungsfortschritt mit in Betracht zog. War der moderne Mensch ein anderer als der aus dem Mittelalter?

 

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Kapitel 76

3. Juli 1216 Mitternacht am Neckar

 

Gregor von Büren, Otto von Kraz zu Wipplin und der Stauferbastard saßen alleine am Feuer, das man ihnen unterhalb der Felsen im kleinen Wäldchen gemacht hatte. Was ihnen von Otto, dem Staufer berichtet wurde, barg nichts Gutes. Der Braunschweiger schickte ihnen Söldner auf den Hals, um Unruhe zu stiften. Finanziert wurde das von Mailändern und vom Französischen König, das hatten sie von dem Kaufmann erfahren. Die Frage die sie sich stellten war einfach. Waren das alle, die hier für Unruhe sorgen sollten oder gab es noch mehr? Und was brachte es die Bauern und Kaufleute auszurauben? Der Adel konnte sich leicht wehren. Erschlugen sie die Bauern, dann gab es einfach ein paar weniger. Otto brachte aber ein, dass sie vor allem die Mühlen und Bauern, die Getreide angebaut hatten überfallen hatten, sie hatten selten wirklich reiche Bauernhöfe oder kleiner Burgen angegangen. Sie wollten eine Hungersnot auslösen. Aber auch die traf vor allem die Landbevölkerung und die Städte. Hungersnöte gab es schon öfters und es hatte sich nichts geändert. Also wer oder besser gesagt wie wollten sie Unruhen hervorrufen, die den Staufern schaden sollten?

 

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Kapitel 75

29.August 1216 im Morgengrauen am Stand

 

Bis auf einen hatte niemand Schlaf gefunden. Verwundete hatten geschrien bis sie vor Erschöpfung nicht mehr konnten oder der Tod hatte sie zum Schweigen brachte. Fast sechzig Tote hatte man auf das angeschlagene Langboot am Stand gelegt und man suchte immer noch nach Verletzten oder toten königlichen Kriegern.

 

Lomerson war verblutet und sein kleiner Bruder starb aus welchem Grund auch immer wenig später. War es der Kummer oder der Schmerz in seiner Seele, er starb ohne äußere Verletzungen. Die Bäuerin, die versucht hatte sich das Leben zu nehmen, indem sie sich in einen Stock geworfen und sich das Holz durch den Unterleib getrieben hatte, war ebenfalls tot. Aiva und Daina hatten überlebt, waren aber so in ihrem Schmerz, den ihnen ihre Seelen bereiteten gefangen, dass sie beiden kein Wort mehr sprachen. Alana hatte ihnen eine Trank bereitet, der sie schlafen ließ. Sasha, die Schwester des Simon lag bei den Verwundeten. Sie hatte viel Wasser geschluckt und eine tiefe Schnittwunde am Oberarm. Ihr Bruder war sehr besorgt um sie und kümmerte sich um alles, was notwendig war, um ihr zu helfen, dabei überließ es Claus von Olsen seinen Männern, Befehle zu erteilen.

 

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Kapitel 74

3. Juli 1216 später Nachmittag in den Neckarauen

 

Von den Steilhängen oberhalb des Wäldchens, wo sich das Lager der Plünderer befand, flogen kleinere Felsbrocken nach unten ins Lager. Das Laubwerk war nicht so dicht, wie es sich der eine oder andere gewünscht hätte. Pfeile wurden von oben geschossen und auch ein paar Speere folgten den Pfeilen und der eine oder andere unten wurde getroffen. Schlimmer waren aber die Steine, die man inzwischen nicht mehr direkt nach unten warf, sondern auf die Felswand, wo sich sehr viel loses Gestein befand und von der sich immer wieder Geröllmassen lösten und nach unten stürzten. Das trieb die letzten Männer, die sich dort sicher wähnten, nach draußen auf die Uferwiese.

 

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Kapitel 73

28. August 1216 später Nachmittag

 

Die Männer hatten gesehen, wie Peter Knut Swerson niedergestochen hatte und als dann auch noch Thore umfiel, war allen auf dem kleinen Drachen klar, dass der Kampf begonnen hatte. Aber die Männer des Königs hatten gebannt auf die vier Männer geschaut, deshalb konnten sie nicht schnell genug die Schilde hochhalten und so trafen doch ein paar Pfeile ihr Ziel. Peter und Claus erhoben sich und machten sich kampfbereit. Ihre Freunde waren schneller bei ihnen, als sich vor ihnen der kleine Schildwall bildete. Und immer wieder trafen die Pfeile - von der Düne her geschossen - ihr Ziel. Dann gingen die Blauzahnleute Schritt für Schritt vor.

 

Draußen versuchte eines der Drachenboote des Königs zu wenden, das andere dagegen ruderte in Richtung Strand. Ein paar Brandpfeile wurden auf das nahende Boot abgeschossen und sie trafen gut. Die Ruderer kamen durcheinander und so verfehlten sie die schmale Bucht zum Kiesstrand und blieben an einem Felsen fast dreißig Schritte vor dem Land hängen. Es sank nicht, aber es war zu weit vom Ufer entfernt, sodass man schwimmen musste, wenn man an Land kommen wollte.

 

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Kapitel 72

Sonntag 3. Juli 1216 Waiblingen

 

Nach der sehr frühen Messe machte sich die kleine Armee auf, um die Bande, die im Neckartal lagern sollte, zu bekämpfen. Otto von Kraz hatte dafür gesorgt, dass nur Otto von Steinfeld, Heinrich und Richard wussten, wohin der Kriegszug gehen sollte. Man wollte vermeiden, dass die Bande frühzeitig davon erfahren würde.

 

Zwei Tage vorher hatte Otto dem Stauferbastard berichtet, warum er Gefangene im Keller des Nachbarhauses hatten. Als der Herr von Kraz mit seinem Bericht endete, war Otto von Steinfeld so aufgebracht, dass er sofort losziehen wollte. Das beherzte Eingreifen von Constanze half, ihn schnell wieder zu beruhigen. Sie war so klug gewesen, ihr bestes Kleid anzuziehen, bevor sie ihm seit langem wieder begegnete. Und der so stolze und kräftige Ritter schmolz bei ihrem Anblick wie ein Eiszapfen im Sonnenlicht dahin. Die beiden merkten nicht, dass sie spät am Abend im großen Saal alleine waren, Otto hatte dafür gesorgt, dass sich alle langsam und heimlich zurückzogen. Selbst ihr Sohn Cristian, der unbedingt nach so langer Abwesenheit seiner Mutter viel zu erzählen hatte merkte, dass er nur stören konnte und zog sich mit seiner Schwester und den anderen jungen Menschen, die im Haushalt lebten, zurück.

 

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Kapitel 71

28. August 1216 am frühen Morgen bei Gnisvärd

 

Die Bande hatte sich ein sehr gutes Versteck ausgesucht. Eine kleine Düne mit einem vorgelagerten Wäldchen verdeckte ihre Anwesenheit vom Land aus. Wer von der See aus kam, musste in eine kleine enge Bucht einfahren. Das Feuer, das die Mörderbande entfacht hatte, konnte von Land aus nicht gesehen werden.

 

Claus von Olsen war mit zwei seiner besten Männer an das Lager herangeschlichen. Der Wachposten, den man aufgestellt hatte, stand keine zwanzig Schritte von ihnen entfernt, konnte sie aber weder sehen noch hören. Der Mond wurde immer wieder von Wolken bedeckt und der Wind rauschte so laut durch das Geäst und die Blätter des kleinen Wäldchens, dass man solche Geräusche, die die drei verursachten, nicht hören konnte. Claus musste einen seiner Männer zurückhalten, denn der wollte dem Wachposten die Kehle durchschneiden, aber irgendwann hätten es dann die Bewaffneten im Lager sicher bemerkt und wären gewarnt, dass sich die Blauzahnleute in der Nähe befanden. Nein, Claus wollte sie überraschen und auch die Frauen befreien.

 

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